Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Teilleistungsschwächen bei Kindern
Sybille B.
13.07.08, 15:52
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Gabriele Waidele
13.07.08, 18:18
Hallo Sybille, ich versteh nicht ganz was du fragen willst.
Ich denke es ist doch einfach so, dass jeder Mensch anders ist, andere Fähigkeiten hat - und demnach auch sich anders entwickelt. Es ist schlimm, dass alles in eine Norm gepresst wird, und nur derjenige der sich "Normhaft" entwickelt gesund, normal, richtig ist. Es ist völlig wurscht ob ein Kind mit zwei oder mit drei Jahren Fahrradfahren lernt. Ob es schon mit einem Jahr plappert oder erst mit zweieinhalb. Einige Jahre später frägt keiner mehr danach. Nur in dem Augenblick. Im Vergleich. Da scheint es ein Problem zu sein. (nicht für das Kind...eher für die Eltern). Und später ist es doch auch so.
Wer sich nicht der Norm entsprechend verhält oder verhalten will, der muss krank sein. Wer nicht gesund essen mag, wer dicker ist als die anderen, wer gerne nicht treu ist, wer gerne faulenzt, wer nicht mit anderen Menschen zusammensein mag, wer Angst hat vorm Fliegen, wer gerne superviel Sport treibt...usw.
Wer darf schon so sein wie er will?
Dennison (ein Kinesiologie-Entwickler (Brain-Gym) ging in seiner Arbeit mit lerngestörten Kindern davon aus, dass es keine Lern- und Entwicklungsstörungen gibt im Sinne von Krankheit - sondern dass alles nur Blockaden sind die man durch entsprechende Übungen auflösen kann. Heisst - alle einer Familie hätten die gleiche Blockade wenn das gehäuft vorkommt.
In meiner Arbeit mit seinen Techniken, seh ich allerdings dass es Kinder gibt mit denen sich Blockaden auflösen lassen - die danach tatsächlich besser werden (z.b. in Mathe, Rechtschreibung), aber es gibt auch Kinder bei denen das nichts nutzt. Die sind eben so wie sie sind.
Ich glaube der Ansatz eines anderen Schulsystems, einer anderen Denkweise über das "Sein" von Menschen wäre ein schöner und würde aus vielen "gestörten Kindern" wundervolle, tolle Kinder machen. Aber das ist nur meine Meinung.
LG
Gabi
... einer anderen Denkweise über das "Sein" von Menschen wäre ein schöner und würde aus vielen "gestörten Kindern" wundervolle, tolle Kinder machen.
:021: Das sehe ich ganz genau so wie Gabi!
Oft sind nicht die Kinder "gestört" sondern die Umwelt reagiert gestört auf die Kinder. Wenn ich da an unseren Autisten in der Familie denke - hört bloß auf.... und er ist ein so wundervoller Junge (im wahrsten Sinne des Wortes) :).
Sybille B.
13.07.08, 20:19
Ich glaube der Ansatz eines anderen Schulsystems, einer anderen Denkweise über das "Sein" von Menschen wäre ein schöner und würde aus vielen "gestörten Kindern" wundervolle, tolle Kinder machen. Aber das ist nur meine Meinung.
LG
Gabi
Hallo Gabi, genau so sehe ich das auch.
Ich habe beruflich viel mit Kindern zu tun gehabt, die ihrer "Schwächen" wegen oft Nachteile hatten. Selbst habe ich die Erfahrung bei meinem Sohn (heute erwachsen, studierend und sehr sportlich) gemacht, als er klein war. Da er ziemlich spät lief, nicht krabbelte, spät sprach usw. wollte man mich ihm zum testen schicken auf frühkindlichen Hirnschäden. Ich bin heute sehr froh, schon damals meine Gelassenheit gehabt zu haben und auch das Wissen, mit ihm ist alles in Ordnung, er braucht eben eine andere Zeit.
Aktuell ist eine Mutter mit ihrem Kind in Behandlung, die wegen dem Hinweis auf Entwicklungsverzögerung oder eben der Teilleistungsschwäche von Seiten der Schule, ordentlich Druck erfährt, mit ihrem Kind etwas zu unternehmen. In der Vergangenheit mußte das Kind in den Ferien nach straffem Plan "Rückstände" aufholen. Jetzt verweigert es sich zunehmend (finde ich persönlich sehr gesund), mit der positiven Folge, dass auch die Eltern langsam umdenken. Sie "entdecken" ihn neu. Die Fabel z.B. habe ich der Mutter mitgegeben, das empfand sie als hilfreich und hat zum Nachdenken, wie sie sagt, angeregt.
Aktuell wurde für mich dieses Thema, weil ich in den letzten Tagen mein damaliges Bezugskind im Heim besucht habe. Anwesend war auch ein Mädchen (heute 11 J.), die in der Grundschulzeit erhebliche Lernprobleme in der Schule zeigte, die wir aber als fit erlebten. Die damalige Lehrerin versäumte nie zu erwähnen, was sie alles nicht kann. Sie wurde von Seiten der Schule ähnlich Entwicklungsverzögert eingestuft und man wollte sie schnell in der Sonderschule haben. Wir haben uns erfolgreich gewehrt. Dann gab es wohl einen Lehrerwechsel (nach meiner Zeit dort im Heim), sie blühte auf und wird nun nach den Ferien zur Realschule gehen und ist total stolz.
LG Sybille
Silke Uhlendahl
13.07.08, 20:35
Die Fabel bringt es auf den Punkt:
in unserem Schulsystem (normale Schule) wird die Individualität der Kinder untergraben, alle müssen alles machen und können, anstatt Talente zu fördern, was ja nicht bedeutet nicht auch Grundfähigkeiten in anderen Fächern zu erwerben.
Aber das in Form pressen ist glaub ich ein großes Problem.
Ich habe selber keine Kinder und da wird schnell immer laut "das kannst Du nicht wissen- Du hast ja keine Kinder....."
Dennoch bin ich davon überzeugt, dass alternative Konzepte (zB Waldorf Schulen) wenn sie auch nicht ganz fehlerfrei sind doch Alternativen bieten, besonders für Kinder mit den sogenannten Teilleistungsstörungen.
Die Zunahme von AD(H)S und die Ritalingaben gehören ja auch mit in diesen Bereich. In der Zeit der Kooperationsplanung hatten wir ja Gespräche mit einem Partner, die genau das anbietn wollten hier Programme für Kinder mit Teilleistungsstörungen aber auch für Kinder mit Hochbegabung.
Das war hochinteressant.
Auch die Kinder mit Hochbegabungen landen unentdeckt oft auf dem Abstellgleis, weil sie ihre Fähigkeiten nicht anbringen können.
Das ist ein sehr spannendes Thema!
Danke Sybille für den Beitrag!
Hallo Sybille,
als Kinderkrankenschwester hab ich da auch einiges von den Kindern mitbekommen und auch in der Schule meiner Kinder ist es immer wieder aufgefallen, dass unser Schulsystem nicht auf die einzelnen Kinder eingeht.
Nicht nur dass die individuelle Entwickung nicht beachtet wird sondern auch die unterschiedlichen Lernweisen der Kinder werden nicht berücksichtigt.
Wenn alleine diese beachtet würden könnte ein Teilerfolg verzeichnet werden.
Wie Gabi schon schrieb, können bei vielen Kindern schon Brain Gym Übungen eine gute Hilfe sein.
Ich habe einen erstaunlichen Versuch gesehen. Eine Grundschullehrerin hat ein geübtes Diktat schreiben lassen. Eines der Kinder hatte darin sehr viele Fehler und man hätte denken können das dieses Kind eine Teilleistungsstörung hat.
Am Wochenende hat diese Lehrerin einen Kurs Brain Gym gemacht und am Montag mit den Kindern einfache Übungen daraus vor dem Unterricht gemacht.
Danach hat sie das gleiche Diktat ohne es vorher nochmal zu üben noch einmal schreiben lassen. Das Diktat dieses Kindes war nahezu fehlerfrei.
Meines erachtens müssten die Lehrer umdenken und nicht alle über einen Kamm scheren. Wenn ich allerdings sehe wie das Studium für das Lehramt abläuft (meine Tochter studiert genau dieses für die Primarstufe) finde ich es erschreckend wie wenig Praxis darin enthalten ist.
LG
Heike
Da ich ein ADHS-Kind habe kann ich auch ein Lied davon singen wie sehr auch die Lehrer in Schubladen denken.
Die Lehrer sollten mal anfangen die positiven Dinge eines Kindes im Unterricht zu erwähnen, statt ständig auf den kleinen Fehlern herumzuhacken und es vor anderen bloßzustellen. Was nicht sonderlich positiv zu einer guten Entwicklung beiträgt. Viele haben noch nicht gemerkt das sich die Zeiten geändert haben und das die Systeme von damals veraltet sind. Die Lehrerin meiner Tochter konnte nicht zugeben, daß sie mit ihr überfordert war und auf der anderen Seite wurde so viel Ablehnung von der Lehrerin in den Raum gestellt, daß auch die Mitschüler meine Tochter anfingen auf den negativen Schwingungen mitzureiten, welches sich dann auf die Eltern übertrug und zurück auf die Kinder.
Keiner stellt sich die Frage, was macht das mit dem Kind, welches dieser Situation ausgesetzt ist.
Meine Tochter ist heute auf einer ADHS-Schule, hat sofort Freundschaften gefunden, welche bis heute stabil sind und eines weiß ich ganz sicher, die Lehrerin da erzählt mir immer ganz begeistert von meiner Tochter.
Man sollte lernen jedes Kind ganz individuell zu betrachten zu fördern, ohne es zu überfordern.
Wie der Name schon sagt, wir sind INDIVIDUEN.
Ist Deine Kleine auf der Astrid-Lindgren-Grundschule in Berlin-Spandau? Die hat als ADHS-Schule einen sehr guten Ruf :).
Nein, sie geht im Bundesland Brandenburg zur Schule.
Sorry, wenn das jetzt blöd klingt. Ich werde keine näheren Angaben zur Schule machen, weil ich das juristisch nicht abschätzen kann und um meine Tochter zu schützen, denn es sind ja doch auch Gäste da, deren Identität wir nicht kennen.
kathleen
Tut mir leid, dass ich gefragt habe :o. Aber mir kam gleich die Astrid-Lindgren-Schule in den Sinn, weil ich schon sehr viel positives dazu gehört habe. Ich finde es toll, wenn sich Lehrkräfte auch für die außergewöhnlichen Kinder interessieren :).
Versteh mich bitte nicht falsch, wenn ich Smilis mögen würde hätte ich bestimmt welche hingemacht, aber ich kann diese Dinger einfach nicht leiden.
Das sollte keine Reglemantierung an Dich sein.
Ich glaube wir sollten uns tatsächlich freuen, daß es noch gute Schulen gibt und sollten sich hier Gäste aufhalten, die genau nach so einer Schule gesucht haben können wir uns freuen eine wichtige Aufklärungsarbeit geleistet zu haben.
Vielen Dank für Dein Interesse.
Kathleen
Ich habe meine Bachelorarbeit über den Einsatz von Musiktherapie als Entwicklungsbegleitung bei Kindern mit Legasthenie geschrieben. Wer Interesse hat möge sich melden.
tophinavani
05.08.08, 11:17
Hi,
die Fabel ist wirklich sehr schön und spiegelt gut unser Schulsystem und unsere Gesellschaft.
Ich finde es sehr schade, dass hier nicht individueller gefördert wird.
Jedes Kind hat best. Stärken, die vermehrt gefördert werden sollten, so dass es auf diesem Gebiet super ist.
In anderen Bereichen reicht dann durchaus Grundwissen.
Diese Meinung hab ich schon auf dem Gymi vertreten, weil wir eben so (für mich) nervige Fächer wie Mathe oder Physik ewig mitschleppen mussten und ich mich da echt quälen musste und viel Zeit aufwenden musste, um einigermassen befriedigende Leistungen zu haben.
Diese Zeit fehlte mir für Bio und Deutsch, meine LK Fächer später und immer schon meine Lieblingsfächer.
Da wollte ich soviel mehr wissen, aber die Zeit reichte nicht aus.
Bei meinen Kindern ist es so, dass sie auch in Teilbereichen besonders gut sind, das aber nicht gefördert wird, sondern eher auf den Fächern rumgeritten wird, wo sie eben nicht so super sind.
Gruss Silke.
Ja in unserem Schulsystem wird versucht allen das Gleiche beizubringen und die Spezialisierungen finden erst relativ spät statt - das hat wohl alles seine Vor- und Nachteile.
Ich bin ganz Eurer Meinung, dass die Kinder aber in Ihrer Persönlichkeit angenommen werden sollten und entsprechend der Talente und Neigungen auch gelobt und anerkannt werden sollten, dies vorallem in der Grundschule, da das Lernen an sich gelernt wird oder eben versaut.
Ich hab selbst ein Kind mit IQ 146 und dabei hatte er eine sehr ausgeprägte Legastenie.
Mein zweiter ist ADHS (damals hieß es hyperaktiv) und hat so seine Probleme in der Schule. Beide haben zwischenzeitlich ein recht passables Abitur gemacht und ich dann 3 Kreuze, dass die Schulzeit endlich vorüber ist.
So sollte das aber nicht sein!
Ich hab viel mit Kindern gearbeitet - nicht nur mit Brain Gym - und habe bei allen Erfolge erzielen können. Einige sind vom Ritalin weg gekommen und viele Eltern kamen aus der Anspannung und den Zukunftsängsten raus. Es ist doch ein Teufelskreis.
Ich hatte auch eine sehr progressive Grundschullehrerin hier, die an einer sehr aufgeschlossenen, experimentierfreudigen Schule unterrichtet. Sie hatte komischerweise keine Probleme mit diesen "Problemkindern"... weil sie auch Unterricht auf dem Boden, im Kreis, in der Bewegung etc. macht... also einfach mal andere Weg probiert und die Kinder lernen auch was.
Wie nach der Pisastudie nun die Lehrverhalten versucht werden dem finnischen Model anzugleichen, halte ich für nicht ganz gelungen. Was ich da alles gehört habe ... oh Graus.
Also bleibt es wohl in der Hand der Eltern aus dem Stress und dem Druck der Schule raus zu gehen, den Kindern die Chance der Individualität zu geben und ggf. auch einen Schulwechsel ins Auge zu fassen. Was aber in manchen Gegenden gar nicht so einfach ist.
hoffen und wünschen wir das Beste! :)
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