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Grundsätzliches: Die Organe in der TCM

Dieses Thema im Forum "TCM" wurde erstellt von Stefan K., 19. Mai 2008.

  1. Stefan K.

    Stefan K. Mitglied Heilpraktiker

    Registriert seit:
    20. April 2008
    Status:
    HP
    Beim letzten Mal waren die fünf Wandlungsphasen dran: Holz, Feuer, Wasser, Erde, Metall und Wasser. Jetzt kommt Physiologie.

    Eine Anatomie im abendländisch-schulmedizinischen Sinne ist in der traditionellen orientalischen
    Medizin nebensächlich. Manche meinen, das läge daran, daß die Mediziner zur Zeit der Entstehung der TCM noch nicht die Mittel hatten den Menschen in der Art zu sezieren. Das ist nur zum Teil richtig. Viel wichtiger ist hierbei, daß eine solche Anatomie aus Sicht der TCM einfach irrelevant ist. Die traditionell chinesische Medizin ist eine energetische Medizin. Der Organismus in seine Bestandteile zerlegt kann nicht mehr als Anschauungsobjekt dienen, weil die energetischen Anteile unwiederbringlich zerstört sind. Die chinesische Physiologie denkt in Funktionskreisläufen, die nach Yin und Yang und nach den fünf Elementen arbeiten. Der Körper wird als „Landschaft“ gesehen.

    Dazu muß man zuerst mal die Sichtweise der Landschaft erläutern. Sie wird durch ein Ökosystem gekennzeichnet, in dem auch eine gewisse Form der Energetik eine Rolle spielt. Vom „Qi“ war ja schon mehrfach die Rede. Ebenso von den Begriffen „Yin“ und „Yang“. Mit diesen drei Fachausdrücken, die -wie schon beschrieben- nicht übersetzt werden können sondern einfach entweder hingenommen oder (im Sinne des Wortes) begriffen werden müssen, lassen sich die Vorgänge in einem Ökosystem erklären. Das Leben und Wachstum ist den Tages- (Tag=Yang; Nacht=Yin) und den Jahreszeiten unterworfen. Nach den auch schon ins Spiel gebrachten fünf Elementen kann man wie folgt klassifizieren:

    • Frühjahr (...oder Morgen): kleines Yang, Holz
    • Sommer (...oder Mittagszeit): großes Yang, Feuer
    • Herbst (oder Abend): kleines Yin, Metall
    • Winter (oder Nacht): großes Yin, Wasser

    Die Erde steht bei dieser Darstellung der fünf Elemente in der Mitte, um die sich alles dreht. Das ist die einfache Erklärung; es gibt auch noch kompliziertere (@gzs: 72+18... ;)). Die einfache Erklärung soll aber erstmal für ein allgemeines Verständnis reichen. Ferner sorgt das „Qi“ dafür, das sich bestimmte Formen der Landschaft ausbilden. Sei es nun ein Gebirge, ein Gewässer, eine Vegetation, ein Population menschlicher oder tierischer Natur oder was auch immer so eine Landschaft eben prägt ...bis hin zum Klima. Unter dieser Sichtweise (unter Vorwegnahme des Themas „Akupunktur“, die auf chinesisch „zhen-jiu“ - Stechen-und-Brennen heißt) läßt sich vielleicht auch besser begreifen, in welcher Art das menschliche Eingreifen in die „Landschaft“ unseres Planeten unser Ökosystem so verändert, wie wir es in dieser Zeit erleben. Eine Akupunktur ist auch in einer Landschaft möglich und wurde in China absichtlich (z.B. Setzen von Pagoden) durchgeführt. Auch hierzulande kennt oder kannte man „Qi-Leitbahnen“ in der Landschaft; sogenannte „Leylines“. Wir nehmen Einfluß auf diese durch Bebauung mit Gebäuden, Rundfunkmasten, Straßen, Eisenbahnlinien, Fabriken u.ä. . Feng-shui ist im Prinzip nicht viel anders als TCM an der Landschaft.

    In ähnlicher Art werden auch die Abläufe im Organismus gesehen. Die einzelnen Organe haben aus Sicht der TCM andere Aufgaben als das in der Sicht der Medizin westlicher Schule gelehrt wird. Bevor man das mißversteht: beide Sichtweisen haben ihre Daseinsberechtigung. Es sind beides gleichberechtigt Erklärungsmodelle, welche die „Wirklichkeit“ bestmöglich darzustellen versuchen und auf wissenschaftliche Art zu benutzen. Wissenschaftlich heißt: Dinge wahrnehmen, beobachten und aufzeichnen; daraus Schlüsse ziehen um dann diese Schlüsse folgerichtig und nutzbringend anzuwenden.

    Also Organe: Nach Yin und Yang aufgeteilt haben wir fünf parenchymatöse Organe und sechs Hohlorgane. Die Speicherorgane entsprechen der Leber, dem Herzen, der Milz/Pankreas-Einheit, der Lunge und den Nieren. Die sechs Hohlorgane sind namentlich die Gallenblase, der Dünndarm, der Magen, der Dickdarm, die Harnblase und ein Organ, das als „ohne Gestalt“ beschrieben wird: der „dreifache Erwärmer“ (Sanjiao). Hier hakt das westliche Verständnis. Aber in der chinesischen Tradition der Medizin wird dies als völlig selbstverständlich hingenommen. Der Sanjiao ist dafür zuständig, die Wärmeregulation für die physiologischen Abläufe bereitzustellen: im oberen Körperdrittel für die Befeuchtung (ähnlich einem Vernebler oder einer Berieselungsanlage), im mittleren Körperdrittel für die Reifung (wie in einem Kochtopf oder einem Gärkessel) und im unteren Drittel für die Kompostierung bzw. Ausscheidung (wie in einer Kläranlage oder einem Sumpf). Ein weiterer Punkt der befremdet: dem Herzen wird noch ein Schutzorgan zugeordnet. Das heißt auf chinesisch „Xin-Bao“ und bedeutet übersetzt „Herzhülle“. Deswegen nennen wir dieses Organ in der westlichen Übertragung der TCM „Perikard“. Aber das führt leider oft zu Mißverständnissen -ähnlich wie ja auch die fünf „Elemente“ besser als „Wandlungsphasen“ übersetzt werden würden. Oder die „Akupunktur-Meridiane“ als Leitbahnen. Aber so hat sich eben die Nomenklatur im Westen auch immerhin schon mindestens seit dem 15ten Jahrhundert herausgebildet und eine Umbenennung mißverständlicher Begriffe würde für noch mehr Verwirrung sorgen. Deswegen bleibt man besser dabei und muß sich eben (wenn man damit arbeiten möchte) daran gewöhnen. :)

    [Anm.: eine Richtung der TCM verwendet eine lateinisierte Nomenklatur, die maßgeblich von dem Arzt Dr. Manfred Porkert aufgestellt und publiziert wurde. Dadurch fällt es manchen Studierenden -speziell aus dem westlich-schulmedizinisch vorgebildeten Bereich- einfacher, sich mit den Begrifflichkeiten auseinanderzusetzen].

    Im Rahmen der Yin-Yang-Kategorisierung bilden je zwei Organe ein funktionelles Paar im Kreis der fünf Elemente: Das Herz als Yin-Organ mit dem Dünndarm als Yang in der Wandlungsphase Feuer, die Milz-Pankreas-Einheit mit dem Magen in der Wandlungsphase Erde, Lunge und Dickdarm im Metall, Niere und Harnblase im Wasser und Leber/Gallenblase vertreten das Holz-Element. Etwas aussen vor stehen Perikard und dreifacher Erwärmer als ein anderer Aspekt der Wandlungsphase Feuer. Das hat geschichtliche Gründe. Jedes Organ in dieser mehr energetischen Betrachtung hat bestimmte Aufgaben hinsichtlich der Lebensfunktionen. Es wird in Entsprechungen, Analogien gedacht: so hat beispielsweise die Leber (Wandlungsphase Holz, Farbe grün, Tageszeit Morgen, Jahreszeit Frühling) Bezug zu den Augen und ist unter anderem für die Sehkraft zuständig. Die Leber 'nährt' die Sehnen, Bänder und die Muskelkraft und speichert das Blut (die Körperflüssigkeiten werde ich nochmal gesondert abhandeln). Ihr wird die abstrakte Funktion „Fließen und Ausbreiten“ zugeordnet. Die Organe haben auch Bezug zu den Emotionen, als nehmen auch auf den psychischen Zustand Einfluß. Der Leber wird auf der emotionalen Ebene die Kontrolle über das Gefühl „Wut, Ärger“ zugeordnet. Also wird jemand, bei dem die Funktionen der Leber dem TCM-Verständnis nach in Ordnung sind gut mit seinen diesbezüglichen Emotionen umgehen können und „Ärger, Wut“ in angebrachten Situationen hervorbringen. Eine jähzornige Person hat aus Sicht der TCM ein Problem in diesem Funktionskreis. Wir kennen aus dem Volksmund auch solche Analogien. Als Choleriker wird jemand bezeichnet, dem des öfteren schonmal eine „Laus über die Leber läuft“ :D. Ein besonders trauriges Ereignis geht uns an „die Nieren“. So sieht es auch die TCM und ordnet das Gefühl „Trauer“ dem Funktionskreis Niere/Blase zu (...ähnlich erklärt ja auch die westliche Psychologie das Phänomen Bettnässen). Vor Schreck bleibt einem das Herz stehen oder es geht einem vor Freude auf und manche werden gelb vor (Futter)Neid. Wer in solchen Kategorien denken kann kommt der TCM schon sehr nahe. Andersherum hat eine extrem sanftmütige Person, die niemals richtig wütend sein kann und nichts ärgert (hier wieder „Leber“) keinen Mumm und es fehlt ihr an Spannkraft (ein „Schwächling“).

    Das Nachdenken hat in der TCM Bezug zum Funktionskreis Magen/Milz (Erde=die Mitte). Eine Person, die zuviel grübelt und deren Denken sich Gebetsmühlenartig immer um ein Thema dreht, die dieses Problem wieder und wieder durchkaut (Wiederkäuer *hihi*) und es nicht schafft es zu verdauen wird über kurz oder lang Magenprobleme bekommen und aus der Mitte geraten. Hier findet man auch die Erkrankungen aus den zyklothymen Formenkreis (Depression/Manie). Genauso kann es jemandem gehen, der zuviel lernt oder seine Arbeit „mit nach Hause“ nimmt. Berge von unbearbeiteten Akten türmen sich auf und man verliert so langsam den Überblick. Die Mahlzeit dieser Klientel besteht meistens aus sehr vielen Süßigkeiten (Schokoriegel, Kekse). Der Geschmack „Süß“ ist der Wandlungsphase Erde/Mitte zugeordnet und nimmt Einfluß auf diesen Funktionskreis. Die anderen Geschmackrichtungen sind :

    • Sauer= Holz (Leber/Gallenblase)
    • Bitter= Feuer (Herz/Dünndarm)
    • Scharf= Lunge/Dickdarm (Metall)
    • Salzig= Niere/Blase (Wasser)

    Die Diätetik der TCM nutzt diese Zuordnungen und wendet sie entsprechend der Harmoniemuster, die gestört sind bzw. unterstützt werden sollen, an. Eine Person mit einer Störung der Harmonie des Funktionskreises „Mitte“ (Magen/Milz) würde diätetisch damit geholfen werden, die Süßigkeiten aus Essen und Getränken wegzulassen und eher die Mitte dadurch zu stärken, indem man beispielsweise den der Mitte vorangestellten Funktionskreis „Feuer“ mit etwas bitteren aber auch „wärmenden“ Nahrungsmitteln unterstützt (Feuer nährt die Erde, siehe dazu das vorhergehende Skript). Weiterhin kann man die Mitte natürlich auch dadurch stärken, indem man „erdige“ Nahrungsmittel zu sich nimmt, die wiederum nicht zu süß sein dürfen. Ein schöner kräftiger Eintopf mit viel Wurzelgemüse kann hier gut helfen. Die Situation, daß jemand viel gedankliche Arbeit leisten muß kann ja meistens nicht abrupt abgeschafft werden, also muß die Mitte gestärkt werden. So kann der Mensch seine Lage aushalten ohne dabei Schaden zu nehmen . Jemand, dessen „Mitte“ bereits Schaden genommen hat, muß den Funktionskreis „Magen/Milz“ aufgebaut bekommen. Dem würde jeder westliche Arzt ebenfalls „Päppchen“ verschreiben: Haferschleim (bzw. Reis-Congees), Zwieback und ungesüßten Kräutertee.

    Eine Akupunktur bei dieser Person würde beispielsweise einige Punkte auf dem Magen-Meridian (besser als Fuß-Yangming bezeichnet) und auf dem Milz/Pankreas-Meridian (Fuß-Taiyin) ansprechen:


    Column 1 Column 2 Column 3 Column 4
    Ma21 beidseits („Liangmen“- „Balkentor“ oder „Porta septi“ bei Porkert)|Reguliert das Qi im mittleren Sanjiao harmonisiert Magen und Darm transformiert Nahrungstagnationen stärkt die Milzfunktionen[/SIZE]
    Ma25 („Tianshu“ - „himmlischer Angelpunkt“ oder „cardo caeli“) beidseits | lindert Magenschmerzen stärkt Milzfunktion[/SIZE]
    Ma36 als Fernpunkt („Zu-san-li“ - „Drei Meilen am Fuß“ „ vicus tertius pedis“)[/SIZE]|tonisiert Magen/Milz hebt das Qi und wird bei Erschöpfungszuständen aller Art immer gerne genommen
    [/SIZE]
    Mi6 („Sanyinjiao“ - „Treffpunkt der drei Yin“ oder „copulatio trium yin“ nach Porkert)|wird als allgemeines Yin bzw. Qi-Tonikum auch immer gerne dazugenommen.
    (ymmv)


    Als Kräuterrezept würde sich zum Beispiel das „Dekokt, das die Mitte tonisiert und das Qi vermehrt“ („Bu zhong yi qi tang“ oder als Pille „Bu zhong yi qi wan“) anbieten:


    • Radix Astragali (Huang Qi, Tragantwurzel) – stärkt Qi, führt Yang-Qi der Milz nach oben – 9 Teile
    • Radix Ginseng (Ren Shen) – Stärkt das Milz-Qi – 6 Teile
    • Rhizoma Atractylodis Macrocephalae (Bai Zhu) - Stärkt das Milz-Qi – 9 Teile
    • Rx. Glycyrrhizae Uralensis (Zhi Gan Cao, Süßholzwurzel) - Stärkt das Milz-Qi – 3 Teile
    • Rx. Angelicae Sinensis (Dang Gui, Angelikawurzel) – nährt und belebt das Blut – 6 Teile
    • Pericarpium Citri Reticulatae (Chen Pi, Zitronenschale) – reguliert den Qi-Fluß – 6 Teile
    • Rz. Cimicifugae (Sheng Ma, Silberkerze) – Assistent für Huang Qi (Rx. Astragali) – 3 Teile
    • Rx. Bupleuri (Chai Hu, Hasenohrwurzel) – Assistent für Huang Qi (Rx. Astragali) – 3 Teile
      m.f. Spec., dentur tales doses Nr. XXX


    Der Patient soll dann mindestens alle drei Tage einen Vorrat vorgegebener Menge davon zubereiten (wenn das Dekokt gewählt wird) und über einen verordneten Zeitraum -zB Schluckweise über den Tag verteilt (oder: dreimal täglich eine Tasse; je nach dem Einzelfall)- zu sich nehmen.

    Ferner kann mit dem Patienten im Rahmen des Diagnose/Therapie Gespräches eine Veränderung der Lebensweise sofern und inwieweit erforderlich besprochen werden.

    Dies -wie gesagt- nur beispielhaft. Eine genaue Diagnose (nach TCM-Kriterien; Thema folgt noch...) muß natürlich gestellt werden.

    Das war genug für dieses Mal zu der (in einem anderem thread gestellte) Frage wie eine ganzheitliche Therapie aussieht, wie ich sie mir vorstelle .


    Nach meinem Urlaub werde ich die Funktionskreise genauer unter die Lupe nehmen.

    Viele Grüße, Stefan

    ... tbc.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 20. Mai 2008
  2. rosabine

    rosabine Aktives Mitglied Heilpraktiker

    Registriert seit:
    20. November 2005
    Status:
    HP
    dann freue ich mich schon mal auf "nach Deinem Urlaub" viel Spaß.

    LG
    Sabine
     
  3. Nici

    Nici Aktives Mitglied

    Registriert seit:
    20. September 2007
    Status:
    HPA
    Hallo Stefan,
    ich möchte Dir jetzt einmal ganz herzlich danken für Deine Mühe und Dein Engagement :) :021: :006: :) .
     

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