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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Strategien nicht nur für Frauen



rabenstein
10.02.08, 10:33
a)Vom Umgang mit Emotionen am Arbeitsplatz

An Hand eines fiktiven Falles möchte ich euch die Problematik schildern.

Bei der Bearbeitung einer Kundenanfrage ist ein Fehler passiert. Die Bearbeiterin hat den Vorgang in Vertretung für eine erkrankte Kollegin übernommen, nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.
Schuldzuweisungen erfolgen, zunächst an die Vertretung, danach auch an die erkrankte Kollegin wegen mangelnder Einarbeitung ihrer Vertretung. Ganz normal, oder?
Die Vertretung wird sowohl vom Vorgesetzten als auch von der Kollegin angegriffen, wobei sie sich aber keiner Schuld bewusst ist.
Vor allem Frauen, aber eben nicht nur, sind in solchen Situationen oft emotional so beteiligt, dass eine sachliche Argumentation kaum mehr möglich ist.
Die erkrankte Kollegin hat in diesem Fall auch noch das Mitgefühl des Vorgesetzten auf ihrer Seite (sie erscheint z.B. mit Krücken und Gipsbein bei der Arbeit)

Frauen haben nun mal oft „nah am Wasser gebaut“ Kommen nun solche Sätze wie:
„Frau X, da bin ich aber sehr enttäuscht“ kämpfen wir schon mal mit den Tränen der Wut. In solchen Situationen dann noch sachlich zu argumentieren ist fast ausgeschlossen.
Man fängt an rumzustottern („aber ich………….“), verzieht sich aufs Klo, um die Tränen zu trocknen.

Derartiges Verhalten kommt einem Schuldeingestaendnis gleich, sieht aus wie Schwäche, nicht ausreichende Belastbarkeit der Mitarbeiterin usw.

Können wir hier versuchen, Strategien zum Umgang mit solchen oder ähnlichen Situationen zu erarbeiten? Das kann ja durchaus auch beim Umgang mit einem Patienten passieren. Der vielleicht unzufrieden mit dem erfolg der Behandlung ist oder aergerlich über die Höhe der Rechnung.

Bin gespannt

Liebe Gruesse

Inge

schmitz
10.02.08, 10:43
hat das nicht gemerell etwas mit selbsstbewusstsein zu tun?
wenn ich weiß, das sich meine arbeit gut machen, nach bestem wissen und gewissen, dann kann ich auch konter geben.
natürlich freundlich und sachlich korrekt

susanne

rabenstein
10.02.08, 10:59
hat das nicht gemerell etwas mit selbsstbewusstsein zu tun?
wenn ich weiß, das sich meine arbeit gut machen, nach bestem wissen und gewissen, dann kann ich auch konter geben.
natürlich freundlich und sachlich korrekt

susanne

Glueckwunsch, wenn du dich in solchen Situationen noch freundlich und sachlich aeussern kannst. Ich denke, ich koennte das nicht in jedem Fall.
Konter geben ist so eine Sache. Ist man eben nicht ganz so cool, wie du eben beschreibst, kann sich das ganz leicht wie "Zickenkrieg" anhoeren.

In meinem Team arbeiten 6 Frauen, kein einziger Mann, da kommen solche Situationen schon vor, sachlich zu bleiben ist da nicht ganz einfach, wenn die Traenen laufen:(

Liebe Gruesse

Inge

schmitz
10.02.08, 11:01
ich hab mobbing-erfahrung (passiv), ich weiß wie da sist
und ich arbeite nur mit frauen, lediglich der chef ist ein mann

ich kann sachlich und korrekt bleiben wenn es um fachliche dinge geht - denn da bin ich gut und sozusagen unangreifbar

das problem kenn ich halt von den lieben kolleginnen.... wenn mir zB meine chronische erkrankung vorgehalten wird (die ich mir ja ausgesucht habe, damit ich früher in rente kann)

da fällts mir dann auch schwer

susanne

Kerstin
10.02.08, 12:04
Interessantes Thema, Inge. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Wer kaum etwas tut (tutut...:)), der macht auch weniger Fehler.

Ich beobachte schon seit längerem, wie Menschen auf ihre eigenen Fehler reagieren.

Meine Wenigkeit ist sehr darum bemüht, die eigenen Fehler zu erklären und zu entschuldigen und ich nehme sie mir auch sehr (ich glaube zu sehr) zu Herzen.

Habe sehr oft schon Menschen beobachtet, die entweder gar nicht auf die vorgehaltene Kritik reagieren, sich scheinbar innerlich schütteln, und dann weiter ihrer gewohnten Tätigkeit nachgehen.
Ebenso gibt es Menschen, die mit einer lapidaren Bemerkung, am besten noch die Situation ins Witzige ziehend, bestens zurechtkamen und -kommen.
Das sind m.E. nach die unsensibelsten Menschen, sie lassen nicht alles so nah an sich heran, glaub ich, und kommen...scheinbar...ganz gut zurecht in der Gesellschaft.

Kann man das erlernen? Ich habs probiert, ich schaffe das nicht. Zumindest ist man dann nicht mehr diesselbe Person, man schauspielert, und im Innern spielt sich aber dasselbe ab wie eh und je...


Ich glaube auch, dass dieses Problem des Nicht-Fehler-Machen-Wollens
ein Problem der Leistungsgesellschaft ist, der Druck ist (fast) überall da und wächst ständig. Das kann nicht gut sein, das Wort "Fehler" gibt es nicht für umsonst, es darf sie geben (nicht ständig wiederholend natürlich;)) und keiner sollte denken, dass er unfehlbar ist. Mit dem Bewusstsein darüber würde sich sicher so mancher Arbeitsalltag freundlicher gestalten und der Umgang miteinander ebenso.:)

Lieber Gruß

Kerstin

Sybille
10.02.08, 12:41
Hallo Inge,
also in der Arbeitswelt ist es oft wirklich sehr schwer. Ich hatte auch mal so ein Erlebnis, daß ich sehr scharf angegriffen wurde. Ich machte die Faust in der Tasche, meine Argumente prallten ab, ich ließ den Wortschwall bei mir links rein und rechts raus. Ich wollte alles, aber nur nicht losheulen. Das hab ich geschafft, aber zuhause losgeheult wie ein Schloßhund.

Das ist schon einige Jahre her. Für mich selber habe ich dann aber festgestellt, daß ich nicht sehr kritikfähig war. Hatte ich etwas nicht ganz so gut gemacht, und es wurde ( zu Recht) kritisiert, konnte ich damit überhaupt nicht umgehen. DAS habe ich mir dann aber angeeignet, mit Kritik konstruktiv umgehen zu können. Und auch mal eingestehen können, daß mein gegenüber Recht hat, und ich etwas verbessern muß/kann. Seitdem habe ich aber auch mehr Selbstbewußtsein, wenn ich 100%ig weiß, daß ich alles richtig gemacht habe. Dann prallt alles an mir ab und ich kann sicher und ohne Faust meine Meinung und Überzeugung verteten. Das bringt dann schonmal das GEGENÜBER ins Schleudern.
Das war aber ein riesiger Lernprozeß, der auch ein Weilchen braucht.

Herzliche Grüße
Sybille

Sybille
10.02.08, 12:44
Muß noch was zum Verständnis ergänzen.
Mein Problem war auch, daß ich zum Perfektionismus neige. Wurde dann ein fehler entdeckt, traf mich das doppelt. Aber Fehler gehören zum Lerneffekt einfach dazu. Das war mir aber nicht klar. Ich fühlte mich dann wie Oberversager.
Ich versuche immer noch mein Bestes zu geben. Aber ich weiß auch, daß ich nur mein bestMÖGLICHES geben kann und nichts darüber hinaus. Das hat für mich die Sache klarer gemacht.

rabenstein
10.02.08, 15:10
Es geht hier weniger um den Fehler, der gemacht wurde, sondern vielmehr um die hohe emotionale Beteiligung bei kritischen Gespraechen.
Das sehe ich als vorrangig frauenspezifisches Problem, obwohl es sicher auch Maenner gibt, die sich damit rumschlagen.
Mir geht es auch um das Entwickeln von Strategien, diese Gefuehlsduselei in ertraegliche Bahnen zu lenken und dadurch auch argumentationsfaehig zu bleiben

Liebe Gruesse

Inge

Hildegard
10.02.08, 16:07
Hallo Inge,

ich kenne Situationen, wie die von der Dame, deren Fall du beschreibst, natürlich auch aus eigenener Erfahrung. Es git oft Menschen in Führungspositionen, die Ihrer Wut über Dinge, die nicht richtig laufen,"ohne Rücksicht auf Verluste " Luft machen. Je cholerischer der Chef ist, um so kleiner kommt man sich als zu unrecht Beschuldigte vor und immer dann, wenn man andere seine eigene persönliche "Grenze" überschreiten lässt, kommen Emotionen hoch, das ist klar. Ich kann mich an eine Situation erinnern, wo ich als 17 jährige in meinem ersten Ferienjob mehrfach von meinem äußerst cholerischen Chef vor Kunden niedergemacht worden bin. Ich war sauer und enttäuscht, habe geschwiegen und geheult (auf der Toilette) Bis zu jenem Tag, wo sich die ganze Geschichte wiederholte und ich anders reagiert habe. Obwohl dieser Herr damals auch der Chef meiner Mutter war und ich einiges riskierte, hab ich in der Situation gesagt: "Es reicht, ich hab keine Lust mehr mich von ihnen so anschreien zu lassen und 20 Leute hören dabei zu, ich kündige" und bin rausstolziert. Nun gut es war ein Ferienjob und man könnte der Dame, die die Vertretung gemacht hat nicht unbedingt raten zu kündigen bei der nächsten Situation von ähnlichem Charakter.

Was ich aber sagen möchte ist, man darf sich nicht alles bieten lassen, vor allem nicht wenn man nach besten Wissen gehandelt hat und nicht fahrlässig oder bewußt Dinge falsch gemacht hat. Derjenige, der von sich weiß, er hat Recht und der Chef hat Unrecht, der darf dem Chef nicht die Macht geben ihn zu verletzen. Es hat auch immer etwas mit dem Thema "Wieviel macht lasse ich meinem Kritiker" zu tun. Es muss in einer solchen Situation z.B. genügen, zu sagen, dass man nach besten Wissen gehandelt hat und den Fehler nicht beabsichtigt hat und vielleicht noch dass es einem leid tut. Alles was darüber hinaus an Vorwürfen kommt und was ich mir dann auch noch anhöre ist das, was ich dem anderen an Macht lasse. Die Dame hat in meinen Augen das Recht nach diesen Sätzen den Raum zu verlassen, kündigen muss sie übrigens nicht.

Nur so viel noch zur "Psychologie des Widerstands", die ich als 17 jährige erlebt habe, ich hab zwar von jenem Tag an nicht mehr im Verkauf gearbeitet, weil da hatte ich ja gekündigt, aber jener Chef hat mich allen ernstes gefragt, ob ich für seine Firma Büroarbeiten machen könnte und zwar auf sehr respektvolle Weise. Das hab ich dann auch gemacht und er hat mich nie wieder vor anderen Leuten zusammengestaucht, Kritik geübt schon.


LG

Hildegard

Jörg
10.02.08, 16:40
Es gibt dafür sicher nicht eine "Zauberlösung"... Eine Möglichkeit wäre, sich mit der Methode der Progressiven Muskelentspannung von Jacobsen vertraut zu machen um so einen Moment die Aufmerksamkeit nach innen lenken zu können... dass muss man aber in Friedenszeiten regelmäßig üben... dann kurz die eigenen Gefühlswallungen anschauen (Beobachterperspektive) und angemessen ausdrücken... (die Betroffenheit ist sowieso zu sehen...) sie auszusprechen kann den Knoten (Globusgefühl) im Hals lösen für anschließend "sachliche Argumente".

Hilfreich wäre sicher auch eine Beschäftigung mit Friedemann Schulz von Thun (miteinder Reden) um eigene Muster zu erkennen und ändern zu können.

Ein NLP Trainer würde vermutlich das Gefühl der Selbstsicherheit imaginieren lassen und dann ankern (es wäre dann sozusagen auf Knopfdruck abrufbar...)

Liebe Grüße
Jörg

Jörg
10.02.08, 16:45
Es geht hier weniger um den Fehler, der gemacht wurde, sondern vielmehr um die hohe emotionale Beteiligung bei kritischen Gespraechen.
Das sehe ich als vorrangig frauenspezifisches Problem, obwohl es sicher auch Maenner gibt, die sich damit rumschlagen.
Mir geht es auch um das Entwickeln von Strategien, diese Gefuehlsduselei in ertraegliche Bahnen zu lenken und dadurch auch argumentationsfaehig zu bleiben

Liebe Gruesse

Inge

Männer können als solche diese Gefühlsbeteiligung sicher leichter unterdrücken und ausblenden... ich bin seit einigen Jahren dabei mehr auf meine Gefühle zu achten und eher gewillt mit meiner hohen Emotionalen Beteiligung umzugehen, als mit Astma, Bluthochdruck und Rückenschmerzen...
Ich denke da kann jeder etwas lernen... Männleins und Weibleins
LG Jörg

rabenstein
10.02.08, 16:48
Männer können als solche diese Gefühlsbeteiligung sicher leichter unterdrücken und ausblenden...

Ist das vielleicht mit ein Grund dafuer, dass in den Chefetagen auch heute noch wesentlich mehr Maenner als Frauen sitzen?

Sybille
12.02.08, 16:35
Hallo Inge,

ich hab mir nochmal Gedanken gemacht.
Fakt ist ja, die Vertretung hat nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.
Reaktionen des Vorgesetzten und der zu vertretenden Kollegin sind nicht korrekt.
Ändern kann die Arme weder ihren Chef, noch die erkrankte Kollegin, die sie bestmöglich verteten hat.
Ergo: SIE muß etwas ändern. Muss an SICH arbeiten, mit solchen Zuständen besser umzugehen. Sie hat sich nichts vorzuwerfen ( höchstens ihrem Chef, daß seine Führungsqualitäten nicht die besten sind ;) ).
Sie hat ihren Vertretungsjob BESTmöglich erfüllt. Warum belastet sie also die Reaktionen der beiden anderen so? Hier ist der Ansatzpunkt. Warum geht sie zur Toilette um heimlich ein paar Tränen abzulassen, statt hocherhobenen Hauptes einfach ihre Arbeit fortzusetzen und den unschönen Vorfall abzuhaken? Oder mal mit ihrem Chef Klartext zu reden?
Man kann andere nicht ändern, nur sein eigenes Verhalten und dafür muß man erstmal an seinem eigenen Selbstverständnis arbeiten.

Liebe Grüße
Sybille

Silke Uhlendahl
12.02.08, 21:17
Ich hatte auch mal einen cholerischen Chef, der uns alle (Arztpraxis) regelmäßig auch vor Patienten angemeckert hat.

So auch mich und grundlos ich habe es eine Weile erst mal "mitgemacht" und geschluckt und auch auf`m Klöchen mal ein Tränchen weggedrückt.
Dazu kam dann noch dass teilweise auch ich mit Befundungen Probleme hatte (Röntgenbilder hat er zB vor dem Patienten umgedreht und mich angemeckert warum sie falsch rum hängen würden, was nicht der Fall war mit der Folge: Schuhhöhenausgleiche für die falsche Seite und so Dinge :eek:

Ich habe ihm dann irgendwann einfach gar keine Antworten mehr gegeben und bin ihm so gut wie möglich aus dem Weg gegangen, daraufhin kam er dann an und maulte was denn ich wohl hätte Ärger mit meinem Freund oder so...Daraufhin war ich soweit, habe ihm gesagt in mienem Privatleben wäre alles prima, aber mit ihm nicht und dass ich es unmöglich fände wie er mit uns umgehen würde und ich so keine weitere Zusammenarbeit wünschen würde und habe gekündigt.

Das war wohl vorher so noch nie für ihn dagewesen, jedenfalls hat er später sich noch mal gemeldet (da war ich schon längst woanders) ob ich nicht wieder für ihn arbeiten wolle- ich lehnte das dankend ab!

Heute habe ich im Nebenjob einen total netten Chef, es ist eher in Stress-Situationen schwierig immer Ruhe und Freundlichkeit den Patienten gegenüber in der Praxis zu bewahren, wenn man da dann grundlos angemault wird, aber das ist wohl überallso mit Großaufkommen von Kunden/Patienten und wenig Zeit und mehrfachbelastung weil soviel zeitgleich zu erledigen ist...