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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage an die Experten/Metastasen



nadja
21.09.06, 22:46
Woran erkennt man eigentlich eine Metastase bzw. Lymphknotenmetastase? Wie geht man differential diagnostisch vor? Gibt es da bestimmte Ansatzpunkte, dass man mit relativer Sicherheit sagen kann, dass eine Metastesierung vorliegt, selbst wenn noch kein Primärtumor nachgewiesen werden konnte?
Habe einen aktuellen Fall in der Familie und bin deswegen für jede Antwort sehr dankbar. In der Fachliteratur habe ich leider keine ausführlichen Infos dazu gefunden, das Googeln bringt auch nicht viel mehr, zumindest keine Bilder und keine Hinweise hinsichtlich der Differenzialdiagnostik.
LG
Nadja

Spagyria
21.09.06, 23:47
Hallo Nadja,
ist nicht so mein Spezialgebiet, aber bei meinem Opa wurde auch eine Metastase in der Leber gefunden, und die Aerzte sind sicher dass es eine Metastase ist. Da er schon 80 ist haben sie noch nicht mal nach dem Haupttumor gesucht, weil sie sagen in dem Alter waechst Krebs so langsam, dass er vorher an Altersschwaeche stirbt. Das ist jedoch die Aussage meines Opas, habe nicht selbst mit den Aerzten gesprochen.

gila
22.09.06, 08:00
Liebe Nadja,

zur Zeit gibt es noch keine eindeutige Studie, nach der Metastasen vom Haupttumor differenziert werden koennen.
Alle Ueberlegungen und praktischen Ausfuehrungen in der Onkologie, beruhen immer noch auf Baobachtungen, die dann eine prozentual grosse Vermutung zulassen duerften!?

Die Vermutung einer Streuung, sprich Metastase, liegt bestimmt in der Diagnose, wenn der Arzt/Onkologe differenzialdiagnostisch eine lymphogene oder eine haematogene " Bewegung/Streuung " diagnostizieren kann.

Ist der Haupttumor selbst noch nicht lokalisiert, doch man findet z.B regionaere Lymphknoten die manifestieren, haben man wahrschienlich ein anderes Blutbild, als wenn er auf dem Haematogenen Weg gestreut hat.

Anhand der Tumographie oder PET, kann man doch den Koerper ziemlich unter die Lupe nehmen und ich denke, dass wenn man dann mehrere Koerperstellen findet, die eine Praesenz aufzeigen, kann man evtl. Schluesse ziehen.

Viele Tumorarten, streuen generell in " bevorzugte Gebiete !"
Ich bin kein Onkologe und deshalb weiss ich nicht, ob die Zellart der Metastase ( Mitose ) Abweichungen, gegenueber des Haupttumors aufweisst oder ob es ein echter " Klon " ist?

Hoffentlich kann es fuer Dein Familienmitglied bald abgeklaert werden, um somit die wichtigsten Schritte einleiten zu koennen.

Liebe Gruesse Gila :)

nadja
22.09.06, 08:36
Vielen Dank für Eure Antworten!!!
Es geht um meine Schwiegermutter, die hat seit ein paar Tagen eine gut abgegrenzte Schwellung vor dem linken Ohr in der Größe eines kleinen Hühnereis mit zyanotischer Verfärbung, wobei ihr diese Schwellung - nach ihrer Aussage - nicht weh tut. Die Schwellung fühlt sich warm an.

Sie ist jetzt im Krankenhaus und die Ärzte sind noch ratlos, was das sein kann. Ob es nun die Speicheldrüsen sind oder Lymphknoten steht noch nicht eindeutig fest. Da sie keine Schmerzen und kein Fieber hat, kann man eine Entzündung wahrscheinlich ausschließen.

Ihr Hausarzt meinte, das sei ein Tumor und sie muss sofort ins Krankenhaus. Diese Diagnose hat natürlich die alte Dame (sie ist 84, leicht übergewichtig, hat leichte Probleme mit Gelenken, schwächelt auch aus Altersgründen, ansonsten gesund), und auch meinen Mann sehr erschrocken. Man hat vor allem im Blutbild über die Jahre keine Anzeichen für ein kanzerogenes Geschehen finden können (ich glaube, das erkennt man an den erhöhten Basophilen???)

Ein Bekannter von uns meinte, dass es Metastasen sein können, da es bei seiner Mutter genauso war. Plötzlich sind diese Schwellungen aufgetreten und man stellte Monate später fest, dass es Metastasen sind, obwohl man den Haupttumor nie gefunden hat. Bei meiner Oma war es auch so. Fast über Nacht sind bei ihr sichtbare Metastasen im Gesicht aufgetreten (Schwellung der Oberlippe, die sich dann über den ganzen Körper langsam ausgebreitet hat). Bei ihr hat man auch die ganze Zeit davor kein Krebs festgestellt.

Ich weiß auch nicht, wie ich die Schwiegermutter und meinen Mann beruhigen kann, die gehen halt vom Schlimmsten aus.


LG
Nadja

gila
22.09.06, 08:55
Liebe Nadja,

das ist eine schwierige Situation fuer Dich und fuer die ganze Familie.
Ich glaube, im Moment ist es aussichtslos, von " Beruhigung " sprechen zu koennen.

Das was Du machen kannst ist, ihnen zu vermitteln, dass Du fuer sie da bist, dass alle daran interessiert sind Klarheit zu verschaffen und das sie ihre Aengste und Befuerchtungen dir gegenueber offen aeussern koennen.

Fang sie einfach auf und sei da.

Ist dann eine Diagnose gestellt und sollte sich das "Befuerchtete" bestaetigen, dann sorge dafuer, das es sich nicht in ein " Diagnose-Trauma " verwandelt, sondern sucht das klare Gespraech mit dem behandelndem Arzt, um Deiner Schwiegermutter alle Schritte zu erklaeren und ihr somit Denk-Alternativen zu bieten.

Alles Gute und...........das letzte Wort ist ja noch nicht geprochen!

Liebe Gruesse Gila :)

nadja
22.09.06, 11:50
Vielen Dank, Gila, für Deine lieben Worte. Ich berichte dann, wenn wir was Genaueres wissen.
Der gesunde menschliche Verstand sagt zwar, dass die Tumore bzw. Metastasen nicht von heute auf morgen auf diese Größe anwachsen können, man kann aber nichts ausschließen. Wie mein HP-Lehrer sagt, in der Medizin gibt es kein "immer" , d. h. dass die Symptome immer so sind oder bei bestimmten Krankeitsbildern "nie" auftrauchen.
LG
Nadja

gila
22.09.06, 13:35
Ja Nadja, da hat Dein HP Lehrer sehr recht.

..............und er hat soviel Recht, dass wir es auch auf das Positive beziehen koennen. Nicht alles was ganz schlimm aussieht, muss auch so schlimm sein.
Positiv ist doch, dass der Koerper es an die Oberflaeche brachte, um darauf aufmerksam zu machen. Er kann sich somit daran erinnern, dass er grundsaetzlich immer bestrebt ist, ein Gleichgewicht, sprich Gesundheit zu erhalten oder versucht, es/sie wieder herzustellen. :)

Wir warten auf Deinen Bericht und wollen das Beste hoffen. :)

Gila

nadja
01.10.06, 20:12
Also, jetzt steht die Diagnose wohl fest :-( Nach 2 CTs und Schnellschnitt hat man festgestellt, dass die Schwiegermutter ein Lymphom (also Lymphknotenkrebs) des 3. Grades hat. Sie haben auch Knoten unter der Achsel, in der Lunge und unter der Leiste gefunden. Am Donnerstag kommender Woche kommt sie in die Onkologie, da wird entschieden, wie man weiter vorgehen kann. Da die Ärzte in HNO nicht wußten, was das ist, hat man ihr Antibiotika gegeben, davon hat sie jetzt eine ganz heftige allergische Reaktion (Hautausschlag) bekommen. Sieht also alles nicht so ganz toll aus :-(
Es ist aber auf jeden Fall besser zu wissen, woran man ist, als diese quälende Ungewissheit. Meine Vermutung (ich habe vermutet, dass es ein angeschwollener Lymphknoten ist/evtl. Metastasen) hat sich also bestätigt. Jetzt müssen wir nur schauen, ob es sich da noch was machen läßt.

LG
Nadja

gila
01.10.06, 21:06
Liebe Nadja,

das tut mir sehr leid fuer euch!

Doch Zeit zum Aufgeben, ist es noch lange nicht. Sammelt eure Gedanken und Kraefte und schaut, auch in einer Zeit in der alles sehr dunkel aussieht, nach einem Lichtblick. Haltet zusammen und wer gerade etwas staerker ist, der traegt halt den anderen ein Stueckchen mit.

Lasst euch gut beraten und waegt alle Moeglichkeiten ab.

Ich wuensche euch alles Gute, Kraft, Verstaendnis, Geduld, ein wenig Stille und vor allen Dingen, dass ihr jeden Tag, als einen Neuen betrachtet.

Liebe Gruesse Gila

nadja
02.10.06, 11:45
Danke für die lieben Worte. Es ist zwar sehr schwer, diese Diagnose zu akzeptieren wie auch die Tatsache, dass höchstwahrscheinlich weder Chemotherapie noch Knochenmarktransplantation gemacht werden, weil die Patientin viel zu schwach ist.

Auf der anderen Seite ist sie inzwischen 83, das ist selbst heutzutage ein hohes Alter, und es ist verständlich, das man sich irgendwann damit abfindet, dass das Leben irgendwann ein Ende hat, so traurig es auch ist.

LG
Nadja