Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Integrative Medizin - Tod der CAM durch Kuscheln?
Man liest ja inzwischen viel von "integrativer Medizin" - oft (miß)verstanden, als "das Beste aus beiden Welten", der Welt der konventionellen Medizin und der Welt der alternativen Medizin.
Aber kommt dabei wirklich das "Beste" raus? Das Beste für wen? Mir kommen da immer mehr Zweifel. Ist es wirklich das Beste für den Patienten, wenn der moderne Hausarzt ihm ein Statin verordnet - und die Rückenschmerzen mit Akupunktur behandelt?
Oder wird hier klammheimlich die Alternative Medizin einkassiert? So wie z.B. die Simmonton`sche Psychoonkologie - ursprünglich als Alternative zur konventionellen Onkologie gedacht - inzwischen klinisch anerkannt ist - als Beratung der Krebskranken im Umgang mit der Krankheit und ihrem eigenen Sterben. Sicher nicht ganz falsch. Aber genau das Gegenteil von dem, was Simmonton wollte.
Der Preis der Anerkennung ist hier das Kuschen unter den Fittichen der konventionellen Onkologie. Aus Revoluzzern wurden "nützliche Ergänzungen" (nicht Alternativen).
Wir Alternativen unterscheiden uns ja nicht nur in unseren Methoden von der herkömmlichen Medizin, sondern vor allem in unserer "Denke". Und genau diese Denke stört die konventionellen Mediziner eigentlich am meisten. Stellen wir doch das vorherrschende Paradigma in Frage.
Zum Thema "Integrative Medizin" erschien in der Fachzeitschrift "Forschende Komplementärmedizin" ein interessanter Beitrag von Prof. Dr. Dr. Harald Walach, Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften, Europa-Universität Viadrina.
Hier der Link http://content.karger.com/ProdukteDB/produkte.asp?Aktion=ShowPDF&ArtikelNr=000275827&Ausgabe=253805&ProduktNr=224242&filename=000275827.pdf
Ein sehr interessanter Beitrag, habe ich vom ersten bis zum letzten Wort genossen. Danke für den Hinweis.
Morgen,
ich habe schon immer was gegen die Verbinung der konventionellen Medizin mit der Naturheilkunde gehabt, eben weil ich die unterschiedlichen Ansichten zu Krankheitsentstehung und Gesundwerdung nicht unter einen Hut bekomme.
Das Wort "Alternative" Medizin vermeide ich möglichst. Ich glaube nicht, dass die Naturheilkunde eine Alternative zur Schulmedizin darstellt oder darstellen kann. Die Ansätze sind zu verschieden. Ich selbst sehe mich auch keinesfalls als "Alternative". Dieses Wort impliziert schon irgendwo, dass der Hauptwert bei der konventionellen Medizin liegt und die Naturheilkunde allenfalls dann eine Berechtigung zur Anwendung hat, wenn diese versagt - das entspricht nicht meinen Erfahrungen und meiner Einstellung.
Gruß. Anja
P.S. Den Artikel habe ich noch nicht gelesen.
Ich bin schon der Meinung, daß sich Schulmedizin und Naturheilkunde ergänzen können. Wenn ein Patient starke Schmerzen hat, dann will er sie als erstes einmal loswerden und er wird dankbar sein, wenn der Arzt ihm ein Schmerzmittel geben wird. Schmerz ist zunächst ja mal ein Symptom und die Ärzte behandeln ja meistens symptomatisch. Ich sehe mich eher als jemand, der die Ursache finden möchte, um eine wirkliche Heilung einzuleiten.
Oder mein Enkel mit seiner schweren Neurodermitis. Die Haut war so schlimm entzündet, daß zunächst eine Cortisonsalbe dringend erforderlich war, die mildeste, die es gab, aber einn Kind von einem Jahr, das nicht mehr schläft, nur schreit und die ganze Familie um die Nachtruhe bringt, da muß schon einmal die Schulmedizin eingreifen. Dann kam die Homöopathie und das Kind hat super schöne Haut bekommen.
Das sind nur 2 Beispiele, dass sich Schulmedizin und Naturheilkunde sehr wohl ergänzen können. Alles hat irgendwie seine Berechtigung.
Da könnte ich evtl. noch zustimmen. Die Schulmedizin zur akuten, vorübergehenden Symptomlinderung (wobei mögliche Schädigungen sowie entstehende Blockaden für Naturheilmaßnahmen dann in Kauf genommen werden müssen).
Im Bereich Notfallmedizin, Chirurgie und Zahnmedizin halte ich sie auch für sinnvoll, das wars dann aber auch.
ich habe schon immer was gegen die Verbinung der konventionellen Medizin mit der Naturheilkunde gehabt, eben weil ich die unterschiedlichen Ansichten zu Krankheitsentstehung und Gesundwerdung nicht unter einen Hut bekomme.
Das ist das Hauptproblem. Im Grund akzeptiert "uns" die konventionelle Medizin da, wo die alternativen Methoden ins Denkschema passen. Z.B. wenn man Weihrauch als Entzündungshemmer bei Rheuma statt Cortison gibt. Das pathogenetische Bild wird dadurch nicht verändert. Wir kratzen dann sozusagen nicht am Weltbild, sondern werden in dieses "eingebaut".
Dieses Wort impliziert schon irgendwo, dass der Hauptwert bei der konventionellen Medizin liegt und die Naturheilkunde allenfalls dann eine Berechtigung zur Anwendung hat, wenn diese versagt - das entspricht nicht meinen Erfahrungen und meiner Einstellung.
Stimmt, so sieht das die konventionelle Medizin, aber das ist nun mal die vorherrschende Meinung - übrigens auch bei der Mehrzahl der Patienten. Die wollen auch, dass Naturheilkunde und Schulmedizin Hand in Hand arbeiten.
Ich denke, die beiden Systeme lassen sich nur sehr bedingt "verheiraten", dafür sind die beiden Partner eigentlich zu unterschiedlich. Annäherung könnten Erkenntnisse wie die von Prof. Heine (Matrix) bringen, weil hier eine naturwissenschaftliche Basis für viele alternativen Methoden besteht, die dem Denken eines konventionellen Mediziners zugänglich ist.
Ich denke im Übrigen nicht, dass die Naturheilkunde eine Alternative zur Schulmedizin ist. Nicht weil sie eigentlich "besser" ist - das ist sie nur in bestimmten Bereichen - sondern weil die Aufgabengebiete zu unterschiedlich sind.
Wir bekommen in unseren Praxen meist ja nur einen Ausschnitt der ganzen Krankheiten und Symptome zu sehen. Unsere Patienten selektieren sich ja vor. Die hochakuten Fälle - bei denen die Naturheilkunde eher nicht meine Wahl wäre - bekommen wir ja selten zu sehen. Der Herzinfarkt, die Pneumonie, die Sepsis, der akute Bauch usw. gehen nicht zum HP. Täten sie es, hätten wir auch eher ein Problem.
Es gibt ja die alte Weisheit: Die Naturheilkunde kann regulieren, nicht reparieren. Daher müßte man m.E. die Medizin vom Kopf auf die Füsse stellen. Erst Naturheilkunde (inkl. causalem Denken) - und wenn die nicht mehr helfen kann, dann "Schulmedizin" (symptomatische Therapie).
Insofern kann keines der beiden Systeme das andere gänzlich ersetzen. Was passiert, wenn die Schulmedizin die Kausalmedizin ersetzen will, haben wir in den letzten 100 Jahren beobachten können: Die chronischen Krankheiten nehmen zu.
Was passieren würde, wenn die Naturheilkunde die konventionelle Medizin ersetzen würde, ist auch klar: Die Therapieversager bei den traumatischen, hochakuten und multimorbiden Patienten würden steigen.
So sehe ich das.
Gruss Rudolf
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