PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Das Bild des HP



rabenstein
16.04.06, 13:52
Hallo zusammen
Hier möchte ich versuchen, ein möglichst vielschichtiges Bild des Heilpraktikers zusammenzusuchen, mit euch allen
Dazu gehören Fragen wie:
Wo sehen wir unsere Aufgaben
Was unterscheidet uns von Medizinern (nicht qualitativ!!)
Wo sind unsere persönlichen Grenzen
Sind wir Scharlatane (was ist ein Scharlatan?)

Einige Dinge voraus:
Keine Gruppe, also auch Heilpraktiker nicht und natürlich auch Mediziner nicht, möchten an ihren schwarzen Schafen gemessen werden.
Es geht auch nicht(nicht schon wieder) um die Frage "wer ist besser", vielmehr darum "was ist anders"
Auch nicht darum, ob einzelne Methoden wissenschftlich haltbar sind, eher darum, wie die Methode angewendet wird und warum, in welcher Beziehung steht der Anwender zu seiner Methode.

Das sind nur einige wenige Gesichtspunkte, die mir so spontan eingefallen sind. Bitte unbedingt ergänzen!

Ich freue mich auf eure Antworten

Inge

gila
17.04.06, 17:31
Liebe Inge,

eine gute Idee, sich mit diesen Fragen, auseinanderzusetzen. Ich werde es nun einmal fuer mich versuchen, zu erlaeutern.

Wo sehe ich meine Aufgabe?

Bevor ich darauf zu sprechen komme, wo ich meine Aufgaben sehe, muss ich mir im Klaren darueber werden, wer sich an mich wendet.

Patienten. Wenn man das Wort " Patient " hoert, weiss jeder was damit gemeint ist, doch selten erinnert man sich daran, dass " Patient ", ein Synonym von " Behandler " ( Arzt, Heilpraktiker usw ) sein koennte. Das ist fuer mich die Basis, meinem Patienten gegenueberzutreten. ( Ich bin nicht mehr und nicht weniger als er. Wir sind Menschen! )

Patient bedeutet: geduldig, duldsam, sorgfaeltig.

Also sehe ich in meiner ersten Aufgabe, anzuerkennen, das die Definition des Wortes, ein Synonym, mit meiner Haltung, gegenueber meines Patienten einnimmt.
Gleichzeitig sehe ich auch die Moeglichkeit, meinem Patienten zu erklaeren, dass der nicht ein geduldiger Mensch im Wartezimmer ist oder duldsam darauf wartet, dass ich ihn endlich empfange, sondern das alle drei Begriffe, sich auf seine Person und Haltung und beziehen koennen. Z( Auch Krankheit als Lernprozess/Chance dulden ) ( sorgfaeltig, mit der gedanklichen Selbstanalyse )

Die Haltung eines Patienten ist oft eine sehr passive, bevor und waehrend der Behandlung. Meine Aufgabe ist es, ihm sorgfaeltig zu erklaeren, was mit/in ihm geschehen ist, welche Verantwortung er daran trug und welche er nun uebernehmen muss. Das erste Medikament/Medikation ist, eine Passivitaet, in eine Aktivitaet umzuwandeln. Das kann ein langer Prozess werden und deswegen berufe ich mich nochmals, auf die Definitionen: geduldig, duldsam, sorgfaeltig.
Wir erkennen daran, das ich mich auch hier, nicht von meinem Patienten unterscheiden kann. Nur die Postion ist verschieden, es passiert in einem " Gegenueber und Miteinander!"

Meine Aufgabe ist es, ihm zu helfen, nach bestem Wissen und Gewissen und ihn darueber aufklaeren, welche Mittel ich zur Verfuegung habe/haette und wo unser beider Grenzen beginnen. ( Der Patient gesundet nicht, ich habe meine Mittel ausgeschoepft, er braucht eine neue Konsulenz )

Ich betrachte es natuerlich als meine Aufgabe, meinen Patienten, als Ganzheitliche Erscheinung
( ad/per Integrum ) zu begruessen und alle Moeglichkeiten auszuschoepfen, die er und ich, vor unserer Menschenwuerde und Ethik, vertreten koennen.

Somit sehe ich keinen Unterschied, in der Rolle eines Heilpraktiker gegenueber der, eines Mediziners, ausser der verschiedenen Methoden.

Scharlatanerie

Scharlatanerie, ist stellenweise das Gegenteil, von dem, was ich bis jetzt erklaerte.
Ein Scharlatan, ist auch in erster Linie, ein Therapeut ( oder Pseudotherapeut ) der erstens von der Materie, nicht die geringste Ahnung hat, Zusammenhaenge nicht versteht, also auch nicht auswerten kann und der vor langer Zeit, von seinem eingenen Weg abgekommen ist und Werte wie, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Ethik, Verantwortung und Kompetenz, nicht den geringste Wichtigkeit zuteilt. ( Abgesehen davon, dass der Geldschein eine grosse Rolle spielt )
Meine Aufgabe liegt auch darin, Patienten abzulehnen, die von mir Dinge verlangen, die ich vor mir und vor der beruflichen Ethik, der Kategorie Heilpraktiker, nicht vertreten kann, denn auch ich trage eine Verantwortung, nicht nur fuer meine Person, sondern auch fuer einen Berufstand!


Abschliessend sage ich, dass ich im Bewusstsein meiner Aufgaben bin, dass ich meine Grenzen und Qualitaeten einschaetzen gelernt habe, das ich das Wort Scharlatan, zu meiner Person nicht dulde. Ausserdem ist mir bewusst, dass ich kein Arzt bin, dass ich aus Groessenwahn nicht seine Rolle uebernehmen werde und sein Kompetenzen, schaetze und anerkenne.

Vielen Dank liebe Inge

Gila

rabenstein
17.04.06, 18:05
Danke, liebe Gila

Meine Vorstellung von meinem Handeln als Heilpraktiker ist ähnlich wie Deine.
Ich sehe mich nicht als den großen Gesundmacher oder Wunderheiler.
Vielmehr stelle ich mir vor, dem Patienten, der zu mir kommt, mir sein Vertrauen entgegenbringt, Mittel und Wege an die Hand zu geben, mit sich, seinem (kranken) Körper, seiner Seele zurechtzukommen, seinen Zustand zu verbessern.
Meine Aufgabe soll es sein, dem Menschen, der als Patient zu mir kommt, zu erklären, warum sein Körper so reagiert, wie er es tut und mit ihm zusammen zu versuchen, einen besseren (gesünderen ) Weg zu finden.
Meine Aufgabe kann es nicht sein, in Frage zu stellen, was der Arzt dem Patienten mitgegeben hat, aber den Patienten das Handwerkszeug zu informativen Fragen an den Arzt mitgeben, möchte ich schon. Bei einem guten Arzt wird das nicht auf Ablehnung stoßen.
Ein Scharlatan ist ein Mensch, der die Not seiner Mitmenschen zu seinem eigenen Vorteil nützt. Die Welt ist recht voll davon, nicht nur unter HP`s und Ärzten, die gibt es überall.

Mir ist sehr bewußt, daß ich kein Arzt bin und ich sehe mich auch nicht als Konkurrenz.

Soviel mal für den Moment

Liebe Grüße

Inge

rabenstein
14.05.06, 09:36
Eine Frage in die Runde:

Welche Verhaltensweisen, welche Lebenseinstellung seht ihr im krassen Gegensatz zum HP?
Konkret meine ich damit zB
Kann ein HP gleichzeitig ein Punk sein?
Was denkt ihr über einen HP, der gleichzeitig eine Hühnerfarm besitzt

Würde mich mal interessieren, wie ihr das seht

Inge

gila
14.05.06, 10:02
Also ich meine, dass grundsaetzlich, Verhaltensweisen den Menschen der ein HP ist beeinflussen. Es waere gerade zu unmenschlich, wenn es nicht so waere.
Irgendwie ist man gepraegt.

Nun gut, ich denke das ein Punk, auch ein guter HP sein kann.
Anders herum, ueberlege ich mir, wenn er denn voller Piercings ist und mir eine Neuraltherapie nach Huneke verpassen moechte, wie er das mit seinen eigenen provozierten Stoerfeldern vereinbart?

Eine Huehnerfarm?
Na ist doch Natur pur!

Ich glaube, dass sich unsere Patienten, ihren HP oder Arzt, nicht nur nach ihren Spezialgebieten aussuchen, sondern sehr gut in der Lage sind auch zwischenmenschliche Gefuehle spielen zu lassen und im Endeffekt, muss auch hier die Chemie, irgendwie stimmen.
Sei es nun ein Punk, ein Huehnerzuechter oder ein Fallschirmspringer!

Gila

gila
30.09.06, 07:46
Hallo ihr Lieben,

vielleicht moechte hier, einer der vielen Neuankoemmlinge, mit viel Enthusiasmus, seine Gedanken niederschreiben? :)
Ihr habt euch doch bestimmt auch diese Gedanken gemacht.

Gila

rabenstein
30.09.06, 08:24
Ich merke das gerade sehr deutlich:
Patienten haben an den HP eine völlig andere Erwartungshaltung als zB an den Arzt oder in der Klinik.
Ich fühle mich manchmal wie so ein Wunderheiler, für alles und jedes soll ich eine Lösung haben und natürlich, die Leute zahlen ja gut dafür, es soll schnell gehen.
Oft begegne ich auch der Vorstellung HP = Homöopathie. Da ich davon ja nun kaum etwas verstehe, bin ich kein "richtiger" HP :mad:

Mich interessiert auch sehr, wie unsere neuen (und natürlich auch die "alten") Mitglieder sich in dieser Hinsicht sehen oder sehen wollen

Grüßele

Inge

Raissa
30.09.06, 11:13
Hallo,
ich möchte mich mal als Neuling zu Wort melden.
Mein Bild des HP ist folgendes:
- muss mich sofort von seiner Kompetenz überzeugen
- muss Wärme, Sympathie, Menschlichkeit ausstrahlen
- soll sich Zeit für mich nehmen, (Fließband kenne ich leider von meinem Arbeitsplatz in der Praxis mad: )
ich kenne da einen HP in Bottrop, da "brummt die Hütte" dermaßen, da stehen die Leute Schlange wegen so einer speziellen Diät, hüstel, hüstel...
- soll für mich als Patient verständnisvoll sein
- Humor wäre auch nicht schlecht:D (Lachen ist gesund!)
- soll mit beiden Beinen auf dem Boden stehen, also bitte nicht jemand, der in irgendwelchen Sphären schwebt und mir weismachen will, ich könnte fliegen;)
- wenn sie/er keine klassische Homöopathie macht, na und? Lasse mich auch gerne von anderen Methoden überzeugen!
So, das wärs eigentlich. Kann nur dem zustimmen, was ihr auch geschrieben habt.
Liebe Grüße
Raissa

Dolimaus
23.11.06, 00:49
Dann komme ich mal dazu, als weiterer Neuling.

Wenn meine Gedanken an einen HP gehen, ist folgendes, ich würde mir wünschen, dass dieser Mensch Zeit für mich hat. Mich nicht abfertigt und die Noten in den Augen hat, nur das Geld sieht, ohne mich als Mensch wahr zu nehmen. Es sollte ein neuer Weg sein, auf den ich mich mache, nach dem ich die Praxis verlassen habe. Ein neuer Weg zu mir selbst, eine Vermittlung von dem was mir die Krankheit oder das Ungleichgewicht mit Unwohlsein sagen will. Denn wenn der Patient, die Möglichkeit hat zu verstehen, was sein Körper sagen will, kann er auch mithelfen wieder sein Gleichgewicht zu finden. Der Körper hat die Change gesund zu werden, das ist doch das Ziel eines HP oder etwa nicht.
Es ist auch richtig, Mensch zu bleiben und zu vermitteln welche Möglichkeiten ich als HP habe, damit der Patient auch entscheiden kann, ob er seinen Beitrag aus Überzeugung an mich richtet. Menschliches mit ein an der ist doch das wichtigste, was es gibt auf der Welt. Materialismus macht uns alle Krank, dann haben wir als HP sicherlich auch eine Aussicht auf ein Überleben. Ganzheitliche Medizin soweit es einem HP erlaubt ist kann oft mehr erreichen, das was bei den praktischen Ärzten oft nicht mehr möglich ist, da dafür keine Zeit ist. Da die Gesetzlichen vorgaben, dies doch reichlich erschweren, da haben wir wieder das Fließband, welches wir nicht wollen.

Siddhartha
23.11.06, 12:19
Platon sagt dazu:

,,Einzelne Teile sollten nicht ohne Behandlung des Ganzen kuriert werden. man darf nicht versuchen den Körper ohne die Seele zu heilen. Wenn Kopf und Körper gesund sein wollen, muss zuerst der Geist behandelt werden.
Lasse Dich nicht dazu überreden, ZUERST den Körperzu behandeln, bevor die Seele gesund ist (Platon 427 -347 v.Chr.)

Nicoletta
23.11.06, 12:57
Hallo Ihr HPS HPAs und Interessierte,

Ein HP ist für mich eine Person, die sich darum bemüht den Patienten ganzheitlich zu betrachen und zu behandeln (und natürlich Hilfe zu Selbsthilfe anzubieten). Der Patient wird in seiner Persönlichkeit von ihm wahrgenommen. Es geht um mehr, als um Symptombekämpfung. Es sollte um Aufklärung über die körperlichen Vorgänge, die aus dem Lot gekommen sind gehen, damit der Pat. sich ein Bild machen kann, was da eigentlich mit ihm passiert und welche Ursachen das haben kann.
Ich denke auch nicht, dass jeder HP Homöopathie können sollte. Das ist ja nur eine Richtung. Ob Phytotherapie, Kinesiologie, TCM oder ähnliches, jede Disziplin hat ihre Wirkung ihre Berechtigung. Wenn ich glaube Homöopathie zu benötigen gehe ich zu einem HP der das kann. Wenn ich kinesiologisch behandelt werden möchte, gehe ich zum Kinesiologen...
Natürlich ist mir auch wichtig, dass er eine liebevolle Ausstrahlung hat, gut zuhören kann, sauber arbeitet,.. alles so Selbstverständlichkeiten
Ausserdem erwarte ich von einem HP auch etwas ganz wichtiges:
Wenn er etwas nicht weiß oder kann, dann soll er es auch sagen, aber das erwarte ich auch von einem Arzt und anderen Menschen. Sicher fällt das unter die Sorgfaltspflicht....

liebe Grüße
Nicoletta

gila
23.11.06, 21:20
Platon sagt dazu:

,,Einzelne Teile sollten nicht ohne Behandlung des Ganzen kuriert werden. man darf nicht versuchen den Körper ohne die Seele zu heilen. Wenn Kopf und Körper gesund sein wollen, muss zuerst der Geist behandelt werden.
Lasse Dich nicht dazu überreden, ZUERST den Körperzu behandeln, bevor die Seele gesund ist (Platon 427 -347 v.Chr.)


Das " Ganze " ist weitaus mehr, als das " Zusammen " seiner einzelnen Teile.

Gila :)