Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage zu Krankheitsbildern
studierende
19.03.08, 18:32
Wie unterscheidet ihr:
- schizophrene Episode
- schizoaffektive Störung
- schizoide PS
- schizotypische PS
:confused::confused::confused:
Mir ist schon klar, dass man das herausbekommt, wenn man lang genug exploriert, aber ich meine wie differenziert ihr das für euch?
claudia:confused:
studierende
21.03.08, 00:58
Tscha, wohl doch bissel diffiziler, diese Frage, wie? :D:D:D
Mal schauen, ob da über Ostern doch noch jmd etwas einfällt :)
claudia + :D
also ich schreib mal einfach los....;)
schizophrene Episode ordne ich der Schizophrenie selbst zu. Das heißt, hier geht es um eine akute Phase der Erkrankung im Rahmen einer Schizophrenie.
Schizoaffektive Störung ist eine Störung, in der es zu einer Mischform von Schrizophrenie und affektiven Symptomen kommt. Das heißt, zusätzlich zur Schizophrenie bestehen entweder Depression oder Manie oder eine Manisch-Depressive Erkrankung.
Schizoide PS ist eine Persönlichkleitsstörung, bei der es zu folgenden Symtomen kommt: Patienten sind kontaktscheu, distanziert, emotional kühl, oft einsam, wenig soziale Bindungen, respektlosigkeit....
Schizotypische PS ist soweit ich mich erinnern kann im ICD 10 bei den schizophrenen Störungen eingeteilt. Es gibt sowohl schizophrenieartige Symptome , als auch Symptome der schizoiden PS...
studierende
21.03.08, 13:04
Danke Susanne, für deine Antwort :)
Könntest du das differenzieren, wenn jmd vor dir sässe, der eines dieser Krankheitsbilder trägt?
Das ist das, was ich mich frage, eben weil sie sich ja sooo ähnlich sind.
Hm, da fällt mir wieder die eine Frage aus nem Studienbrief ein....wie ich die verschieden ausgeprägte Wahnsymptomatik nutzen kann zur Diffenzialdiagnose.
Ich müsste jetzt ehrlich gesagt erst nachschauen, wie das mit dem Wahn ist, weiss halt nur, dass er bei der Schizophrenie ganz sicher im Vordergrund steht.
Claudia
Könntest du das differenzieren, wenn jmd vor dir sässe, der eines dieser Krankheitsbilder trägt?
Ich lass da mal zuerst meinen Mann auf deine Frage antworten, dessen täglich Brot es als Psychiater in eigener Praxis ist, Diagnosen zustellen und gegebenenfalls genau diese 4 ähnlichen Diagnosen voneinander abzugrenzen: "Das geht nicht!":D:D
So als brave Moderatorin des Bereichs hab ich mir mal die Mühe gemacht einiges zu den 4 Begriffen zusammenzutragen (meine Prüfung ist schon zu lange her, ihr glaubt gar nicht was ich schon wieder alles ins Nirwana des Vergessens geschickt habe;))
1. Schizophrene Episode:
Nach der 1/3 Prognose Regel der Schizophrenie bildet sich bei etwa einem Drittel der Patienten die Psychose komplett zurück, sowohl bei behandelten als auch unbehandelten Patienten. Bei einem weiteren Drittel bleiben Residualsymptome oder es kommt zu erneuten akuten Schüben. In diesem Zusammenhang spricht man von einer schizophrenen Episode, wenn es zum Wiederauftreten eindeutiger psychotischer Symptome (Halluzinationen, Wahn) kommt. Im verbleibenden Drittel chronifiziert der Verlauf und führt zu schweren psychosozialen Einschränkungen, die eine dauerhafte Betreuung notwendig machen.
2. Schizoaffektive Störung
Schizoaffektive Störung oder Erkrankung besagt, dass sich hier zwei bzw. sogar drei verschiedene Krankheiten und damit drei völlig unterschiedliche Beschwerdebilder in einer einzigen Symptomatik vereinen.
Da sind zum einen Krankheitszeichen der schizophrenen Psychose (z. B. Halluzinationen und Wahn), zum anderen affektive, also Gemütsstörungen. Und die setzen sich zusammen aus Depressionen und manischen Hochstimmungen. Daher der Begriff der schizo(= schizophrenen) - affektiven (= Gemütsstörungen wie Depression und Manie) Erkrankung, Störung oder Psychose. Also wirklich sehr komplex , sogar der ICD10 und der DSM IV beschreiben unterschiedliche Diagnosekriterien der schizoaffektiven Störung.
3.Schizoide PS
Persönlichkeitstörungen allgemein zeigen sich sowohl in der Wahrnehmung, im Denken, in den Stimmungen, den Gefühlen und ihrer Regulation, in der Kontrolle von Handlungsimpulsen als auch im sozialen Bereich.
Die diagnostischen Kriterien der tonangebenden APA und WHO zur Charakterisierung der schizoiden Persönlichkeitsstörung :
• emotionale Kühle, Distanziertheit oder flache Affektivität (eingeschränkte gemütsmäßige Ansprechbarkeit)
• geringe Fähigkeit, warme, zärtliche Gefühle oder auch Ärger anderen gegenüber zu zeigen
• anscheinend Gleichgültigkeit gegenüber Lob oder Kritik
• wenig Interesse an sexuellen Erfahrungen mit anderen
• übermäßige Vorliebe für einzelgängerische Beschäftigungen und Unternehmungen
• wenn überhaupt, dann bereiten nur wenige Tätigkeiten Freude oder Vergnügen
• keine engen Freunde oder Vertraute (oder höchstens wenige oder eine einzige Person) und dabei auch kein ausdrücklicher Wunsch nach solchen Beziehungen (außer vielleicht nahen Angehörigen, wobei sich aber auch der Wunsch, Teil einer Familie zu sein, in engen Grenzen hält)
• mangelnde Sensibilität im Erkennen und Befolgen gesellschaftlicher Regeln (beginnend mit Begrüßungen und endend mit vielleicht komplexeren, aber im Durchschnitt durchaus vertrauten sozialen Konventionen, also gesellschaftlichen Übereinkünften).
4. Schizotypische PS
Menschen mit Schizotypischer PS sind oft gegenüber anderen Menschen misstrauisch oder hegen „paranoide Gedanken“ z.B, seltsam anmutende Glaubensinhalte, magische Denkweisen, illusionäre Verkennungen (Wanduhr als Fratze, "Tapetenmuster als Bedrohung) und irritieren durch eigenartige Sprachgepflogenheiten sowie das "Verspüren besonderer Kräfte" usw. Ihr Gefühlsausdruck ist oft unangemessen oder eingeschränkt. Verhaltensweisen oder äußere Erscheinung werden als seltsam oder exzentrisch beschrieben. Soziale Beziehungen sind durch eine starke soziale Angst geprägt, die auch nicht abnimmt, wenn die Beziehungen enger werden. Die soziale Angst hängt oft mit paranoiden Gedanken zusammen. Aufgrund ihrer sozialen Schwierigkeiten haben sie nur wenige Freunde und vertrauen selten anderen Menschen als ihren engsten Verwandten.
Kriterien nach ICD-10 für die schizotype Störung
1. keine engen Freunde und Vertraute
2. autistisches Versunkensein
3. Depersonalisations- & Derealisationserleben, dies bedeutet sich nicht von dieser Welt fühlen oder nicht mehr sich selbst sein, außerhalb des Körpers als Beobachter stehend.
studierende
21.03.08, 17:26
Also Hilde,
da sitzt du an der dicksten (bitte nur metaphorisch sehen!) Quelle (<---Ehemann Psychiater) und sagst das erst jetzt ;)
Das ist ja sehr interessant. Was hält denn ein Psychiater von der Ausbildung zum HPP, dem Lehrstoff, dem Umfang der Ausbildung, dem Berufsbild an sich?
Dürft oder wollt ihr euch nicht zusammenschliessen?
Ich finde das sehr bereichernd und inspirierend, wenn (Ehe)partner in einem ähnlichen Beruf arbeiten.
Danke übrigens für die Zusammenfassung. Kopiere ich mir jetzt und drucks mir aus :D
Nicht, dass ich das nicht auch in meinen Unterlagen habe, aber jetzt ists so schön beisammen :)
Bin ganz gespannt, auf die Antwort deines Mannes, denn es ist sowieso sehr schwer, manche Krankheitsbilder voneinander zu trennen, aber gerade, wenn sie so dicht beiander liegen.
Was mich auch noch interessiert:
Wie gehen Fachleute bei der Diagnose zur Schizophrenie vor?
Halten sie sich an Bleuler, Schneider oder ICD-10 oder DSMV :eek: oder hat einfach jeder irgendwann seinen eigenen Weg?
Wär doch klasse, wenns da mal einen Weg gäbe, eine deutliche Richtlinie ... find ich jedenfalls ...
Hi Studierende...
Tja ich hab meinen Mann gefragt nach welchen Diagnosekriterien er arbeitet und er meinte spontan, dass ihm vom Studium her der DSM IV noch am meisten haften geblieben wäre :D. Natürlich arbeitet er täglich mit der Verschlüsselung aller Diagnosen am PC in die Patientenkarteien mit dem ICD-10. Ich denke er kann alle Verschlüsselungen für seine Fachgruppe (Psychiatrie/Neurologie) auswendig.
Zum Berufsbild HPP steht er mittlerweile sehr positiv, da er ja schließlich schon lange mit einer verheiratet ist.:D Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen: Zum Zeitpunkt meiner Entscheidung, diesen Beruf zu erlernen war er sehr skeptisch(er hatte Angst seine Frau würde dann esoterischen Dingen nachhängen, sein persönlich größter Alptraum), im Laufe des Lernens hat es sich gelegt (der Skeptizismus;)) zum Ende kurz vor der Prüfung hatte ich seinen vollen Respekt, er hat mich kurz vorher abgefragt und meinte, ich wüßte im Moment vor der Prüfung in einigen Bereichen mehr als er :p...und jetzt findet er es ganz klasse, was ich mache und wenn ich lieb bin, darf ich meine Flyer bei ihm auslegen. Praxisgemeinschaft haben wir nicht gemacht ...find ich auch schöner mein eigenes Ding machen zu können...außerdem so einen guten Standort wie ich hat mein Mann nicht mit seiner Praxis...:)
studierende
21.03.08, 19:00
;) Danke Hilde, für deine auführliche Schilderung. Langweilig ists bei euch dann sicher nicht ;)
Find ich sehr schön, wie es bei euch harmoniert in diesem Bereich und interessant, da einmal die Meinung eines 'richtigen' Fachmannes zu lesen (weil irgendwie - obwohl ich es selber studiere - hab ich das Gefühl, es ist ja nicht das 'richtige Programm'. Vllt, weil ich selber eben auch mal Medizin studieren wollte und ich das noch immer bedauere....).
Bzgl. ICD-10 und DSM IV hab ich ja inzw. sehr unterschiedliche Meinungen gelesen, wobei die meisten dann doch zur DSM IV tendieren.
Damit muss ich mich noch ausführlicher befassen...
So, meine Kids wollen MauMau spielen :( nachdem wir nun stundenlang das Jungszimmer aufgeräumt haben :( ich aber eigentlich mal was für mich tun wollte...*seufz*...
Claudia
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