
Geschichte:
Das Arabische Vollblut stammt aus dem Mittleren Osten. Es ist eine der ältesten Pferderassen der Welt – wenn nicht die älteste. Archäologische Beweise für die Existenz sehr ähnlich gebauter und aussehender Pferde reichen 4.500 Jahre zurück.
Im Lauf der Jahrhunderte hat sich die Rasse vom Mittleren Osten durch Kriege und Handel über die Welt verbreitet und viele andere Pferderassen mit seiner Schnelligkeit, seiner Ausdauer und seinen soliden Knochen veredelt. Heute findet sich in fast jedem modernen Reitpferd zumindest ein wenig arabisches Blut. Das Englische Vollblut geht sogar vollständig auf drei orientalische Hengste zurück, von denen mindestens einer ein Arabisches Vollblut gewesen sein soll (nach einer Studie gehen mindesten 95% aller heute im Stutbuch eingetragenen Hengste über das Y-Chromosom auf einen einzigen Gründerhengst – "Darley Arabian" - zurück).
Die Rasse kommt heute fast überall auf der Welt vor und es werden verschiedene Blutlinien (z.B: Polnische, Russische, Spanische, Agyptische etc.) unterschieden, die sich durchaus in Eignung und Exterieur voneinander unterscheiden. So gilt z.B. der Araber aus Spanischen Linien als eher "barock" im Körperbau, während Agypter eher feingliedrig und "feminin" wirken. Polen wiederum trifft man häufiger auf der Rennbahn und in bekannten Leistungslinien an.
Exterieur:
Gebäude:
Das Arabische Pferd ist ingesamt eine sehr edle, elegante und grazile Erscheinung. Besonders hervorzuheben ist sein kleiner Kopf mit der breiten, aufgewölbten Stirn (arab. jibbah). Meist verläuft das Nasenbein konkav (ein sogn. Hechtkopf). Sehr charakteristisch ist auch der hohe Schweifansatz und die zumeist gerade Kruppe. Oft werden Stuten versehentlich für Hengste gehalten, weil auch sie eine Art "Imponiergehabe" mit hoch erhobenem Schweif, den sie wie eine wehende Fahne präsentieren, und weit geblähten Nüstern zeigen.
Eine weitere Besonderheit ist die Anzahl der Wirbel. Der Vollblutaraber besitzt zumeist 17 Rippen, fünf Lendenwirbel und 15 Schweifwirbel, während andere Pferderassen 18 Rippen, sechs Lendenwirbel und 16-18 Schweifwirbel aufweisen. Das Stockmaß liegt zwischen 140 und 156 cm wird aber durch die Anforderungen der modernen Zucht auch zuweilen überschritten (bis ca. 160cm).
Desweiteren zeichnen ihn kleine, harte Hufe, trockene Beine, belastbare Sehnen aus. Die Nüstern können sehr weit "gestellt" werden, was für eine gute Luftzufuhr und lange Ausdauer sorgt.
Farben:
Es kommen Schimmel, Füchse, braune und Rappen vor (Häufigkeit der einzelnen Farben in dieser Reihenfolge). Abzeichen sind erlaubt, Schecken jedoch nicht. In letzter Zeit sind Kreuzungen mit bekannten "Farbrassen" wie Pintos oder Appaloosas in Mode gekommen. Diese Pferde weisen zuweilen einen Vollblutanteil von über 95% auf und stehen vollkommen im Typ des Arabischen Vollbluts – mit Ausnahme der Farbe.
Das Fell ist sehr fein und seidig. Bei entsprechender Eingewöhnung kann jedoch auch ein Wüstenpferd einen dicken Winterpelz entwickeln und durchaus robust gehalten werden. Viele Pferde ziehen es in harten Wintern aber durchaus vor die Nacht in einer gemütlichen Box zu verbringen.
Interieur:
Das Arabische Vollblut ist robust und genügsam, reagiert auf schlechte Behandlung jedoch sehr sensibel. Es will mit Respekt behandelt werden – Ungerechtigkeit nimmt es übel. Es gilt als sehr menschenbezogen und verträgt häufige Besitzer-/Reiterwechsel oft nicht sehr gut (das trifft besonders auf Hengste zu). Die Legende erzählt, dass die Beduinen ihre besonders wertvollen Kriegsstuten (Hengste galten als für den Kriegseinsatz ungeeignet) mit im Zelt der Familie schlafen ließen, um sie vor Witterung und Diebstahl zu schützen, und die Rasse dadurch diese Eigenschaft entwickelt hat. An Temperament mangelt es dem Arabischen Vollblut nicht. Oft wird es deswegen als neurotisches, überzüchtetes Nervenbündel abgestempelt, was jedoch in der Regel nicht zutrifft. Oft ist diese Meinung auf die rassebedingte Eigenschaft zurückzuführen, dass sich über unbekannte oder zu nahe kommende, unangenehme Dinge mit lautem Prusten durch die Nüstern (auch Teil des Imponiergehabes) "Luft gemacht" und auch mal der ein oder andere "Tanz" veranstaltet wird. Unter einem ruhigen Reiter, zu dem es Vertrauen hat, wird das Arabische Vollblut sich zwar erschrecken, vielleicht sogar aufregen, jedoch nur in den seltensten Fällen kopflos die Flucht ergreifen. Es bleibt immer beim Reiter und fordert von ihm eine Entscheidung was zu tun ist (vorausgesetzt die Cheffrage wurde zugunsten des Reiters geklärt).
Im Umgang ist es bei sachgemäßer Behandlung unkompliziert und sogar Hengste im Deckeinsatz können von Kindern ohne Probleme geritten und geführt werden.
Das Arabische Vollblut lernt schnell, will gefallen und alles richtig machen. Oft bieten diese Pferde, wenn sie nicht verstehen, was man von ihnen verlangt, alles an, was sie können, in der Hoffnung, das richtige wird schon dabei sein. Ihre Intelligenz kann bei zu wenig Beschäftigung zum Problem werden. Oft langweilen sich diese Pferde schnell und entwickeln allerlei Unarten und schlechte Angewohnheiten. Um das zu verhindern sollte man immer für genug abwechslungsreiche Beschäftigung und natürlich für genug Auslauf und Pferdegesellschaft sorgen.
Wegen seiner besonderen Eigenschaften wollen die meisten Menschen, die einmal einen Araber besessen haben, keine andere Pferderasse mehr. Ein oft ausgesprochener Satz von Araberbesitzern: Am Anfang sagte ich immer "bloß keinen Araber", heute sage ich "nie mehr etwas anderes".
Eignung:
Das Arabische Vollblut ist ein guter Allrounder. Es wird in einer Dressurprüfung nie die Gänge eines Deutschen Warmbluts zeigen oder im Springen gewaltige Höhen überwinden. Es ist jedoch nicht verwunderlich, dass es zur Veredlung fast aller heute anzutreffenden Reitpferderassen herangezogen wurde oder einzelne Rassen sogar begründet hat.
Durch seine außerordentliche Härte und Ausdauer sowie seine Leistungsbereitschaft werden das Arabische Vollblut und seine Kreuzungen gerne auf Distanzritten eingesetzt und führen die Ranglisten an. Als Freizeitpartner ist es für alle Arten der Reiterei einsetzbar. Mittlerweile gibt es ausgewiesenen Araberturniere – auch für westerngerittene Araber -, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen.
Rassetypische Erkrankungen:
Es gibt sechs bekannte, genetisch bedingte Erkrankungen der Rasse. Zwei sind tödlich, zwei sind nicht notwendigerweise tödlich, führen jedoch häufig zur Euthanasie des betroffenen Pferdes, und zwei sind behandelbar.
Severe Combined Immunodeficiency (SCID): Das betroffene Fohlen wird ohne Immunsystem geboren und stirbt gewöhnlich an einer einfachen Infektion innerhalb der ersten fünf Lebensmonate. Ein Gentest existiert und wird mittlerweile häufig benutzt. Pferde, die nicht Träger der Krankheit sind, werden meistens als „SCID-clear“ bezeichnet.
Cerebellar abiotrophy (CA or CCA): Das betroffene Fohlen wird häufig ohne Symptome geboren, entwickelt aber nach einer gewissen Zeit (ca. sechs Wochen nach der Geburt) Koordinationsstörungen, Kopftremor, steht sägebockartig und zeigt andere Symptome, die mit dem Absterben der Purkinjezellen in der Kleinhirnrinde einhergehen. Die Krankheit wird oft erst erkannt, nachdem das Fohlen in einen Zaun oder gegen einen Baum gerannt ist oder rückwärts überfällt. Manche Pferde zeigen nur wenig Symptome und können ein weitgehend normales Leben führen. Die meisten Pferde werden jedoch eingeschläfert, da die Gefahr zu groß ist, dass sie sich und andere schwer verletzen. Obwohl die Symptome von anderen neurologischen Erkrankungen unterscheidbar sind, kann nur durch eine Untersuchung des Gehirns nach der Euthanasie wirklich Sicherheit erlangt werden. Es existiert ein „indirekter“ DNA-Test, der nach Markern im Zusammenhang mit CA sucht.
Lavender Foal Syndrome (LFS), auch Coat Color Dilution Lethal (CCDL): Dieser Defekt trägt diesen Namen, weil er meistens mit einer Aufhellung der Haarspitzen oder des gesamten Haares des betroffenen Fohlens einhergeht. Die meisten Fohlen sind nach der Geburt nicht in der Lage aufzustehen, haben „epileptische“ Anfälle und werden gewöhnlich schon wenige Stunden nach der Geburt euthanasiert. Bisher gibt es keinen Gentest für diesen Defekt.
Occipital Atlanto-Axial Malformation (OAAM): Bei diesem Defekt „verschmelzen“ die Wirbel der Halswirbelsäule im Nacken und an der Schädelbasis. Die Symptome reichen von leichten Koordinationsstörungen bis hin zu Lähmungen der Vorder- und Hintergliedmaßen. Manche Fohlen sind nicht in der Lage zum Säugen aufzustehen, bei manchen wird der Defekt erst nach einigen Wochen erkannt. Diese Krankheit ist die einzige die Halswirbelsäule betreffende, die bei Pferden innerhalb des ersten Lebensmonats auftritt. Eine Röntgenuntersuchung ermöglicht eine Zweifelsfreie Diagnose. Es gibt keinen Gentest für diesen Defekt und seine Vererbung ist bisher weitgehend unerforscht.
Equine juvenile epilepsy: Dieser Defekt ist im Allgemeinen nicht tödlich. Normalerweise „verwächst“ sich die Erkrankung zwischen den 12 und 18 Monat. Betroffene Fohlen können erste Zeichen der Krankheit irgendwann zwischen der Geburt und sechs Monaten danach zeigen. Die Symptome können, falls nötig, mit traditionellen Medikamenten gegen Epilepsie behandelt werden. Obwohl der Defekt bereits seit 1985 untersucht wird, ist seine Vererbung weiterhin unklar. Einige Forscher gehen davon aus, dass der Defekt in irgendeiner Weise mit LFS in Verbindung steht, da beide Defekte in verwandten Blutlininen anzutreffen sind und manche Pferde Fohlen mit beiden Defekten gezeugt haben.
Guttural Pouch Tympany (GPT): Dieser Defekt manifestiert sich bei Fohlen irgendwann im ersten Lebensjahr und kommt öfter bei Stutfohlen als bei Hengstfohlen vor. Es besteht der Verdacht, dass dieser Defekt genetisch (wahrscheinlich durch mehrere Gene) hervorgerufen wird. Über seine Vererbung ist jedoch noch wenig bekannt. Er bewirkt, dass die Rachenöffnung der Eustachischen Röhre wie eine Einbahnstraße wirkt. Luft kann eindringen, aber nicht mehr entweichen. Der betroffene Kehlsack wird aufgebläht und es zeigt sich eine charakteristische schmerzlose „Schwellung“. Stark beeinträchtigte Pferde haben Atmengeräusche. Eine Behandlung erfolg chirurgisch und erfolgreich behandelte Pferde führen ein vollkommen normales Leben.
Ich könnte noch ganze Romane schreiben, aber ich denke, es ist erstmal genug![]()



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