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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Buchbesprechung "Psychotherapeutische Verfahren und ihre Grundlagen"



Christian
19.03.06, 11:31
Buchbesprechung "Psychotherapeutische Verfahren und ihre Grundlagen" von Peter W. Kasten


Mit Blick auf eine möglichst effektive und gezielte Vorbereitung auf die amtsärztliche Überprüfung zur eingeschränkten Heilerlaubnis auf das Gebiet der Psychotherapie sind vielleicht viele Lernende dankbar zunächst einen kompakten und verständlichen Überblick zu den psychotherapeutischen Verfahren erhalten zu können. Bücher, die diesen Anspruch erfüllen sind leider selten.

Peter W. Kasten hat, wie er selber anmerkt, mit seinem Buch "Psychotherapeutische Verfahren und ihre Grundlagen" ein "kleines Büchlein" ohne Anspruch auf Vollständigkeit verfasst, das nicht so kompliziert und überfrachtet wie die Fachbücher aus dem Bereich der klinischen Psychologie und der Psychiatrie verfasst sein soll. Das Buch richtet sich ausdrücklich an Heilpraktiker, Heilpraktiker-Anwärter und Psychologische Berater.

Die 109 großgeschriebenen Seiten im Taschenbuchformat (DinA5) lesen sich dank einer übersichtlichen Gliederung und klaren Sprache auch ohne Vorkenntnisse auf unterhaltende Weise mühelos. Die kurzen geschichtlichen Hinweise zu den einzelnen Therapieformen tragen zum Verständnis der Verfahren bei und machen sie so lebendig.

Eine einleitende, schulenübergreifende Darstellung psychotherapeutischer Wirkprinzipien (so wie sie zB. Klaus Grawe vorgenommen hat) fehlt leider. Der Leser wird also gleich in das kalte Wasser der doch auf sehr unterschiedlichen, gegensätzlichen Weltbildern basierenden therapeutischen Schulen geworfen.

Bei der Auswahl der beschriebenen Verfahren musste sich der Verfasser angesichts der inzwischen wohl weltweit fast 500 verschiedenen psychotherapeutischen Methoden auf wenige Vertreter der psychotherapeutischen Grundrichtungen beschränken. Den drei wichtigsten Schulen (tiefenpsychologische Verfahren, verhaltenstherapeutische Verfahren und den so genannten humanistischen Verfahren) kommt dann auch der gebührende Platz zu, ohne dass eine Verästelung in exotische Untergruppen den Leser verwirren kann.

Für Irritation könnte die Art der Beschreibung der Kognitiven Verhaltenstherapie beitragen. Der Autor beschreibt diese ohne den Begriff dieser wichtigen und (zu recht oder auch zu unrecht) modernen und sehr verbreiteten Therapieform einzuführen, bzw. ohne damit zu arbeiten und sie damit in ihrer Aktualität und Bedeutung deutlich herauszuheben.

Bei der Vorstellung der tiefenpsychologischen Verfahren unterläuft Peter W. Kasten eine störende Ungenauigkeit in der Terminologie zur Darstellung des Unbewussten. Hier spricht der Autor umgangssprachlich von "Unterbewusstsein" statt von dem Unbewussten. Der Lernende sollte in diesem zentralen Thema zur Existenz des Unbewussten lieber an der (bewusst so gewählten) Terminologie von Freud (und anderen Vertretern tiefenpsychologischer Verfahren) festhalten und damit den Eindruck einer unzureichenden Auseinandersetzung mit diesen Lehren vermeiden. Auch von dem anfangs häufig verwendeten altertümlichen und inzwischen diskriminierenden Begriff "Geisteskrank" könnten sich Prüfer stören.

Eine Stärke hat das Buch bei der Darstellung der sehr anerkannten und häufig ausgeübten Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers. Hier gibt Peter W. Kasten nach einem kurzen theoretischen Überblick dann sehr praktische und hilfreiche Hinweise in der Beschreibung der Gesprächssituation. Damit wird diese Art der therapeutischen Gesprächsführung erst für den Leser in der Anwendung und Technik nachvollziehbarer und erfahrbarer als in vielen Lehrbuch-Darstellungen die sich ausführlicher mit der Theorie auseinander setzen. Dieser Abschnitt des Buches hat einen hohen Informationswert auch gerade für die amtsärztliche Überprüfung, in denen der Trend zur Demonstration von praktischen Fähigkeiten zu beobachten sein soll.

Fazit: das Buch "Psychotherapeutische Verfahren und ihre Grundlagen" ist eine gelungene kurze Einführung in dieses Wissensteilgebiet der klinischen Psychologie. Es hat aber didaktische und fachliche Lücken, die zur Vorsicht bei der Übernahme des Stoffes mahnen. Das Buch sollte daher sehr kritisch gelesen werden und es bedarf für die Prüfungsvorbereitung unbedingt weiterer Literatur zu den psychotherapeutischen Verfahren und ihrer Hintergründe. Die "lockere" Sprache und die vielen kleinen geschichtlichen Einwürfe machen das Buch gut lesbar. Für den Anwärter HP Psychotherapie ist das Buch eine Bereicherung zum Verständnis der Praxis der Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers und schon deshalb nützlich.

Psychotherapeutische Verfahren und ihre Grundlagen, Peter W. Kasten, ISBN 3-8330-1170-X

Anne-Claire
14.06.07, 15:19
Ich kann über diese sehr wohlgesonnene Bewertung nur den Kopf schütteln.

Habe mir das Buch vor einiger Zeit gekauft und ein Sammelsurium von Ungenauigkeiten, gespickt mit Rechtschreibfehlern auf Grundschulniveau vorgefunden, das Platz schindet, indem es vollkommen unnötige und übermäßig viele Freizeilen und Absätze einfügt.

Sehr wenig und lausig verfasster Inhalt, das dem Käufer schlicht das Geld aus der Tasche zieht. Ich persönlich habe mich über das ausgegebene Geld für dieses unbrauchbare "Heftchen" sehr, sehr geärgert!

Fazit: Finger weg!

kapinnow
23.08.07, 22:17
Hallo zusammen,
manchen Bücher entstehen erst beim Lesen. Die Phantasie geht mit auf die Reise. Bei diesem scheint es so zu sein. Sonst wären die Urteile nicht so kontrovers. Für die Psychotherapie-Prüfung (und auch die spätere Praxis) gilt wohl, dass man einen groben Überblick über die wichtigsten Verfahren haben sollte. Allerdings kann man ohne ein richtig gut erlerntes Verfahren auch gar nicht arbeiten, und das nur aus einem Buch zu lernen, erscheint wenig schlau.
In der Prüfung wurde ich gefragt, wie ich arbeiten würde und was ich schon gelernt hatte. Zugegeben konnte ich nur ein Verfahren nennen, mit dem ich mich seit ca. 3 Jahren beschäftige und gelobte mir noch weiter anzueignen. So musste ich dann hin und wieder einräumen, dass ich wüßte, dieses oder jenes Verfahren würde hier eingesetzt, aber da hätte ich keine persönliche Erfahrung und so müßte ich halt ggf. Patienten zu jemand anderen schicken (ggf. zum Arzt). Geschadet hat es nicht. Die Ehrlichkeit wurde mit der Erlaubnisurkunde belohnt. Aber man hat mir natürlich klar zu verstehen gegeben, dass ich bitte in weiteren Verfahren Selbsterfahrung und Praxis gewinnen sollte.
Na ja,und so geht das halt weiter. Schließlich ist es tatsächlich ein Gewinn, seine Fähigkeiten und sein Angebot zu erweitern. So ein Büchlein kann da auch einfach eine tolle Anregung sein, in welche Richtung die Reise s.o.:) gehen soll.

Liebe Grüße
Kai