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rabenstein
05.10.06, 12:54
Johanniskraut - Hypericum perforatum

Familie Hyperiaceae (Johanniskraut- oder Hartheugewächse)

Beschreibung

Johanniskraut ist eine ausdauernde, aufrechte, im oberen Teil ästig verzweigte Pflanze mit 20 bis 100 cm hoch wachsendem Stängel. Im Unterschied zu anderen Hypericum-Arten besitzen die Stängel des Johanniskraut zwei Längskanten und im durchscheinenden Licht vielfach perforiert erscheinende Blätter. Die goldgelben, unsymmetrischen Blüten fallen durch ihre zahlreichen, langen Staubblätter auf und bilden traubig zusammengesetzte Trugdolden. Beim Zerreiben der frischen Blüten, tritt ein dunkelroter Farbstoff aus.
Medizinisch verwendet wird das aus den frischen Blüten gewonnene Johannisöl und die kurz vor der Blüte geernteten und getrockneten Zweigspitzen (Kraut).

Herkunft:

Wildvorkommen in Europa und dem westlichen Asien.

Die Droge wird aus ost- und südosteuropäischen Ländern importiert

Synonyme:

Hartheu, Herrgottsblut, Hexenkraut, Johannisblut, Konradskraut, Manneskraft, Tüpfelhartheu, Walpurgiskraut

Anwendung:

Johanniskraut:
leichte bis mittelschwere Depressionen, psychovegetative Störungen, Angststörungen, nervös bedingte Unruhezustände
Johannisöl:
Verbrennungen, Verletzungen, Dermatitis, Innerlich: Verdauungsbeschwerden

Inhaltsstoffe

Johanniskraut enthält Flavon- und Flavonolverbindungen, z.B. Hyperosid, Xanthone, Naphthodianthrone, wie Hypericin und Pseudohypericin, Phloroglucine mit Hyperforin, ätherisches Öl und Catechingerbstoffe. Der Gehalt an einzelnen Inhaltsstoffen ist stark abhängig vom Entwicklungsstand der Pflanze und der Lichtexposition. So ist z.B. der Gehalt an Hypericin in Blüten und Knospen am höchsten, der Gehalt an Hyperforin dagegen in den reifen Früchten.
Das durch Ausziehen der Blüten mit fetten Ölen (Oliven-, Sonnenblumen- oder Weizenkeimöl) gewonnene Johannisöl (Rotöl) wird traditionell äußerlich zur Behandlung von Wunden, leichten Verbrennungen. Hautentzündungen und stumpfen Verletzungen verwendet. Innerlich genommen soll es bei Verdauungsbeschwerden helfen. Die Wirksamkeit ist jedoch nicht belegt. Für die leuchtend rubinrote Farbe werden Ölhypericine, die sich bei der Herstellung in Gegenwart von Licht und Wasser bilden, verantwortlich gemacht.
Zubereitungen aus dem Johanniskraut werden vielfach bei depressiver Verstimmung und damit in Zusammenhang auftretender nervöser Unruhe und Schlafstörungen angewandt. Die Wirksamkeit von hochdosierten Extrakten wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen nachgewiesen und zeigten im Vergleich zu herkömmlichen Antidepressiva eine weitaus bessere Verträglichkeit. Bei schweren Depressionen ist Johanniskraut allerdings unwirksam. Das genaue Wirkprinzip ist noch unbekannt, vermutlich sind mehrere Bestandteile des Extraktes an der stimmungsaufhellenden Wirkung beteiligt. Daher sind nur Präparate, die den Gesamtextrakt enthalten zu empfehlen. Ein Einfluss auf die Nervenbotenstoffe Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, GABA und Glutamat sowie eine modulierende Wirkung auf bestimmte Rezeptoren im Gehirn werden vermutet. Die früher für Hypericin postulierte Hemmung der Monoaminoxidase konnte zumindest im üblichen Dosisbereich nicht bestätigt werden.
Für Extrakte konnte im Laborversuch auch eine entzündungshemmende, antivirale und antibiotische Wirkung auf grampositive Bakterien gezeigt werden ohne daraus jedoch direkte therapeutische Empfehlungen ableiten zu können.
Anwendungsdauer:
Johanniskraut beeinflusst vor allem die Begleitsymptome einer Depression wie Schlafstörungen, Nervosität usw. positiv und wirkt stimmungsaufhellend, ohne jedoch selbst müde zu machen. Die Wirkung tritt allerdings erst allmählich ein. Bemerkt man nach einer Anwendung von zwei bis vier Wochen keine Besserung, sollte unbedingt ein Arzt zur weiteren Abklärung der Beschwerden aufgesucht werden.
Johanniskrautextrakte können die Wirkung anderer Arzneimittel beeinflussen!

Geschichte und Mythos

Johanniskraut (dem Täufer Johannes geweiht) ist das Hexenkraut schlechthin, daß natürlich in der Johannisnacht geerntet wurde.
Die vielen kleinen Löcher im Laub verdankt das Johanniskraut der Wut des Teufels. Der stellte einst, so erzählt eine Sage aus dem Saarland, einer Jungfrau nach und hatte sie fast in seiner Gewalt. Da setzte sich die Jungfrau in einen Busch des Krautes und sogleich war sie vor dem Teufel geschützt. Wutentbrannt rief der Verfolger: „Hartheu, du verfluchtes Kraut, du hast geraubt mir meine Braut” und stach wie toll auf die Blätter ein. In der „Chemnitzer Rockenphilosophie” heißt es: „Johanniskraut vertreibt hexen und teufel, daher dieser aus bosheit alle blätter mit der nadel durchsticht.” (Bei diesen Löchern handelt es sich um ölgefüllte Drüsenzellen.

Die "Blattnerven" werden als Nervensignatur gedeutet und zerreibt man eine Blüte zwischen den Fingern, so tritt blutroter Saft aus, Signatur für das Heilmittel gegen Blutarmut und Menstruationsbeschwerden. (Signaturpflanze) . Der Legende nach stand die Pflanze unter dem Kreuz Christi und jede Blüte fing einen Tropfen seines Blutes auf.

Obwohl Johanniskraut seit über 2000 Jahren medizinisch genutzt wird, ist die Anwendung als Antidepressivum erst seit Mitte des vorletzten Jahrhunderts bekannt. 1896 schreibt Erna M. Zimmer in ihrem "Kräutersegen", daß dieses Kraut aus der Sympathiemedizin "besonders aber auch da wächst, wo der Mensch einsam und sich selbst überlassen ist".

Als magisch wirkendes Kraut ist das Johanniskraut Bestandteil von Liebeszaubern, es soll das Böse bezwingen, reinigen und beruhigen.
Im Schlafzimmer aufgehängtes Johanniskraut soll Nachtmahre vertreiben, die als Erreger von Alpträumen gelten.

Auch gegen angezauberte Liebe soll es helfen. Um ihren Sohn von einer unerwünschten Liebe abzubringen, gab die Mutter etwas Johanniskraut in seine Schuhe. Nun mußte dieser aus dem Schuh noch Weißbier trinken, dann sollte die Liebe erloschen sein.

Eine Legende erzählt, wie Johannes durch das Kraut vor Nachstellung gerettet wurde. Verräter hatten zur Kennzeichnung seiner Wohnung dieses Kraut an sein Fenster gehängt. Aber als die Häscher kamen, ihn zu holen, erblühte es wundersam an allen Fenstern, und der Apostel war gerettet.

Die goldgelben Blüten stehen der Sonne und dem Himmel nahe, entsprechend wird es vom Teufel gemieden, es soll auch Unwetter und Blitz abwehren. Bei Zehmitz in Anhalt wütete schon mehrere Tage ein schweres Unwetter. Ein Ende schien nicht absehbar, als aus den Wolken eine Stimme grollte: „Ist denn keine einzig Frau, die da weiß von Harrenau?” Sogleich steckten die Zehmitzerinnen das Kraut an die Fenster und das Unwetter verzog sich.Gebinde aus Johanniskraut wurden auch in Süddeutschland und Teilen Österreichs als Schutz vor dem Blitz an die Fenster gehängt oder auf das Hausdach geworfen.