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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigene Therapie hinderlich?



Jam28
12.08.08, 13:03
Guten Morgen / Mittag,

im Zuge meiner Transaktionsanalyse-Ausbildung wurde uns immer wieder gesagt, dass es sehr wichtig ist, auch unsere eigene blinden Flecken zu beleuchten, damit wir sie nicht auf unsere Klienten / Patienten projizieren. Dies sollte einerseits durch Supervision, andererseits durch Selbsterfahrung/Therapie erfolgen. Wahrscheinlich haben viele Leute, die einen solchen Beruf ergreifen, selbst noch ein paar Leichen im Keller, sonst würden sie diese Arbeit wahrscheinlich nicht machen wollen. Aber mal angenommen, ein Prüfungsanwärter zum kleinen Heilpraktiker - in dem Fall ich - würde sich entscheiden, vor der Prüfung selbst noch mal ein paar Stunden Eigentherapie zu machen und sich das von der Kasse bezahlen zu lassen - wäre diese Eigentherapie dann evtl. hinderlich für die Zulassung zum HP? Denn man muss ja nachweisen, dass man körperlich und psychisch gesund ist. Wie definiert sich Gesundheit aus Sicht der Prüfungsstelle? Ist es aus deren Sicht noch gesund, an manchen Stellen seines Alltags neurotisch drauf zu sein und, um damit leichter zurecht zu kommen, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen? Hat damit jemand Erfahrungen?

Liebe Grüße
Björn

Hildegard
12.08.08, 13:26
Hallo Björn,

also eine "eigene Therapie" zu machen kann im Hinblick auf deine spätere Tätigkeit (unter einer bestimmten Bedingung) von Vorteil sein und ich denke auch, dass es kein Problem sein wird zur Prüfung zugelassen zu werden. Das mit den Bescheinigungen des Arztes, die man bei der Anmeldung vorlegen muss, das ist eine weniger detaillierte Angelegenheit, als die meisten Prüflinge hier annehmen. Das fällt mir bei vielen Posts hier auf, dass die Anwärter einen Heidenrespekt vor dieser "Bescheinigung" haben. Es stehen weder Diagnosen, noch gemachte Psychotherapien drin, oft ist es nur ein Satz, oder nur was zum ankreuzen!

Davon solltest du es nicht abhängig machen, ob du eine Therapie machst, wenn du allerdings nicht krank bist und auch keinerlei Leidensdruck verspürst, eine für dich wichtige Sache verändern zu wollen, dann ist in meinem Augen auch eine Therapie nicht sinnvoll. Ein Veränderungswunsch, ein echtes Anliegen ist für jede Therapie unabdingbar, man macht sie nicht einfach nur so, weil man eventuell "Leichen im Keller" hat. Ansonsten wäre es Supervision/Selbsterfahrung und das geht nicht über Krankenkasse. Was auch berücksichtigt werden sollte: Eine PT in der eigenen Krankenakte bei der Krankenkasse macht die Wahrscheinlichkeit eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen zu können, sehr gering. Das war schon für mehrere Klineten von mir, die über diesen Umstand informiert waren, ein Grund mich zu bitten, nicht mit der Psychotherpaie-Ziffer zu arbeiten. Bei einer Entscheidung "Therapie ja oder nein?" finde ich sollten all diese Dinge mit berücksichtigt werden.

apolin
15.08.08, 00:06
Hallo Björn,

also, wenn es sich wirklich nur um "ein paar Stunden" vor der HP-Prüfung handelt , dann kannst Du die doch sicherheitshalber auch nach der Prüfung machen, oder ???

Lieber Gruß

apolin

britta
15.08.08, 11:19
Ich glaube nicht das eine Therapie hinderlich ist - im Gegenteil, das bedeutet ja das du in der Lage bist dir selbst Hilfe zu holen wenn es nötig ist. Wenn du trotzdem sicher gehen willst, ruf beim Gesundheitsamt an und frag einfach - und/oder verhandel mit dem Therapeuten über die Diagnosestellung die für die Krankenkasse angegeben wird.

Sybille
15.08.08, 14:17
Hallo Björn,
schön, mal wieder von Dir zu lesen.
Was die Bescheinigung angeht, hat Hildegard Recht!! Da brauchst Du Dir keinen Kopp machen, falls Du eine Therapie angehst.

Ich seh es aber eher so, wenn du den Gedanken schon aufgreifst, solltest du ruhig mal eine angehen (im ärztlichen Studium, glaube ich, sogar ein MUSS).
Es kann auch sein, wenn jemand mal eine Therapie in Augenschein nimmt, ohne für ihn erkennbaren Auslöser/Beschwerden, so kann sie doch angezeigt sein. Es kann auch etwas schlummern, was uns noch gar nicht bewußt ist;), und vielleicht bringt dein Unterbewußtsein die Möglichkeit einer therapie bewußt in deinen Kopf:D

Ich würde ein klares PRO für deine angedachte Therapie aussprechen.:)
Liebe Grüße
Sybille

gratia
17.08.08, 19:28
Also, ich bin in Therapie und habe mich ganz bewusst dafür entschieden. Die ärztliche Bescheinigung für die Prüfung habe ich trotzdem von meinem Hausarzt erteilt bekommen, der mich aufgrund meines Wunsches zu meinen Professor für Psychotherapie hin überwiesen hat. Seit einem Autounfall hatte ich Panik ein bewegbares Fahrzeug zu lenken und ganz nebenbei seit meiner Kindheit schreckliche Prüfung,- und Zahnarztangst. Das tolle an der Therapie ist, dass ich Erfahrungen sammeln darf, die mich überzeugen, dass ich mich richtig für diese Ausbildung entschieden habe und ich froh bin über meinen Schatten gesprungen zu sein, einfach eine Therapie zu beantragen und diese auch durch zu ziehen. Ich lerne soviel dabei – z.B. Entspannung mit Training, Training, Training…. Für mich und später auch für meine Klienten, sokratischer Dialog…. Mit mir und später auch für meine Klienten usw., usw., . Ich habe persönlich soviel erreicht, ich fahre wieder Auto (in zwei Wochen sogar nach Sizilien und zurück – einfach Freunde besuchen), ich habe meine Prüfung gemacht (leider durchgefallen – is mir so was von Wurst – die nächste schaff ich garantiert) und würde tatsächlich jedem raten, der wie er meint „ eine Leiche im Keller zu haben“ eine Therapie zu machen, damit er den Anforderungen eines sozialen Berufes gerecht werden kann. Ich hatte die gleichen Bedenken, die Du auch hast und kann Dir allerdings nur aufgrund o.g. subjektiver Erlebnisse dazu raten. Mein Hausarzt hat auf alle Fälle nicht mit der Wimper gezuckt die Bestätigung für das Gesundheitsamt zu schreiben und mir ganz deutlich dazu geraten auf alle Fälle Heilpraktikerin zu werden.
Fazit: Mach eine Therapie, wenn Du eigenverantwortlich bist und tatsächlich „eine Leiche im Keller hast“. Es kann Dich nur bereichern, aber nicht schaden. LG

Adele
22.10.08, 21:49
Hallo Björn,
bin zwar neu im Forum, möchte aber trotzdem meinen Senf dazu geben.
Bezüglich des Gesundheitscheck für die Prüfung brauchst Du Dir keine Gedanken zu machen, zumal Du ja eh nur von Neurosen sprachst. :-)
Ich weiß zwar nicht, in welchem Umfang Deine Therapie laufen soll, mit dem richtigen Therapeuten - immer hilfreich. Sie ist nicht nur eine Hilfe, um Deine Baustellen zu bearbeiten, sondern auch, die damit verbundenen Prozesse in ein neues Bewußtsein wahrzunehmen. Das wiederum hilft Dir Patienten mit ähnlichen Themen aus diesen hinauszuführen.
Außerdem ist eine ständige Selbstreflexion in unserem Beruf Pflicht!
Aber auch ich rate Dir, wenn´s bis zur Prüfung nicht mehr so weit hin ist, damit im Anschluß zu beginnen. So kannst Du Dich erst mal auf´s Lernen konzentrieren, dann auf die Selbstreflexion. Da wird genug losgetreten. Ich gratuliere Dir zu Deiner Entscheidung.
LG Adele

Bärbel
05.11.08, 20:22
Hallo Björn.
Du kannst das ganze natürlich auch positiv als "Clearing" verkaufen, das dürfte wirklich Anklang finden.
Hattest du schon mal eine Therapie? Es ist meist mit langen Wartezeiten verbunden, wenn man eine Therapie über die Krankenkasse machen möchte. Notfälle kommen auch schneller dran, aber ich habe hier vor Ort durchaus zu hören bekommen: Warteliste von 2 Jahren ...
Und ich dachte auch, mal eben ein paar Stunden, reicht schon, habe ja schon viel gemacht in Selbsterfahrung ...
Es hat mir viel Spaß gemacht, immer mehr Zusammenhänge zu entdecken und hatte wirklich einen ganz tollen Therapeuten. Für mich war es eine gute Entscheidung. und wie vorher schon geschrieben wurde, man lernt unheimlich viel über die zukünftige Arbeit.
Viele Grüße
Bärbel

Minni
29.12.08, 00:11
Hallo,

ich bin der Meinung, dass es Voraussetzung sein sollte, wenn man therapeutisch arbeiten möchte, vorher eine eigene Therapie zu machen.
Und zwar aus folgenden Gründen:
-man sollte wissen, wie man sich in der 'Patientenrolle' fühlt
-man sollte seine blinden Flecken bearbeiten, die wir alle haben und sonstige Probleme aufarbeiten
Ansonsten müsst ihr auf die mögliche Aussage eines Klienten "sie wissen ja gar nicht wie das ist" antworten oder zumindest denken....ja da habe sie wol recht, ich hab nie eine Therapie gemacht...
Für mich wäre ein solcher Therapeut nicht tragbar, der meint, er bräuchte keine eigene Therapie.

VG

Minni