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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Anamnesefragebogen ... pro & contra



Assita
15.05.10, 09:32
Hallo in die Runde :)

manche HPPs erheben die Anamnese mit Hilfe eines ausführlichen Fragebogens, den der Pat. ausfüllt zum Termin mitbringt.

Sicherlich gibt es einige Aspekte für und andere gegen einen Fragebogen ......

Wie handhabt / seht ihr das?

Liebe Grüße von Pia :)

Butterblume
15.05.10, 09:50
Ich habe ja erst zwei Patienten und kann nicht auf lange Erfahrung zurückgreifen. Dennoch: Ich habe auch einen Anamnesebogen erstellt, den ich den Patienten mitgebe, um ihn zuhause ausfüllen zu lassen. Da der Bogen recht ausführlich ist, erspart das eine Menge Zeit, die die Patienten ja nicht bezahlen müssen. Ich schaue mir den Bogen dann in der nächsten Stunde an, wir gehen ihn gemeinsam durch und besprechen "auffällige" Punkte.

Gerade als Anfängerin hilft mir die schriftliche Form, um wirklich nichts zu vergessen. Der Bogen gibt auch MIR Sicherheit, und die Patienten haben bisher auch gut drauf reagiert.

Maerchenhexe
15.05.10, 11:15
Wie schon im andern Fred geschrieben machens die Profis scheinbar genauso.

Assita
15.05.10, 11:43
Ja, genau, das machen die Profis auch - und auch da gibt es eben verschiedene Ansichten - die einen sagen, sie möchten den Patienten persönlich befragen um die Affekte, die Mimik etc. bei der Beantwortung mitzukriegen, andere wieder sagen, ein Fragebogen verhindere das "Sich-Verquatschen" bei Einzelpunkten etc.

Auf Patientenseite gibt es auch verschiedene Positionen, die einen geben an, ein Fragebogen sei ihnen lieber, man könne z.B. tagebuchartig auch schambesetzte Fragen beantworten, was im direkten Kontakt mit einem fremden Gegenüber schwer falle, andere wieder fühlen sich durch die schriftliche Form ohne Gegenüber allein gelassen.....

ich kann irgendwie alle Argumente nachvollziehen, tendiere aber für meine eigene spätere Arbeit eher zur Fragenbogenform......

Liebe Grüße von Pia :)

Hildegard
15.05.10, 11:44
Ich habe als Anfänger mal einen fein säuberlich erarbeiteten Bogen mitgegeben und der Klient ist niemals wieder gekommen.

Heute weiß ich nach vielen Jahren Praxisarbeit, dass ein langer Bogen verhindert, dass gerade in den ersten gemeinsamen Stunden etwas ganz wichtiges passiert.
Dass man sich als Therapeut darauf konzentriert, wo der Klient jetzt steht, was heute aktuell dazu geführt hat, dass er alle Ängste einem fremden Menschen gegenüber überwunden hat, seine tiefsten Gedanken/Ängste mitzuteilen.

In Zeiten, wo der Klient sich innerlich immer wieder die Frage stellt "Kann ich diesem Therapeuten vertrauen?" sind Fragebögen ein kalter, technischer Akt, der den Rapport unter Umständen verhindert. Sicher nicht für alle Klienten Butterblume da hast du Recht, es mag auch Klienten geben, die diese Vorgehensweise schätzen, ich hatte auch schon Klienten, die kamen zum Erstgespräch und hatten einen ganze Kladde mit Krankheitsgeschichte dabei. Die hätten sicher nichts gegen einen solchen Bogen gehabt.

Aber das Gros der anderen Klienten hätte ein solcher Bogen wahrscheinlich eher irritiert, als ihn als hilfreich zu empfinden.

Ich versuche als Therapeut zu vermeiden,technisches, womöglich noch standardisiertes Material einzusetzen (deshalb wäre ich sicher auch kein Freund von Testpsychologie). Klienten schätzen es Fragen, vis a vis gestellt zu bekommen,immer dann, wenn sie inhaltlich und im Prozess passen.

Nino
15.05.10, 12:50
Hi zusammen.


Ich gehe da mal von mir als Patient aus - und ich finde solche Fragebögen generell eher unangenehm. Egal ob beim allgemeinen Arzt oder sonstwo.

Ich bevorzuge das persönliche Gespräch und werde es so auch in der Praxis handhaben.

Allerdings würde ich immer ein paar Fragebögen in der Hinterhand haben, wenn jemand im Gespräch auf vieles nicht antwortet und sich mir der Eindruck aufdrängt, dass derjenige die Fragen lieber in Eigenregie in seinen eigenen vier Wänden beantworten möchte.

Grüße
Nino

Maerchenhexe
15.05.10, 13:27
Also dieses 10-seitige Teil weckte schon mein Unverständnis- andererseits kann der Therapeut gleich mal die Bereitschaft zur Mitarbeit für die später zu gebenden Hausaufgaben damit antesten.

eraco
22.06.10, 08:58
Hallo,

also ohne Anamnesebogen geht es bei mir gar nicht, weil die Kinder ja nicht wissen, wann sie laufen oder sprechen angefangen haben. Erwachsene hatte ich bisher noch nicht, dazu kann ich also keine Aussage machen.

Mein Fragebogen ist sicherlich auch etwas umfangreicher, weil einfach auch viele schulische Dinge abgefragt werden müssen, wie z.B. in welchem Fach Schwächen sind und welches das Lieblingsfach ist, wie viele Freunde das Kind hat (sagt etwas über die soziale Kompetenz aus) und ob die Eltern sich in Erziehungsfragen immer einig sind. Ich muss einfach so viel fragen, weil ich ja nicht nur das Kind habe, sondern eigentlich eine ganze Familie... ;)

Wenn ich nun einen erwachsenen Patienten hätte, würde ich sicherlich anders handeln. Ob ich aber dafür einen speziellen Erwachsenenbogen entwickeln würde weiß ich nicht. Hilfreich gerade für mich als Anfänger ist er alle mal. Ich weiß auch von Ärzten, dass die meinen Bogen gut finden und man sieht, dass ich die Sache ernst nehme und auch Erfahrung habe, sonst würde ich manche Fragen gar nicht stellen... :D

Liebe Grüße,

Conny