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Der neue SPIEGEL und die Alternativmedizin

RWH

Themenstarter
Rudolf
Forumsunterstützer
Heilpraktiker
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Baden-Baden
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HP
Die "Skeptiker" in der SPIEGEL-Redaktion nutzen das Sommerloch zu einem Rundumschlag. Das Niveau des SPIEGELs nähert sich immer mehr der BILD-Zeitung an. Keine saubere Recherche mehr, statt dessen Halbseidenes und Wiedergekautes. Was man vorab schon lesen konnte (VHS usw.) spricht Bände.

http://www.spiegel.de/spiegel//index-14073.html
 
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Jakobe

Bekanntes Mitglied
Heilpraktiker
Standort
Leipzig
Status
HP
Was mich hin und wieder wundert oder mir fehlt (es ei denn, mir ist es entgangen, da ich den Spiegel und Co. mittlerweile auch meide) -
dass Patienten sich zu Wort melden oder zu Wort kommen. Tenor dieser momentan wieder verstärkt auftretenden Artikel
(evtl. Sommerloch, wie an anderer Stelle schon geschrieben stand) ist, dass die ahnungslosen Patienten vor der Alternativmedizin
geschützt werden müssen.

Zu mir in die Praxis kommen Menschen unterschiedlichen Alters, durchweg sehr gut informiert, gebildet (nicht medizinisch in der Regel - klar),
mit beiden Beinen im Leben stehend. Sie entscheiden sich ganz bewusst, einen HP aufzusuchen, mitunter ausschließlich, meistens ergänzend.
Sie machen auf mich keineswegs den Eindruck, als ob sie geschützt werden müssen, sondern dass sie sehr gut für sich entscheiden können.
Diese Menschen werden aus meiner Sicht entmündigt, aber ich lese leider nirgendwo ein Aufbegehren diesbezüglich.

Von schwarzen Schafen auch in unserer Branche (wie in so gut wie jeder) abgesehen, das ist wieder ein eigenes Thema .... .

Auch das gebetsmühlenartige Runterbrechen der alternativen Heilmethoden ausschließlich auf die Homöopathie, bei der Fülle weiterer
Therapiemöglichkeiten, verzerrt das Bild in der Öffentlichkeit. Und dann bezahlen das auch noch die Krankenkassen (eben auch nur die halbe Wahrheit); nun ja.
 

RWH

Themenstarter
Rudolf
Forumsunterstützer
Heilpraktiker
Standort
Baden-Baden
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HP
Ich wundere mich seit Jahren über die Entwicklung in den Medien. Mein Verdacht ist einfach, dass da eine Generation von jungen "Akademikern" in den Redaktionen sitzt, die universitär ausgebildet sind - und von vorneherein das "Dogma" der Wissenschaftlichkeit eingetrichtert bekommen haben. Aus meiner Zeit als Kommunikationstrainer (Rhetorik usw.) erinnere ich mich noch, mit welcher Arroganz Trainees (Hochschulabgänger, die innerbetrieblich auf ihre Tätigkeit vorbereitet wurden) auf beispielsweise ältere Kollegen herabblickten, die - ihrer Meinung nach - noch hinterm Mond lebten. So kommt mir das hier auch vor. Da herrscht eine unkritische Wissenschaftsgläubigkeit vor, die keinen Deut besser ist als, was so mancher Kollege an "Alternativgläubigkeit" auf die Beine stellt.

Vermutlich sind dann auch noch einige Skeptiker (GWUP & Co.) dabei, deren Grundeinstellung eine differenzierte Auseinandersetzung gar nicht zulässt. Es ist ja offensichtlich, dass es hier nicht um eine kritische Auseinandersetzung mit den diversen alternativen Methoden - von denen ich einige auch sehr fragwürdig halte - bedeutet, sondern um einen pauschalen Verriss. (Und dann wundern sie sich wieder, dass die Leute von "Fake News" reden und von "Mainstream-Medien"). Da sie gleichzeitig auch die Schulmedizin an die Wand stellen, bleibt den Laien letztlich gar nicht anderes übrig, als noch mehr im Internet zu recherchieren - und sich ihre eigene Therapie zu verordnen, die dann von niemand mehr überwacht wird.

Patienten nimmt in diesem Zusammenhang niemand ernst. Ich beobachte ab und an die SPIEGEL-Foren, wenn es um medizinische Themen geht. Da melden sich dann oft Leute und schreiben beispielsweise, dass ihnen Homöopathie bei diesem oder jenem geholfen hat. Darauf fallen die Wissenschaftsgläubigen sofort über diejenigen her und erklären ihnen mehr oder weniger süffisant, was ein Placebo-Effekt ist, nicht ohne einen kleinen Seitenhieb auf die geistigen Eigenschaften von Leuten, die an so einen Humbug glauben. Denn - merke - da die Homöopathie nicht funktionieren kann, kann sie auch nicht funktionieren. Immerhin war die Erde ja auch über viele Jahre eine Scheibe, weil man von einer Kugel ja runterfallen würde. War auch mal ein Dogma, das sich lange hielt.

Es ist doch mit Studien genauso: Da werden Studien gefordert bzw. es heißt, "für X gibt es keine Belege". Früher habe ich dann recherchiert und Studien angeschleppt. Dann wurde entweder die Qualität der Studien angezweifelt oder einfach gesagt: Naja, das ist jetzt mal ne Studie, aber es gibt ja andere, die was anderes aussagen. Und dann wurde einfach weiter behauptet, es gäbe für X keinerlei Belege. Es wurde einfach ignoriert, quasi als "unerklärliche Anomalie", was immer dann gerne vorgebracht wird, wenn etwas da ist, was aber nicht da sein dürfte. Und das wird dann auch nicht weiter erforscht, sondern schnell zu den Akten gelegt, damit es die weitere Vorgehensweise im Sinne der konditionierten Reflex-Denkweise nicht mehr stört. Nachdem mir das ein paarmal passiert ist, habe ich beschlossen, zukünftig keine Energie mehr da rein zu stecken. Wenn jemand nicht überzeugt werden will, kann man ihn auch nicht überzeugen. Wissenschaftsgläubige verhalten sich eben genauso wie andere Gläubige auch - nur keinen Zweifel zu lassen, dann müsste man ja wieder anfangen selber zu denken.
 

Jakobe

Bekanntes Mitglied
Heilpraktiker
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Leipzig
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HP
Ich wundere mich seit Jahren über die Entwicklung in den Medien. Mein Verdacht ist einfach, dass da eine Generation von jungen "Akademikern" in den Redaktionen sitzt, die universitär ausgebildet sind - und von vorneherein das "Dogma" der Wissenschaftlichkeit eingetrichtert bekommen haben. Aus meiner Zeit als Kommunikationstrainer (Rhetorik usw.) erinnere ich mich noch, mit welcher Arroganz Trainees (Hochschulabgänger, die innerbetrieblich auf ihre Tätigkeit vorbereitet wurden) auf beispielsweise ältere Kollegen herabblickten, die - ihrer Meinung nach - noch hinterm Mond lebten.
Oh ja - das kenn ich auch. Wenn es dann hart auf hart kam, war man jedoch meist froh, ein paar ältere, erfahrene Kollegen zu haben. Schade - beides könnte sich so gut ergänzen.


Patienten nimmt in diesem Zusammenhang niemand ernst. Ich beobachte ab und an die SPIEGEL-Foren, wenn es um medizinische Themen geht. Da melden sich dann oft Leute und schreiben beispielsweise, dass ihnen Homöopathie bei diesem oder jenem geholfen hat. Darauf fallen die Wissenschaftsgläubigen sofort über diejenigen her und erklären ihnen mehr oder weniger süffisant, was ein Placebo-Effekt ist, nicht ohne einen kleinen Seitenhieb auf die geistigen Eigenschaften von Leuten, die an so einen Humbug glauben. Denn - merke - da die Homöopathie nicht funktionieren kann, kann sie auch nicht funktionieren. Immerhin war die Erde ja auch über viele Jahre eine Scheibe, weil man von einer Kugel ja runterfallen würde. War auch mal ein Dogma, das sich lange hielt.
Ja, das kann gut sein und die Menschen halten sich dann lieber zurück, wenn sie so "runtergemacht" wurden.

"Denn - merke - da die Homöopathie nicht funktionieren kann, kann sie auch nicht funktionieren" :ROFLMAO:

Während meiner Ausbildung erklärte es ein Dozent mal so: Die Menschen haben auch schon Musik gehört, bevor sie die Schallwellen
entdeckt haben. Also - man konnte es bis zu einem gewissen Zeitpunkt nicht erklären, es war aber trotzdem da (die Menschen haben Musik gehört).
Fand ich seinerzeit ein ganz gutes Gleichnis (y)
 

Henry.H

HPP + Hypnotherapeut
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HPP
Menschen wollen an etwas glauben, oder auch nicht.

Ist die Existenz einer der vielen Götter der Weltreligionen bewiesen???

Wie solch ein theologischer Disput darüber kommt mir das vor. In dem Tenor solcher Diskussionen sind auch die unscharf formulierten Brocken, die dem Leser hier mal wieder zum Fraß vorgeworfen werden.

Jetzt hatte halt mal wieder ein Mitglied der anderen Meinungsgruppe das Wort.

Dass das zunehmend öfter passiert hat auch was mit Lobbyismus zu tun.

Wir tun also gut daran, uns zu fragen, wer davon profitiert. Oder profitieren will.

Dagegen sollte sich jegliche Argumentation richten, anstatt sich zu verteidigen.

Wer sich verteidigt, verliert letzendlich, weil unterstellt wird, dass es etwas - im Sinne von Schuld- zu verteidigen gibt.
 

Jochen Pippir

20/80
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Hört sich echt so an, als ob wir im Sommerloch angekommen sind.

Die erste Apotheke hat bereits Homöopathie aus dem Sortiment verbannt: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/08/17/apothekerin-schmeisst-homoeopathie-aus-der-sichtwahl

Nicht wegen dem obigen Artikel, sondern wegen der Hetze eines Arztes, welcher momentan seine ganze Energie darauf einsetzt. Aber vielleicht wollte die Apothekerin einfach auch nur mal den Medienhype ausnutzen. Ob es sich unterm Strich rechnet kommt auf.

Ein interessanter Artikel über Todesfälle von elf Babys nach Einsatz von Sildenafil bei Schwangeren gibt es übrigens ebenfalls beim Spiegel: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/niederlande-medikamenten-studie-mit-viagra-nach-tod-von-babys-abgebrochen-a-1220037.html

Etwas ausführlicher aufbereitet von Rene Gräber: https://naturheilt.com/blog/medikamentenstudie-nach-tod-von-babys-abgebrochen/
 

RWH

Themenstarter
Rudolf
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Baden-Baden
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HP
Ist die Existenz einer der vielen Götter der Weltreligionen bewiesen???
Nein, sonst könnte man sich ja über den "richtigen Glauben" oder "Unglauben" nicht mehr streiten. Auch Atheisten sind ja Gläubige, denn sie glauben an das "Nichts".

Wie solch ein theologischer Disput darüber kommt mir das vor.
Es IST ein theologischer Disput. In den Augen der Wissenschaftsgläubigen ist die Wissenschaft der einzige Gott, den man "anbeten" darf und dessen Lehren man zu folgen hat. Bisher galt: Wenn jemand nur Schulmedizin will, dann geht er eben zu einem Schulmediziner. Und wenn einer Alternativmedizin will, dann geht er zu einem Alternativmediziner. So ist das nun mal in einer pluralistischen, liberalen Gesellschaft.

Das führt natürlich zu einer kognitiven Dissonanz, wenn jemand anderes etwas anderes glaubt als ich, denn damit entsteht ja Zweifel an der Wahrheit meines Glaubens. Aber, die Verfassung garantiert die Freiheit der Glaubensausübung, auch wenn das zu "Bauchgrimmen" führt.

Aber das soll nun nicht mehr gelten. Nun sollen alle nur noch zu dem einzigen Gott beten müssen - der Wissenschaft bzw. dem, was die Gläubigen dafür halten.

Dabei ist diese Forderung höchst unwissenschaftlich. Wissenschaft beschreibt Modelle und Wirkungszusammenhänge innerhalb dieser Modelle. Aber sie beschreibt niemals umfassende Wirklichkeiten, denn die lassen sich wissenschaftlich gar nicht beschreiben. Es gibt kein vollständiges Modell der Wirklichkeit. Also ist die Forderung, nur die Wissenschaft anzuerkennen, letztlich die Forderung nach einer Tilgung von Wirklichkeiten, soweit diese sich nicht in wissenschaftlichen Modellen abbilden lassen.

Wir sehen das doch ständig in der Medizin: Da wird überprüft, ob der Wirkstoff X den Blutdruck senkt. Und weil er das tut, wird er als Arzneimittel zugelassen. Jahre später überprüft mal jemand (die Konkurrenz?), ob denn dadurch die Menschen auch länger leben (was ja der eigentliche Erfolg wäre) - und siehe da, es macht keinen Unterschied oder sie sterben sogar früher. Nur, inzwischen haben schon Hunderttausende das Zeug geschluckt, in der Hoffnung, damit ihre Sterbestunde hinausschieben zu können... Und mit dem nächsten Wirkstoff macht man es dann genauso. Immer steht was "Neues" parat, wenn das alte "entlarvt" wird oder die Patente auslaufen...

Kleine Ergänzung: Gerade las ich das Interview mit Edzard Ernst, dem "Vorzeige-Experten" (anscheinend findet der SPIEGEL keinen anderen oder Edzard Ernst wird als Konserve aufbewahrt...). Der wiederholt die typischen Argumente, warum er so gegen alles "Alternative" schießt: Die Menschen würden so das rationale Denken verlernen und irgendwann jeden Unsinn glauben und sich dann zu Gräueltaten verführen lassen" (Wer heute an Homöopathie glaubt, verbrennt morgen wieder Hexen...).

Da ist sie wieder, die Angst vor dem Irrationalen. Dabei: Die schlimmsten Gräueltaten der Neuzeit, wurden im Namen der Wissenschaft verübt (Mengele & Co.).
 
Zuletzt bearbeitet:

tigs

Tina
Teammitglied
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Ich wundere mich seit Jahren über die Entwicklung in den Medien.
ich mich nicht... :D für mich ist das ein "gut und bewusst inszeniertes Theaterspiel"
Mein Verdacht ist einfach, dass da eine Generation von jungen "Akademikern" in den Redaktionen sitzt, die universitär ausgebildet sind - und von vorneherein das "Dogma" der Wissenschaftlichkeit eingetrichtert bekommen haben.
:kopfkratz:
wenn ich mir die jungen Leute heute angucke, so sind die alles andere als wissenschafts- und dogmagläubig. Da pssen eher die momentanen Mittelalter hinein = 40 Jahre...
bleibt den Laien letztlich gar nicht anderes übrig, als noch mehr im Internet zu recherchieren
das ist eh ein Trend der Zeit - in allen Bereichen.
Ich vermute ja mal (habe ich schon woanders geäußert, dass es eher eine Gegenmaßnahme darstellt, die Selbstläufer, die unzufrieden mit der mainstream-GKV-finanzierten Medizin sind wieder "in die Spur zu bringen"
Die GWUPler halte ich für dem Randbereich der Gaußschen Verteilung zugehörig - laut aber sonst eben nur extrem.

Die Patienten von denen @Jakobe berichtet, fallen nicht darunter - viel mehr die unentschlossenen, die keine Eigenverantwortung übernehmen wollen (und nicht selber stundenlang recherchieren) sondern sich von einfachen Artikeln schnell überzeugen lassen.
Patienten nimmt in diesem Zusammenhang niemand ernst.
Darum geht es den Autoren auch nicht... das dumme und gemeine Volk hat zu REagieren und blind zu folgen und ja nichts in Frage zu stellen oder sich selber Gedanken über irgendetwas zu machen...
Die erste Apotheke hat bereits Homöopathie aus dem Sortiment verbannt:
:LOL::LOL::LOL:
Die Menschen würden so das rationale Denken verlernen und irgendwann jeden Unsinn glauben und sich dann zu Gräueltaten verführen lassen
:LOL::LOL::LOL:
Da ist sie wieder, die Angst vor dem Irrationalen. Dabei: Die schlimmsten Gräueltaten der Neuzeit, wurden im Namen der Wissenschaft verübt (Mengele & Co.).
stimmt absolut :(
 

DHO

Bekanntes Mitglied
Heilpraktiker
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Mittelfranken
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Hier ein Leserbrief von Gregor Kindelmann zum aktuellen Spiegelbericht.
Wurde leider im Spiegel nicht abgedruckt....


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Zum Beitrag im Spiegel: "Hokuspokus - Geld weg! Heiler, Gurus, Scharlatane: Der Boom der
Alternativmedizin"

Leserbrief von Herrn Kindelmann
Sehr geehrte Damen und Herren,
eigentlich war ich ja schon etwas abgestumpft ob der regelmäßigen unsachlichen
Berichterstattung über Homöopathie und anderer komplementärmedizinischer Verfahren und
wollte mir die Zeit sparen, mich damit auseinander zu setzen. Allerdings beschäftigen mich
doch einige Fragen, auf die Sie mir ja vielleicht Antworten geben können.
Wie üblich schreiben Sie in der aktuellen Titelgeschichte, dass es keine Studien gäbe, die
belegen würden, dass Homöopathie besser als Placebo wirkt. Da Frau Hackenbroch Medizin
studiert hat und zudem an der Nannen-Schule ausgebildet wurde, kann sie eine einfache
Literaturrecherche durchführen. Und diese sollte sie schnell zu dem Befund bringen, dass 7
von 9 Metastudien, die ja bekanntermaßen in der evidenzbasierten Medizin die höchste
Aussagekraft haben, einen Effekt belegen, der nicht mit Placebo vereinbar ist. Zwei Studien
behaupten anderes, wobei die Daten der Shang-Studie von Rutten reanalysiert wurden,
wodurch sich die Aussage umkehrte. Die verbleibende australische Studie sollte eigentlich Ihr
journalistisches Interesse wecken, da deren erste Version nicht veröffentlicht wurde und auch
auf Anfrage nicht veröffentlicht wird. Zudem gibt es noch andere Hinweise auf
unwissenschaftliches Vorgehen.
Darüber könnte man schon mal berichten, anstatt die gefühlt zehnte Version des immer gleich
schlecht recherchierten Artikels über Homöopathie im Allgemeinen zu veröffentlichen. Und wie
ist das eigentlich mit der Dokumentation? Sie hatten vor einiger Zeit eine Werbung, die auf
eben diese Abteilung ihres Verlages hingewiesen hat. Aber ich musste doch sehr schmunzeln,
und wunderte mich, warum nicht spätesten der Dokumentar sagt, „da gibt es schon diverse
Studien – dass kann man so nicht stehen lassen“. Kann er nicht? Soll er nicht? Will er nicht?
Das gleiche Vorgehen beim Thema Kosten. Ja, die eine Studie, die Sie erwähnen, kommt zu
dem Befund das Homöopathie-Patienten mehr Kosten verursachen (ohne allerdings auf die
Outcomes in den Vergleichsgruppen einzugehen), aber ein wesentlicher Teil der anderen
Studien zum gleichen Thema, wie z.B. die PEK Studie in der Schweiz, kommen genau zum
gegenteiligen Schluss bzw. bescheinigen eine Vergleichbarkeit der Kosten.
Warum stellen Sie die Aussagen nicht einander gegenüber? Warum stellen Sie die
Uneindeutigkeit der Studienlage, die es in der Homöopathie, wie auch in vielen anderen
Forschungsgebieten gibt, nicht dar?
Dass in Ihrem Artikel auch noch Verrat an den Prinzipien der Aufklärung beklagt wird, ist fast
schon lustig aber doch eher tragisch. Gerade diese Art der Berichterstattung, die
Informationen unterschlägt und verdreht; die versucht Ekel hervorzurufen indem willkürlich
einzelne unappetitliche Arzneigrundstoffe hervorgehoben; in der emotionale Betroffenheit
erzeugt werden soll, durch anekdotische Darstellung von Behandlungsfehlern, die im
konventionellen medizinischen Betrieb ebenso bzw. noch häufiger vorkommen; die eine
vermeintliche Überläuferin präsentiert, deren Verlangen nach Allmachtsgefühlen unbesehen
mit dem eigentlichen Thema vermengt werden – gerade das ist doch Verrat an eben diesen
Prinzipien.
Warum stellen Sie nicht die Studienlage dar wie sie ist und lassen die Leser in Sinne von
Kants Maxime des „Aude sapere“ selber denken und entscheiden. Oder sehen Sie sich in der
moralisch und intellektuell überlegenen Position die es gebietet, dass Sie vorgeben, was
richtig und falsch ist? Das hätte dann aber nichts mehr mit Aufklärung zu tun.
Nun könnte man sagen, na gut, es geht hier nur um Homöopathie bzw. andere CAM-
Heilmethoden. Aber woher weiß ich, dass in den anderen Ressorts nicht ebenso schlampig
oder tendenziös gearbeitet wird? Muss ich nun alle Aussagen überprüfen, weil sie ebenso
falsch sein könnten wie das obige Beispiel zur Studienlage? Bekomme ich bald zu lesen, „es
gibt bis heute keine Beweise für rechtsextremen Terrorismus“ oder, „es gibt keine Information
die systematischen Kindesmissbrauch durch die katholische Kirche belegen würden“, nur weil
es sich gut in eine Argumentationskette einfügt?
Die Art und Weise wie Sie hier agieren, beschädigt das Vertrauen in die Presse und fördert
stumpfe „Fake News“ und „Lügenpresse“ Rufe. Ist es das wert? Warum tun Sie das? Was
hindert Sie, die Werkzeuge, die Sie eigentlich zur Verfügung haben sollten, so zu nutzen, dass
der Leser sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen bedienen kann und so zu
seinen eigenen Schlüssen kommt?
Mit freundlichen Grüßen
Gregor Kindelmann
 

RWH

Themenstarter
Rudolf
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Heilpraktiker
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Baden-Baden
Status
HP
War klar, dass sie das nicht drucken..

Der SPIEGEL ist inzwischen zu einer "Bildzeitung für Leute mit (eingebildetem) Anspruch" geworden. Die Recherchen sind immer oberflächlicher und vermitteln stereotype Ansichten - aber mit Allgemeingültigkeitsanspruch. Ich weiß nicht, ob das einfach damit zusammen hängt, dass heute immer mehr und immer schneller "neue" Informationen gebracht werden müssen, so dass gar keine Zeit mehr für saubere journalistische Arbeit bleibt, oder ob man einfach durch Holzhammer-Thesen auf mehr Klicks setzt. (Only bad news are good news).

Ich hatte mal vor vielen Jahren (20?) auf einen negativen Artikel im Spiegel (ging auch um Homöopathie) einen Brief an die Wissenschaftsredaktion geschickt - und erhielt von der leitenden Redakteurin tatsächlich eine Antwort darauf. Da kam ganz klar rüber, dass sie schlicht der Meinung ist, Homöopathie ist Humbug - und selbst, wenn dann mal eine Studie was anderes beweisen würde, würde das nichts beweisen, weil es ja andere Studien gibt, die zu negativen Ergebnissen kämen. Also eine klassische (selbst)rekursive Schleife. Nach dem Motto: Homöopathie kann nicht funktionieren, daher sind Studien, die etwas anderes aussagen, vermutlich falsch oder schlecht. Nur Studien, die zu negativen Ergebnissen kommen, sind gute Studien. Was nicht sein darf, kann nicht sein...

Dagegen kann man nicht argumentieren. Denn zum Prozess der Überzeugung benötigt man die Bereitschaft, sich überzeugen zu lassen...

Man darf nicht der Illusion anhängen, dass Wissenschaftler grundsätzlich offenere Menschen sind. Es gibt solche natürlich, aber der Mainstream tickt eher in konditionierten Reflexen... Die Einsteins, Plancks et. al. hatten alle damit zu kämpfen, dass der dicke Bauch der Normalverteilung (das Mittelmaß) kein Interesse an bahnbrechenden Neuerungen hatte. Das ist in der Wissenschaft so, in der Medizin - und überhaupt in der menschlichen Gesellschaft. Wie heißt es so schön in der Werbung: "Ich will so bleiben, wie ich bin..."

Auf die Art erzeugen die Medien - und die Wissenschaft - genau den Effekt, den sie eigentlich fürchten: Die Leuten glauben ihnen nicht mehr.
 
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