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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hospitation - Vorteile - Nachteile



Patricia
25.01.10, 12:51
Guten Tag @ All,

stellt euch vor, ihr müsst für eure Tochter eine Entscheidung treffen ob Klinik oder nicht. Dann sollten ja auch die Für's und Wieder's abgewägt werden.

Welche fallen euch da so ein?

Liebe Grüße

Patricia

Assita
25.01.10, 13:05
Hallo Patricia :)
wie alt wäre die Tochter und wegen welcher Störung wäre
ein Klinikaufenthalt angedacht?
Liebe Grüße, Pia :)

Patricia
25.01.10, 14:08
Hallo Pia,

obwohl es mir im Grunde um "grundsätzlich" geht:

meine Tochter ist 17, hatte bis jetzt 3 Stunden bei einer Therapeutin, Diagnose wollte diese nicht aussprechen - aber als Therapieform hält sie die DBT für angebracht und dies weist auf eine Borderline-Störung hin.

Aaaber: ich bin grad dermassen ambivaltent (habe darüber auch schon mit Connie geschrieben) ... es wurde noch keine einzige Therapeutische Maßnahme ergriffen sondern lediglich Tests gemacht.

Ich bin mir sicher, dass eine Therapie indiziert ist - nur... Klinik? das geht mir alles zu schnell und ich sehe, dass meine Tochter sich die Klinik "schön denkt" "idealisiert" darauf weissen zwei Sätze hin: "Ich wüsste gerne, was mein Vater denkt, wenn er hört ich bin in einer psychotherapeutischen Klink" ich: "Was möchtest du denn gerne, dass er denkt" sie: "er soll sich schuldig fühlen" aha!!! und: "Wenn ich in der Klinik bin, kommt cem mich vielleicht besuchen" Cem = der Freund, der mind. einmal pro Woche Schluss macht, sie übelst per SMS beschimpft (Hure, Schlampe etc.) und den sie zu lieben glaubt. Und sie ist fest überzeugt, dass sie ihm das Leben schwer macht, er wegen ihr nicht glücklich sein kann (dabei ist das Kerlchen mit 16 gerade selbst mitten in der Pubertät).

Ich fühle mich von ihr instrumentalisieret (gut das ich das bemerke und da gegen steuern kann).

Na, auf jeden Fall geht es mir darum, wenn ich am Donnerstag mit zu der Therapeutin gehe Argumente für und gegen einen Klinikaufenthalt zu haben. Im Moment kann ich mit den blinden Augen einer Mutter nur intuitiv spüren, dass da etwas garnicht stimmig ist.

Oh man... ich glaube ich brauche selbst hilfe :confused:

Liebe Grüße

Patricia

Sansuse
25.01.10, 16:52
Hallo Patricia,
ich schicke dir einen ganzen Arm voll Kraft und Stärke.
Ich kann dir keinen Ratschlag geben, aber ich habe merkwürdigerweise das Bedürfnis ( :confused:), dir trotzdem irgendwie etwas Gutes zu tun, manchmal hilft ja sowas.!!

Linda F.
25.01.10, 17:20
Ich habe dir eine Email geschickt!

Grüße Linda

Patricia
25.01.10, 17:25
Hallo Sansuse,

dir vielen Dank - klar hilft es, wenn man "Kraft" geschickt bekommt.

Ich bin inzwischen so "krisenerprobt" - das sollte ich auch noch hinbekommen - wenn ich auch sicher ein paar Federn lassen werde ;)

Die Frage, ob Klinik oder nicht ist ja schon auch eine Grundsatzfrage. D.h. es hat ja nicht nur die "heilende" Wirkung sondern es bringt auch negative Seiten mit sich wie z.B. stigmatisierung, das abgucken kranker Verhaltensweisen bei den anderen Insassen usw. Darauf wollte ich hinaus ... Argumente...

Grüße aus dem kalten Hessen

Patricia

Patricia
25.01.10, 17:32
Hallo Linde,

ist aber bisher nicht angekommen?

Wohin hast du die denn geschickt?

Danke schon mal ...

Patricia

Assita
25.01.10, 17:58
Hallo Patricia,

oje .... ich dachte, du stellst da eine Übungsfrage ein ....dass du selbst betroffen bist, tut mir echt leid!! Vielen
Dank für deine Offenheit. Da ich mit meinen beiden "erwachsenen" :) Söhnen in den letzten Jahren auch so einiges mitgemacht habe, kann ich deine Sorgen und deine Ambivalenzen sehr gut nachempfinden. Die Idee, dir in dieser schwierigen Situation selbst kompetente Unterstützung zu holen, finde ich sehr gut - das kann auf jeden Fall ein erster hilfreicher Schritt für dich sein.

Hm....ich weiss ja nicht, wegen welcher Symptome sich deine Tochter in Therapie begeben hat - in diesem Alter können m.M. n. schon Symptome auftreten, die auch bei einer Borderline-Störung auftreten, ohne dass es gleich eine sein muss. Kennst du die Therapeutin, ist sie auf
diesem Gebiet erfahren? Die DBT ist sicher an sich eine prima Sache, wird natürlich aber auch ambulant durchgeführt. Wenn die Symptome nicht extrem einschränkend sind bzw. wenn keine akute Gefahr besteht
(Suizidalität, SVV, dissoz. Phänomene), wäre eine ambulante Behandlung zumindest einen Versuch wert.

Den Vorteil einer ambulanten Behandlung sehe ich darin, dass der gewohnte Lebensrahmen beibehalten werden kann - Schule, Ausbildung, Beruf etc. können weiter verfolgt werden. Auch das soziale Umfeld bleibt erhalten, man wird nicht aus allem "rausgerissen" und muss sich nachher auch nicht wieder neu einfinden, was nach stationären Behandlungen immer wieder problematisch und belastend sein kann. Je nachdem, wie die eigene "innere Haltung" ist, hat man ambulant weniger Probleme mit (Selbst)stigmatisierung.

Aber wie so oft können genau die gleichen Argumente auch für einen stationären Aufenthalt sprechen. Wenn die Problematik stark mit dem Umfeld, Alltag gekoppelt ist, ist eine "Auszeit" vom Gewohnten sicherlich hilfreich. Bei
entsprechend schwerer Symptomatik ist das stationäre Angebot effektiver als das ambulante niederfrequente
(1-2 Sitzungen pro Woche). In einer Klinik trifft man "Leidensgenossen", das kann sehr entlastend (aber auch belastend) sein. Neue Kontakte und Freundschaften sind
möglich (und damit evtl. eine gesunde? Distanzierung von den bisher wichtigen Personen). Ein stationärer Aufenthalt hat sicherlich tiefgreifendere Wirkung als eine ambulante
Therapie. Für die Familie kann ein Klinikaufenthalt entzerrend wirken. In vielen Kliniken gibt es auch Angebote für Angehörige, die hilfreich sein können.

Dies waren jetzt nur die Gedanken, die mir spontan eingefallen sind, sicherlich gibt es noch viele andere Aspekte, die zu berücksichtigen sind.

Du schreibst, das alles ginge dir zu schnell - wenn nicht "Not" am Mann (Frau :)) ist, scheinen 3 Termine tatsächlich ein bissl "hau-ruck" zu sein. Kannst du dir die Eile irgendwie erklären? Was genau sträubt sich in dir gegen die Klinik-Idee (mal abgesehen von rationalen Argumenten)?

Ein wichtiger Punkt scheint mir das Alter deiner Tochter zu sein, bzw. ihre "Fast-Erwachsenheit". Mit 17 wirst du wahrscheinlich nicht mehr allzu viel Einfluss haben :rolleyes: ich finde, das ist auch immer schwer auszuhalten, dass man ständig beteiligt / involviert ist und gleichzeitig kaum mehr etwas ausrichten kann.
Ich hab mich da schon oft ziemlich ausgeliefert / ohnmächtig gefühlt.

Ganz herzliche Grüße und alles Gute euch, Pia

Patricia
29.01.10, 20:15
Liebe Pia,

heute endlich komme ich dazu, dir für deine ausführlichen Worte zu danken.

Du hast das sehr gut beschrieben, jedes Argument kann für oder gegen einen Klinikaufenthalt sprechen.

Nachdem ich gestern ein sehr ausführliches Gespräch mit der Therapeutin und meiner Tochter hatte (ich bin in der wirklich glücklichen Lage, einen guten Kontakt zu meiner Tochter zu haben) hat sich leider eine sehr schlimme Ahnung bewahrheitet. Das hat mich in meiner Entscheidung unterstützt und nun werden wir den Klinikaufenthalt in die Wege leiten.

Wie du auch völlig richtig geschrieben hast, kann das entzerrend wirken. Ich spüre, dass meine Kraft Ihren Reaktionen mit dem ständigen, manchmal minütigen auf- und ab nicht ausreicht - es wird für mich und auch dem Rest der Familie (der hautnah täglich aus ihrem 21 jährigen Bruder besteht, der ist aber selten hier und meinem Lebensgefährten - der ist aber nochmal eine andere Geschichte) etwas Ruhe bringen.

Apropos Geschichten ... auch ich mit meinen 4 Kindern und 2 Brüdern die ich im Grunde groß gezogen habe könnte ein Buch füllen ;)

Jetzt werde ich mich mal auf die Suche machen nach einem Forum für Angehörige von "Borderlinern" ... mal sehen, welche Strategien die so haben.

Liebe Grüße

Patricia

Assita
29.01.10, 20:44
Hallo Patricia,

lieben Dank für deinen Bericht. Ich hab schon überlegt wie es wohl gestern bei euch gelaufen ist. So wie du schreibst klingt es nach einer stimmigen Entscheidung für euch alle.

Jetzt habt ihr einen ersten Schritt in eine neue Richtung gemacht und ich denke, es ist trotz allem, was dir dabei Sorgen macht, erstmal eine Entlastung, nicht mehr so hin- und hergerissen zu sein.

Ich hoffe du findest ein gutes Angehörigenforum mit netten Menschen, die dir mit ihren Erfahrungen zur Seite stehen und Mut machen können!

Alles Gute und liebe Grüße, Pia

:D hier gibt's bestimmt noch ein paar Mamas, die Bücher schreiben könnten - ich erinnere mich an diesen Thread :rolleyes: Heilpraktiker Foren - Forum für Heilpraktiker und Tierheilpraktiker (http://www.heilpraktiker-foren.de/forum/showthread.php?t=11710&highlight=kaktus)

wir könnten ja so eine "Reihe" herausgeben :D oder gleich Drehbücher für ein paar Jahre "daily soap" schreiben :D

Patricia
30.01.10, 13:57
Hallo Pia,

Drehbücher schreiben klingt gut ;-) ... ich bin dabei *lach*

Den Threat habe ich noch nicht durch - aber das mache ich später noch (nach dem Putzen *grummel*

Irgendwie ist ja zum einen beruhigend zu wissen, dass es im Grunde allen Müttern so geht und - was das ganz für mich spannend macht - man kann von den Erfahrungen und Tipps und Ideen durch Austausch profitieren.

Für deine lieben Wünsche hab' dank.

Das Thema "Buch" schreiben hat mich auf die Idee gebracht vielleicht mal so eine Art Tagebuch zu schreiben - wer weiß, wem ich damit mal helfen kann. Mal schauen was da so draus wird.

Viele Grüße und schönes Wochenende

Patricia