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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kinofilm "Die Welle"



Lari
26.03.08, 18:41
Hallo.
Es dauert nicht mehr lange und dann kommt dieser Film in die Kinos.
Er beruht auf einer wahren Begebenheit.

In einem Klassenprojekt soll das Thema Autokratie bearbeitet werden.
Beispiele: Nat. Nazis. Die ehemalige DDR könnte man ebenso mit reinnehmen. ICH erkenne allerdings genau dieselben Tendenzen auch in doch der von Allen hochgejubelten deutschen Demokratie!
So auch das Fazit bei diesem Film.
Stellenweise mit überheblichem Ton verkündeten die Schüler; so was würde hier in D nie wieder passieren.

Die Konsequenz aus dem Film ist ernüchternd.

Insbesonders es ständig und überall wieder passiert - egal wie intelligent die Menschen sind bzw. sich dafür halten.

Solche und ähnliche Strukturen aufzuspüren, zu hinterfragen, aufzuzeigen, zu "behandeln" - das stelle ich mir als ein zukünftiges sehr interessantes Tätigkeitsfeld vor.

Eine Buchvorstellung noch von mir.
Kürzlich nochmal gelesen - schon lange in meiner Obhut.

ENDER.
Ein Sifi-Roman um den Jungen Andrew Wiggin genannt Ender. Aufgrund seiner Fähigkeiten was Strategie und emotionales Potential angeht von der Weltregierung ausgewählt, als Heerführer gegen eine fremde Rasse zu kämpfen. Ein Krieg, der durch ein Mißverständnis anfing wie man später erfuhr.
Es wird geschildert, wie Ender von seinen Ausbildern psycholog. unter Druck gesetzt wird, wie seine Werte korrumpiert werden, wie er psychisch isoliert wird um ihn zu einem überragenden Strategen heranzu ziehen. Ebenso die ganzen zwischenmenschlichen Beziehungen im Camp. Die Konkurrenz, Mobbing, Freunde usw.
Aus psychol. Sicht ein sehr aufschlußreiches und gekonnt darstellendes Buch.

Gruß Lars

Corinna
26.03.08, 19:00
Wie - dieser Film soll in die Kinos kommen???? :confused: Den gibt´s doch schon ewig!! Hab den schon vor vielen Jahren mehrmals im Fernsehen gesehen.

Ist aber wirklich erschütternd!

Daniel
28.03.08, 23:18
diesen film hast du bestimmt nicht im fernsehen gesehen. es handelt sich um einen neuverfilmung mit jürgen vogel in der rolle des lehrers. auf jeden fall zu empfehlen.

studierende
29.03.08, 00:34
Erschütternd ist, dass man die Zeitungen aufschlägt und die Gewaltbereitschaft gegen jeden in jeder Form schlimmer und schlimmer wird. :(
Ich habe 3 Kinder und mache mir da wirklich meine Gedanken... :confused:

Stimmt Lars, die Menschen haben NICHTS dazugelernt.
Traurig, aber wahr!

Claudia

Daniel
29.03.08, 00:58
also, ich glaube das es "die menschen" so gar nicht gibt. in dem film wird auch deutlich, das es sehr wohl menschen gibt, die so ein system durchschauen und auch etwas dagegen unternehmen. und jetzt mal zurück zum wahren leben: ihr zeigt euch ja sehr betroffen von der gefahr, ihr seid sicherlich nicht die einzigen. ich würde vorschlagen, wachsam sein aber die welt keinesfalls zu negativ sehen.

studierende
29.03.08, 14:10
Hallo Daniel,

oh, natürlich sollte man nicht pauschalisieren, dennoch gibt es gewissen Gruppierungen und Menschen, die sich selber in bestimmte Schubladen stecken und dies auch definitiv zeigen durch Kleidung, Parolen etc.

Ganz sicher sollte man sich nicht einigeln, um jeder Gefahr zu entgehen, dennoch: was machst du , wenn ein gestörter Mensch einen Holzklotz von der Brücke wirft? Nachdenklich stimmt mich: nach dieser Tat folgten weitere!!!
Was ist mit all den Messerattacken in letzter Zeit in öffentlichen Verkehrsmitteln?

All diese Taten erfolgen von Menschen mit psych. Störungen und genau das macht mich seeeehr nachdenklich und mir auch Angst, denn wieviele potentielle Täter rennen rum? Wohnen neben mir?

Gestern in einem Museum waren 2 Jungs (etwa 10), die mutwillig Ausstellungsstücke zerstören wollten. Von einem Aufseher aungesprochen, grinsten sie nur, als sie meine Kinder blöd anmachten, reagierte ich freundlich darauf, woraufhin sie mich (und meine Freundin) beschimpften und uns den Mittelfinger zeigten, sagten, von einer FRAU lassen sie sich nix sagen (es waren deutsche Kinder) etc.
Ich war relativ erschrocken über die Dinge, die sie sagten, wie sie sie sagten und dass sie keinerlei, auch nicht den geringsten Respekt Erwachsenen gegenüber zeigten.

Meine Kinder besuchen die Waldorfschule, weil ich dachte, dort geht es ja alles friedlicher zu, familiärer etc.
HA! Gewalttätige Lehrer sind dort an der Tagesordnung, Kinder werden geohrfeigt, so fest am Arm gepackt, dass die Male noch am Abend zu sehen sind, am Ohr vom Boden hochgezogen etc.
Keine persönlichen Einzelfälle, sondern im Internet findet man massig Berichte dazu.
Gespräche mit den Lehrern nutzen nichts, denn der ganze Club steht dahinter und schützt nicht die Kinder, NEIN, die Täter = Lehrer.

Was mich beschäftigt: Was kann der Einzelne tun, was kann ich wirklich tun, um einen Beitrag zu leisten, dass diese Gesellschaft weniger gewalttätig ist, die Menschen friedlicher miteinander umgehen?
Warum gibt es soviele und immer mehr gestörte Menschen?
Wie kann man dies ändern?

Claudia

Lari
29.03.08, 16:56
Hallo an Alle.

HM - Um ehrlich zu sein könnte ich da jetzt was zu sagen. Ich bemühe mich dabei allerdings um weitesgehende Emotionslosigkeit zur Beurteilung.
Deshalb sind meine Meinungen auch oft für Viele ziemlich schockierend.
Was Inna evtl für einen Film meint ist "Das Experiment".
Beruht auch auf einer wahren Begebenheit in den USA. Es hat nur 3 Tage gedauert, diese Extremzustände entstehen zu lassen. Es wurde nochmal aufgeschlüsselt, als die Vorfälle in Quantanamo Bay öffentlich wurden.

Daniel hat da sehr Recht. Wachsam sein - immer - IMMER Hinterfragen. Alles! Ständig.

Um es mal "religiös" auszudrücken. Macht immer wieder den Job des Teufels. Hinterfragen - Zweifeln - Reflektieren.

Ich habe für mich einen Wahlspruch.
Eigenreflexion - Gesamt/Situationsreflexion - Rückreflexion.
Zwischen den 3 Komponenten sollte es immer hin und her gehen. Die Schwierigkeit dabei ist - das man dabei durchaus auch sich selbst kritisieren muß - etwas was bei Vielen von vornherein ausgeklammert wird.
Vom Unterbewußtsein gesehen normal. Vom Bewußtsein her gesehen(Über-Ich) eher fragwürdig - aber sehr häufig ist das Unterbewußtsein stärker und schaft sich ein Rechtfertigungskonstrukt.

Die Menschen haben kein genetisch bedingtes Bewußtsein, dh. wir werden nicht mit spezifischen Errinerungserfahrungen geboren. Nur Grundanlagen werden "mitgebracht".

Das Unterbewußtsein ist weder gut noch böse. Es ist ein Egoist und handelt primär nach kurzfristig postiven Befriedigungsfaktoren.

Wir haben die genetische Anlage sozial zu interagieren. Allerdings immer unter dem Gesichtspunkt der primären eigenen Vorteilssituation. Wenn wir gelernt haben, das es mittel und langfristig auch und mehr erfolgreicher ist, sich kollektivial zu verhalten, so tun wir das. Sobald sich allerdings wieder die Möglichkeit eines persönl. Vorteils bietet, so besteht die starke Neigung diesen auch auszunutzen. Evtl schadet es dem Kollektiv noch nicht mal sehr u.o. wenn doch so baut man sich ein persönliches Rechtfertigungskonstrukt (siehe zB Managergehälter). Das muß aber mit der Meinung vieler anderer im Kollektiv nicht übereinstimmen. SPANNUNG! So haben wir also das Problem- ständig eine Gradwanderung zu haben. Das wird sich nie ändern. Wir sind nun mal kein Staatenlebewesen wie zb Ameisen.Um das Problem abzumildern, muß man sich und die Situation Reflektieren.
Langfristig gesehen macht es unser Zusammenleben aber auch sehr dynamisch eben weil es die Möglichkeit zu absolutem Egoistischen (autokratischem) Kollektiv wie auch zu einem real demokratischen / Genossenschaftlich geführtem Kollektiv hat. Es gibt den wichtigen Spruch: "Ein Mob reagiert psychologisch anders als ein Individuum.!"
Durch diese Dynamik ist der Mensch erst zu einer der erfolgreichsten Lebensformen dieses Planeten geworden.
Würde er rein Pragmatisch logisch vorgehen, hätte er nie so unterschiedliche Zivilisationen gegründet, so viele extreme Lebensräumer besiedelt, sich nie aufgeleht und damit neues entdeckt usw.

Es wird somit aber IMMER besagte Gefahr geben.

Jede Handlung hat eine gute und eine schlechte Seite.

Das Unterbewußtsein reagiert auf positive wie auch auf negative Motivationen.
Die Konsequenz daraus ist an und für sich sehr einfach aber auch erschreckend für unsere heutige - ja - auch durchaus autokratisch beeinflußte gesellschaftliche Denkweise.

@Claudia
Ich denke also nicht, das die Klotzwerfer o. Messerstecher psych. gestört sein müssen. Auch die Mitglieder beim Experiment waren es nicht. Im Rückblick sind sie selbst schockiert, wie sie damals gehandelt haben.
Auch die besagten US-Soldaten haben ein intaktes Familienleben, ´ne Menge Freunde, kriminell nie aufgefallen und auch keine Auffälligkeiten in der Kindheit/Schule gehabt.
Ich muß dir hier nur sagen - ja - du wohnst tatsächlich neben solchen Menschen und ja - wir können nicht so arrogant sein und uns da ausschließen!
Das ist der Brocken - den man jetzt halt mal Schlucken muß. Es kommt schlicht auf die Umstände an. Was "Experiment" und "die Welle" mal wieder bestätigten.

Das Beispiel mit den Museumsjungen ist interessant.
Was glaubst du, warum sie das gemacht haben und was dagegegen zu tun wäre?!
Bin mal gespannt auf deine - eure Meinungen.

Gruß Lars

Corinna
29.03.08, 17:06
Zitat:
Was Inna evtl für einen Film meint ist "Das Experiment".
Beruht auch auf einer wahren Begebenheit in den USA. Es hat nur 3 Tage gedauert, diese Extremzustände entstehen zu lassen. Es wurde nochmal aufgeschlüsselt, als die Vorfälle in Quantanamo Bay öffentlich wurden.

Nein, ich meinte "Die Welle", war ein -glaub ich- kanadischer Film über dieses Experiment, das an der Schule gemacht wurde.

"Das Experiment" mit den Rollen der Gefängnisinsassen und Gefängniswärter hab ich allerdings auch gesehen..........

cordi
29.03.08, 17:12
Zitat Claudia:

"Was mich beschäftigt: Was kann der Einzelne tun, was kann ich wirklich tun, um einen Beitrag zu leisten, dass diese Gesellschaft weniger gewalttätig ist, die Menschen friedlicher miteinander umgehen?
Warum gibt es soviele und immer mehr gestörte Menschen?
Wie kann man dies ändern?"

Darauf habe ich nur eine Antwort:

"Vorleben"

und immer wieder das Gespräch suchen; auch wenn es noch so aussichtslos erscheint......................:)

Was mir in diesem Zusammenhang noch wichtig zu beacheten erscheint ist:
"Nur wer Respekt und Achtung vor sich selber hat, kann das gleiche auch Anderen gegenüber empfinden und ausdrücken"
Nur wer dies empfindet kann sich selber annehmen und lieben; und das dann auch leben"
Ich weiß, dass sind wieder hochtrabende Worte;).:rolleyes:.................aber dennoch so einfach.
In diesem Defizit liegt meiner Meinung nach der "Hase im Pfeffer".
Und genau hier kann jeder einzelne von uns ansetzen um etwas zur allgemeinen Verbesserung beitragen.

Silke Uhlendahl
29.03.08, 17:15
Darauf habe ich nur eine Antwort:

"Vorleben"

und immer wieder das Gespräch suchen; auch wenn es noch so aussichtslos erscheint......................:)

Was mir in diesem Zusammenhang noch wichtig zu beacheten erscheint ist:
"Nur wer Respekt und Achtung vor sich selber hat, kann das gleiche auch Anderen gegenüber empfinden und ausdrücken"
Nur wer dies empfindet kann sich selber annehmen und lieben; und das dann auch leben"
Ich weiß, dass sind wieder hochtrabende Worte;).:rolleyes:.................aber dennoch so einfach.
In diesem Defizit liegt meiner Meinung nach der "Hase im Pfeffer".
Und genau hier kann jeder einzelne von uns ansetzen um etwas zur allgemeinen Verbesserung beitragen.




Sehr schön gewählte Worte dafür!!

Auch ich denke so.....

Lari
29.03.08, 19:10
Ah- kann schon sein Inna - "die Welle" fand ja auch ursprünglich in den USA statt.
Die deutsche Version kommt jetzt in die Kinos.

Ja Nicole. Da muß man schon "aus sich raus gehen" - ähnlich wie es zB bhuddistische Mönche praktizieren. Sie betrachten zB Ängste als eine nat. Reaktion aber sie schauen sich dabei wie von außen betrachtet an und relativieren sie dadurch bzw. nutzen sie sogar gezielt bei bestimmten Situationen.
Die nächste Hürde ist die Konsequenz daraus zu ziehen und auch danach zu handeln. DAS ist die größte Hürde.
Beispiel:
Die meisten "Dicken" in D wissen sehr wohl wie eine richtige Ernährung aussehen sollte und das sie sich zuwenig bewegen. Die Folgen sind auch bekannt.
DAS UMSETZEN UND TUN - steht auf einem anderen Blatt.
Das Unterbewußtsein (kurzfristiger Egoist) drückt häufig durch.
Ansonsten kommen die schon angesprochenen Verdrängungs- u. Rechtfertigungsmechanismen.
Ein Mann ohne Bauch ist ein Krüppel Huaahaha Huhahaa.
Mein Wohlstand muß ich zeigen Uhaahaa.
Mein Mann mag "richtige" Frauen. Das ist so wenn man Kinder kriegt.
Ich will gar nicht anders sein. Jeder so wie er sich "wohlfühlt". Dicke sind Gemütsmenschen usw.

Da Selbe zb bei Rauchern. Ich finde es ausgesprochen interessant, mit welchen "Ausreden"/Rechtfertigungen Raucher darauf bestehen in der Öffentlichkeit weiter Rauchen zu dürfen.

rhetorische Extremverschiebungen der eigentlichen Situation (zB plötzliche Beschuldigung der Anderen):
Wir werden diskriminiert. Mein persönl. Recht wird beschnitten.

Ausklammerung des eigentlichen Problems(ungewolltes Passivrauchen von Anderen durch Raucher in der Öffentlichkeit)
Mein Opa hat geraucht wie ein Schlot - ist 90 geworden.
Die ANDEREN müssen sich ja nicht in meine Nähe stellen usw.

Detaildiskutiererei:
Oft wird ein Detail des Gesamten negativiert o. ist evtl "moralisch evtl nicht ganz so toll" und dieser kleine Negativfakt auf die Gesamtsituation übertragen.

Wenn ich bei anderen so vorgehen würde, da wäre aber was los. Von MEINEN Tabaksteuern leben die anderen ja ganz gut. Wenn ich nicht mehr Rauchen würde...
Hier wird man als Mensch einfach regelrecht gehetzt obwohl man sich gar nichts hat zuschulden kommen lassen usw.

Alles typische Beispiele von gesellschaftlichem, individuellem "Egoismus".
Die Fähigkeit, die Gesamtsituation zu reflektieren, sich dann selbst zu reflektieren und aufgrund kollektivialen Gesichtspunkten sich zB einzugestehen sich selbst mal zurücknehmen zu müssen - das ist in D. mittlerweile leider statistisch absolut unterentwickelt.
Kaum einer sieht noch den Bedarf, seine eigene Hürde auch zugunsten sich selbst gegenüber aber auch wegen anderer mal zu überwinden.
Das muß wieder gelernt werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, das Viele gar nicht mehr genau wissen wie man das anstellen sollte!

Gruß Lars

studierende
29.03.08, 21:09
Finde diese Diskussion übrigens ganz klasse in diesem Forum!

Oh ja, Vorleben, auf jeden Fall, Cordi, leider aber sehen das ja nur MEINE Kinder und hier, wo ich lebe, sehe ich sehr viel anderes :(
Ich lebe in einer Siedlung mit 90 % türkischem Mitbürgeranteil.
Sie wünschen Integration, halten aber selber Extremabstand von den Deutschen hier. Die Kinder dürfen nicht mit deutschen Kindern spielen!
Meine Kinder gehen nicht mehr raus, weil die anderen Kinder sie oft geschlagen haben mit dem Vorwurf: Du hast mich doof angeguckt....

Hier übrigens ein Artikel, der aus meiner Sicht genau den punkt trifft, niemanden beleidigt, angreift oder den Respekt verliert, aber sagt, was genau Sache ist:

http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E30E7AC928C1C4D428E7A7F12F1CACC6A~ATpl~Ecommon ~Scontent.html

Ich lebe seit 20 Jahren vegetarisch/vegan und betrachte dies auch als einen Friedensprozess an die Welt. Wir leben so gut wir es können, ökologisch verantwortlich und ich befasse mich mehr und mehr mit den Auslösern für Gewalt und merke: oftmals reagiere auch ich übertrieben.
Es beginnt daheim. Kippt ein Glas um, kann ich zetern, schimpfen, oder ich kann sagen: ok, wischen wir auf, kann passieren.
Wenn mir jmd blöd kommt irgendwo, mich verbal angreift - hätte ich früher gegenreagiert - heute gehe ich auch verbal gewaltlos aus der Situation heraus, versuche heute zu deeskalieren, anstatt Gemüter noch mehr zu erregen (was mir früher - dazu stehe ich - auch eine Art Genugtuung war).

Ja, Lars, du hast absolute Recht: Reflektieren, immer und immer wieder uns selber reflektieren, sich auch der konstruktiven Kritik anderer stellen, annehmen, reflektieren und bereit sein, sich zu ändern, sich bewusst sein: wir leben alle in einer Gemeinschaft und ich denke da immer wieder an den butterfly-effect.
Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann etwas auslösen, was die ganze Welt erschüttert.
Also: ich reflektiere, handle gewaltfrei und immer in dem Bewusstsein, dass ich dies nicht nur für mich selber tue, sondern für die Welt, in der ich lebe.

Mein Kurs über gewaltfreie Kommunikation ist ein ganz tolles Beispiel dafür, wieoft wir verbal Gewalt anwenden, ohne es zu bemerken.

Was diese Jungs betrifft: nun, ich fragte mich sofort: wer und wie sind ihre Eltern? Wie geht man daheim mit diesen Kindern um? Erfahren sie Respekt? Wie gehen ihre Eltern miteinander, mit der Umwelt um?
All diese Fragen gingen mir natürlich durch den Kopf und machten mir klar, dass es noch wichtiger ist, was ich meinen Kindern mitgebe, als ich es bisher sah.

Es beginnt schon damit, dass wir den Busfahrer beim Einsteigen grüssen...
Darüber sollte man nachdenken!

Claudia

Lari
03.04.08, 18:29
"Es beginnt schon damit, dass wir den Busfahrer beim Einsteigen grüssen...
Darüber sollte man nachdenken!"

Alter Falter - da hast du etwas Wahres gesagt. Wir sind ein Land voll von Egoisten, die ein deutliches Unvermögen besitzen sozial ausreichend zu interagieren.
Das Problem ist allerdings immer mind. 2-seitig.

Ich sehe in D auch immer wieder Beispiele für versteckte autokratische Systeme.
Zb - Gewalt.
Wenn ich meinen Kindern einen 2. Schokoriegel verweigere, mit meinen Eltern schimpfe ihm doch einen zuzustecken, meine Kinder mit "Gameboy-verbot" dazu anhalte jetzt endlich Hausaufgaben zu machen usw. - wende ich Gewalt an. Ob verbal, materiell o. psychologisch.

OHNE GEZIELT EINGESETZE GEWALT, HÄTTEN WIR ANARCHIE UND CHAOS MIT NOCH SCHLIMMER AUSUFERNDEN GEWALTORGIEN!!!

Wiso sollts du dich eigentlich dafür schämen, früher verbal gegengekontert zu haben?!
Das ist hier ein Beispiel für eine autokratische Meinungsbildung. Gewalt schlecht - da kann man doch diskutieren. In der Realität ist das oft vollkommen unrealistisch.

Diese Jungs müssen kein schlechtes Elternhaus haben.

DER MENSCH IST EIN EGOIST UND VERSUCHT SEINE POSITION STÄNDIG ZU VERBESSERN. Das ist ein absoluter Urtrieb. Die Fähigkeit zur Sozialen Interaktion ist zwar instinktiv vorhanden, muß aber gelernt/geschult werden und zwar jeden Tag - sonst tendiert man immer wieder mehr zum ICH/Egoisten.

Einfach und brutal objektiv.
Diese Jungs machen das was sie machen, weil sie es ungestraft machen können.
Nat. fließen da auch oft andere Faktoren noch mit rein aber das ist die bittere Grundwahrheit.
Der Mensch braucht zum Lernen positive UND NEGATIVE Motivationen.

Es geht einfach nur um den dosierten Einsatz von Kommunikation, Deeskalation aber nun mal auch Gewalt in den versch. Formen.
Erfolge zB im Boxcamp von Herrn Kannenberg bei Kassel usw.

Gruß Lars

lokilowis
03.04.08, 23:40
In dem Zusammenhang möchte ich auf diesen DokFilm aufmersam machen:

Blue eyes (Blauäugig)

"Blue Eyed - Blauäugig" ist der vielfach preisgekrönte Dokumentarfilm des Münchner Filmemachers Bertram Verhaag über die ehemalige Lehrerin Jane Elliot, die in Workshops die Gesellschaft in kleinem Maßstab nachbildet.
Jane Elliott, ehemalige Lehrerin aus dem Mittelwesten der USA, führt seit Jahrzehnten einen engagierten Kampf gegen Vorurteile, Ignoranz und Rassismus in der Gesellschaft. Was sie nach dem Tod von Martin Luther King mit ihren Schülern begann, setzt sie heute mit Lehrern, Studenten, Feuerwehrleuten oder ganzen Betriebsbelegschaften fort: In weniger als 15 Minuten erschafft sie in Workshops ein verkleinertes Abbild unserer Gesellschaft mit allen Erfahrungswelten und Emotionen, wie sie auch in der Realität erscheinen. Sie unterteilt die Gruppe in die guten und intelligenten "Braunäugigen" und die dummen, unterpriviligierten "Blauäugigen".
Und ähnlich wie bei dem berüchtigten http://stop1984.com/old_cms/g/ext.png"Milgram"-Experiment (http://www.ngfg.com/texte/br003.htm) oder im Experiment, das dem Film http://stop1984.com/old_cms/g/int.png"Die Welle" (http://stop1984.com/old_cms/index.php?text=veranstaltung_filmreif_nachdenklich es_diewelle.txt)zugrunde liegt, können sich selbst Teilnehmer, die voll über die "Spielregeln" informiert sind, nicht ihrer Rolle entziehen. Das Spiel stürzt einige in wahre Gefühlsabgründe.
http://stop1984.com/old_cms/index.php?text=service_filmtips_nachdenkliches.txt #blueeyed

Ich habe bisher leider nur Ausschnitte davon im Radio gehört, war aber zu tiefst beeindruckt... So wurde zB die Gruppe zu Beginn in braunäugige und blauäugige eingeteilt und die blauäugigen hatten einiges zu erdulden, wenn ich mich recht erinnere... Schweigen der Anderen, wenn sie was sagten/fragten... so kamen sie einmal in die Position der ja meist brauäugigen Mitbürger aus anderen Ländern...

Liebe Grüße
Andrea

Nadine32
10.07.08, 23:31
Also, ich finde es enorm wichtig für Kinder, dass man ihnen Grenzen setzt und ihnen Regeln gibt an die sie sich halten können. Das heißt, Game Boy Verbot als Konsequenz, wenn jetzt nicht die Hausaufgaben gemacht werden empfinde ich nicht als psychische Gewalt. Konsequenzen zu erfahren bei den Handlungen die wir machen ist wichtig zu lernen.
Zum anderen möchte ich noch mal auf das Beispiel mit dem Rauchen zurück kommen. Ich rauche auch und lebe in einem Freundeskreis voller Nichtraucher.Immer wenn ich mir eine Zigarette anmache habe ich Schuldgefühle. Das hat mich lange Zeit wahnsinnig gemacht. Ich will ja niemanden belästigen oder jemanden zum passiv rauchen zwingen. Ich konnte, gott sei Dank, ohne Rechtfertigungen darüber mit meinen Lieben reden und wir haben geguckt wie wir das gestalten können, dass es für jeden stimmt. Jetzt bekomme ich auf jeder Party einen extra Raucherplatz eingerichtet.:D
Was ich damit sagen will ist, wenn sich jemand falsch fühlt oder falsch geredet wird haut er um sich (verbal) und macht den anderen falsch um sich selber besser zu fühlen. Das ist völlig normal. Ändern kann man das erst, wenn das einem bewusst wird. Man kann dann im Gespräch sagen: Du das hat mich gerade verletzt, oder Ich fühle mich gerade von dir angegriffen etc. So bleibe ich bei mir und greife den anderen nicht an. Das wirkt oft Wunder, denn meistens hat man Menschen vor sich die einen nicht verletzten wollen. Und die haben dann die Möglichkeit das was sie gesagt haben umzuformulieren.