Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gestresster Bürohund
Hallo,
ich bin 28 Jahre halt und stolze Besitzerin einer ganz lieben, 15 Monate alten Hündin.
Und genau um die geht es - ich hab sie mit 8 Wochen bekommen und seit der 12 Woche ist sie ein sog. Bürohund :-)
Sprich, sie begleitet mit tagtäglich an meinen Arbeitsplatz. Ich arbeite in einer kleinen Firma (ausser mir arbeiten nur 2 weitere Leute hier) und wir haben unser eigenes Büro. Wir haben keinen Kundenverkehr und es läuft eigentlich alles per Email oder Telefon.
Für meine Hündin entsteht also keine große Lautstärken-Kulisse oder ein ständiges Raus und Rein an Kunden/Mitarbeitern.
Sie hat eine weiche Decke unter meinem Schreibtisch (hinter dem Schreibtisch ist noch Platz, sie kann also nach hinten unter dem Schreibtisch rausgehen und natürlich vorne). Mein PC steht auch unter dem Schreibtisch, sie liegt direkt daneben, aber ich hab versucht das Rauschen durch eine Platte möglichst leise zu halten.
Grundsätzlich muss ich noch sagen, dass ich meine Hündin nie bekommen hätte, wenn mein Chef mir nicht erlaubt hätte sie mit zu bringen. Ich könnte es einfach nicht mit mir vereinbaren sie 8 Stunden alleine zu lassen.
Nun zum eigentlichen Problem:
Schon von Kindesbeinen an war sie immer ein eher nervöser, unsicherer und gestresster Hund. Sie hatte schon als Welpe Schuppen und jemand hat mal gesagt, dass sie immer einen gewissen "Grundstress" hat - das ist tatsächlich so.
Nun mache ich mir immer sehr große Sorgen um die Kleine und möchte irgendetwas tun, damit sie nicht mehr so gestresst ist. Ich beobachte sie sehr genau und kann auch ganz gut einschätzen wann sie Stress hat. Sie äussert das sehr deutlich über Schuppen, Gähnen, Knabbern oder Jucken.
Ich mache mir jetzt natürlich Sorgen, ob sie vielleicht durch den Aufenthalt im Büro so gestresst ist? Wir hatten 2 Wochen Urlaub und da war sie zwar immer noch schnell gestresst, aber ich hatte den Eindruck das es nicht ganz so schlimm wie sonst ist.
Im Büro verhält sie sich immer super, sie liegt auf Ihrer Decke oder auch mal woanders im Büro, hat ein paar Spielzeuge mit denen sie aber selten spielt und meldet sich das erste mal gegen Mittag, weil sie raus muss. Nachmittags kriegt sie meistens für den Endspurt einen Kauknochen. Grundsätzlich kann man sagen, dass sie auf der Arbeit die meiste Zeit schläft - wenn sie dann aber wach wird, ist sie gleich gestresst (Schuppen, Jucken..).
Habt ihr eine Idee wie ich ihr hier helfen kann? Was könnte ich machen um sie ein bisschen von ihrem Stress (der ja nicht nur auf der Arbeit auftritt, sondern auch sehr oft wenn wir einfach an unbekannten Orten sind) zu befreien? Vielleicht gibt es ja etwas homöopathisches, was ich ihr geben könnte?
Sie nicht mehr mit ins Büro zu nehmen wäre für mich ein kleiner Weltuntergang und ich glaube auch nicht, dass das lange Alleinbleiben ihr gut tun würde, deshalb hoffe ich sehr auf eure Hilfe.
Viele Grüße
Dawn
Hallo Dawn,
hasst du schon einmal über einen Schlafplatzwechsel nachgedacht? Gibt es in deinem Büro die Möglichkeit, einen Korb, in einer anderen Ecke aufzustellen? Versuche doch mal, den Schlafplatz einen Höhlencharakter zu verpassen. Das geht ganz einfach. Stülpe einen großen Karton über den Korb/ der Decke und schneide vorn eine Öffnung (nicht zu groß und nicht zu klein) hinein. Platziere den Korb mit Karton so, dass sie dich noch sehen kann. Lege auch noch ein getragenes Shirt von dir mit rein, sodass sich deine Kleine draufkuscheln kann und dich immer riecht. Es kann sein, dass es ihr unter deinem Schreibtich unbehaglich ist. Da sind ja doch noch die PC Geräuche und nicht zu vergessen deine Füsse. Evtl fühlt sie sich einfach nur beengt.
LG mamabieb
Quarterhawk
12.01.10, 16:50
Hallo Dawn,
wenn Sie die meiste Zeit im Büro schläft werte ich das schon mal eher positiv. Bei richtig heftigen Stress würde ihr das wohl schwer fallen.
Sonst weiß ich genau wovon Du sprichst, ich hab nämlich auch einen schnell gestressten und überforderten Bürohund, allerdings ist bei uns auch mehr los.
Erkundige Dich im Internet mal über DAP, vielleicht kann das helfen. Sonst kann ich Dir etwas aus eigener Erfahrung empfehlen: trainier ein Entspannungssignal ein. Klingt im ersten Moment ein bissel komisch hat uns aber schon in vielen Situationen geholfen.
Überlege dir ein Wort, welches Du relativ tief und ruhig, langezogen aussprechen kannst (z.B. eeeaaaassssyyyyy, oder slllooooooooow doooooown) und sag das immer in Situationen in denen deine Maus richtig entspannt ist (z.B. wenn sie kurz vor dem Einschlafen diesen tiefen Atemzug machen). Das musst Du schon einige Zeit machen ( mind 4 Wochen mehrfach täglich) Dein Hund wird dieses Signal mit dem Zustand des entspanntsein verknüpfen. Dann fängst Du langsam an es in Situationen anzuwenden in denen Sie nicht 100% entspannt ist (z.B. wenn sie sich ein plätzel sucht oder grad hingelegt hat) und steigerst das mit der Zeit einfach. Trotzdem fügst Du es immer wieder auch ein wenn sie völlig entspannt ist, um den Kontext zu erhalten. In sag es meist ein paar mal hintereinander.
In Paula ist es so fest verankert, dass sie Teilweise von einem "ich belle den Lieferanten an" zu einem "ich lege mich auf meinen Platz und lass auch den Kopf ganz relaxt auf dem Boden" wechseln kann nur unter aussprechen des Signals.
LG
Tina
Hi Dawn,
ich würde der Kleinen ne Höhle bauen und ne Box ins Büro stellen, die kannst Du zustätzlich zuhängen. Den Eingang kannst Du ja offen lassen. Wenn der Hund tagsüber schläft, spricht das allerdings nicht für große Nervosität und Unruhe, sondern eher dafür, dass sie gut klarkommt. Ansonsten wäre auch eine Möglichkeit, sie zwischendurch mal für ein, zwei Stunden im Auto zu lassen? Für meine Hunde ist das Auto zumindest auch eine "Höhle" die Sicherheit vermittelt. Zudem würde ich sie in der Mittagspause gut beschäftigen und bewegen, wenn das zu Ruhe und Ausgeglichenheit beiträgt.
Wenn der und im Büro ruhig ist und nach Arbeitsende in der "Freizeit" arg angespannt oder unruhig ist, würde ich eher den häuslichen Bereich und die Abläufe dort überdenken... Vielleicht warst DU auch im Urlaub vor allem gegen Ende - entspannter und das hat sich auf den Hund übertragen....?
Was genau bei Euch suboptimal läuft, wird man übers www nicht herausfinden können. Ich würde an Deiner Stelle nochmal den gesamten Tagesablauf nebst Bewegung/Beschäftigung, Fütterung etc überdenken und dann über Änderungen nachdenken. Schuppen und Jucken können ja verschiedene Ursachen haben. Wenn Du dann nicht weiter kommst, wäre eine THP nicht schlecht, die Eure Situation mal komplett durchleuchtet.
LG Yvonne
Hallo Dawn,
aus dem "Eurasierforum" kenne ich die Möglichkeit,
dem Hund "Entspannung" per Halstuch + ätherisches Öl
anzutrainieren. Ich selbst wende das bei meinem Hund zwar nicht an, kann also nicht aus eigener Erfahrung sprechen, finde diesen Ansatz aber sehr interessant.
Hier ein längerer Ausschnitt aus der "Anleitung".
Liebe Grüße von Pia :)
es folgt ein Zitat aus dem Eurasier-Forum
Herzlich Willkommen im Forum der ZG (http://www.eurasier-online.de/board/forum.php?fid=1)
aus einem Text von Tina Müller, Hundeschulleiterin
Erziehungs- & Verhaltenstraining für Mensch mit Hund (http://www.mensch-hund-training.de/)
klassische Konditionierung:
Sie ist ein einfaches Lernprinzip, das bei Tieren und Menschen Anwendung findet und diese ist in der Hundeerziehung nicht wegzudenken. Man kann so vieles mit ihr machen.
Auf einen neutralen Reiz (Halstuch) erfolgt ein unkonditionierter Reiz (Hundi liegt und schläft), was eine unkonditionierte Handlung (Ruhe, Entspannung) auslöst. Passiert dieses öfter und zuverlässig wird der neutrale Reiz zum Signal, der unkonditionierter Reiz / Handlung zum konditioniertem. D.h. Hundi verknüpft Halstuch mit Entspannung.
Also jetzt wirkt der neutrale Reiz (Halstuch) nicht mehr neutral, er ist gebunden mit dem unkonditioniertem Reiz (Hundi schlafen) und dieses ruft eine Handlung hervor z.b wohlfühlen, entspannen.
Beispiel ist das beliebte Clickertraining. Durch das clickern und unmittelbare Gabe vom Futter wird nach einiger Zeit schon das Clickern selbst die Futtererwartung auslösen. Ohne diese Konditionierung auf das Klickgeräusch wäre es jedoch für den Hund bedeutungslos.
Eine konditionierte Entspannung ist nichts anderes als eine klassische Konditionierung. (Reiz + Handlung) Sie passiert unwillkürlich beim Aufbau. Signale wie Sitz, Platz und Fuß etc. sind durch operante Konditionierung (Reiz + Handlung + Konsequentz) entstanden, also willkürlich.
Eine konditionierte Entspannung „KE“ ist kein Ersatz für eine gute Erziehung, aber ein Teil aus einem Werkzeugkasten welches man bei Erregung mit einsetzen kann.
Die KE-Wort ist ein aufgebautes Signale welches nur den Hund von einem Erregungszustand etwas herunter fahren soll um ihn wieder ansprechbar zu machen, er wird dadurch nicht entspannt oder schlafen gelegt. Er ist dadurch etwas entspannter, aber nicht total entspannt, anschließend kommt zusätzlich ein Alternativverhalten wie Sitz, Rückruf, Umorientierung etc. . Das KE-Signal ist nur um ein Hund aus einer Erregung rauszuholen wo er mit einem normalen Sitz etc.. nicht mehr reagiert um ihn ansprechbar zu machen.
Das KE-Tuch bekommt der Hund im Hause um, wenn er hochfährt oder eine Auszeit braucht und sich entspannen soll oder aber bei Trennungsstress (da ist der Aufbau etwas anders).
Der Hund soll nicht bei dem KE-Signal bewusst etwas anders fühlen, es ist nur eine klassische Konditionierung. Es löst ein Prozess aus welches vom Nervensystem gesteuert wird.
Es muss zwischen durch auf Grund der klassischen Konditionierung halt aufgeladen werden, ansonsten entsteht eine neue klassische Konditionierung mit dem Signal und Erregung.
Der Clicker / Marker wird genauso aufgebaut, unwillkürlich mit klassischer Konditionierung, der Hund kann gar nichts dagegen tun, es passiert einfach
Aufbau:
Du bist zu Hause und Hundi beginnt, sich zu entspannen in dem er sich hinlegt und ruht, ist es genau der Moment, wo du ihm das Halstuch+1 Tropfen Öl umbindest oder in die Nähe des Kopfes legst.
Danach machst du mit deinem Alltag weiter oder streichelst ihn ruhig, sofern er es genießt und weiter ruht. Wenn du nach einiger Zeit dich wieder um ihn kümmern möchtest, spielen möchtest etc.., machst du das Halstuch wieder ab und packst es weg. Das wiederholst du jetzt mehrfach jeden Tag für 10-30 min immer beim ruhen. Wenn der Hund von alleine aufsteht und rum läuft macht man das Tuch auch wieder ab. Also ganz Zwanglos nur wenn er ruht ansonsten abnehmen.
Nach etwa 1-2 Wochen der Übung legst du ihm nun das Halstuch um, wenn er aktiver ist, kümmerst dich aber nicht um ihn oder streichelst ihn ruhig. Wenn er sich hinlegt und entspannt, wartest du noch, bis du dich wieder mit ihm beschäftigst. Denke immer daran, sobald man sich um den Hund kümmert in Form von Aktionen, spielen etc.., muss unbedingt das Halstuch abgemacht werden. Nach einer weiteren Woche wenn er mal seine 5 min hat bindest du ihn das Tuch um und schaust was passiert. Er wird sich schnell entspannt hinlegen und ausruhen.
Aufladen: ab und an wenn Hundi schläft bekommt er einfach mal das Tuch wieder um, um es wieder zu konditionieren.
Bei Kimbi wenn sie Angst hat (sehr Geräuschempfindlich), voll aufgedreht ist oder sonstiges, bekommt sie das Tuch um und man kann sehen wie sie runter fährt und binnen paar min sich hinlegt und ruht. Tuch bedeutet einfach wir machen eine entspannte Pause.
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