Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dekokt das die Mitte tonisiert
rabenstein
26.03.07, 18:55
Rad. Astragali membr. (Huang Qi) 9 g
Rad. Ginseng ( Ren Shen) 6 g
Rad. Atractylodis macroceph. (Bai Zhu) 9 g
Rad. Glycyrrhizae uralensis (Zhi Gan Cao) 3 g
Rad. Angelicae sinensis (Dang Gui) 6 g
Peric. Citri reticulatae (Chen Pi) 6 g
Rhiz. Cimicifugae (Shen Ma) 3 g
Rad. Bupleuri (Chau Hu) 3 g
Stärkt das Qi im Mittleren Dreifacherwärmer, hebt sinkendes Qi an
Hallo Nina
Das hört sich gut an,so hab ich das gedacht. Etwas zur unspezifischen Steigerung des Wohlbefindens.
Werd mal sehen ob das bei dem Patienten passt
Schönen Tag
Peter
Erstmal wieder ein freundliches Hallo nach langer Zeit!!!!!
Es ist unmittelbar nach meiner HP-Überprüfung im Mai so viel passiert: ich habe durch einen irren Zufall kurz danach die Möglichkeit gehabt, eine drei Monate dauernde Hospitation mit Ausbildung in China (Chengdu)zu absolvieren und bin letztlich fast 5 Monate geblieben.
Meine TCM-Ausbildung und meine Erfahrungen aus China veranlassen mich, gleich direkt hier in diesem Themengebiet einzusteigen und mal was grundsätzliches zu sagen:
Ich gehe mal davon aus, dass sich rabenstein schon lange und viel mit Kräutern beschäftigt und deswegen auch profunde Kenntnisse vorhanden sind. Aber ich möchte doch anmerken, dass ich nicht besonders glücklich darüber bin, dass einfach eine Rezeptur (der reinen Auflistung nach handelt es sich um buzhong yiqi tang, die schon fast 800 Jahre alt ist) eingestellt wird, ohne weitere Hinweise dazu zu geben.
Es gibt nämlich Kontraindikationen für die in dieser Rezeptur enthaltenen Kräuter, die anhand einer eingehenden Diagnostik nach der TCM unbedingt
festzustellen sind. So sollte dang gui nicht bei Feuchtigkeit der Mitte oder einer yin-Schwäche verabreicht werden, huang qi nicht bei yin-Mangel-Hitze oder qi-Stagnationen. ren shen auf gar keinen Fall bei Hypertonie oder Leere-Hitze und Feuchte-Hitze. Zungendiagnose ist vor Verschreibung dieses Dekokts erforderlich ebenso wie Pulsdiagnose um das TCM-Muster bestätigt zu bekommen.
Nach der TCM-Diagnose wird der TCM-Arzt dann entscheiden, ob er die Rezeptur tatsächlich mit ren shen oder vielleicht doch lieber mit
dang shen dosiert. Hier haben wir nämlich das nächste Problem:
Nimmt man ren shen , dann ist diese Droge mindestens 1-2 Stunden separat vorzukochen und dann dem restlichen Dekokt beizufügen. Weiterhin ist der Patient darauf hinzuweisen, dass er während der Einnahme des Dekokts auf Kaffee, schwarzen/grünen Tee und Rettichgewächse verzichten muss.
Bei dang shen ist diese Prozedur nicht erforderlich.
Ich werde jetzt nicht weiter ins Detail gehen, das dürfte auch für den Leser ermüdend werden. Anhand meiner Ausführungen wollte ich eigentlich nur aufzeigen, dass es bei chinesischen Dekokten eben keine "unspezifischen" Mittel gibt und das nicht nur Kenntnisse der TCM-Syndrome erforderlich sind, sondern unbedingt auch Kenntnisse der Materia Medica der chinesischen Drogen.
Bitte nicht falsch verstehen rabenstein, aber das Herz eines TCM-Therapeuten blutet. Die von dir ausgewiesene Rezeptur ist den gramm-Angaben nach wahrscheinlich von Suwanda?
rabenstein
21.10.07, 16:27
Du hast voellig recht, die ist von Suwanda
Mir sind diese Kontraindikationen durchaus bewusst, nur wenn wir hier, so wie du das machst, die komplette Diagnostik mit einbeziehen (was durchaus richtig waere) sprengt das den Rahmen dieses Forums
Diese Rezeptur ist eine beispielhafte Zusammenstellung, die die Komplexitaet der TCM Phytotherapie aufzeigen soll.
Zu mir
Ich arbeite seit etwa 30 Jahren mit westlicher und etwa 10 Jahre mit TCM Phyto:), leider habe ich noch nicht das Glueck gehabt, vor Ort zu lernen wie du.
Wenn du mal Lust und Zeit hast, waere ich sehr an einem Bericht deiner Erfahrungen interessiert
Liebe Gruesse
Inge
rabenstein
21.10.07, 16:45
Fuer die Nicht-Chinesen unter uns:D
Ren Shen = Ginsengwurzel aus der Familie der Efeugewaechse
Dang Shen = Codonopsis, eine Windenart aus der Familie der Glockenblumen
Codonopsis wird auch als "Ginseng der Armen" bezeichnet und hat eine klaerende, aufhellende Wirkung
Allerdings kenne ich Dang Shen weniger als Bestandteil von Teemischungen, mehr als Trockenobstersatz. So wird es auch hauptsaechlich angeboten, als getrocknete Wurzelstueckchen, die man einfach mal so zwischendurch kaut.
Zu Ren Shen gibt es einige aussagekraeftige Studien, vor allem was die Uebergangsraten und die Stabilitaet der Ginsenoside betrifft. So duerfte nach pharmakologischen Erkenntnissen in einer Abkochung von Ren Shen kaum mehr Ginsenoside zu finden sein, da diese extrem instabil sind.
Zu Dang Shen kenne ich keine vergleichbaren Untersuchungen.
Liebe Gruesse
Inge
ja, es war wirklich unfassbares glück, was mir da widerfahren ist.....im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe nämlich da erst wirklich in die chinesische Denkweise der TCM hineingefunden und so manche Bedeutung überhaupt erst da begriffen.
Allerdings hatte ich auch meine Schockerlebnisse, weil offensichtlich ist, dass China sich wohl seiner traditionellen Medizin entledigen will. Wer meint, in China die ursprüngliche TCM an jeder Uni zu erleben, wird sich schwer umgucken. Im Gegenteil, die westliche Medizin beherrscht alles und ich konnte nur durch gute Kontakte bei einer traditionell ausgericheteten Arztpraxis die wirkliche TCM erleben. Im Krankenhaus wurde ich eher enttäuscht. Dafür musste ich in der Praxis allerdings auch schlucken: stell dir vor, 10 Menschen sitzen da auf Stühlen und sind voll gespickt mit Nadeln, während sie zuhören müssen (können), welche Leiden der neue Patient dem Arzt erzählt. Die Rezeptur der Kräutermischung wird je nach Umfang entweder vom Arzt seiner Helferin durch den Raum zugerufen, oder der Patient wird mit schon einigen Nadeln versehen mit dem Rezept zu der Helferin geschickt. Das spielt sich wirklich in EINEM großen Raum ab.
Als ich zurück kam, war ich nicht mehr der Selbe. Vorher hatte ich nämlich auch immer noch mein westlich medizinisches Gedankengut im Kopf und habe die Kräuter auch nach ihren Wirkstoffen (wie du es mit Gensonosiden bei Ginseng machst) bewertet. Das ist aber die westliche Analyse der Pflanzenbestandteile, die TCM richtet sich anders aus, der ist egal, ob sich Gensonoside verflüchtigen oder nicht.
Die Verordnung einer Droge richtet sich nach dem Muster, das sich aus der Diagnose ergibt. Und die Diagnose basiert auf den wu xing (Wandlungsphasenmodell, wobei ich zugeben muss, dass manche TCM-Therapeuten das tatsächlich vernachlässigen). Danach ist wichtig, welche Eigenschaften die Droge hat: welche Wirkrichtung und welcher Wirkort, welches Temperaturverhalten, welchen Geschmack sie hat und welchem Funktionskreis sie zugeordnet ist. Ja selbst der Geruch kann ein Kriterium sein.
Habe ich einen Patienten mit einer Metastase, gibt es durchaus Drogen, die Zusammenballungen und xue-stasen (xue= Blut) aufbrechend und auflösend sind. Passen allerdings die Eigenschaften dieser Droge nicht zum Muster des Patienten, kann ich wirklich Unheil anrichten.
Was ich sagen möchte: Chinesische Drogen sind meiner Ansicht nach nicht geeignet, sie für eine symptomatische Behandlung zu benutzen, mit einer Ausnahme: man hat die sichere Diagnose nach TCM gestellt und der symptomatischen Behandlung stehen die entsprechenden Faktoren nicht entgegen.
Aber, mit dieser Einstellung bin ich nach China gekommen und wurde dort auch in der Arztpraxis (nicht in der Klinik!) bestätigt: die symptomatische Behandlung liegt NICHT in der Natur der TCM. Dafür sind die chinesischen Drogen in ihrem Wirkspektrum einfach zu stark.
Daher plädiere ich schon dafür, dass man, wenn man schon Rezepturen auflistet, auch die Zusammenhänge mit aufführt. Aber, ist ja klar, dass ich das tue....... ;)
Euer TCM-verseuchter Scottie
benluc3108
27.10.07, 15:37
Hallo Scottie,
Deine Erlebnisse in China interessieren mich sehr! Wie bist Du zur TCM gekommen und wie hat sich der China Aufenthalt ergeben.
Und, wie lange beschäftigst Du Dich schon mit dem Thema, wo hast Du Deine Ausbildung gemacht? Hast Du da Empfehlungen für Interessierte?
Herzlichen Dank und Grüße Susanne
Powered by vBulletin® Version 4.1.10 Copyright ©2012 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.