eule61
29.03.07, 10:39
BPS – Borderline-Persönlichkeits-Störung
Definition
•Als Borderlinestörung bezeichnete man ursprünglich eine bestimmte Gruppe von Störungen an der Grenzlinie (engl.: Borderline) zwischen Neurose und Psychose.
•Recht bald erkannte man aber, dass diese Störungen in ihrer Gesamtheit als Persönlichkeitsstörung zu sehen sind. Der Begriff Borderline hat somit zwar seine inhaltliche Bedeutung verloren, wurde aber trotzdem beibehalten. Die Borderlinestörung zählt inzwischen zu den verbreitetsten psychischen Störungen.
•Die Borderlinestörung zählt zu den sogenannten "emotional instabilen Persönlichkeitsstörungen".
•Die Betroffenen neigen dazu, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren und leiden unter häufigen Stimmungsschwankungen. Ihre Fähigkeit der Vorausplanung ist gering und Ausbrüche intensiver Wut können zu explosivem, ggf. auch gewalttätigem Verhalten führen.
•Zudem sind Selbstwahrnehmung, eigene Zielvorstellungen und die Wahrnehmung nahe stehender Personen unklar und gestört. Ihre Neigung zu intensiven, aber unbeständigen zwischenmenschlichen Beziehungen kann zu wiederholten emotionalen Krisen mit Suiziddrohungen/ -versuchen, selbstschädigenden Handlungen und häufigem Beziehungsabbruch führen.
Ursachen
•Grund der Borderline-Störung ist unbekannt, aber sowohl Umwelt- als auch genetische Faktoren sind offensichtlich beteiligt an der Manifestation einer BPS
•Gesichert ist, dass es sich bei der vorliegenden Störung um eine Entwicklungsstörung aus den ersten drei Lebensjahren handelt
•Keine Objektkonstanz
•Häufig sexueller Missbrauch in der Kindheit
•Körperlicher Missbrauch mit Misshandlungen
•Emotionale Vernachlässigung oder emotionaler Missbrauch
•Traumatische Erlebnisse
•Häufig ambivalentes Elternhaus, diffuse Erziehungsstile, Unter- oder Überengagement der Eltern, übermäßige Kontrolle
•Trennung der Eltern, Verlust eines Elternteiles
•Vernachlässigung oder Trennung im jungen Alter
•Konflikte im Jugendalter im Rahmen der Ablösungsphase vom Elternhaus
•Gesellschaftliche Veränderung und Resonanz des Umfeldes lassen aus einer leichten Persönlichkeitsstörung eine massive Borderline-Störung entstehen
•Individualisierungstendenzen und daraus resultierender Rückgang an familiärem und sonstigem sozialen Rückhalt im Umfeld erzeugen Gefühl von Isolation und Angst vor dem Alleinsein und Verlassenwerden
•Forscher glauben, dass BPS aus einer Kombination von individueller Verletzlichkeit gegenüber umgebenden Stress, Vernachlässigung, Missbrauch als Kind und einer Reihe auslösender Ereignisse im jungen Erwachsenenalter verursacht wird
•Fraglich ist, in wie weit Erziehungsstile und Bindungsverhalten der Eltern überhaupt als „borderline-typisch“ gelten dürfen
Symptome
•Unbeständige u. unangemessen intensive zwischenmenschliche Beziehungen
•Impulsivität bei potenziell selbstzerstörerischen Verhaltensweisen
•Starke Stimmungsschwankungen
•Häufige und unangemessene Zornausbrüche
•Selbstverletzungen und Suiziddrohungen/ -versuche
•Fehlen eines klaren Ich-Identitätsgefühls
•Chronisches Gefühl von Leere und Langeweile
•Verzweifelte Bemühungen, die reale oder eingebildete Angst vor dem Verlassenwerden zu vermeiden
•Stressabhängige paranoide Fantasien oder schwere dissoziative Symptome [teilweise oder völlige Abspaltung von psychischen Funktionen, z. B. Erinnerungsvermögen, eigene Gefühle (Schmerz, Angst, Hunger, Durst,...), der Wahrnehmung der eigenen Person und/oder der Umgebung]
Abwehrmechanismen
Die Aktive Spaltung
•Borderliner spalten immer in Gut oder Böse, ihnen fehlt das innere Wissen, dass in einem Menschen gute, weniger gute und Böse Aspekte wohnen und er trotzdem als vollständige Person wahrgenommen werden kann. Die Spaltung ist ein früher Abwehrmechanismus für Säuglinge, unangenehme Gefühle von Unlust zu beseitigen und das Gefühl von Lust wieder herzustellen.
•Werden die emotionalen Bedürfnisse des Säuglings von der Mutter nicht im ausreichenden Maße erfüllt, fühlt es sich abgelehnt, so gelingt es dem Kind nicht, eine stabilen Sattheits-Grad zu erlangen. Dies verhindert die Weiterentwicklung der Persönlichkeit.
•In der Regel wird der Abwehrmechanismus der Spaltung im Zuge der Entwicklung von der Verdrängung abgelöst, mit dem Impulse ins Unbewusste „abgeschoben“ werden können, wenn sie zum gegebenen Zeitpunkt überfordern. Die Impulse können jedoch beizeiten wieder abgerufen und bearbeitet werden.
•Dieser Abwehrmechanismus der Verdrängung steht dem Borderliner nicht oder nur ungenügend zur Verfügung. Diese nicht vorhandene Möglichkeit der Verdrängung erklärt das übergroße innere Chaos des Borderliners, seinen nicht ausreichenden Schutz vor Reizüberflutung und seine hohe Kränkbarkeit.
•Hassgefühle sind immer gegenwärtig und werden sofort aktiv, sobald das Gegenüber nicht als vollständig gut wahrgenommen wird. Genauso wird positives Gefühlserleben gehandelt – Liebe, Zuneigung und Mitgefühl werden extrem und wirken auf das Gegenüber gelegentlich sogar gefährlich. Feindschaft ist unerbittlich und entsteht bei geringsten Kränkungen, z. T. an Stellen, an denen das Gegenüber die Kränkung nicht einmal erkennt.
Die primitive Idealisierung
•Ein für Borderliner typischer Abwehrmechanismus ist die primitive Idealisierung, dieser Mechanismus steht in engem Zusammenhang mit dem Prozess der Spaltung, da die Mutter zunächst als vollkommen, allmächtig und allwissend angesehen wird. Sie gibt Sicherheit und Schutz.
•Auch dieser Mechanismus wird bei Borderline aufgrund ungenügender Sättigung nicht durch reifere Mechanismen abgelöst. Daher sucht der Borderliner auch später immer wieder Personen, die er idealisieren kann, um das Gefühl von Schutz und Sicherheit herzustellen. Dabei fehlt jedoch die echte Wertschätzung der Person, die eigene Sicherheit steht klar im Vordergrund im Gefühlserleben.
•Meist werden nicht nur Partner und nah stehende Menschen idealisiert, sondern zunächst auch der Therapeut. Je mehr die therapeutische Beziehung an Reife und realistischer Wahrnehmung gewinnt, je klarer realisiert werden kann, dass jeder Mensch Stärken und Schwächen in sich vereint, desto eher wird der Mechanismus der primitiven Idealisierung von reiferen Mechanismen ersetzt.
•Das Erkennen, dass idealisierte Personen auch Schwächen haben, zieht Trauerarbeit nach sich, die für den Borderliner klar mit Angst und Unsicherheit verbunden sind.
Projektive Identifikation
•Beim Borderliner werden durch innere Prozesse Gefühle von Bedrohung, tiefer Wertlosigkeit, Wut und Hass auf sich selbst, Vernichtungsängste, Selbstablehnung und tiefer Angst freigesetzt (Angst, nicht zu genügen, Angst, nicht geliebt zu werden, Angst nicht frei zu sein, also gegängelt zu werden).
•Betäubungsmittel sind einfachste Form der (Schein-) Bewältigung, die nächst einfache Möglichkeit ist, diese inneren Vorgänge in einen anderen Menschen hinein zu projizieren. Sie werden am anderen wahrgenommen und dort auch bekämpft, die normalerweise innen stattfindende Konfliktbewältigung wird nun ins Außen verlagert und dort ausgetragen.
•Die innere Konfliktbewältigung ist für Betroffene nicht möglich, die eigene Störung muss immer auf das Gegenüber übertragen werden. Hierfür braucht der Betroffene jedoch Menschen, die fähig sind, enge Beziehungen einzugehen.
•Die Übertragung geschieht mittels Unterstellungen, Behauptungen, überspitzten Deutungen, übertriebenen und unerfüllbaren Forderungen. Das Spiele-Repertoire ist sehr breit gefächert, die radikal-ansprüchlichen Forderungen zwingen meist zur Reaktion und zum Setzen von Grenzen. Wird dem nicht nachgegeben, wird dies als Zurückweisung gewertet.
•Sie fühlen sich in gelungenen Projektionen dieser Art ihrem Gegenüber als einem rachsüchtigen, verfolgenden Menschen ausgesetzt, der vernichtet werden muss, bevor man selber vernichtet ist.
•Dergestalt subtile Manipulationen verleiten das Gegenüber in schwachen Momenten, so zu fühlen, zu denken und zu handeln wie der Betroffene es überträgt. Man beginnt an sich und der eigenen Wahrnehmung zu zweifeln und reagiert, wie es dem projizierden Gefühlserleben des Betroffenen entspricht.
•Lediglich ein klares, stabiles Selbstbild und regelmäßiges Spiegeln durch ein drittes, unbeteiligtes Auge im Außen erhalten in solchen Fällen den Angehörigen oder Therapeuten auf Dauer die emotionale Sicherheit, denn der Dauer-Beschuss zerschlagt auch den stärksten Selbstwert irgendwann. Hierzu an späterer Stelle mehr.
•Ursache all dieser projektiven Spiele ist Angst, vergleichbar mit der Todesangst des Säuglings vor Vernichtung – das Verhalten ist erklärbar, jedoch für das Umfeld nur schwer zu ertragen, da permanentes Misstrauen und Kämpfen in Beziehung jeden auf lange Sicht zermürbt.
Die Verleugnung
•Das Nicht-Wahrhabenwollen von Gefühlen ist ein weiterer Abwehrmechanismus im Leben der Borderliner, genannt die Verleugnung.
•Die klare Sicht auf die Tatsache, dass das momentane Verhalten im krassen Widerspruch zu seinem Verhalten kurz vorher steht und in einer halben Stunde auch schon nicht mehr „wahr“ sein kann, ändert nichts an der Tatsache, dass es emotional nicht empfunden wird in diesem Moment. Das Gefühl wird gesehen, real erkannt, jedoch emotional verleugnet.
•Bei einer ganzheitlichen Wahrnehmung würde der Borderliner in solchen Momenten im Stande sein, Schuld, Scham und Betroffenheit zu spüren und einzugestehen. Er könnte sich entschuldigen und sein Verhalten wieder gut machen. Dem Borderliner ist dies nicht gegeben. Diese Gefühle werden in solchen Momenten verleugnet, nicht empfunden und sind also vom Gegenüber auch nicht zu bekommen.
•Besonders gefährlich ist dies in Situationen, wo Angst verleugnet wird und es um riskante Manöver geht, in denen berechtigte Angst sonst als Schutzfunktion fungiert (Autofahren und das Risiko bei tollkühnen Aktionen zu verleugnen bspw.)
Diagnose und Einordnung
•Zwischenzeitlich ist die BPS als eine von anderen Persönlichkeitsstörungen abgrenzbare Störung nach den im DSM oder ICD-10 festgelegten Kriterien diagnostizierbar, sofern überhaupt eine Diagnose-Möglichkeit besteht
•Da viele Betroffene keine realistische Selbstwahrnehmung haben und auch ihr Umfeld nicht realistisch wahrnehmen, zweifeln sie eher an der Wahrnehmung des Umfeldes als daran, dass mit ihnen selber „etwas nicht stimmt“. Oft scheitert eine klare Diagnose an der Zustimmung der Patienten, die sich als „völlig normal“ erleben und somit keinen Handlungsbedarf sehen.
•Oft sind Diagnosen erst möglich, wenn Klinikaufenthalte erforderlich werden und Außenstehende die widersprüchlichen Aussagen durch Testungen belegen können.
•Siehe ICD-10 Kapitel V F 60.31
Verlauf der Störung
•Häufig sind borderline-typische Verhaltensweisen schon in der Kindheit und Jugend zu beobachten.
•Verlauf oft chronisch
•Neben anhaltender Instabilität in verschiedenen Bereichen (Beziehung, Schule, Ausbildung, Beruf) häufig Phasen von emotionalem Kontrollverlust, selbstschädigendem Verhalten und häufigem Therapeutenwechsel, sofern überhaupt eine Therapie statt findet
•Mit fortschreitendem Alter nimmt Intensität der Störung jedoch in der Regel ab.
•Ab dem 40. Lebensjahr ist häufig eine größere Stabilität sowohl in Beziehung als auch in Beruf zu beobachten.
Häufigkeit der Störung
•Derzeit sind in Deutschland ca. 2-3 % der Erwachsenen betroffen, Frauen statistisch dreimal häufiger als Männer. Missbrauchte Frauen werden allerdings eher klinisch und Männer eher forensisch (als Straftäter) u. somit häufig vorrangig antisozial auffällig, was die Geschlechterdifferenz in der Diagnostik erklären könnte. Die Dunkelziffer ist sehr hoch. Man vermutet darüber hinaus auch, dass viele der gewalttätigen Gefängnisinsassen Borderline-Züge tragen.
Therapie und Behandlung
•Die BPS kann kaum direkt durch Medikamentengabe behandelt werden.
•Sinnvoll kann je nach Intensität der Symptome eine Gabe von Lithiumpräparaten sein zur Dämpfung der Stimmungsschwankungen, von Antidepressiva zur Linderung der Depression und/oder von gering dosierten Neuroleptika, um psychotische Symptome abzufangen.
•Es kommen aus dem Spektrum der psychotherapeutischen Methoden vor allem Verhaltens-, Sozial- und Gruppentherapien zum Einsatz.
•Ziel dieser Therapien ist ein schrittweises Erlernen von angemessenem Sozialverhalten als Ersatz für gestörtes Verhalten. Wichtig sind dabei die Konstanz hinsichtlich Bezugspersonen und vorsichtige restrukturierende Maßnahmen im sozialen Umfeld.
•SET-Kommunikation als hilfreiche Methode für den Austausch über und die Förderung von Wahrnehmung hinsichtlich der niedrigen Kritikfähigkeit und anderen Sicht
Speziell für Borderline entwickelte Therapieformen:
Dialektisch-behaviourale Therapie (DBT) nach Marsha Linehan
•Konzept aus Erkenntnissen der wissenschaftlichen Psychologie, der Verhaltenstherapie, Elementen des Zen-Buddhismus und der dialektischen Gesprächsführung
•Es wird zunächst die Vorgeschichte unter verhaltensanalytischen Gesichtspunkten eruiert, dann ein Behandlungsvertrag festgelegt, der Häufigkeit von Sitzungen, Vorgehen bei Terminabsagen u. ä. regelt.
•Schwierigkeiten mit der Wahrnehmung von Gefühlen stehen im Vordergrund, insbesondere das Erkennen von Gefühlen, die Unklarheiten erzeugen, mit dem Ziel, Vertrauen und Verlässlichkeit zu erarbeiten. Des weiteren werden alternative Bewältigungsstrategien für Wut und Hass erarbeitet, neue Fertigkeiten erworben bzgl. sozialer Kompetenz, Emotionstraining, Krisen- und Stressbewältigung und Achtsamkeitstraining.
•Besondere Merkmale sind das auf die vorliegende Problematik zugeschnittene Beachten von selbstgefährdendem Verhalten und Suizidalität, therapiegefährdenem Verhalten, Verhalten, das die Lebensqualität erheblich einschränkt und die Notwendigkeit eines Trainings der neu erlernten Fähigkeiten in der Gruppe.
•Es wird in der Regel über die Therapiesitzungen hinaus eine telefonische Krisenintervention mit klar formulierten Regularien angeboten, um selbstschädigendes Verhalten abwenden zu können. Mit schriftlich fixierten Vereinbarungen in Absprache erfolgt also zunächst Strukturvorgabe von außen, bis neu erlernte Skills greifen.
Die übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP)
•Hierbei handelt es sich um eine modifizierte tiefenpsychologische Psychotherapieform, die auf die besonderen Schwierigkeiten und Bedürfnisse der BPS eingeht.
•Abgewandelt zur herkömmlichen tiefenpsychologieschen Therapie, die mehr Fragen stellt als sie Antworten vorgibt, was dem eh schon recht unstrukturierten Borderliner Mühe bereitet, wurde hier die Strukturvorgabe von außen kombiniert mit dem Schwerpunkt auf der Übertragung.
•Die Übertragung (für den Therapeuten, auf den übertragen wird, nicht immer ganz einfach) macht alte Beziehungsmuster sichtbar und somit auch veränderbar.
•Abwehrmechanismen sollen vom Betroffenen verstanden werden, um sie durch reifere zu ersetzen.
•Auch hier wird mit Behandlungsverträgen gearbeitet, die Vorgeschichte wird per Gespräch eruiert soweit möglich, die Übertragungen häufen sich, helfen jedoch, Wut und Hass anders handeln zu lernen, alte Strukturen zu erkennen und durch neue zu ersetzen.
•In dieser Mittelphase kommt es dann auch vermehrt zu depressiven Verstimmungen, Fragen zum Selbstwert und der Identität, auch der sexuellen, werden berührt.
•In der Schlussphase nimmt der Therapeut sich zunehmend zurück, der Patient hat gelernt, den inneren Dialog mit sich zu führen, der Therapeut kann sich nun darauf beschränken, durch Interpretationen und Deutungen die innere Entwicklung des Patienten zu fördern.
•Ziel ist die Verselbstständigung des Patienten, das Entbehrlich-Werden des Therapeuten und dies ist auch das zentrale Anliegen dieser Schlussphase.
•TFP eignet sich nicht für Betroffene, die Süchte entwickelt haben und deren selbstschädigende Tendenzen sehr groß sind.
•Im Vergleich: beide Therapieformen gut strukturiert, relativ wenig Therapieabbrüche, klarer Fokus auf Reduzieren selbstschädigenden Verhaltens und Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen; beide auf längeren Behandlungszeitraum ausgelegt, sehen engere Therapeuten-Patienten-Beziehung vor und ermöglichen dem Therapeuten durch Hierarchisierung der Themen oder telefonische Kontaktaufnahme mehr Spielraum für aktive Intervention
•Während die DBT sich auf die Verbesserung von durch äußere Reize verursachten Verhaltens, die Emotionsregulierung und die Impulskontrolle konzentriert, will die TFP im übertragenen Sinne das innere Bild des Patienten verändern, alte Rollen wiederbeleben, neu besetzen und über diese Neubesetzungen ein verändertes Verhalten erreichen.
•Wie erfolgreich diese recht neuen Therapieformen langfristig sind, ist noch nicht gesichert. Bisher lässt sich jedoch sagen, dass die DBT recht gute Erfolge in der Reduzierung von Suizidalität und Selbstverletzung zu verzeichnen hat, während die TFP eher auf dem Sektor der Depressionen Erfolge verbucht. Hier muss je nach Ausprägung der Symptomatik entschieden werden, welche Form sich besser eignet.
Kinder und Borderline
•Bei Kindern mit Borderline-Symptomen spricht man noch nicht von einer Persönlichkeitsstörung, sondern von einer Entwicklungsstörung. Inwieweit sich die in diesen jungen Jahren zu findende Borderline-Symptomatik, die ja nun im wesentlichen eine bestimmte Anhäufung von neurotischen Verhaltensweisen ist, von den eh etwas chaotischen Strukturen beim Prozess des Erwachsenwerdens klar abgrenzen lässt, ist nicht wirklich eindeutig.
•Neben der Information, Aufklärung über das eventuell vorliegende Störbild, der edukativen Hilfe für Eltern, einer eventuell erforderlichen Familientherapie und Strukturierung des Kindes/Jugendlichen von außen vordergründig ist es allerdings im Falle einer erforderlichen Klinikunterbringung wegen Suizidgefahr äußerst schwierig, einen geeigneten Platz für unter 18jährige auf einer speziell für Borderliner zugeschnittenen Therapiestation zu bekommen. Hier ist das Angebot für Jugendliche noch sehr dünn bis nicht vorhanden.
•Das Jugendamt und Familien- und Erziehungsberatungsstellen sind bei Verdachtsmomenten und ausufernden Erziehungsproblemen Anlaufstellen und bieten Beratung und Unterstützung an, darüber hinaus sollte eine Kinder-Psychotherapie bei einem dafür ausgebildeten Therapeuten erwogen werden.
Borderline und Sucht
•Viele Borderliner sind suchtkrank.
•Neben der Sucht, Beziehung zu zerstören oder zu idealisieren, sind Begleitsüchte wie Alkohol, Drogen, Spielen, Internet, Sex oder Arbeit zahlreich und durchaus üblich.
•Hier ist generell zu sagen, dass zunächst die Begleitsüchte in den Griff zu bekommen sind, bevor eine Therapie der eigentlichen „Suchterkrankung“ gewinnbringend und Erfolg versprechend ist.
Borderline und Beziehung
•Das einzig Stabile in der Beziehung mit einem Borderliner ist die Instabilität.
•Echte Anteilnahme und Schuldgefühle können seitens des Borderliners nicht entwickelt werden, was die Beziehung sehr einseitig auf die Bedürfnisse des Borderliners reduziert.
•Maßlose Ansprüchlichkeit und Rücksichtslosigkeit kennzeichnen das Leben für den Partner. Er wird „instrumentalisiert“ und für die Erfüllung der Borderline-Bedürfnisse manipuliert und benutzt.
•Diese Manipulationen dienen der Abwehr zum Teil schon wahnhafter Ängste.
•Gelingt die Manipulation und damit die Beherrschung des Partners nicht, wird die Beziehung seitens des Borderliners beendet, er zieht sich in Allmachtsfantasien und blinden Optimismus zurück, das Gegenüber wird völlig entwertet.
•Borderliner sind hochemotional und in den meisten Fällen auch ziemlich intelligent. Sie sind in der Lage, sich hochpräzise in das Gefühlsleben des Partners einzufühlen, entwickeln hierbei zum Teil schon paranormale Talente. So sind sie häufig überlegen und damit eine Bedrohung für die Autonomie des Partners.
•Der Borderliner hat Sehnsucht nach stabiler Bindung, ist jedoch durch den immer wieder ablaufenden Prozess der Spaltung zu konstanten Beziehungen nicht fähig. Er nimmt den Partner immer nur in Teilaspekten wahr, nie als Ganzes.
•Er hasst ihn über Gebühr oder liebt ihn grenzenlos, dies kann innerhalb kürzester Zeit von einem Extrem ins andere umkippen.
•Eine ausgeglichene, konstante Beziehung ist nicht möglich, da positive Zuwendung und Aufmerksamkeit zwar gesucht und gefordert wird, jedoch nicht ertragen wird. Schnell fürchtet der Borderliner den Verlust seiner persönlichen Freiheit, fühlt sich gefangen und glaubt, seine Identität aufgeben zu müssen.
•Sobald dies geschieht, inszeniert er sein typisches Spiel: Er wertet das Gegenüber ab mit dem Ziel Distanz zu schaffen. Ziel ist hier eine Schein-Autonomie zum Erhalt der Freiheit.
•Ist ihm das gelungen, bekommt er Angst (berechtigte), den Partner zu verlieren. Da er Verlassenwerden wie psychischen und physischen Tod erlebt, muss er den Verlust unbedingt vermeiden und das Borderline-Spiel des Idealisierens beginnt erneut.
•Beziehung ist ein permanentes Hin und Her, Ruhe ist selten und vor allem nie lange. Beziehung mit einem Borderliner ist, wenn man die Umstände, Hintergründe und Lösungsansätze für ein Leben mit Borderline nicht kennt, ein Teufelskreis, der häufig mit dem Verlust des Selbstwertes des Partners endet.
•Das oft gestörte Sexualverhalten des Borderliners kann ebenfalls ein Problem in Beziehung werden. Promiskuität ist ebenso wie Prostitution, Perversionen, Sexsucht oder zwanghaftes Onanieren zu beobachten, was Beziehung sicher erschwert.
•Partner müssen die vorhandenen Strukturen klar erkennen, selbst sehr stabil im Selbstwert sein, klare Strukturen haben und auch vorgeben können, konsequent und messerscharf Grenzen setzen, die dann auch Konsequenzen zur Folge haben müssen, die jedoch nicht den Entzug von Liebe nach sich ziehen.
•Selbst starke und klare Persönlichkeiten haben Schwierigkeiten, dies ohne Rückendeckung und Stützkorsett von außen durchzustehen, gesetzt den Fall, sie haben das vor. Hier ist ein stabiler Freundeskreis mit Kenntnis der Sachlage und/oder eine verständnisvolle und aufgeklärte Familie wichtig, um bei eigener Schwäche auch selber aufgefangen werden zu können. Der Borderline-Partner tut es nicht, denn er kann es zunächst einmal nicht.
•Das Hauptproblem auf dem Weg aus dem inneren Chaos in eine strukturiertere Welt scheitert - wie bei allen Störungen mit Suchtcharakter - leider meist daran, dass dem Betroffenen die Einsicht in sein Suchtverhalten fehlt.
•Die Aufklärung der Betroffenen zieht zwar zunächst oft eine Verschlimmerung der Sypmtomatik nach sich, ist aber unerlässlich für das Verstehen des Störbildes. Der Betroffene muss wissen, dass es eine schwere Störung in seiner eigenen Geschichte gab, die verantwortlich ist für das, was bisher war.
•Darüber hinaus muss er aber auch erkennen, dass dies nur die Ursache war und in der Zukunft ER allein nun dafür verantwortlich ist, wenn er andere Menschen emotional verletzt. Dieses Wissen soll ihn nicht kränken, sondern ihm den Weg in ein stabileres Umgehen mit anderen Menschen bereiten.
Heilungschancen
•Chance auf völlige Heilung ist eher gering, und sie ist umso geringer, je früher und intensiver die Störung auftrat
•Erlernen von neuen Skills für den Umgang mit den Symptomen der Störung ist bei Durchhalten der Therapie durchaus von Erfolg gekrönt – Hauptproblem ist der häufige Therapieabbruch und die Auswahl des Therapeuten, der sich gezielt mit den Problemen des Störbildes auskennen sollte
•Bei rund 10 % der BPS-Betroffenen geht die Störung im Laufe der Zeit so weit zurück, dass die Diagnose Borderline nicht mehr zutrifft, obwohl nach wie vor Symptome einer leichten Persönlichkeitsstörung auftreten
•Neue und eigens auf BPS zugeschnittene Therapieformen versprechen höhere Heilungschancen, eine verbesserte Struktur und eine verbesserte Beziehungsfähigkeit sind mittels Therapie auf jeden Falls deutlich zu erreichen.
•Viele Borderliner führen – ggf. mit phasenweiser Unterstützung durch eine Psychotherapie – ein über weite Strecken „normales“ Leben.
•Eine besondere Gefahr ergibt sich aus der Neigung zu selbstschädigendem Verhalten. Dies sollte ggf. auch mit therapeutischer Hilfe eingegrenzt werden, um nicht Gesundheit oder Leben zu gefährden.
Tipps für den Umgang
•Es ist schwierig, mit jemandem nah zusammen zu leben, der nach dem Motto Beziehung führt: “Komm Du mir nicht zu nah, aber lass mich ganz nah an Dich ran.”, denn so wird Kontrolle in Beziehung seitens des Borderliners und somit auch ein “Machtspiel” möglich.
•Derjenige, der ein “normales” im Sinne von beziehungstaugliches Maß an Nähe und Distanz fordert, muss sich der Tatsache bewusst sein, dass er dieses Spiel “verliert”, wenn er sich nicht selber sehr gut kennt und abgrenzen kann.
•Ein klares Selbstbild ist Grundvoraussetzung, soll dies überhaupt gelingen.
•Ein Stützrahmen im Umfeld mit Kenntnissen über die Störung ist dringend nötig (Familie, Freunde, Selbsthilfegruppe, Supervision).
•Entpersonalisieren (eigene Person vom Geschehen trennen)
•SET-Kommunikation (Support, Empathy, Truth)
•Klare eigene Grenzen erkennen und setzen, die nicht überlaufen werden können
•Zu große Nachgiebigkeit und zuviel Verständnis für inadäquates Verhalten macht Grenzverletzungen erst möglich.
•Gelassenheit, ruhiges, überlegtes Reden und Handeln
•Emotionale Neutralität in Krisensituationen u. innere Distanz zum Symptom selber herstellen (Kopf vor Bauch)
•Zulassen von eigener Angst, Hilflosigkeit, Wut und Enttäuschung, Wahrnehmen dieser eigenen Gefühle und ihrer Berechtigung bezüglich des Verhaltens
•Keine Vorwürfe an den Borderline-Partner, aber auch keine Selbstzweifel und Selbstvorwürfe, um in Krisenzeiten Distanz zum Verhalten bekommen zu können
•Keine ungerechtfertigten Vorwürfe des BL annehmen, schlechtes Gewissen ablegen, Rückgabe des Problems an den Betroffenen mit den ruhigen Worten “Das ist nun aber Dein Problem und nicht meins.”
•Selber emotional nicht blockieren, sondern als Mensch erreichbar bleiben mit Distanz zum Geschehen
•Anerkennung und Wertschätzung der Borderline-Persönlichkeit, nicht des unpassenden Verhaltens, und ebenso der eigenen Gefühle
•Die Wut und Hilflosigkeit des Borderliners nicht über das übliche Spiel der Projektion annehmen
•Ggf. Beziehungspausen vereinbaren mit festen Vereinbarungen
•Therapie des Borderliners - Einbeziehen der Angehörigen, um klares Bild zeichnen zu können
•Nichts verschleiern oder beschönigen, weder dem BL-Partner noch anderen Personen gegenüber, sachlich und vorwurfsfrei auf nicht brauchbares Verhalten hinweisen, auch wenn das zunächst schwer fällt - es trainiert sich
•Wenn verbale Kommunikation nicht mehr gelingt, schreiben - Brief an den Borderliner selber oder im Zweifel Tagebuch
•Suizid kündigt sich an durch ansteigende Spannung, Gefühl von Leere, Reden von Hoffnungslosigkeit u. Sinnlosigkeit und sozialem Rückzug
•Akute Gefahr droht bei hochriskanten Verhaltensweisen (z. B. Autofahren), Suizidfantasien, Identifikationen mit Menschen, die sich umgebracht haben oder dem Verschenken persönlicher und wichtiger Dinge
•Angehörige und Betreuer müssen diese Phasen erkennen und nun nicht die Welt und den Betroffenen “retten” wollen, sondern die Verantwortung abgeben an Fachleute
•Thema offen ansprechen, nicht wie ein rohes Ei behandeln oder um den heißen Brei herum reden
•Verständigen des Hausarztes oder Notarztes, ggf. Einweisen in Psychiatrie, bis akute Gefahr gebannt ist
•Ohne Vorwürfe klar u. sachlich bleiben, Fakten schaffen
•Notwendigkeit neutraler und professioneller Hilfe klar vertreten
•Anbieten, Kontakt für Krisenintervention herzustellen, damit Situation gemeistert werden kann
•Borderline-Beziehungen stabilisieren sich im Laufe der Jahre, wenn diese Regeln alle beachtet werden.
•Verhalten des Borderliners wird vertraut, bekommt ein erkennbares System für Angehörige und Betreuer und wirken nicht mehr so zerstörend.
Wie üblich mit bisschen zerschossener Formatierung, aber das Wesentliche ist drin, denke ich mal :) Gruß, eule
Definition
•Als Borderlinestörung bezeichnete man ursprünglich eine bestimmte Gruppe von Störungen an der Grenzlinie (engl.: Borderline) zwischen Neurose und Psychose.
•Recht bald erkannte man aber, dass diese Störungen in ihrer Gesamtheit als Persönlichkeitsstörung zu sehen sind. Der Begriff Borderline hat somit zwar seine inhaltliche Bedeutung verloren, wurde aber trotzdem beibehalten. Die Borderlinestörung zählt inzwischen zu den verbreitetsten psychischen Störungen.
•Die Borderlinestörung zählt zu den sogenannten "emotional instabilen Persönlichkeitsstörungen".
•Die Betroffenen neigen dazu, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren und leiden unter häufigen Stimmungsschwankungen. Ihre Fähigkeit der Vorausplanung ist gering und Ausbrüche intensiver Wut können zu explosivem, ggf. auch gewalttätigem Verhalten führen.
•Zudem sind Selbstwahrnehmung, eigene Zielvorstellungen und die Wahrnehmung nahe stehender Personen unklar und gestört. Ihre Neigung zu intensiven, aber unbeständigen zwischenmenschlichen Beziehungen kann zu wiederholten emotionalen Krisen mit Suiziddrohungen/ -versuchen, selbstschädigenden Handlungen und häufigem Beziehungsabbruch führen.
Ursachen
•Grund der Borderline-Störung ist unbekannt, aber sowohl Umwelt- als auch genetische Faktoren sind offensichtlich beteiligt an der Manifestation einer BPS
•Gesichert ist, dass es sich bei der vorliegenden Störung um eine Entwicklungsstörung aus den ersten drei Lebensjahren handelt
•Keine Objektkonstanz
•Häufig sexueller Missbrauch in der Kindheit
•Körperlicher Missbrauch mit Misshandlungen
•Emotionale Vernachlässigung oder emotionaler Missbrauch
•Traumatische Erlebnisse
•Häufig ambivalentes Elternhaus, diffuse Erziehungsstile, Unter- oder Überengagement der Eltern, übermäßige Kontrolle
•Trennung der Eltern, Verlust eines Elternteiles
•Vernachlässigung oder Trennung im jungen Alter
•Konflikte im Jugendalter im Rahmen der Ablösungsphase vom Elternhaus
•Gesellschaftliche Veränderung und Resonanz des Umfeldes lassen aus einer leichten Persönlichkeitsstörung eine massive Borderline-Störung entstehen
•Individualisierungstendenzen und daraus resultierender Rückgang an familiärem und sonstigem sozialen Rückhalt im Umfeld erzeugen Gefühl von Isolation und Angst vor dem Alleinsein und Verlassenwerden
•Forscher glauben, dass BPS aus einer Kombination von individueller Verletzlichkeit gegenüber umgebenden Stress, Vernachlässigung, Missbrauch als Kind und einer Reihe auslösender Ereignisse im jungen Erwachsenenalter verursacht wird
•Fraglich ist, in wie weit Erziehungsstile und Bindungsverhalten der Eltern überhaupt als „borderline-typisch“ gelten dürfen
Symptome
•Unbeständige u. unangemessen intensive zwischenmenschliche Beziehungen
•Impulsivität bei potenziell selbstzerstörerischen Verhaltensweisen
•Starke Stimmungsschwankungen
•Häufige und unangemessene Zornausbrüche
•Selbstverletzungen und Suiziddrohungen/ -versuche
•Fehlen eines klaren Ich-Identitätsgefühls
•Chronisches Gefühl von Leere und Langeweile
•Verzweifelte Bemühungen, die reale oder eingebildete Angst vor dem Verlassenwerden zu vermeiden
•Stressabhängige paranoide Fantasien oder schwere dissoziative Symptome [teilweise oder völlige Abspaltung von psychischen Funktionen, z. B. Erinnerungsvermögen, eigene Gefühle (Schmerz, Angst, Hunger, Durst,...), der Wahrnehmung der eigenen Person und/oder der Umgebung]
Abwehrmechanismen
Die Aktive Spaltung
•Borderliner spalten immer in Gut oder Böse, ihnen fehlt das innere Wissen, dass in einem Menschen gute, weniger gute und Böse Aspekte wohnen und er trotzdem als vollständige Person wahrgenommen werden kann. Die Spaltung ist ein früher Abwehrmechanismus für Säuglinge, unangenehme Gefühle von Unlust zu beseitigen und das Gefühl von Lust wieder herzustellen.
•Werden die emotionalen Bedürfnisse des Säuglings von der Mutter nicht im ausreichenden Maße erfüllt, fühlt es sich abgelehnt, so gelingt es dem Kind nicht, eine stabilen Sattheits-Grad zu erlangen. Dies verhindert die Weiterentwicklung der Persönlichkeit.
•In der Regel wird der Abwehrmechanismus der Spaltung im Zuge der Entwicklung von der Verdrängung abgelöst, mit dem Impulse ins Unbewusste „abgeschoben“ werden können, wenn sie zum gegebenen Zeitpunkt überfordern. Die Impulse können jedoch beizeiten wieder abgerufen und bearbeitet werden.
•Dieser Abwehrmechanismus der Verdrängung steht dem Borderliner nicht oder nur ungenügend zur Verfügung. Diese nicht vorhandene Möglichkeit der Verdrängung erklärt das übergroße innere Chaos des Borderliners, seinen nicht ausreichenden Schutz vor Reizüberflutung und seine hohe Kränkbarkeit.
•Hassgefühle sind immer gegenwärtig und werden sofort aktiv, sobald das Gegenüber nicht als vollständig gut wahrgenommen wird. Genauso wird positives Gefühlserleben gehandelt – Liebe, Zuneigung und Mitgefühl werden extrem und wirken auf das Gegenüber gelegentlich sogar gefährlich. Feindschaft ist unerbittlich und entsteht bei geringsten Kränkungen, z. T. an Stellen, an denen das Gegenüber die Kränkung nicht einmal erkennt.
Die primitive Idealisierung
•Ein für Borderliner typischer Abwehrmechanismus ist die primitive Idealisierung, dieser Mechanismus steht in engem Zusammenhang mit dem Prozess der Spaltung, da die Mutter zunächst als vollkommen, allmächtig und allwissend angesehen wird. Sie gibt Sicherheit und Schutz.
•Auch dieser Mechanismus wird bei Borderline aufgrund ungenügender Sättigung nicht durch reifere Mechanismen abgelöst. Daher sucht der Borderliner auch später immer wieder Personen, die er idealisieren kann, um das Gefühl von Schutz und Sicherheit herzustellen. Dabei fehlt jedoch die echte Wertschätzung der Person, die eigene Sicherheit steht klar im Vordergrund im Gefühlserleben.
•Meist werden nicht nur Partner und nah stehende Menschen idealisiert, sondern zunächst auch der Therapeut. Je mehr die therapeutische Beziehung an Reife und realistischer Wahrnehmung gewinnt, je klarer realisiert werden kann, dass jeder Mensch Stärken und Schwächen in sich vereint, desto eher wird der Mechanismus der primitiven Idealisierung von reiferen Mechanismen ersetzt.
•Das Erkennen, dass idealisierte Personen auch Schwächen haben, zieht Trauerarbeit nach sich, die für den Borderliner klar mit Angst und Unsicherheit verbunden sind.
Projektive Identifikation
•Beim Borderliner werden durch innere Prozesse Gefühle von Bedrohung, tiefer Wertlosigkeit, Wut und Hass auf sich selbst, Vernichtungsängste, Selbstablehnung und tiefer Angst freigesetzt (Angst, nicht zu genügen, Angst, nicht geliebt zu werden, Angst nicht frei zu sein, also gegängelt zu werden).
•Betäubungsmittel sind einfachste Form der (Schein-) Bewältigung, die nächst einfache Möglichkeit ist, diese inneren Vorgänge in einen anderen Menschen hinein zu projizieren. Sie werden am anderen wahrgenommen und dort auch bekämpft, die normalerweise innen stattfindende Konfliktbewältigung wird nun ins Außen verlagert und dort ausgetragen.
•Die innere Konfliktbewältigung ist für Betroffene nicht möglich, die eigene Störung muss immer auf das Gegenüber übertragen werden. Hierfür braucht der Betroffene jedoch Menschen, die fähig sind, enge Beziehungen einzugehen.
•Die Übertragung geschieht mittels Unterstellungen, Behauptungen, überspitzten Deutungen, übertriebenen und unerfüllbaren Forderungen. Das Spiele-Repertoire ist sehr breit gefächert, die radikal-ansprüchlichen Forderungen zwingen meist zur Reaktion und zum Setzen von Grenzen. Wird dem nicht nachgegeben, wird dies als Zurückweisung gewertet.
•Sie fühlen sich in gelungenen Projektionen dieser Art ihrem Gegenüber als einem rachsüchtigen, verfolgenden Menschen ausgesetzt, der vernichtet werden muss, bevor man selber vernichtet ist.
•Dergestalt subtile Manipulationen verleiten das Gegenüber in schwachen Momenten, so zu fühlen, zu denken und zu handeln wie der Betroffene es überträgt. Man beginnt an sich und der eigenen Wahrnehmung zu zweifeln und reagiert, wie es dem projizierden Gefühlserleben des Betroffenen entspricht.
•Lediglich ein klares, stabiles Selbstbild und regelmäßiges Spiegeln durch ein drittes, unbeteiligtes Auge im Außen erhalten in solchen Fällen den Angehörigen oder Therapeuten auf Dauer die emotionale Sicherheit, denn der Dauer-Beschuss zerschlagt auch den stärksten Selbstwert irgendwann. Hierzu an späterer Stelle mehr.
•Ursache all dieser projektiven Spiele ist Angst, vergleichbar mit der Todesangst des Säuglings vor Vernichtung – das Verhalten ist erklärbar, jedoch für das Umfeld nur schwer zu ertragen, da permanentes Misstrauen und Kämpfen in Beziehung jeden auf lange Sicht zermürbt.
Die Verleugnung
•Das Nicht-Wahrhabenwollen von Gefühlen ist ein weiterer Abwehrmechanismus im Leben der Borderliner, genannt die Verleugnung.
•Die klare Sicht auf die Tatsache, dass das momentane Verhalten im krassen Widerspruch zu seinem Verhalten kurz vorher steht und in einer halben Stunde auch schon nicht mehr „wahr“ sein kann, ändert nichts an der Tatsache, dass es emotional nicht empfunden wird in diesem Moment. Das Gefühl wird gesehen, real erkannt, jedoch emotional verleugnet.
•Bei einer ganzheitlichen Wahrnehmung würde der Borderliner in solchen Momenten im Stande sein, Schuld, Scham und Betroffenheit zu spüren und einzugestehen. Er könnte sich entschuldigen und sein Verhalten wieder gut machen. Dem Borderliner ist dies nicht gegeben. Diese Gefühle werden in solchen Momenten verleugnet, nicht empfunden und sind also vom Gegenüber auch nicht zu bekommen.
•Besonders gefährlich ist dies in Situationen, wo Angst verleugnet wird und es um riskante Manöver geht, in denen berechtigte Angst sonst als Schutzfunktion fungiert (Autofahren und das Risiko bei tollkühnen Aktionen zu verleugnen bspw.)
Diagnose und Einordnung
•Zwischenzeitlich ist die BPS als eine von anderen Persönlichkeitsstörungen abgrenzbare Störung nach den im DSM oder ICD-10 festgelegten Kriterien diagnostizierbar, sofern überhaupt eine Diagnose-Möglichkeit besteht
•Da viele Betroffene keine realistische Selbstwahrnehmung haben und auch ihr Umfeld nicht realistisch wahrnehmen, zweifeln sie eher an der Wahrnehmung des Umfeldes als daran, dass mit ihnen selber „etwas nicht stimmt“. Oft scheitert eine klare Diagnose an der Zustimmung der Patienten, die sich als „völlig normal“ erleben und somit keinen Handlungsbedarf sehen.
•Oft sind Diagnosen erst möglich, wenn Klinikaufenthalte erforderlich werden und Außenstehende die widersprüchlichen Aussagen durch Testungen belegen können.
•Siehe ICD-10 Kapitel V F 60.31
Verlauf der Störung
•Häufig sind borderline-typische Verhaltensweisen schon in der Kindheit und Jugend zu beobachten.
•Verlauf oft chronisch
•Neben anhaltender Instabilität in verschiedenen Bereichen (Beziehung, Schule, Ausbildung, Beruf) häufig Phasen von emotionalem Kontrollverlust, selbstschädigendem Verhalten und häufigem Therapeutenwechsel, sofern überhaupt eine Therapie statt findet
•Mit fortschreitendem Alter nimmt Intensität der Störung jedoch in der Regel ab.
•Ab dem 40. Lebensjahr ist häufig eine größere Stabilität sowohl in Beziehung als auch in Beruf zu beobachten.
Häufigkeit der Störung
•Derzeit sind in Deutschland ca. 2-3 % der Erwachsenen betroffen, Frauen statistisch dreimal häufiger als Männer. Missbrauchte Frauen werden allerdings eher klinisch und Männer eher forensisch (als Straftäter) u. somit häufig vorrangig antisozial auffällig, was die Geschlechterdifferenz in der Diagnostik erklären könnte. Die Dunkelziffer ist sehr hoch. Man vermutet darüber hinaus auch, dass viele der gewalttätigen Gefängnisinsassen Borderline-Züge tragen.
Therapie und Behandlung
•Die BPS kann kaum direkt durch Medikamentengabe behandelt werden.
•Sinnvoll kann je nach Intensität der Symptome eine Gabe von Lithiumpräparaten sein zur Dämpfung der Stimmungsschwankungen, von Antidepressiva zur Linderung der Depression und/oder von gering dosierten Neuroleptika, um psychotische Symptome abzufangen.
•Es kommen aus dem Spektrum der psychotherapeutischen Methoden vor allem Verhaltens-, Sozial- und Gruppentherapien zum Einsatz.
•Ziel dieser Therapien ist ein schrittweises Erlernen von angemessenem Sozialverhalten als Ersatz für gestörtes Verhalten. Wichtig sind dabei die Konstanz hinsichtlich Bezugspersonen und vorsichtige restrukturierende Maßnahmen im sozialen Umfeld.
•SET-Kommunikation als hilfreiche Methode für den Austausch über und die Förderung von Wahrnehmung hinsichtlich der niedrigen Kritikfähigkeit und anderen Sicht
Speziell für Borderline entwickelte Therapieformen:
Dialektisch-behaviourale Therapie (DBT) nach Marsha Linehan
•Konzept aus Erkenntnissen der wissenschaftlichen Psychologie, der Verhaltenstherapie, Elementen des Zen-Buddhismus und der dialektischen Gesprächsführung
•Es wird zunächst die Vorgeschichte unter verhaltensanalytischen Gesichtspunkten eruiert, dann ein Behandlungsvertrag festgelegt, der Häufigkeit von Sitzungen, Vorgehen bei Terminabsagen u. ä. regelt.
•Schwierigkeiten mit der Wahrnehmung von Gefühlen stehen im Vordergrund, insbesondere das Erkennen von Gefühlen, die Unklarheiten erzeugen, mit dem Ziel, Vertrauen und Verlässlichkeit zu erarbeiten. Des weiteren werden alternative Bewältigungsstrategien für Wut und Hass erarbeitet, neue Fertigkeiten erworben bzgl. sozialer Kompetenz, Emotionstraining, Krisen- und Stressbewältigung und Achtsamkeitstraining.
•Besondere Merkmale sind das auf die vorliegende Problematik zugeschnittene Beachten von selbstgefährdendem Verhalten und Suizidalität, therapiegefährdenem Verhalten, Verhalten, das die Lebensqualität erheblich einschränkt und die Notwendigkeit eines Trainings der neu erlernten Fähigkeiten in der Gruppe.
•Es wird in der Regel über die Therapiesitzungen hinaus eine telefonische Krisenintervention mit klar formulierten Regularien angeboten, um selbstschädigendes Verhalten abwenden zu können. Mit schriftlich fixierten Vereinbarungen in Absprache erfolgt also zunächst Strukturvorgabe von außen, bis neu erlernte Skills greifen.
Die übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP)
•Hierbei handelt es sich um eine modifizierte tiefenpsychologische Psychotherapieform, die auf die besonderen Schwierigkeiten und Bedürfnisse der BPS eingeht.
•Abgewandelt zur herkömmlichen tiefenpsychologieschen Therapie, die mehr Fragen stellt als sie Antworten vorgibt, was dem eh schon recht unstrukturierten Borderliner Mühe bereitet, wurde hier die Strukturvorgabe von außen kombiniert mit dem Schwerpunkt auf der Übertragung.
•Die Übertragung (für den Therapeuten, auf den übertragen wird, nicht immer ganz einfach) macht alte Beziehungsmuster sichtbar und somit auch veränderbar.
•Abwehrmechanismen sollen vom Betroffenen verstanden werden, um sie durch reifere zu ersetzen.
•Auch hier wird mit Behandlungsverträgen gearbeitet, die Vorgeschichte wird per Gespräch eruiert soweit möglich, die Übertragungen häufen sich, helfen jedoch, Wut und Hass anders handeln zu lernen, alte Strukturen zu erkennen und durch neue zu ersetzen.
•In dieser Mittelphase kommt es dann auch vermehrt zu depressiven Verstimmungen, Fragen zum Selbstwert und der Identität, auch der sexuellen, werden berührt.
•In der Schlussphase nimmt der Therapeut sich zunehmend zurück, der Patient hat gelernt, den inneren Dialog mit sich zu führen, der Therapeut kann sich nun darauf beschränken, durch Interpretationen und Deutungen die innere Entwicklung des Patienten zu fördern.
•Ziel ist die Verselbstständigung des Patienten, das Entbehrlich-Werden des Therapeuten und dies ist auch das zentrale Anliegen dieser Schlussphase.
•TFP eignet sich nicht für Betroffene, die Süchte entwickelt haben und deren selbstschädigende Tendenzen sehr groß sind.
•Im Vergleich: beide Therapieformen gut strukturiert, relativ wenig Therapieabbrüche, klarer Fokus auf Reduzieren selbstschädigenden Verhaltens und Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen; beide auf längeren Behandlungszeitraum ausgelegt, sehen engere Therapeuten-Patienten-Beziehung vor und ermöglichen dem Therapeuten durch Hierarchisierung der Themen oder telefonische Kontaktaufnahme mehr Spielraum für aktive Intervention
•Während die DBT sich auf die Verbesserung von durch äußere Reize verursachten Verhaltens, die Emotionsregulierung und die Impulskontrolle konzentriert, will die TFP im übertragenen Sinne das innere Bild des Patienten verändern, alte Rollen wiederbeleben, neu besetzen und über diese Neubesetzungen ein verändertes Verhalten erreichen.
•Wie erfolgreich diese recht neuen Therapieformen langfristig sind, ist noch nicht gesichert. Bisher lässt sich jedoch sagen, dass die DBT recht gute Erfolge in der Reduzierung von Suizidalität und Selbstverletzung zu verzeichnen hat, während die TFP eher auf dem Sektor der Depressionen Erfolge verbucht. Hier muss je nach Ausprägung der Symptomatik entschieden werden, welche Form sich besser eignet.
Kinder und Borderline
•Bei Kindern mit Borderline-Symptomen spricht man noch nicht von einer Persönlichkeitsstörung, sondern von einer Entwicklungsstörung. Inwieweit sich die in diesen jungen Jahren zu findende Borderline-Symptomatik, die ja nun im wesentlichen eine bestimmte Anhäufung von neurotischen Verhaltensweisen ist, von den eh etwas chaotischen Strukturen beim Prozess des Erwachsenwerdens klar abgrenzen lässt, ist nicht wirklich eindeutig.
•Neben der Information, Aufklärung über das eventuell vorliegende Störbild, der edukativen Hilfe für Eltern, einer eventuell erforderlichen Familientherapie und Strukturierung des Kindes/Jugendlichen von außen vordergründig ist es allerdings im Falle einer erforderlichen Klinikunterbringung wegen Suizidgefahr äußerst schwierig, einen geeigneten Platz für unter 18jährige auf einer speziell für Borderliner zugeschnittenen Therapiestation zu bekommen. Hier ist das Angebot für Jugendliche noch sehr dünn bis nicht vorhanden.
•Das Jugendamt und Familien- und Erziehungsberatungsstellen sind bei Verdachtsmomenten und ausufernden Erziehungsproblemen Anlaufstellen und bieten Beratung und Unterstützung an, darüber hinaus sollte eine Kinder-Psychotherapie bei einem dafür ausgebildeten Therapeuten erwogen werden.
Borderline und Sucht
•Viele Borderliner sind suchtkrank.
•Neben der Sucht, Beziehung zu zerstören oder zu idealisieren, sind Begleitsüchte wie Alkohol, Drogen, Spielen, Internet, Sex oder Arbeit zahlreich und durchaus üblich.
•Hier ist generell zu sagen, dass zunächst die Begleitsüchte in den Griff zu bekommen sind, bevor eine Therapie der eigentlichen „Suchterkrankung“ gewinnbringend und Erfolg versprechend ist.
Borderline und Beziehung
•Das einzig Stabile in der Beziehung mit einem Borderliner ist die Instabilität.
•Echte Anteilnahme und Schuldgefühle können seitens des Borderliners nicht entwickelt werden, was die Beziehung sehr einseitig auf die Bedürfnisse des Borderliners reduziert.
•Maßlose Ansprüchlichkeit und Rücksichtslosigkeit kennzeichnen das Leben für den Partner. Er wird „instrumentalisiert“ und für die Erfüllung der Borderline-Bedürfnisse manipuliert und benutzt.
•Diese Manipulationen dienen der Abwehr zum Teil schon wahnhafter Ängste.
•Gelingt die Manipulation und damit die Beherrschung des Partners nicht, wird die Beziehung seitens des Borderliners beendet, er zieht sich in Allmachtsfantasien und blinden Optimismus zurück, das Gegenüber wird völlig entwertet.
•Borderliner sind hochemotional und in den meisten Fällen auch ziemlich intelligent. Sie sind in der Lage, sich hochpräzise in das Gefühlsleben des Partners einzufühlen, entwickeln hierbei zum Teil schon paranormale Talente. So sind sie häufig überlegen und damit eine Bedrohung für die Autonomie des Partners.
•Der Borderliner hat Sehnsucht nach stabiler Bindung, ist jedoch durch den immer wieder ablaufenden Prozess der Spaltung zu konstanten Beziehungen nicht fähig. Er nimmt den Partner immer nur in Teilaspekten wahr, nie als Ganzes.
•Er hasst ihn über Gebühr oder liebt ihn grenzenlos, dies kann innerhalb kürzester Zeit von einem Extrem ins andere umkippen.
•Eine ausgeglichene, konstante Beziehung ist nicht möglich, da positive Zuwendung und Aufmerksamkeit zwar gesucht und gefordert wird, jedoch nicht ertragen wird. Schnell fürchtet der Borderliner den Verlust seiner persönlichen Freiheit, fühlt sich gefangen und glaubt, seine Identität aufgeben zu müssen.
•Sobald dies geschieht, inszeniert er sein typisches Spiel: Er wertet das Gegenüber ab mit dem Ziel Distanz zu schaffen. Ziel ist hier eine Schein-Autonomie zum Erhalt der Freiheit.
•Ist ihm das gelungen, bekommt er Angst (berechtigte), den Partner zu verlieren. Da er Verlassenwerden wie psychischen und physischen Tod erlebt, muss er den Verlust unbedingt vermeiden und das Borderline-Spiel des Idealisierens beginnt erneut.
•Beziehung ist ein permanentes Hin und Her, Ruhe ist selten und vor allem nie lange. Beziehung mit einem Borderliner ist, wenn man die Umstände, Hintergründe und Lösungsansätze für ein Leben mit Borderline nicht kennt, ein Teufelskreis, der häufig mit dem Verlust des Selbstwertes des Partners endet.
•Das oft gestörte Sexualverhalten des Borderliners kann ebenfalls ein Problem in Beziehung werden. Promiskuität ist ebenso wie Prostitution, Perversionen, Sexsucht oder zwanghaftes Onanieren zu beobachten, was Beziehung sicher erschwert.
•Partner müssen die vorhandenen Strukturen klar erkennen, selbst sehr stabil im Selbstwert sein, klare Strukturen haben und auch vorgeben können, konsequent und messerscharf Grenzen setzen, die dann auch Konsequenzen zur Folge haben müssen, die jedoch nicht den Entzug von Liebe nach sich ziehen.
•Selbst starke und klare Persönlichkeiten haben Schwierigkeiten, dies ohne Rückendeckung und Stützkorsett von außen durchzustehen, gesetzt den Fall, sie haben das vor. Hier ist ein stabiler Freundeskreis mit Kenntnis der Sachlage und/oder eine verständnisvolle und aufgeklärte Familie wichtig, um bei eigener Schwäche auch selber aufgefangen werden zu können. Der Borderline-Partner tut es nicht, denn er kann es zunächst einmal nicht.
•Das Hauptproblem auf dem Weg aus dem inneren Chaos in eine strukturiertere Welt scheitert - wie bei allen Störungen mit Suchtcharakter - leider meist daran, dass dem Betroffenen die Einsicht in sein Suchtverhalten fehlt.
•Die Aufklärung der Betroffenen zieht zwar zunächst oft eine Verschlimmerung der Sypmtomatik nach sich, ist aber unerlässlich für das Verstehen des Störbildes. Der Betroffene muss wissen, dass es eine schwere Störung in seiner eigenen Geschichte gab, die verantwortlich ist für das, was bisher war.
•Darüber hinaus muss er aber auch erkennen, dass dies nur die Ursache war und in der Zukunft ER allein nun dafür verantwortlich ist, wenn er andere Menschen emotional verletzt. Dieses Wissen soll ihn nicht kränken, sondern ihm den Weg in ein stabileres Umgehen mit anderen Menschen bereiten.
Heilungschancen
•Chance auf völlige Heilung ist eher gering, und sie ist umso geringer, je früher und intensiver die Störung auftrat
•Erlernen von neuen Skills für den Umgang mit den Symptomen der Störung ist bei Durchhalten der Therapie durchaus von Erfolg gekrönt – Hauptproblem ist der häufige Therapieabbruch und die Auswahl des Therapeuten, der sich gezielt mit den Problemen des Störbildes auskennen sollte
•Bei rund 10 % der BPS-Betroffenen geht die Störung im Laufe der Zeit so weit zurück, dass die Diagnose Borderline nicht mehr zutrifft, obwohl nach wie vor Symptome einer leichten Persönlichkeitsstörung auftreten
•Neue und eigens auf BPS zugeschnittene Therapieformen versprechen höhere Heilungschancen, eine verbesserte Struktur und eine verbesserte Beziehungsfähigkeit sind mittels Therapie auf jeden Falls deutlich zu erreichen.
•Viele Borderliner führen – ggf. mit phasenweiser Unterstützung durch eine Psychotherapie – ein über weite Strecken „normales“ Leben.
•Eine besondere Gefahr ergibt sich aus der Neigung zu selbstschädigendem Verhalten. Dies sollte ggf. auch mit therapeutischer Hilfe eingegrenzt werden, um nicht Gesundheit oder Leben zu gefährden.
Tipps für den Umgang
•Es ist schwierig, mit jemandem nah zusammen zu leben, der nach dem Motto Beziehung führt: “Komm Du mir nicht zu nah, aber lass mich ganz nah an Dich ran.”, denn so wird Kontrolle in Beziehung seitens des Borderliners und somit auch ein “Machtspiel” möglich.
•Derjenige, der ein “normales” im Sinne von beziehungstaugliches Maß an Nähe und Distanz fordert, muss sich der Tatsache bewusst sein, dass er dieses Spiel “verliert”, wenn er sich nicht selber sehr gut kennt und abgrenzen kann.
•Ein klares Selbstbild ist Grundvoraussetzung, soll dies überhaupt gelingen.
•Ein Stützrahmen im Umfeld mit Kenntnissen über die Störung ist dringend nötig (Familie, Freunde, Selbsthilfegruppe, Supervision).
•Entpersonalisieren (eigene Person vom Geschehen trennen)
•SET-Kommunikation (Support, Empathy, Truth)
•Klare eigene Grenzen erkennen und setzen, die nicht überlaufen werden können
•Zu große Nachgiebigkeit und zuviel Verständnis für inadäquates Verhalten macht Grenzverletzungen erst möglich.
•Gelassenheit, ruhiges, überlegtes Reden und Handeln
•Emotionale Neutralität in Krisensituationen u. innere Distanz zum Symptom selber herstellen (Kopf vor Bauch)
•Zulassen von eigener Angst, Hilflosigkeit, Wut und Enttäuschung, Wahrnehmen dieser eigenen Gefühle und ihrer Berechtigung bezüglich des Verhaltens
•Keine Vorwürfe an den Borderline-Partner, aber auch keine Selbstzweifel und Selbstvorwürfe, um in Krisenzeiten Distanz zum Verhalten bekommen zu können
•Keine ungerechtfertigten Vorwürfe des BL annehmen, schlechtes Gewissen ablegen, Rückgabe des Problems an den Betroffenen mit den ruhigen Worten “Das ist nun aber Dein Problem und nicht meins.”
•Selber emotional nicht blockieren, sondern als Mensch erreichbar bleiben mit Distanz zum Geschehen
•Anerkennung und Wertschätzung der Borderline-Persönlichkeit, nicht des unpassenden Verhaltens, und ebenso der eigenen Gefühle
•Die Wut und Hilflosigkeit des Borderliners nicht über das übliche Spiel der Projektion annehmen
•Ggf. Beziehungspausen vereinbaren mit festen Vereinbarungen
•Therapie des Borderliners - Einbeziehen der Angehörigen, um klares Bild zeichnen zu können
•Nichts verschleiern oder beschönigen, weder dem BL-Partner noch anderen Personen gegenüber, sachlich und vorwurfsfrei auf nicht brauchbares Verhalten hinweisen, auch wenn das zunächst schwer fällt - es trainiert sich
•Wenn verbale Kommunikation nicht mehr gelingt, schreiben - Brief an den Borderliner selber oder im Zweifel Tagebuch
•Suizid kündigt sich an durch ansteigende Spannung, Gefühl von Leere, Reden von Hoffnungslosigkeit u. Sinnlosigkeit und sozialem Rückzug
•Akute Gefahr droht bei hochriskanten Verhaltensweisen (z. B. Autofahren), Suizidfantasien, Identifikationen mit Menschen, die sich umgebracht haben oder dem Verschenken persönlicher und wichtiger Dinge
•Angehörige und Betreuer müssen diese Phasen erkennen und nun nicht die Welt und den Betroffenen “retten” wollen, sondern die Verantwortung abgeben an Fachleute
•Thema offen ansprechen, nicht wie ein rohes Ei behandeln oder um den heißen Brei herum reden
•Verständigen des Hausarztes oder Notarztes, ggf. Einweisen in Psychiatrie, bis akute Gefahr gebannt ist
•Ohne Vorwürfe klar u. sachlich bleiben, Fakten schaffen
•Notwendigkeit neutraler und professioneller Hilfe klar vertreten
•Anbieten, Kontakt für Krisenintervention herzustellen, damit Situation gemeistert werden kann
•Borderline-Beziehungen stabilisieren sich im Laufe der Jahre, wenn diese Regeln alle beachtet werden.
•Verhalten des Borderliners wird vertraut, bekommt ein erkennbares System für Angehörige und Betreuer und wirken nicht mehr so zerstörend.
Wie üblich mit bisschen zerschossener Formatierung, aber das Wesentliche ist drin, denke ich mal :) Gruß, eule