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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : US-Behörde schränkt Mammografie-Empfehlung ein



RWH
05.03.10, 07:38
Die USPSTF (Expertenkommission des US-Gesundheitsamtes) hat ihre Empfehlungen für Mammografie erheblich eingeschränkt: Frauen zwischen 40 uind 49 sollen nicht mehr regelmäßig mammografiert werden, nach der Menopause wird die Untersuchung nur noch alle 2 Jahre empfohlen. Nach dem 75. Lebensjahr sollen gar keine Mammografien mehr durchgeführt werden.

Außerdem soll den Ärzten davon abgeraten werden, den Frauen das Selbstabtasten der Brüste beizubringen.

Hintergund ist die steigende Zahl an Behandlungen, die durch Überdiagnostik verursacht werden. So zeigt eine akuelle Studie der University of Pennsylvania, dass man 1900 Frauen in ihren 40ern 10 Jahre lang untersuchen muss, um eine (1!) Frau vor dem Tod durch Brustkrebs zu bewahren. Im Zuge eines solchen Screenings werden aber im Verlauf dieser 10 Jahre ca. 1000 falsche Diagnosen gestellt - die natürlich Behandlungen (u.a. OPs) und entsprechendes seelisches Leid mit sich bringen.

(Quelle: Signal, Zeitschrift der Gesellschaft für biologische Krebsabwehr, Heidelberg)

Copyright-Hinweis: Ich habe es sinngemäß wiedergegeben...

Heilpraktischer
05.03.10, 07:50
Oh, da werden sich aber so einige Fachärzte und Krankenhäuser in Deutschland umgucken, wenn das hier auch so kommt. Wie sollen sich denn dann die tollen sonst überflüssigen Geräte und OP-Säle amortisieren, wenn diese schon seit so vielen Jahren bekannte nicht-indizierte Vorgehensweise wegfällt? Ich sehe schon die Tränen kullern und Haare rieseln ... :panik:

Kurz: find ich gut! :p

Maerchenhexe
05.03.10, 08:39
Frauen zwischen 40 uind 49 sollen nicht mehr regelmäßig mammografiert werden, nach der Menopause wird die Untersuchung nur noch alle 2 Jahre empfohlen. Nach dem 75. Lebensjahr sollen gar keine Mammografien mehr durchgeführt werden.

Vor dem 50. LJ zahlt meines Wissens hierzulande die KK nur bei bestimmten Verdachtsdiagnosen. Ansonsten ist das bei uns, wie o. empfohlen. Wobei ich nicht mehr am Massenscreening teilnehme und mir lieber einmal im Jahr einen Ultraschall "gönne"- Rechnung an den Herrn Gemahl. :D

RWH
05.03.10, 08:56
Guten Morgen Hexe,

ja, Sono habe ich meiner Frau auch empfohlen (die Erkennungsrate liegt bei Sono bei ca. 37% bei Mammografie bei 33%).

Es gibt aber eine Menge Frauenärzte, die bieten ihren jüngeren Patientinnen die Mammografie als "Vorsorgeuntersuchung" als IGEL an und nutzen die Illusion, dass sie damit dann "auf der sicheren Seite" wären...

Das Grundproblem aller Früherkennungen: Nutzt es wirklich - oder weiss man nur länger, dass man krank ist? Statistisch betrachtet führen viel Früherkennungen nicht zu einer längeren Überlebenszeit.

Gruss Rudolf

Maerchenhexe
05.03.10, 09:33
Und, lässt sie Dir auch die Rechnung schicken? :D
Es beruhigt. Egal wie die Statistik aussieht. Und da man da als Frau einen Riesenhorror davor hat ist eine jährliche Beruhigung schon Gold wert.

eve
05.03.10, 09:42
Nach meiner persönlichen Erfahrung, haben die Ärzte diebezüglich extrem unterschiedliche Meinungen.
Einige sagen imemr noch "Mammographie ist die Beste und Einzige um Vorsorge zu betreiben" (das durfte ich vor 1 Monat wieder hören)

Da gabe es vor Kurzem einen interessanten Artikel bei Doccheck:
To screen or not to screen? (18.02.2010) - DocCheck News (http://news.doccheck.com/de/article/192942-to-screen-or-not-to-screen/)

Maerchenhexe
05.03.10, 09:57
Meiner sagte damals auch, obwohl er über diese zentralisierte Praxis auch schimpfte- dass mich das keinesfalls vom Screening abhalten solle.
Mal abgesehen davon, dass die zu doof sind, den abwicklungstechnischen Teil korrekt hinzubekommen (keine oder doppelte "Einladungen") ist das zentralisiert in der nächsten Stadt und alleine schon deswegen geh ich da nicht mehr hin. Hat was vom "Alm-Abtrieb". :mad:

eve
05.03.10, 10:07
"Alm-Abtrieb"..sehr passend zum Thema :D

Ich halte für mich US+Selbstuntersuchung die sinnnvollste Mischung

RWH
05.03.10, 10:35
Hm, das mit der Beruhigung verstehe ich. Bei uns Männern ist das ja die Prostata. Und viele Patienten sind ganz stolz, wenn ihr "PSA" mal wieder ganz normal war.

Aber, da hat der Ahnungslose völlig recht, der PSA-Wert ist genauso wenig eine Garantie, wie Mammografie oder Selbstuntersuchung. Ist er niedrig heißt es nicht, dass es keinen Krebs gibt. Ist er erhöht, heißt es nicht, dass man Krebs hat - aber nun hat man in jedem Fall Angst. Die Folge sind weitere - zum Teil üble - Untersuchungen und oft sogar unnötige Operationen mit Folgen wie Impotenz oder Inkontinenz.

Bei der weiblichen Brust ist es ähnlich: Findet man "etwas", dann folgen weitere Untersuchungen (u.a. Biopsien, bei denen - auch das ist durch Studien belegt - anschließend 50% mehr metastasierte Lymphknoten folgen, also ohne).

Daher wird ja sogar die Selbstuntersuchung nicht mehr empfohlen, weil auch sie zu unnötigen - und oft schädlichen - Folgemaßnahmen führt - OHNE, dass dadurch das Leben verlängert wird.

Gruss Rudolf

eve
05.03.10, 10:47
Jepp.. deshalb glaube ich auch, dass es nicht "DEN" richtigen Weg gibt,
sondern nur für jeden einzelnen Fall einen optimalen Weg.

Und den kann man m.E. nur dann finden, wenn die Patienten auch mitdenken und ihren Stück an Verantwortung tragen :)

Maerchenhexe
05.03.10, 10:55
Daher wird ja sogar die Selbstuntersuchung nicht mehr empfohlen, weil auch sie zu unnötigen - und oft schädlichen - Folgemaßnahmen führt - OHNE, dass dadurch das Leben verlängert wird.
Äh- wie formuliere ich das jetzt am Besten, ohne mißverstanden zu werden?? :rolleyes:
Anfassen verboten?? Das müsste ja dann auch nicht sooo gesund sein?? :eek:

RWH
05.03.10, 11:49
Ja, das hast Du sicher recht. Wichtig wäre, dass den Patienten diese Zusammenhänge klar sind bzw. klar gemacht werden, bevor man sozusagen die "Lawine" evtl. lostritt...

RWH
05.03.10, 11:50
Anfassen verboten?? Das müsste ja dann auch nicht sooo gesund sein??

Von regelmäßiger "Fremdabtastung" haben sie ncihts geschrieben..:D

Maerchenhexe
07.03.10, 14:29
Also entschuldige bitte, vielleicht bin ich ja n bissel doof- aber wo ist denn da der Unterschied?? :eek:
Und was soll

Außerdem soll den Ärzten davon abgeraten werden, den Frauen das Selbstabtasten der Brüste beizubringen.
das dann heißen?
Das haben wir ja schon in den Nach68igern in den Teestuben Frankfurt's beigebracht bekommen! :D
Ist mir unbegreiflich.

RWH
07.03.10, 14:53
[QUOTE][Also entschuldige bitte, vielleicht bin ich ja n bissel doof- aber wo ist denn da der Unterschied??
/QUOTE]

Hm, denk mal an früher: "Da war doch noch was..."

Aber im Ernst: Inzwischen zeigt sich, dass "Früherkennung" leider eben auch oft zu Überdiagnostik und - oft unnötiger - Therapie führt.

Es gab dazu verschiedene Studien, die den Verdacht nahe legen, dass mehr Frauen (oder Männer bei unseren Krebsarten) durch zuviel Therapie sterben könnten, als durch zu wenig.

Beispiel: Eine Frau ertastet bei ihrer Brust einen Knoten (bzw. etwas, das sie für einen Knoten hält). Nun kann sie das ja nicht einfach auf sich beruhen lassen. Sie begibt sich also zur Frauenärztin und die tastet erstmal selbst. Dann macht sie vermutlich Sono oder schickt gleich zur Mammografie. Eindeutig ja oder nein kommt dabei keineswegs immer raus. Also werden weitere Untersuchungen vorgenommen, z. B. Nadelbiopsien, Bestimmung von Tumormarkern. KEINE davon ist aber wirklich sicher, sodass man im Grund nur Indizien sammelt. Hinzu kommt das Risiko, das von einigen Verfahren ausgeht. So findet man bei Frauen, bei denen zuerst eine Nadelbiopsie gemacht wurde, bei der anschließenden OP 50% mehr metastasierte Wächterlymphknoten als bei Frauen, bei denen gleich eine OP erfolgt. Dies legt den Verdacht nahe, dass beim "Nadeln" Krebszellen aus dem Tumor erst ins Gewebe gebracht wurden... (Weshalb ich diese Methode nie an mir - hier Prostata - vornehmen lassen würde.)

Da es keine sichere Diagnosemethode gibt, kommt es zu vielen Fehldiagnosen. Und das bedeutet in dem Fall: unnötige Operationen bis hin zur Amputation und entsprechend belastende Anschlusstherapie (Chemo usw.). Außerdem weiß man, dass sich viele (Klein)tumore wieder von selbst zurückbilden.

Dem Nutzen - hier Früherkennung - steht also immer ein potentieller Schaden bzw. Risiko gegenüber - hier Fehldiagnose und daher unnötige, belastende Behandlung.

Bei kritischer Betrachtung ist dieses Nutzen-Risiken-Verhältnis bei einigen Erkrankungen nicht sehr günstig. (In GB hat man daher z.B. die Prostata-Früherkennung wieder aus dem Katalog der gesetzlichen Gesundheitsleistungen genommen).

Es funktioniert eben leider nicht immer so eindeutig, wie wir uns das gerne wünschen...

Gruss Rudolf

Maerchenhexe
07.03.10, 16:58
Danke für die Erklärung, aber für mich macht das jetzt nicht so den Sinn, ob ich einen Knoten ertaste und damit zum Doc geh- oder ob der einen findet bei einer Routineuntersuchung?? Ich denk mal, jeder Knoten wird doch in gewisser Weise untersucht? Und wieso schaffen die die Nadelbiopsie bitteschön nicht ab, wenn solche Ergebnisse bekannt sind?? Ich glaub ich bin zu alt für diese Welt. Ich begreife sie ab und an nicht mehr....koppschüttels! :eek: :D

Petrus
07.03.10, 17:52
Da ich just bei der jährlichen Krebsvorsorge (der Begriff ist ja schon falsch!) war , kann ich noch etwas beisteuern:
in Dortmund haben sich die niedergelassenen Gyn abgesprochen, dass sie jede Frau ab 40 zur Mammographie schicken! auf Kassenkosten!
Angeblich, weil soooo viel dabei entdeckt würde und man die Frauen dann retten könnte!
Ich werd dieses Jahr 42 und war noch nicht - der Druck seitens der Ärztin war dieses mal immens!
Da ich aber genau die Problematik wie ihr sehe, will ich da gar nicht hin...
Und zur Biopsie bei Verdacht auf Mamma CA: vor 20 Jahren war eine Biopsie bei Verdacht auf Mamma Ca noch ein Kunstfehler (wg der Gefahr der Streuung!). Da musste sofort operiert werden...
Durch die vermehrte Früherkennung (und den dadurch steigenden Verdachtsfällen) wurde das aber irgendwann zu teuer - und plötzlich war der Kunstfehler kein Kunstfehler mehr sondern das Mittel der Wahl!
Sollte ich (klopf auf Holz - was hoffentlich nie passiert) tatsächlich mal in die Verlegenheit kommen: ich würde NIE biopsieren lassen! OP, rausschneiden - dann können die Pathologen schicke Scheibchen schneiden und gucken, was sie da rausgeholt haben:-)!
Jaja, es geht nicht um unsere Gesundheit - soviel ist klar...
Gruß aus Dortmund
Petra

Maerchenhexe
07.03.10, 18:27
in Dortmund haben sich die niedergelassenen Gyn abgesprochen, dass sie jede Frau ab 40 zur Mammographie schicken! auf Kassenkosten!
Wie geht das denn, ich denke, da muss ein begründeter Verdacht bestehen?
Sollte es auch hier um den "Massenbetrieb" "Screening" gehen steht m.M. eher die Auslastung der Geräte und die Beschäftigung der Bediener/innen an erster Stelle. So jedenfalls mein Eindruck.
Im Übrigen fand ich das so mit eine meiner entwürdigendsten Untersuchungen überhaupt. Einbestellt, abgewatscht und rausgeschmissen. Befund per Post falls was ist. Kommt aber auch wenn nix ist, kriegt man einen ganz schönen Schreck!

Anita Kraut
08.03.10, 07:51
Hallo Rudolf,
danke für die Infos und die Quellenangabe! Tut immer gut, eine Bestätigung zu bekommen. US halte ich für ausreichend - und Fremdabtastung ist auch nicht schlecht ...;).
Gruß
Anita

RWH
08.03.10, 08:43
@Märchenhexe


ob ich einen Knoten ertaste und damit zum Doc geh- oder ob der einen findet bei einer Routineuntersuchung

..ich dachte dabei weniger an eine "medizinische" Fremdabtastung


Wie geht das denn, ich denke, da muss ein begründeter Verdacht bestehen?


Und wer begründet den Verdacht..? Die Gynäkologen...

Gruss Rudolf

Maerchenhexe
08.03.10, 09:19
ich dachte dabei weniger an eine "medizinische" Fremdabtastung
Das ist doch im Prinzip egal, dem Knoten zumindest. Was das "nichtmedizinische" angeht dachte ich, die wollen uns jetzt auch noch das anfassen verbieten. Mit einer "tumorfördernden Begründung". Nachdem die religiös-moralische nicht mehr zieht. :D
Da warte ich sowieso schon auf die "Schlafzimmersteuer! :D
Und was den Verdacht betrifft- sie schrieb: alle wollen schicken. Das gäbe bestimmt Probleme wenn auf einmal eine Flut angeblicher Verdachtsdiagnosen über das Screeningcenter schwappt. Ob die das wagen bleibt abzuwarten.

Maerchenhexe
02.06.10, 15:18
Ah welche Freude! Das Screening Zentrum hat mich wieder eingeladen. Ich habe jedoch dankend verzichtet und darum gebeten, auch künftig nicht mehr zu den almabtriebsanmutenden Events eingeladen zu werden.
Kam eine Mail in der unter anderem ausgeführt wurde, dass ein solches Programm, das nach den EU-Leitlinien höchsten Qualitätsanforderungen entspräche, es in Deutschland bisher nicht gegeben habe. Daher würden strenge Qualitätsanforderungen an das Screening-Personal, die teilnehmenden Ärzte und die Geräte gestellt.
Obendrein noch Erklärungen und Erläuterungen, dass nach EU-Richtlinien...Beschluß des Bundestages von 2002 blablabla.

Häggs nimmt nicht mehr teil am Almabtrieb. Hoffentlich haben die das kapiert, denn abwicklungstechnisch war das bislang auch eher disaströs. :mad:

Silvie
02.06.10, 21:56
Hallo zusammen
Dr. Rüdiger Dahlke warnt schon lange vor der Mammographie und hat über dieses und viele andere Themen interessante Bücher geschrieben.
Mein Gyn. respektiert und versteht meine ablehnende Haltung.
Ich lasse mir jedenfalls keine Angst einreden.
Liebe Grüße
Silvia

Maerchenhexe
02.06.10, 22:12
Mir geht es weniger um das Screening an sich, sondern EU-Richtliniengetreues gesetzlich geregeltes -äh, Dingens. :D
Die dachten wohl, ich hätte das nicht verstanden und schrieben nochmal zurück. Böser Fehler. :D Aber gutes Verschiebungsobjekt, passender Zeitpunkt, nettes Thema, ja, doch, hat Spass gemacht, die geharnischte Antwort. :D

Rindviech
07.06.10, 03:58
Hmmm ich weiss nicht ob es dazu passt aber ich habe ne Anekdote - ich hatte eine Grosstante (Baujahr 1900) die im Alter von 99 Jahren seelig und geistig und körperlich noch recht vital einschlief. Soweit recht bemerkenswert aber noch nichts besonderes.
Irgendwann ich meine es war in den 60ern begab sie sich zufälligerweise mal zum Arzt und dort wurden Gallensteine diagnostiziert und eine Entfernung der Gallenblase angeraten - worauf die gute nicht etwa nach der Empfehlung handelte sondern wie der, Teufel das Weihwasser, den Gang zum Arzt zukünftig mied.
Eine besondere Ernährungsdiät machte die Gute auch nie, in den 70ern sagte sie sie brauche keinen Kühlschrank mehr weil sie ja eh bald sterben würde sie sei ja schon 70 das würde sich nicht lohnen und so wurde auch das Fernbleiben von allem was nach weissem Kittel aussah legitimiert - ach das lohnt sich nicht - das belastet die Kasse ich bin jetzt schon so alt und werde sowieso bald sterben.
Natürlich zwickte die Galle manchmal was mit Nahrungsverzicht therapiert wurde bis die Galle eben nicht mehr zwickte. Alterserkrankungen wurden schnell diagnostiziert und mit Altersbedinger "Abnützung" diagnostiziert worauf sie sich mehr Bewegung verordnete und dies auch trotz schmerzen ohne Schmerzmittel durchzog.
Anfang der 90er wurde bei Ihrer Tochter dann ein Colon CA diagnostiziert die Tochter verstarb auch recht schnell.
Nachdem das Ihre einzige Tochter war und sie mit dem Schwiegersohn nicht klar kam entschloss Sie sich ich glaube 1 Jahr nach dem Tod Ihrer Tochter in ein Pflegeheim zu gehen.
Ich jobbte damals um mir das Taschengeld etwas aufzubessern im Rettungsdienst und am Wochenende in einem anderen Pflegeheim und hatte dann später den Zivildienst in einem Pflegeheim gemacht.
Bei meinem ersten Besuch fragte ich sie im bekannten oberfränkischen Charme na Tante L. wie gehts dir denn und gefällts dir denn? Worauf Sie sagte wir haben ein Bett, was zu Essen und Unterhaltung also gehts mir gut.
Dann sagte Sie: Sag mal Du kennst Dich doch aus - muss das sein dass der Doktor immer bei mir vorbei kommt? Mir ist das gar nicht recht, der will mir immer Tabletten verschreiben - mir fehlt doch nix! Schau dir mal die jungen Dinger hier an (sie meinte damit die Mitbewohner die bereits in den 80ern waren) die Brunsen (oberfränkisch f. urinieren) alle in die Hosen - und warum? Wegen den Tabletten vom Doktor - ich bin noch dicht ich will dicht bleiben also ess ich die nicht - der Doktor kann sagen was er will der kennt sich eh nicht aus.
Bei meinen nächsten Besuch fragte ich sie und alles klar und sie fing wieder in epischer Breite an vom Doktor zu erzählen und dass sie jetzt immer Tabletten bekommt - aber die ins Klo schmeisst - weil sie will ja Dicht bleiben und dann kam die nächte Frage: Ob der denn nix besseres zu tun hat als immer nach ihr zu schauen - der soll seine Arbeit machen und sie in Ruhe lassen.
Soweit ich weiss zog sie das mit dem unterbeschäftigten Arzt - der ja immer nach Ihr schaute und deshalb zu viel Zeit haben muss und der täglichen Entsorgung der Tabletten im Abort (oberfränkisches Standardwort für Klo) bis ins Jahr 1998 durch. Dann kam es wie es kommen musste sie wurde erwischt! Danach wurde geschaut, dass die Gute, man neigt ja dazu alte Menschen schnell mal zu entmündigen ihre Tabletten auch schluckt.
Ab diesen Zeitpunkt setzte bei Ihr der körperliche Verfall ein. Die gute die sonst nie mit Gedächtnislücken zu kämpfen hatte wurde zunehmend desorientiert - hatte plötzlich Probleme Menschen zu erkennen (obwohl mich das nach dem Zustand der Hornhaut am Auge gewundert hat dass sie das vorher noch konnte - aber das wäre ne andere Anekdote). Dann folgte konnte sie das Bett nicht mehr verlassen und 14 Tage später Exitus. Vielleicht ein klassischer Fall von Nocebo oder vielleicht doch ein Effekt der Diuretika?
Ich sags mal wie sie es gesagt hat - wegen jeden krummen Furz zum Arzt zu rennen kostet der Kasse unnötig Geld und helfen können die einen auch nicht. Ich frage mich oft wäre die Gute so alt geworden wenn sie jede medizinische Mode mitgemacht hätte oder wäre sie dann noch älter geworden? Ne die gute hatte ihren eigenen Kopf und ging denk ich auch lange genug verantwortlich mit Ihrem Körper um und war ne klasse Tante. Und das einzige worauf sie achtete war 1 Apfel pro Tag - denn: "An apple a day keeps the doctors away" das war ihr wichtig ;-)

RWH
07.06.10, 06:15
Ich frage mich oft wäre die Gute so alt geworden wenn sie jede medizinische Mode mitgemacht hätte oder wäre sie dann noch älter geworden?

Wahrscheinlich nicht...

Andrea65
07.06.10, 12:04
Oh, Rindviech, vielen Dank für diese Geschichte, und Gott bewahre mich davor, jemals ins Pflegeheim zu müssen - mir graut jetzt schon vor dem täglichen Kuchen, der ungesunden Ernährung, der unerwünschten Bespaßung mit Fernseher und Radio etc. Und vor den Ärzten, die dort ihre Opfer finden.

edit: Und vor den Friseuren, die einem dort Haarschnitte für alte Damen machen.

Danke für den Tipp, die Medikamente im Klo zu entsorgen ... Ist vielleicht besser, als einen Ruf als renitente Alte zu bekommen. :D

RWH
07.06.10, 12:51
Ist vielleicht besser, als einen Ruf als renitente Alte zu bekommen.

Bestimmt. Renitenz wird einem im Alter nämlich oft nicht als Ausdruck ganz normaler Selbstbestimmung, sondern als Zeichen für geistige Störungen ausgelegt. Und da ist dann die zwangsweise Sedierung das Mittel der Wahl...

(Also besser so tun, als nähme man das Zeug - und spuckt es dann ins WC).

M. Wittstadt
07.06.10, 13:54
Blutdruck senken, wenn die Gefäße schon eher starre Rohre als elastische Schläuche sind? ... da muss man nur das Hirn einschalten.

RWH
07.06.10, 13:58
... da muss man nur das Hirn einschalten.

...davon steht nichts in den Leitlinien.

Andrea65
07.06.10, 15:44
Bestimmt. Renitenz wird einem im Alter nämlich oft nicht als Ausdruck ganz normaler Selbstbestimmung, sondern als Zeichen für geistige Störungen ausgelegt. Und da ist dann die zwangsweise Sedierung das Mittel der Wahl...

(Also besser so tun, als nähme man das Zeug - und spuckt es dann ins WC).

Ja, ich befürchte, du hast Recht.

Anja
07.06.10, 16:08
Danke für den Tipp, die Medikamente im Klo zu entsorgen ...

Ja, besser kann man es nicht machen. Hab ich auch schon getan :) - als ich das einzige Mal in meinem Leben in einem Krankenhaus lag (wegen Entbindung - würde ich heute garantiert anders machen!). Da gabs dann wegen nicht diagnostiziertem "Eisenmangel" prophylaktisch Eisentabletten...

Hatte damals schon den richtigen Riecher und die Dinger ins Klo geworfen.

Gruß. Anja

rehlein
11.06.10, 00:13
@Maerchenhexe.....ich nehme auch nicht am Almabtrieb teil, alldieweil ich diese Massenunters. auch nur für einen taktischen Feldzug mit den Ängsten der Frauen halte und die extra Strahlenportion nicht brauche um mein Gewissen zu beruhigen.
Nachdem ich genau wegen einem Tumor in der Brust (hatte eine Ultraschallunters. vornehmen lassen, so rein gefühlsmäßig) vor 5 Jahren zur Mammographie geschickt wurde und der Tumor als angeblich gutartige Verkalkung diagnostiziert wurde, bestand ich auf sofortiges "Rauschneiden" des Dings. Nach der path. Untersuchung stellte man dann als Befund eine grenzwertige Entartung fest. Seitdem baue ich auf mein Gefühl und schalte den eigenen Verstand ein.

Ortrud
12.06.10, 15:50
Da ich ja schon ein älteres Semester bin, also 54, bekomme ich auch regelmäßig Einladungen zum Screening. Landet gleich im Papierkorb. Ohne mich. :D

Vennhexe
13.06.10, 08:54
Ich hab meinen Frauenarzt vor 2 Jahren völlig aus der Fassung gebracht, als ich die Mammographie abgelehnt habe.

Zu Denken gab mir lange der Ausspruch von vielen Brustkrebspatienten, die auch bei uns in Behanlung sind:

Ich bin immer, immer zur Mammographie gegangen und stellen sie sich mal vor - jetzt hab ich Brustkrebs.


Letztlich ist es auch eine Röntgenbehandlung, mit entsprechender Belastung.

LG, die Vennhexe


"Die Tränen deines Lebens sind die Schatten deiner Vergangenheit.
Führe die Schatten ins Licht und die Tränen werden versiegen."

(Jutta aus Esther Beutz "Hagazussa")

RWH
13.06.10, 11:06
Letztlich ist es auch eine Röntgenbehandlung, mit entsprechender Belastung.


Es ist ja nicht nur die Röntgenbelastung selbst - die natürlich auch - sondern die hohe Zahl an falschen Diagnosen bzw. unnötigen Folgebehandlungen.

Beim PSA der Männer gibt es den gleichen Effekt (ganz ohne Röntgen). Eine eindeutige Diagnose ist damit nicht möglich, aber bereits der Verdacht zieht weitere Untersuchungen und ggf. Eingriffe nach sich.

Unterm Strich ist der Nutzen der Maßnahmen etwa so gross, wie ihr Schaden.

Eines kann aber keine Früherkennung: Sicher vermeiden, dass man krank wird oder an einer Krankheit stirbt...

Gruss Rudolf

Chrissa
13.06.10, 11:25
Habe lange auf einer gynäkolog. Station gearbeitet, ca.85% Tumore wurden durchs abtasten seitens der Patientin selbst entdeckt und nur ein geringer Teil bei der Mammographie. Das spricht doch wohl für sich selbst.

LG Chrissa

RWH
13.06.10, 11:34
Wobei in den USA ja auch das Abtasten inzwischen nicht mehr empfohlen wird, weil die dadurch verursachten Behandlungen offensichtlich mehr schaden als nützen. Anders gesagt, es überleben nicht mehr Frauen durch das Abtasten als ohne.

Gruss Rudolf

Vennhexe
13.06.10, 18:18
Man erwartet (oder viele) von der Medizin Sicherheit - die gibt es aber nicht - jeder hat seine eigene Selbstverantwortung und die kann man nicht an einen Behandler abgeben.

LG, die Vennhexe


"Die Tränen deines Lebens sind die Schatten deiner Vergangenheit.
Führe die Schatten ins Licht und die Tränen werden versiegen."

(Jutta aus Esther Beutz "Hagazussa")

RWH
14.06.10, 08:28
Das sagst Du was Wahres...

jojohi
24.06.10, 12:33
Es wurde bei mir vor 30 Jahren eine "Verkalkung" im rechten oberen Quadrant festgestellt. Der Tumor verursacht öfter schmerzen und der Arm ist angeschwollen und......Ich mache regelmäßig Lymphdrainage und habe "ihn" zum Teil im Griff !! Die These mit der Mamma (=Mutterprobleme) und und und ...ist mir schon bekannt.....
Ich möchte eure Meinung dazu wissen:
Ich werde demnächst eine Feinnadelbiopsie von dem Tumor durchführen lassen. Dadurch entsteht auch eine Narbe die ein zusätzl. Störfeld hervorrufen kann die im vergleich zum Tod nicht Relevant ist.
Nach diese Seiten zu beurteilen scheint den Ärzten die Handhabung sehr easy zu sein!
Städtisches Klinikum Karlsruhe: Gewebeentnahme aus der Brust (http://www.klinikum-karlsruhe.com/index.php?id=580)

Habt ihr Erfahrungen mit dieser Methode gemacht?
Wenn ja, welche?
Gibt es eine andere alternativen?
Ich danke euch für eure Hilfe

RWH
24.06.10, 13:00
Hallo,

es gab kürzlich eine Studie (ich suche sich noch...) bei der festgestellt wurde, dass Patientinnen bei denen erst eine Biopsie und daraufhin eine OP angesetzt wurde, um (ich glaube) 30-40% mehr befallene Wächterlymphknoten gefunden wurde, als bei Patientinnen, bei denen während der Op die Pathologie gemacht wurde.

Es liegt also zumindest der Verdacht nahe, dass die Biopsie Tumorzellen im Gewebe verteilt hat...

Wurde bereits ein MRT gemacht?

Gruss Rudolf

jojohi
01.07.10, 12:55
Ja, im jahr 1996 wurde sie durchgeführt. Dort sind kleine "Sternchen" (2x) zu sehen.
Zu Ertasten ist aber ein größenvariierender Tumor mit e. Durchmesser v. 2 bis 5cm (zwischen Wachtel- und ein Hühnerei). Ich bin i. Wechseljahren (schon mit 43!). 2-3 Tage im Monat schwillt das "Ei" mit massiven Schmerzen an, anschliessend flach es ab!
Genauso dachte/denke ich auch, das bei e. FN-Biopsie noch mehr schaden angerichtet werden kann.
Meine Therapie Methode bisher: Auf dem lege Ich die Hand auf und beschwöre den Tumor wie im Steiermarkt. Zur Therapie trinke ich diversen Tees, wie Misteltee u.s.w. Ich kenne diese Schmerzenden Tumoren jedoch harmlosen, auch von d. anderen Patientinnen aus dem Krankenhaus.
Ich habe sowieso kein gutes Gefühl für d. FN-Biopsie und werde es auch nicht durchführen lasen. Es ist für mich nicht ein Kampf geg. d. Tumor, sondern ein damit tägliches Lebenlernen.
Ich werde mich weiterhin sehr freuen über eure Meinung, Anregungen, Wissen und die neuen Behandlungsmethoden zu erfahren.
Mit herzlichem Dank