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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Koliken beim Pferd



Martina V.
15.08.08, 23:00
Hallo !
Ein Reitstallbesitzer bat mich um naturheilkundliche Tips bezüglich etwaiger Koliken seiner Pferde.
Bislang hat er die Pferde bewegt und die Tierärztin gerufen die dem entsprechenden Pferd dann eine Spritze gab (er weiß aber nicht was da drin ist).
Gibt es hier allgemeingültige naturheilkundliche Tips?
Die Ursachen können ja wohl mannigfaltig sein (Wetterwechsel, Streß, etc.).
Ich kenne mich da leider garnicht aus.
Beim Menschen hätte ich entsprechende Möglichkeiten .
Ich danke euch!

Wutzel
08.11.09, 11:51
Hallo Martina,
grundsätzlich halte ich es für sehr bedenklich, eine Kolik zu behandeln, ohne einen genauen Befund zu haben. Dieser wird u.a. mit Hilfe der rektalen Untersuchung erhoben.
Daher würde ich IMMER einen erfahrenen Behandler konsultieren ( i.d.Regel Tierarzt) Schulmedizinisch werden Pferde bei Kolik mit Buscopan und Novalgin, evtl. Finadyne behandelt. Wenn nötig, wird auch der Kreislauf unterstützt.Koliken werden durch verschiedene Ursachen ausgelöst. Das muß zwingend abgeklärt werden ( Z.B.Magenüberladung, Darmverlagerung) Daraus folgen dann die weiteren Behandlungen die der Tierarzt durchführt, wie z.B. Magen-Schlundsonde, Infusion etc.
In der Homöopathie gibt es 2 Arzneien, die eingesetzt werden können.Allerdings sollte man auch da wissen was man tut.
Magnesium phosphoricum D6 wirkt allgemein krampflösend ( Schüßler-Salz, heiße 7 ) und Nux vomica wirkt auf den Magen-Darm-Trakt z.B. bei Verstopfung (Anschoppungskolik )Aber niemals einsetzten wenn kein Kotdrang vorhanden ist. Und ich würde es beim Pferd nicht unter der D 12 empfehlen.
Eine dieser beiden Arzneien kann man einsetzten, bis der Tierarzt da ist, damit es nicht noch schlimmer wird, aber es sollte IMMER möglichst schnell eine genaue Abklärung erfolgen.

frisbee
08.11.09, 15:24
In der Homöopathie gibt es 2 Arzneien, die eingesetzt werden können.Allerdings sollte man auch da wissen was man tut.
Magnesium phosphoricum D6 wirkt allgemein krampflösend ( Schüßler-Salz, heiße 7 ) und Nux vomica wirkt auf den Magen-Darm-Trakt z.B. bei Verstopfung (Anschoppungskolik )

Nana...jetzt unterschätz mal nicht die Vielfalt der in Frage kommenden Mittel...;)
Je nach Ursache kämen auch Ars., Op., Plb., u.v.m. in Betracht kommen und wenn man dann noch die Modalitäten und Symptome hinzunimmt, die ja unterschiedlich sein können, noch viel mehr.
Ich hatte neulich und vor ein paar Jahren einen Fall, die Beide mit Carbo v. wieder auf die Beine kamen. Bei Beiden war der Kreislauf am Boden und ursächlich für die Kolik. Von daher kann fast jedes Mittel eine Kolik beseitigen.
Bei einer rektalen Untersuchung kann man eigentlich nur herausfinden, ob der Darm noch schiebt, ob Luft drin ist usw. , von daher ist eine rektale Untersuchung nur am Rande dazu geeignet eine Diagnose/Ursache zu stellen/finden.
Nichts desto trotz würde auch ich meist einen TA mit hinzuziehen, je nach Ausmass der Symptome. Bei Isländern allerdings deutlich früher, bzw. sofort, denn die neigen dazu erst im Spätstadium Symptome zu zeigen.

LG Marion

passiflora
08.11.09, 20:18
Hallo Ihr THPs,

mal ne Laienfrage, die mich schon länger beschäftigt zu dem Thema. Es interessiert mich einfach- will nicht behandeln oder so.
Grundsätzlich ist ja eine Abklärung der Ursache zwingend wichtig...kann man denn mit feucht-warmer Wärme/Bauchwickel an der Stelle was bewirken?

Vielen Dank schon mal für eure Antwort
passiflora

frisbee
08.11.09, 20:34
Hm...beim Pferd etwas schwierig, alleine schon wegen des Umfanges..., ausserdem sind die meisten Pferde bei Koliken mehr als unruhig, werfen sich hin, schlagen mit den Hufen gegen den Bauch usw. und alleine aus diesem Grund wäre es mehr als schwierig einem Pferd einen Bauchwickel anzulegen und im Winter im meist kalten Stall nicht wirklich anzuraten. Dazu kommt auch, dass die meisten Pferde dabei stark schwitzen und eine zusätzliche Wärmequelle eher kontraproduktiv wäre. Feuchte Bauchwickel macht man auch eher bei Leberbeschwerden bei Menschen.
LG Marion

passiflora
08.11.09, 21:09
Hallo Marion,

danke dir. Logisch, kann ich nachvollziehen:)

Liebe Grüße
passiflora

Wutzel
09.11.09, 00:43
Hallo Marion,
auch mir sind die in Frage kommenden Arzneien zur Behandlung von Kolik bekannt.Allerdings habe ich die Frage anders verstanden. Hier ging es m.M.n. um die Frage, was ein Tierbesitzer bis zum Eintreffen des Tierarztes tun kann - nicht um ein Seminar zum Thema Kolik und sämtlicher zur Verfügung stehender Arzneien.Damit wäre der - nicht vorgebildete - Tierbesitzer wahrscheinlich restlos überfordert.Beide Arzneien passen sehr häufig - wenn sie auch nicht immer eine vollständige Heilung bewirken können. Im Übrigen ist die rektale Untersuchung ein unerläßlicher Befund zur Beurteilung der Schwere der Kolik, um z.B. eine Verlagerung oder Drehung des Darmes festzustellen.
Liebe Grüße
Astrid

Sebat
09.11.09, 23:29
soweit ich weiss, soll das Pferd bewegt werden, bis der Tierarzt eintrifft. Am besten noch ne Decke drüber, damit es nicht auskühlt und nicht wälzen lassen.

frisbee
10.11.09, 08:26
In der Homöopathie gibt es 2 Arzneien, die eingesetzt werden können.Allerdings sollte man auch da wissen was man tut.


Hoppala....ich wollte Dir weder auf die Füsse treten, noch ein Seminar halten, wobei meine Bemerkung wohl doch ein recht kurzes Seminar darstellen würde... ;). Deine o.g. Aussage liess allerdings zunächst keinen anderen Schluss zu, als dass Du nur diese zwei Arnzneimittel in Betracht ziehst, alleine dies wollte ich richtig stellen. Aber mal ganz abgesehen davon, was nützt mir z.B. Nux v., wenn es z.B. eine Plumbum-Kolik ist, Nux also nicht angezeigt ist und keinerlei Wirkung zeigt. Dann doch lieber das passende Mittel.
Einen Volvolus oder eine Invagination usw. eines Pferdedarms kannst Du nur rektal ertasten, wenn sie in der Nähe sind. Der Arm ist nunmal recht kurz im Verhältnis zur Länge des Abdomens eines Pferdes.... ;). Und wie ich bereits geschrieben habe, kann man mit einer rektalen Untersuchung feststellen, ob der Darm noch nachschiebt oder nicht und das tut er nicht, wenn z.B. ein Verschluss vorliegt und ich glaube, das ist für eine Kolik schwer genug... ;), die Ursache kann jedoch oft (manchmal schon.....besser so? ;)) festgestellt werden.

LG Marion

Sebat
10.11.09, 20:53
Eben...woher will man wissen ob es ne leichte oder ne schwere Kolik ist? Wenn das Tier noch nie ne Kolik hatte, kann man die Unterscheidung von der äußerlichen Betrachtung ja gar nicht feststellen.

Kogla
10.11.09, 21:07
Vor allem: Ein Pferd kann eine schwere Kolik haben und hat trotzdem nur milde Anzeichen oder umgekehrt.
Wälzen sollte man das Pferd immer lassen, wenn es das möchte (aber dort wo Platz ist).
Außerdem Abschwitzdecke drauf und wenn es einigermaßen ruhig bleibt kann man auch rumführen. Wenn das Pferd lieber liegt, sollte man es auch nicht zum aufstehen zwingen.

@WurzeL: Ist eh komisch, wie unterschiedlich hier die genannten Mittel sind.
Bis auf Nux Vomica ist hier kein einziges genannt, dass ich als Notfallmittel für Kolik dabei habe oder Pferdehaltern empfehle. Aber so hat wohl jeder "seine" Mittel und die Erfahrungen damit gemacht. Deshalb könnte ich jetzt gar nichts gegen die genannten Mittel sagen, nur dass ich eben bei "meinen" Mitteln deutliche Verbesserungen bei den bisherigen Koliknotfällen erlebt habe.

Übrigends gilt IMMER (und nicht nur dann wenn es keine "leichte" Kolik mehr ist):
Tierarzt rufen, sofort!!!
Kolik ist eine lebensbedrohliche Situation für ein Pferd. Es kann in jeder Minute umschwanken in eine schwere Kolik und oft hängt es an Minuten wie früh die schulmedizinische Therapie begonnen wird, ob das Pferd das ganze überlebt oder nicht. Deshalb NIE NIE NIE erst mit der Selbstmedi anfangen und erst wenns brennt den TA rufen! Wenn man den TA gerufen hat, kann man mit Homöopathie helfen, ohne dass man dem TA in die Quere kommt.

frisbee
10.11.09, 21:11
Ja ich weiss, das diskutieren wir gerade auch in anderen Foren.
Ich persönlich lasse nicht wälzen, denn je nach Schmerzgrenze eines Pferdes ist das oft recht schwer auseinander zu halten, ob eine schwere oder leichte Kolik vorliegt. Wenn bei einer leichten Kolik schon eine leichte Aufgasung vorhanden ist, wäre ein Wälzen u.U. fatal.
Neenee, das ist mir alles zu heikel.
LG Marion

Wutzel
11.11.09, 12:41
@ Marion
Ich fühlte mir nicht auf den Fuß getreten, aber es ging ursächlich um die Frage "naturheilkundliche Tipps bei Kolik".
Die beiden Mittel, die ich empfahl, bringen nach meiner Erfahrung fast immer Linderung, manchmal sogar komplette Heilung der Kolik.
Nux v. u. Magn.phos. kann man ( fast )immer geben, ohne den Schaden zu vergrößern. Somit kann auch der Laie etwas damit anfangen bis der Tierarzt kommt.
Mehr war nicht gefragt.Darum habe ich mich nicht weiter zu diesem Thema ausgelassen.

@ Alle, die es interessiert:
Die tierärztliche Standartbehandlung bei Kolik: Buscopan comp.,( entspannt den Darm, weil es die Darmtätigkeit herabsetzt.In comp. ist Metamizol natrium = Novalgin, bereits enthalten) und: Novalgin ist ein schmerz - und entzündungshemmendes Medikament. Je nach Schule schwanken die Empfehlungen was die Menge betrifft.

@ Kogla:
Nux vomica kommt der Wirkung von Buscopan sehr nahe, weil es die Muskulatur( nicht nur ) des Darmes entspannt - aber nicht ruhigstellt, was ja die schönere Wirkung ist.Es passt fast immer. Magn. phos. wirkt allgemein krampflösend.
Und dann geht es weiter mit den Mitteln, die Marion aufgezählt hat. Alle haben ihren eigenen Wirkungskreis, passen aber eben nicht so häufig wie Nux vomica.
Ich habe vor Jahren einen Fall erlebt, der Dank Arsenicum album dem Pferd das Leben gerettet hat.Nach mehrfachem Besuch des Ta mit Busc., Nov, Polamivet,Sedi,Infusionen u.s.w. war keine Besserung eingetreten. Pferd sollte nach Meinung des TA euthanasiert werden, weil der Darm sich gedreht hatte. Allein auf die ängstliche Unruhe hin bekam er Arsenicum.Von diesem Moment an ging es bergauf, nach 2 Stunden war alles vorbei.Selbst die hartgesottenen Bereiter sprachen von einem "Wunder"...
Auch mit Opium konnte ich einem Pferd schon einmal sehr schnell helfen. Hartnäckige Verstopfung. Als der Tierarzt eine halbe Stunde später untersuchte kam ihm bei der rektalen US der breiige Kot entgegen.
Im Übrigen habe ich festgestellt, dass Pferde sehr wohl auch anzeigen, wo es weh tut.Man kann es daran erkennen, ob sie z.B. scharren oder stampfen, an der Art wie sie sich wälzen, ob sie auf dem Rücken liegen bleiben u.s.w. Darum lasse ich das Pferd im allgemeinen das tun, was es möchte (innerhalb gewisser Grenzen natürlich ) So kann es sich oft auch selbst eine gewisse Erleichterung verschaffen und gibt uns Hinweise.
Allerdings gehört - um Kolik zu behandeln -ein reichlicher Erfahrungsschatz dazu. Das ist der Grund, warum auch ich immer den TA hinzuziehen würde, Kolik ist schließlich deren tägliches Brot.