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Thema: Labrador schnappt nach der Hand

  1. #1

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    Question Labrador schnappt nach der Hand

    Hallo ihr Lieben,
    ich melde mich jetzt mal in meiner (neuen) Eigenschaft als Hundebesitzerin. Wir haben letzte Woche unsere Mona bekommen. Sie ist ein knapp 2 Jahre junges Labrador-Mädchen, stammt aus Mallorca und wurde dort von einer Engländerin groß gezogen, aber dann abgegeben. Warum wissen wir nicht.

    Mona ist sehr lieb aber nicht gut erzogen. Wir müssen sie also manchmal in ihre Schranken weisen. Das mag sie nicht und schnappt dann auch schon mal nach der Hand, die sie am Halsband zurückzieht oder ähnliches. Ob sie richtig zubeißen würde weiß ich nicht, ich will es gar nicht versuchen und ziehe die Hand reflexartig weg .

    Frage ich nun mehrere Hundehalter nach deren Meinung dazu, erhalte ich mehrere Meinungen . Wie verhalte ich mich in einem solchen Fall? Manche Meinungen besagen, sofort hart durchgreifen (aber wie denn richtig?), andere Meinungen besagen, dem Hund Zeit zum eingewöhnen zu lassen (aber wie lange denn?) und was kommt danach? In die Hundeschule gehen wir, da werde ich beim nächsten mal auch achfragen. Was mache ich aber bis dahin? Hat jemand Erfahrung mit sowas?
    LG
    Gerti

  2. #2
    Hallo Gerti,

    mit dem Labrador-Mädel ist man offenbar nie konsequent umgegangen. Hunde sind ja Rudeltiere und müssen, wenn sie neu in eine Familie (ihr Rudel) kommen einen festen Platz in einer Hierarchie einnehmen. Wenn sie sich der Liebe der andern Rudel-Angehörigen (insbesondere der "Chefin") sicher sind, kann man so ziemlich alles mit ihnen machen und kann sich deren Loyalität sicher sein. Meine Meinung ist, daß der Mensch auf jeden Fall die Oberhand behalten muß und daß Schnappen nach der Hand oder auch nur Anknurren oder mal eben die Leftze hochziehen völlig inakzeptabel ist und die Hündin das merken muß. Wie Du das veranstaltest ist im Prinzip völlig egal und letztendlich Dir überlassen; Anmeckern reicht in den meisten Fällen. Je nachdem, wie charakterstark der Hund ist kann das aber auch schonmal bis zum Unterwerfen gehen, bei dem der Hund auf mit freier Kehle auf dem Rücken liegt und der Mensch (Rudelführer) über ihm steht oder kniet. Aber, wie gesagt. Anmeckern reicht in den meisten Fällen, zumal das Mädel mit zwei Jahren ja auch noch recht jung und formbar ist. Am besten niemals schlagen (...und wenn Du doch mal einen "Klaps" notwendig findest, dann muß der Grund für den Hund unmittelbar ersichtlich sein). Bestrafung, in welcher Form auch immer muß sofort erfolgen und darf auf keinen Fall in einer "nachtragenden Form" geschehen. Kurz und heftig ist besser als mild und stunden- oder tagelang. Das allerwichtigste ist jedenfalls, daß sie sich sicher sein muß, einen festen Platz in Deinem "Rudel" zu haben. Das funktioniert bei Hunden eigentlich immer über Fressen (bzw. Leckerchen). Ein fester Ort, wo ihr Freßnapf dauerhaft steht und ein Ort, wo sie sich anschließend ungestört ablegen kann geben ihr Sicherheit. Ein anderer Punkt, der zu beachten ist: im Wolfsrudel ist immer das älteste Weibchen die "Chefin", nach deren Pfeife alle tanzen müssen, die aber auch "delegieren" kann. Das kann zB. so aussehen, daß sie zuerst die Leine in der Hand hat und diese dann für den Hund deutlich sichtbar an eine andere Person aus dem Rudel übergibt. Der Hund weiß dann, daß dann diese Person für den Moment "das Sagen hat".

    Also, von mir würde sie "eins auf die Nase" bekommen, wenn sie das erste Mal nach mir schnappen würde. Das zweite Mal schnappen würde sie dann wahrscheinlich sehr viel verhaltener machen, was dann mit einem strengen Blick meinerseits quittiert werden würde. In der nächsten Situation, die ihr nicht paßt, würde sie wahrscheinlich gar nicht mehr schnappen sondern höchstens noch unwillig kurz grunzen. Das darf sie ruhig; ich grunze zurück.

    viel Spaß für Mona und für den Rest des "Rudels", Stefan

  3. #3

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    Hallo,

    also, das Umwerfen (auf den Rücken legen) sollte nur jemandem vorbehalten bleiben, der/die das auch wirklich kann. Denn wenn das nicht funktioniert, dann wird es mehr als schwer sein, den Hund von Deinen Rudelführerqualitäten zu überzeugen. Ausserdem sollte dies wirklich die allerletzte Konsequenz sein und schlagen ist völlig inakzeptabel und sie würde das Vertrauen verlieren, das am Anfang ja eh noch nicht so ausgeprägt ist.
    Es gibt da einige Dinge, die Du machen kannst, um Dir die Position des Rudelführer zu sichern und da geht Vieles übers Fressen (=Ressourcen). Eine Möglichkeit ist, den Hund in der nächsten Zeit nur noch aus der Hand zu füttern. DU bist der "Hüter" über das Futter und Hund darf nur fressen, wenn DU es erlaubst. Zweite Möglichkeit (mache ich mit meinen Hunden immer) Fressen hinstellen und der Hund darf erst auf Kommando fressen. Eine ähnliche Übung kann man mit einem Leckerlie auf der Hand machen: Hund sitzt vor Dir, Du Leckerchen in der Hand und hälst es dem Hund vor die Nase. Will er fressen, Hand zu machen und "nein" sagen. Das Spielchen solange machen, bis er erst auf Dein Kommando hin das Leckerchen nimmt.
    Was das Schnappen angeht: wenn es bestimmte Situationen sind, dann solltest Du die Auslöser für das Schnappen zunächst vermeiden und sie gar nicht erst provozieren. Tut sie es doch, dann ein kurzes scharfes Nein und im Anschluss gleich eine Übung machen, die sie gut macht und dann kräftig loben. Hund erzieht man nicht über Strafen, sondern über positive Verstärkungen. Sowohl Strafen (wenn denn nicht umgehbar), als auch das Loben muss im richtigen Augenblick geschehen, sonst setzt man eine falsche Verknüpfung.
    Unarten sollte man versuchen umzulenken. Wenn sie z.B. gerne Pferdeäppel frisst, dann ein kurzes scharfes Nein und im Anschluss etwas machen, was viel interessanter ist (z.B. Leckerlies in die andere Richtung werfen oder einen Ball oder sonstwas). So lernt sie, dass das was Frauchen macht ja viiieeel besser ist. Die Aktionen müssen immer von grosser Freude begleitet sein. Hunde lieben es, wenn Herrchen/Frauchen sich zum Affen machen. In einem Buch stand mal so schön: ...und freuen Sie sich. Wenn die Leute stehen bleiben und irritiert zu Ihnen blicken, dann haben Sie es richtig gemacht...
    Auch Situationen, wo Du ins Halsband greifen musst, lassen sich ggf. vermeiden. Entweder sie vorher an die Leine nehmen, dass Du so einwirken kannst, oder ihre Aufmerksamkeit durch andere Aktionen (z.B. Ball, Leckerchen, in die andere Richtung laufen usw.) auf Dich umlenken.
    Zeit zum Eingewöhnen heisst nicht, dass sie alles darf. Regeln müssen von anfang an bestehen und eingehalten werden, sonst erfährt sie nie die Führung, die sie braucht und wird sie selbst übernehmen.

    LG Marion

  4. #4
    ...jetzt habe ich vor lauter Selbstverständlichkeit das wichtigste vergessen zu schreiben. Ist mir erst durch Marions Posting aufgefallen: Loben ist natürlich das Wichtigste! Kann man ihr gar nicht oft genug sagen, was für eine Tolle, Liebe, Süße sie ist. Diese Sprache verstehen sie am besten

    Nie vergessen, daß sie uns nur eine kurze Zeit begleiten. Zehn Jahre sind ja nicht so viel.


  5. #5
    Themenstarter

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    Hallo und erst mal Danke Marion und Stefan. Ich lese eure Ratschläge mit Freude und werde sie umsetzen, so gut ich kann.

    Langsam beschleicht mich das Gefühl, dass sie ihre Vorbesitzerin nicht wirklich ernst genommen hat und sie vielleicht deshalb "weggeworfen" wurde. Ich lasse es nicht so weit kommen. Ich glaube, ich komme ihr hier nur mit Strenge bei. Das schnappen begrenzt sie nicht nur auf Situationen in denen sie geschimpft wird. Gestern kam ich vom radeln heim, habe das Rad abgestellt und sie hat mich freudig begrüßt. Ich hatte dann auf dem Weg zum Haus alle Hände voll (Regenjacke, Trinkflasche, Handy etc) und sei lief neben mir her, ist hochgesprungen, hat nach meinem Arm geschnappt, sich dann die Jacke geklaut und wollte mit dieser spielen . Der Versuch ihr das Teil wegzunehmen war extrem schwierig, weil ich ja immer noch die Hände voll hatte und sie hat auch hier weiterhin nach der Hand geschnappt und mir beim hochspringen gehörig die Oberschenkel verkratzt. Mein ziemlich lautes und (hoffentlich) energisches Pfui hat sie nur kurz zusammenzucken lassen (glaube ich zumindest), abgelassen hat sie aber nicht! Zum einen denke ich, dass es daran liegt, dass sie zwischen Spiel und Spaß nicht unterscheiden kann und zum anderen scheint sie mich nicht ernst zu nehmen, weil ich, wie ihre Vorbesitzerin, eine Frau bin.

    Ich hoffe auf Hilfe in der Hundeschule, aus Büchern und natürlich durch eure Ratschläge.
    LG Gerti

  6. #6

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    Dieses Hochspringen und Knappen ist eine Übersprungshandlung (sie weiss vor lauter Freude und Aufregung nicht, wohin mit ihrer Energie) und Aufforderung zum Spiel, auch dass sie die Jacke genommen hat und damit spielen wollte. Hinterherlaufen wird sie noch mehr animieren. Entweder ignorieren oder mit einem anderen Spielzeug von dem, was sie nicht nehmen soll, ab-, bzw. umlenken.
    Übrigens würde ich das Wort "Strenge" lieber mit dem Wort "Konsequenz" austauschen. Sie meint es ja offensichtlich nicht böse. Es hat ihr wohl aber noch nie jemand klar gemacht, dass ihr Verhalten bei Menschen nicht erwünscht ist. Mein kleines Teufelchen (Hovi) macht das auch ganz gerne, wenn sie überdreht ist. Dann nehme ich sie aus dem Spiel raus, mache Unterordnungsübungen oder lass sie vor mir absitzen und ich streichel sie und hol sie so wieder runter.
    Dein Hund muss lernen, wann es Zeit zum Spielen ist und wann nicht. Fordert sie Dich zum Spiel auf, dann ignoriere es oder gib ihr ein Kommando (z.B. Platz). Wenn sie sich wieder gibt, dann forderst DU sie zum Spiel auf und beendest es auch, bevor sie es beenden kann. So wird sie lernen, dass Spielzeit nur ist, wenn Du es willst.
    Labradore sind sehr agile Hunde. Das vergessen viele Menschen, die sich für diese Rasse entscheiden. Sie müssen ausgelastet sein, sonst suchen sie sich ihre eigene Beschäftigung. Dies darf natürlich nicht heissen, dass der Mensch zum Animateur seines Hundes wird, nein, aber er braucht eine Aufgabe.

    LG Marion

  7. #7
    Avatar von leesha
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    hallo, ich möchte mich auch mal gerne einklinken. ich habe eine goldie, da sie ja mit dem labrador verwandt ist, denke ich dass nicht so viel unterschied ist. ich bin leider auch nicht so konsequent und bin dankbar, dass mein mädel einfach so lieb ist, dass ich kaum eingreifen muss. wenn sie sich mal daneben benimmt, reicht es vollkommen, wenn ich sie kurz schimpfe, das ist etwas das sie gar nicht mag. anschließend gebe ich irgendein komando, das sie natürlich befolgt und dann lobe ich sie ausführlich. das mag sie wiederum sehr gerne. das sind eigentlich alle erziehungsmaßnahmen die wir ergreifen, ab und an mal schelte und sonst viel lob und liebe. sie dankt es uns ebenfalls mit sehr viel liebe.

    sie kam mit 6 monaten zu uns, der züchter wollte sie behalten zur zucht, sie ist inzwischen fast 5 jahre alt und hat noch keine babys. leider, aber ich denke es muss auch nicht unbedingt sein. ich hätte bestimmt probleme die kleinen dann ab zu geben und behalten könnte ich nicht alle. so haben wir es eben sein lassen.

  8. #8
    Hallo Gerti,

    einige sehr gute Vorschläge kamen hier schon von Stefan und Marion.

    Konsequenz ist der oberste Grundsatz, bei Verhaltensweisen die inakzeptabel sind, müssen diese korrigiert werden, je nach Ausgeprägtheit mit den mir möglichen Mitteln, immer Konsequent, sonst versteht es der Hund nicht.

    Das Schnappen ist zu korrigieren, ich würde auch so verfahren wie Stefan es sagte, einen deutlichen Klaps auf die Nase und eine Verneinung. (Besser als Pfui, da dieses auch die meisten auf der Straße probieren u. für meinen Hund bin ich verantwortlich.)
    Soltte sie es noch einmal versuchen,Verneinung, hört sie dann auf mit Schnappen, ruhiges Lob, hört sie nicht auf, Verneinung 1 sec Reaktionszeit- hört sie auf gut + Lob, hört sie nicht auf Klaps.

    Du könntest es in der Eingewöhnungsphase auch mit Ignorieren versuchen, dabei darf aber keinesfalls die Hand weggezogen werden, der Hund erreicht durch dieses Verhalten nichts. Das kann man nur vor Ort entscheiden, ob der Hund diese Zeit noch braucht.
    Hand wegziehen ist in jedem Fall die falsche Lösung.

    Anspringen kannst du auch einfach über runterschieben korrigieren, mit vorheriger Verneinung und ein Handzeichen dazu einbauen.

    Ansonsten ist die Vorstufe zum auf den Rücken legen, an der Halskrause schütteln.
    Jede Korrektur sollte sehr bewusst, ruhig, mit klarem Kopf durchgeführt werden.
    Emotionale Einwirkung löst/verstärkt emotionalen Streß des Hundes führt zu Angst o. Aggression, also kein gewünschter Lehrmeister, da auch aus Angst Aggression entstehen kann.

    LG Jürgen

  9. #9
    Themenstarter

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    Hallöchen,
    ich danke euch allen für die Ratschläge und möchte kurz über den weiteren Verlauf berichten.
    Mona ist jetzt seit drei Wochen bei uns und ich habe das Gefühl, dass sie sich von Tag zu Tag besser einlebt. Das Schnappen wird weniger, wir versuchen es zu ignorieren und gehen fleißig in die Hundeschule. Sie ist sehr lernfähig und für Leckerlies macht sie alles ! Außerdem merke ich, dass es nach einer Eingewöhnungszeit auch für den Mensch einfacher wird, das Verhalten des Hundes zu verstehen und gegebenenfalls zu korrigieren.
    Ich meide Situationen in denen Sie zu Überschußreaktionen neigt und versuche statt dessen kontruktiv (Sitz, Platz etc.) mit ihr zu üben. Das klappt und sie hat ihre geliebten Leckerlies
    LG und nochmals Danke
    Gerti

  10. #10
    HP und Trauerbegleiterin Avatar von Kim
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    Hallo Gerti!
    Meine Frage ist: Wie vermeidest du denn solche "Überschußreaktions-Situationen"?
    Ich bin keine THP, allerdings auch Tierhalterin (früher Hund, nun Kater) und ich denke, dass es wichtig ist, die Tiere auch an solche Situationen zu gewöhnen, und ihnen damit zu vermitteln, dass solche Situationen normal sind! Wenn du sie meidest, zeigst du damit im Prinzip ja, dass sie mit ihrer Reaktion Recht hatte. Und was passiert dann wenn diese Situation wieder auftaucht, ohne dass du es verhindern kannst?

    Ich denke, dass ist, wie wenn man mit dem Rauchen aufhört... auf keinen Fall sollte man andere Raucher oder Rauchsituationen meiden!
    Lieben Gruß, Kim

    Heilpraxis

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