PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zimt – Cinnamomum



rabenstein
13.10.06, 17:33
Zimt – Cinnamomum

Beschreibung

Der Echte Zimtbaum, auch Ceylon-Zimtbaum genannt, ist ein 6 bis 12 m hoher, immergrüner Baum mit bis zu 20 cm langen Blättern. Beim Zerreiben riechen die Blätter nelkenartig. Die kleinen, unscheinbaren Blüten sind in Rispen angeordnet, die Frucht ist beerenartig und wird vom Unterkelch bis zur Hälfte eingeschlossen.

Handelssorten

Zimt kommt in verschiedenen Formen in den Handel. Man unterscheidet nach der Herkunft
Ceylonesischen Zimt
Er kommt in Form von schlanken und zerbrechlichen Rollen aus papierdünnen Rindenschichten (sog. quills) in den Handel. Die Farbe ist hell rötlich-braun.
Indonesischen Zimt
Dieser ist wesentlich dicker (1 bis 3 mm) und daher auch weniger brüchig. Die Rollen sind äußerlich rotbraun, ähnlich wie bei der ceylonesischen Art, aber die Innenseite ist wesentlich dunkler grau-braun.
Chinesischen Zimt
Chinesischer oder Cassia-Zimt wird normalerweise nicht so sorgfältig geschält wie die vorigen beiden Arten; daher ist die Außenseite rauh, uneben und dunkelgrau. Ansatzstellen von Zweigen sind oft noch erkennbar. Obwohl die Rindenstücke sehr dick sind (3 mm bis 1 cm), sind sie sehr spröde; sie rollen sich nicht zu dünnen Stangen auf, sondern werden in kleinen Stücken mit unregelmäßiger Gestalt verkauft.
Vietnamesischen Zimt
(Saigon-Zimt) schließlich sieht ähnlich wie die chinesische Art aus, aber die Stücke sind kleiner und dünner; auf der Außenseite sind oft die Spuren von Flechtenbewuchs erkennbar.

Je nach Herkunft ist auch die Qualität sehr unterschiedlich
Indonesischer Zimt kommt den besten Handelssorten der von Ceylon-Zimt (Sri-Lanka-Zimt) schon recht nahe und wird tatsächlich oft als „Ceylon-Zimt“ (das den besseren Ruf und den höheren Preis hat) verkauft, vor allem im gemahlenen Zustand. Obwohl weitgehender Konsens besteht, daß Sri-Lanka-Zimt am besten schmeckt, werden die ceylonesische und die indonesische Art doch recht ähnlich beurteilt und gemeinsam weit über den chinesischen Zimt (Kassie, Cassia) gestellt; erstaunlicherweise ist Kassie aber in den USA die meistgehandelte Zimtsorte, obwohl viele US-Köche zum Backen auf Sri-Lanka-Zimt ausweichen. Kassia riecht gröber und dumpfer und fällt durch einen etwas bitter-adstringierenden Geschmack auf; außerdem enthält sie mehr Schleim. Der vietnamesische Zimt kann nicht leicht eingeschätzt werden; in Europa hat er zur Zeit einen schlechten Ruf.

Inhaltsstoffe

Die Zimtrinde enthält ein als Zimtöl bezeichnetes ätherisches Öl mit Zimtaldehyd als wertbestimmenden Anteil sowie Eugenol, Phenolcarbonsäuren, Gerb- und Schleimstoffe und insekticid wirkende Diterpene.

Verwendung

Zimtöl wirkt hemmend auf das Wachstum von Bakterien
und Pilzen, innerlich eingenommen wirkt es appetitanregend und motilitätsfördernd, d.h. es beschleunigt die Magen-Darm-Passage. Daher werden Zubereitungen aus der Zimtrinde bei leichten, krampfartigen Verdauungsbeschwerden mit Blähungen, bei Völlegefühl und zur Anregung des Appetits verwendet. In Arzneizubereitungen wird Zimt weniger als Wirkstoff, sondern meist zur Verbesserung des Geschmacks verwendet.
In einigen Untersuchungen konnte für Zimt ein blutzucker- und cholesterolsenkender Effekt nachgewiesen werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann eine Anwendung jedoch nicht empfohlen werden, da die richtige Dosierung und die Sicherheit einer langdauernden Einnahme noch unbekannt sind (s. Hinweis).
Gebräuchlich ist auch die Verwendung als Gewürz in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, als Zusatz zu Kaugummis sowie Zahnpasten, Mundwässern, Parfums und Seifen.

Hinweise

Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit anwenden!
Die Verwendung von Zimtrinde in Mengen, die als Gewürz oder in Lebensmittel üblich sind, ist aber unbedenklich. Nicht anwenden bei Magen- oder Darmgeschwüren oder Erkrankungen, bei denen eine vermehrte Säureproduktion des Magens unerwünscht ist!

Zimtöl enthält als mittelstark eingestufte Allergene (Zimtaldehyd, Thymol, Eugenol und Linalool) und kann vor allem bei äußerlicher Anwendung sensibilisierend wirken.

Mit Vorsicht anwenden bei bestehenden Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes!

In höheren Dosen wirkt die Zimtrinde erregend auf die Darm-, Herz- und Atemtätigkeit sowie der Schweißsekretion. Eine negative Auswirkung auf bestehende Herz-Kreislauferkrankungen kann daher bei der Verwendung von Zimtrinde als Arzneimittel nicht ausgeschlossen werden.
Zimtrinde kann die Empfindlichkeit gegenüber Insulin erhöhen. Diabetes ist eine ernste Erkrankung, die nicht im Rahmen einer Selbstmedikation behandelt werden sollte. Nehmen Sie Zimtpräparate nur auf Anraten ihres Arztes ein.

Aktuell ist Zimt ins Gerede gekommen, da in einigen Sorten, vor allem im billigeren chinesischen Zimt (Cassia- oder auch Lebensmittelzimt) erhöhte Cumarinwerte festgestellt wurden.
Cumarin ist ein natürlich vorkommender Aromastoff, den wir alle kennen. Die berühmte Waldmeisterbowle verdankt ihren ganz eigenen Geschmack dem Cumarin.

Cumarinderivate
Cumarinderivate gehören zu den wichtigsten Medikamenten zur "Blutverdünnung", genauer: zur Dämpfung der Gerinnungsneigung des Blutes bei Patienten mit erhöhtem Risiko, Blutgerinnsel zu bilden. Mehr als 2,7 Millionen Packungen dieser Medikamente mit den Wirkstoffen Phenprocoumon oder Warfarin werden jährlich in deutschen Apotheken abgegeben. Die Entwicklung dieser Medikamente geht auf eine Zufallsbeobachtung zurück: 1922 verendeten in den USA und in Kanada viele Kühe an inneren Blutungen, nachdem sie verfaulten Klee gefressen hatten. Jahrelang ging man dem Phänomen auf den Grund. Dann wurde eine Substanz, die beim Verfaulen von Heu entsteht, als Ursache dingfest gemacht. Größere Mengen davon heben die Gerinnungsfähigkeit des Blutes völlig auf, was zu den beobachteten Blutungen führt. Medizinern kam die Idee, dass sie sich ? vorsichtig dosiert ? als Medikament eignen könnten. Seit den 40er Jahren
wurden dann Abwandlungen davon, die Cumarinderivate, tatsächlich bei Patienten als Schutz gegen Blutgerinnsel eingesetzt; sie konnten seither viele Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern.
Cumarinderivate greifen in die Gerinnungskaskade ein, sie hemmen den Einbau von Vitamin K (Extrinsic-Faktor) und werden sowohl als lebensrettendes Medikament (Marcumar) als auch als Rattengift eingesetzt. Die Tiere verbluten innerlich.
Zimt in Weihnachtsplätzchen
Was da den Behörden solch große Sorgen macht, sind die Furanocumarine. Natürlich kommen sie vor zB in allen Bärenklau-Arten, in der Engelwurz, in Feigenblättern und auch im Liebstöckel. Furanocumarine sind sehr giftig.
In den billigeren Zimtsorten ist der Gehalt an Cumarinen, also auch an Furanocumarinen wesentlich höher als etwa im hochwertigen „Arzneizimt“, dem sog. Ceylon-Zimt. In der EU ist der Grenzwert für Lebensmittel festgelegt auf 2ppm (mg/kg). Man hat Gebäck gefunden, bei dem der Wert bei etwa 75 ppm lag.
Problematisch ist das ganze vor allem für Kleinkinder (gerade die naschen ja recht viel) aber auch für Erwachsene vor allem wenn die Leber schon vorgeschädigt ist.
Da Ceylon-Zimtbaum recht langsam wächst (im Gegensatz zu den anderen Zimtbaumarten) wird es sicher Engpässe geben, wenn der billigere Lebensmittelzimt vom Markt genommen wird. Betrug ist also vorprogramiert.
Fazit:
Zimt als Gewürz: kein Problem, als Zimtkapsel mit Vorsicht zu genießen (Rücksprache mit dem Arzt zwingend!)
Aber: keine Panik, ein paar Plätzchen dürfen es schon sein