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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : eigene Praxis unrealistisch??



Andrea.B
30.11.09, 19:14
Hallo und guten Abend,

ich hatte heute einige, für mich doch sehr niederschmetternde Gespräche, und wollte mal Eure Meinung erfragen. War heute morgen zuerst mit einem Existenzgründungsberater und anschließend mit einem Bänker verabredet. Ich hatte ursprünglich vor, wenn ich die Prüfung geschafft habe, mich mit einer Praxis als 2. Standbein selbstständig zu machen. Der Gründungsberater sagte mir aber ziemlich unverblümt, dass das absolut keine Chance auf Erfolg hat. Kaum jemand würde zu einem Heilpraktiker Psychotherapie gehen, da es ja schließlich Ärzte und niedergelassene Psychotherapeuten genug gebe. Zudem sei wohl kaum jemand bereit, Sitzungen aus eigener Tasche zu bezahlen, da die momentane Wirtschaftslage ja bekanntlich nicht rosig ist (Recht hat er ja in diesem Punkt, aber na ja). Zum Abschluss sagte er mir dann noch netterweise, dass, selbst wenn nur ein Hauch von Erfolg zu erwarten wäre, ich ja wohl ein bischen zu alt wäre, um so ein Wagnis einzugehen. Bis sich so eine Praxis am Markt amortisieren würde, wären günstigstenfalls 5-6 Jahre vergangen. Der Bänker hat mir auch nicht viel Mut gemacht. Er meinte, dass sein Institut keinesfalls so ein Projekt finanziell unterstützen würde, selbst wenn der Betrag nur klein sei. Nun bin ich doch arg am Zweifeln, ob mein Weg der Richtige ist. Es macht zwar sehr viel Spaß zu lernen, aber ich hatte schon auf berufliche Perspektiven hingearbeitet, zumal die Branche, in der ich arbeite, sehr rückläufig ist.

Silke Uhlendahl
30.11.09, 19:22
Hallo Andrea,

lass den Kopf nicht hängen! Natürlich werden auch HPP Praxen frequentiert und als 2. Standbein sollte es finanzierbar sein! Meine Praxispartnerin ist seit März 09 mit in meine Praxis,die seit 2001 besteht (HP) eingestiegen und sie hat auch noch einen Hauptberuf und dennoch schon einige Klienten! Ich kenne einige HPP Kollegen mit Praxen, die laufen!

Ob eine große Investition sinnvoll für ich ist, weiß ich nicht, evtl ist eine Praxisgemeinschaft eine gute Alternative?


Alles Gute für dich

laxshmi
30.11.09, 19:26
Hallo Andrea,

ich will jetzt hier nichts schön malen, es braucht Zeit bis eine Praxis läuft, da kannst Du Dich unter Umständen auf mehrere Jahre einstellen.

Der Rest ist geradezu Humbug, die Aussagen dieses Gründungsberaters führe ich dann eigentlich täglich ad absurdum.

Es gibt sehr wohl Menschen die zum HPP gehen. Die Privatversicherten, die Zusatzversicherten, Menschen die aus welchen Gründen auch immer nicht offiziell Psychotherapie machen wollen und nicht zuletzt die, die Dich schätzen, die Deine Therapieform bevorzugen und die auch genügend Geld haben aus eigener Tasche zu bezahlen.

Die anderen kann man getrost bei den Psychotherapueten mit Kassenzulassung belassen. Die sind ja dann auch gut versorgt.

Mit der Wirtschaftslage hat das auch nur begrenzt zu tun, jeder schildert die momentane Situation so, als wären wir unmittelbar alle in absolute Armut verfallen, so ist es ja definitv nicht.

Wie die Wirtschaftskrise in aller Munde war, da habe ich einen deutlichen Rückgang gespürt, je mehr die Berichterstattung nachgelassen und sich dann voll der Schweinegrippe zugewandt hat , umso mehr ging es wieder den normalen Gang.

Miracilux
30.11.09, 19:35
Warum sollte eine eigene Praxis unrealistisch sein? Es gibt doch hier genügend psychotherapeutische Heilpraktiker im Forum, die das Gegenteil belegen.
Es schließen immer mehr Leute Zusatzversicherungen ab , die die Kosten von Heilpraktikern zumindest teilweise decken.

Ich würde mal sagen, Du bist an einen Existenzgründer geraten, der keine Ahnung hat und an einen Banker, der Schiss hat, Kredite zu bewilligen.
An Deiner Stelle würde ich meinen ersten Job dazu nutzen, mein zweites Standbein aufzubauen. Wie alt bist Du denn, wenn ich fragen darf?

Die 5 – 6 Jahre sind allerdings realistisch, wobei sich die Praxis bis dahin erst etabliert hat. Von Amortisation spricht man erst, wenn Du alle Unkosten wieder reingeholt hast. Das dürfte im Falle eines Kredits noch wesentlich länger dauern.

Andrea.B
30.11.09, 19:45
vielen Dank für Eure Antworten.Sie haben mich doch ein wenig beruhigt. Bänker sind momentan, egal für welche Branche, mit der Kreditvergabe sehr zurückhaltend. Leider ist es mir nicht möglich, mit dem jetzigen Job mein 2. Standbein aufzubauen, da es rückläufig ist. Aber nun gut, ich werde sehen, was sich machen lässt. Übrigens, ich bin 49, wenn ich die Prüfung habe und mir geht`von Jahr zu Jahr besser:D.

Liebe Grüße


Andrea

Grenne
30.11.09, 20:31
Hallo
Ich lerne ja auch für den HPP und denke auch immer wieder darüber nach, wie sich denn die Zukunft gestalten könnte. Sicherlich wird es nicht immer einfach, aber wer hat das schon behauptet.
Ich kann mich meiner Vorrednerin nur anschließen, die Leute hatten keine Ahnung vom Markt. Denn eins ist klar: Genug Kassenpsychotherapeuten um alle Leute zu versorgen gibt es keinesfalls! Hier in HH sind Wartezeiten von bis zu einem Jahr durchaus nicht selten. Und was die Kassen in Zukunft bezahlen werden? Wer weiß...
Es ist wichtig eine Lücke auszufüllen (z.B. Gestalttherapie oder andere Therapiearten, die Kassentherapeuten für gewöhnlich nicht anbieten) und sich ein Profil aufzubauen (daraus folgt der gute Ruf), natürlich kommen die Leute nicht von alleine angerannt.
Meiner Meinung nach ist es aber genauso wichtig, wirkliche Qualität anzubieten d.h. gute, professionelle Ausbildungen auf einem hohen Niveau, auch das spricht sich rum.
Wozu möchtest du denn einen Kredit aufnehmen? Es ist sinnvoller am Anfang Praxisräume temporär anzumieten und so Stück für Stück zu beginnen. Das tun auch die meisten denke ich.
Wenn du Existenzgründerberatung möchtest, solltest du dich an jemanden wenden, der sich in der Branche auskennt. Es gibt HPs oder HPPs die Seminare oder Beratung in diese Richtung anbieten und dann sicherlich auch bessere Infos rüberbringen.
Aufmunternde Grüße
Grenne

Maxine
30.11.09, 20:54
Also kann dir auch nur sagen das du dich nicht entmutigen lassen solltest. Ich selbst habe wirklich eine mini "Praxis" für die Kinderpsychologische Beratung, winzig kein, Startkapital brauchte ich so gut wie keins, da ich alles selbst gemacht habe mit meiner Familie. Ist natürlich die Frage was stellst du dir als Praxis vor? Müssen es 3 Zimmer und Rezeption und co sein?

In dem Gebiet ist die Konkurrenz natürlich groß, aber Qualität setzt sich durch! Zu mir kommen Eltern die ohne Probleme auch zu einem Psychologen gehen könnten um sich Beraten zu lassen, sie kommen dennoch zu mir obwohl sie das aus eigener Tasche Bezahlen müssen. Und das mit den lange Wartezeiten kann ich nur bestätigen, hatte schon Eltern die wirklich akut Probleme hatten , denen wurden dann Termine in einem halben Jahr angeboten.

Steck den Kopf nicht in den Sand, alles zu schaffen zumal du das ja als 2tes Standbein möchtest.

Sinra
30.11.09, 21:09
Also von solchen BankFachmännern sollte man sich nicht den Tag verderben lassen. Auch ich bin der Meinung man braucht für solch eine Praxis kein großes Kapital. Fang einfach klein an und werde dann groß.
Das mit der Kasse ist ja auch alles schön und gut, nur die Menschen, die wirklich die Wartezeit nicht "überleben" und es gibt Wartezeiten bis zu 3 Jahren (habe ich schon alles erlebt) kommen gerne auch wenn sie bezahlen müssen. Ach und wie ist es in ein paar Jahren - was zahlt dann die Kasse wirklich noch???? Muss dann vielleicht jeder bezahlen?

Hedwig24
01.12.09, 07:19
Hallo Andrea B.

Ich habe ein Zimmer im Haus etwas umgestaltet.

Am Anfang hatte ich nur zwei Sitzgelegenheiten und einen wackeligen Tisch.
So bin ich angefangen.

Nun habe ich
eine Liege
einen Schoßaufleger (Laptop)
zwei schöne Sessel
und einen eleganten Tisch dabei.

Kurz um einen "richtigen" Praxisraum.


Die ersten Klienten waren sehr skeptisch
so in dem Motto
Hä - Hausfrau und Kaffeklatsch??? Ne ne dann geh ich lieber!

Doch innerhalb weniger Minuten hatten die meisten die provisorische Umgebung vergessen.

Weil ich bin der Meinung, es kommt nicht auf das Drumherum an, sondern auf den Menschen. Und fast alle meine Klienten schätzen meine Einstellung.

Hoffe ich hab dir etwas Hoffnung geben können

LG
Maria

Patricia
01.12.09, 07:31
Guten Tag Ihr Lieben,

die gestellte Frage kreist auch in meinem Kopf.

Ich habe einen kleinen Raum im Keller meiner Wohnung (Miete). Nett eingerichtet und versuche schon seit 1 Jahr mein Coaching an den Mann/die Frau zu bringen. Bisher hatte ich noch nicht einen zahlenden Kunden. Keine Ahnung woran das liegt.

Aaaber, worauf ich hinaus will: ist es nicht so, dass "Praxisräume" Bedingungen erfüllen müssen? Eigene Toilette - eigener Eingang etc.? Einfach einen Raum in der Wohnung/Haus ist doch garnicht erlaubt - oder?

Wenn Ihr mir nun das Gegenteil bestätigen könnt bin ich echt froh - das bereitet mir nämlich wirklich Kopfzerbrechen.

Euch allen einen schönen Tag - ich muss nun los zum arbeiten (damit kann ich übrigens auch kaum ein 2. Standbein aufbauen ... )

Viele Grüße

Patricia

Maxine
01.12.09, 07:40
So weit ich weiß ist das von Landkreis zu Landkreis sehr verschieden, eigene Toilette ist ein muss, eigener Eingang ist wiederrum nicht in jedem Landkreis nötig, manche Länder verlangen sogar einen Notausgang. Was haben musst ist ein Hygieneplan, ein Telefon und eine Notrufliste ( zumindest wars bei mir so). Am besten mal bei der Zuständigen Behörde informieren.

Fällt mir gerade in diesem Zusammenhang ein, eine Freundin von mir hat eine kleine Podologische Praxis, 1 Raum, 1 Glastür 40 qm ca...die musste einen Fluchtplan hinhängen :-D

Maerchenhexe
01.12.09, 07:41
Das verwechselste mit den Allgemein-HP.
Der Knackpunkt ist eher "Publikumsverkehr" in einer nicht dafür ausgezeichneten Bebeauung. Angemeldet als Hausbesuchspraxis kannste ja kaum verhindern, dass der ein oder andere Patient auch mal vorbei kommt. :D
Büros zuhause sind ja auch nicht genehmigungspflichtig.

bindi
01.12.09, 09:50
Hallo Andrea, zum Interessenaustausch würde ich gerne mit dir persönlich in Kontakt treten.
Ich habe im Oktober diesen Jahres meine Prüfung bestanden. Ich bin auch schon 50. Zur Zeit wohne ich in Marbach/Neckar, werde aber im Februar nächsten Jahres zurück in meine Heimat Bochum ziehen, wo ich auch eine Praxis eröffnen möchte. Ich habe lange überlegt, ob ich ein Haus kaufen soll, das Platz zum Wohnen und für eine Praxis bietet. Eine Unternehmensberaterin in Stuttgart hat mir davon abgeraten und gemeint, das würde keine Bank finanzieren ( ich habe kein erstes Standbein und deshalb nur wenig Geld, besitze aber ein Haus). Ein Banker in Bochum ( Bekannter von mir) sah das ganz anders, machte mir Mut. In der Hinsicht bin ich Perfektionist und meine, ich müsse meinen Klienten eine richtige Praxis mit mehreren Räumen und entsprechendem Inventar usw. bieten. Mittlerweile bin ich allerdings zu der Überzeugung gekommen, dass es zunächst reichen wird, einen Kellerraum in meinem Haus in Bochum zu nutzen. Dort gibt es auch ein WC für die Klienten.
Ich freue mich jetzt erst einmal darauf, diese Räumlichkeiten entsprechend zu gestalten und dann werde ich weitersehen.
LG Sabine

Andrea.B
01.12.09, 16:00
herzlichen Dank für die ganzen tollen Infos und ich würde gerne mit Dir Bindi, in persönlichen Kontakt treten. Wir sind ja bald so quasi Nachbarn. Bochum und Essen liegen ja wirklich nicht weit auseinander.
Was so die Praxisausstattung angeht, denke ich, dass man wirklich sehr viel selbst machen kann und die Möblierung braucht auch nicht das Teuerste vom Teuersten zu sein. Bei mir zu Hause wird es nicht gehen (halte ich auch nicht für so ideal). Ich glaube, dass es wichtig ist (vor allen Dingen in der Großstadt), dass man sich genau überlegt, welchen Stadtteil man auswählt. Praxisräume temporär anzumieten, wie vorgeschlagen, wird hier eher wohl nicht möglich sein. So ein bischen Kapital im Rücken zu haben erscheint mir wichtig, damit man wenigstens sicher sein kann, dass man in den Anfangsmonaten wenigstens die Miete zahlen kann. Aber ich bin jetzt ein wenig beruhigter. Einfach wird es mit Sicherheit nicht, aber es scheint auch nicht ganz utopisch zu sein. ;)

Viele Grüße


Andrea

Monika R.
05.01.10, 11:05
Hallo zusammen,
ich habe im August 2008 meine eigene Praxis aufgemacht - das kostet zwar ziemlich viel und die Einnahmen sind "mau" zur Zeit, aber ... die Kurse laufen. Da ich noch "hauptberuflich" in einem anderen Job arbeite, ist das zur Zeit für mich die Dämpfung der Einkommensteuer, dadurch, dass ich Verluste durch die Praxis mache, aber meine Weiterbildung und Ausbildung läuft ja noch.
Mir hat man gesagt, dass eine Praxis minimal 3 Jahre braucht bis sie läuft (und augenzwinkernd wurde mir gesagt, dass es in Schleswig-Holstein fünf Jahre Geduld bedarf).
Durchhalten ist angesagt und nicht kirre machen lassen .... wenn dieser Beruf wirklich die Berufung ist, darf mann/frau sich nicht aufhalten lassen !!!!
Das ist meine Meinung hierzu.
Gründungsberater, die solcherlei Auskünfte geben, haben keine Marktanalyse bzw. -recherche in diesem Bereich gemacht, sonst wäre die Auskunft zwar ähnlich aber nicht so daneben, was unsere "Klientel" angeht.
Bankleute sind seit einigen Jahren schon dabei, ihre Kredite nur dann zu vergeben, wenn sie nicht anders können. Hierbei haben diese nämlich das Rating nach Basel II zu beachten (Kreditvergabe nur unter ganz gewissen Umständen gibt es bereits seit 2003 - also nur schwerlich).
Ganz wichtig ist m.E. Vernetzung - Zusammenarbeit bzw. auch Ehrenamt (ich bin bei der Alzheimer Gesellschaft Kiel e.V. tätig). Hierüber erhöht sich der Bekanntheitsgrad und damit automatisch über die Jahre der Zulauf. Schließlich sind gerade wir hauptsächlich auf Mundpropaganda bzw. eine gute Webseite und Werbung angewiesen.
Viel Glück - auch bei der anstehenden Prüfung (ich mache meine auch im August dieses Jahres) - und vom Alter her .... da gibt's noch andere *lach* s. mich 1961 !!
Lieben Gruß ins Neue Jahr
sendet
Monika

Anja
06.01.10, 16:14
Hallo zusammen,

ich kann mich den Vorschreibern nur anschließen, obgleich ich mich mit dem "Markt" von HPPs nicht wirklich auskenne. Die langen Wartezeiten bei den Psychotherapeuten kenne ich auch, und auch, dass man da schonmal Panik bekommen kann, weil einem in einer akuten Krisensituation nicht geholfen werden kann. Ich persönlich war zwar noch nie bei einem HPP in Behandlung, kann mir aber durchaus vorstellen, dass es Patienten gibt, die angesichts der schwierigen Gesamtsituation in solchen Momenten (und sicher auch anderen) gerne bereit sind, hier ihr Geld zu investieren.

Nur Mut! Anja

RWH
07.01.10, 16:57
Der Knackpunkt ist eher "Publikumsverkehr" in einer nicht dafür ausgezeichneten Bebeauung. Angemeldet als Hausbesuchspraxis kannste ja kaum verhindern, dass der ein oder andere Patient auch mal vorbei kommt.


Da sollte man sich vorher genau erkundigen. Das wird sehr unterschiedlich gehandhabt. Es gibt Regionen, da werden Hausbesuchspraxen nicht genehmigt. Eine Praxis mit Publikumsverkehr (und das ist ja jede) muss beim Bauordnungsamt angemeldet/genehmigt werden. Verlangt wird normalerweise 1 Toilette, nur für die Patienten, mind. 1 PKW-Parkplatz zusätzlich, oft ein Wartebereich. (Das hat mit der Art der Therapie im Übrigen nichts zu tun, gilt also auch für HPPs).


Ansonsten denke ich, dass eine HPP, die wirklich was drauf hat schon ihre Kundschaft finden wird. Von einem Vollzeitstart rate ich aber dringend ab. Das war früher schon sehr schwer und teuer (rechne mal mit mind. 100.000 EUR als Spargroschen, um den Lebensunterhalt und die Kosten für 3 Jahre zu decken) und ist heute noch schwieriger geworden. Und nie auf Kredit. Alle Fixkosten (Zinsen, Leasingraten, Mietverträge) sitzen Dir ständig im Nacken und laufen, ob Du nun viel verdienst oder nicht. Und bei unserem Beruf kann es lange dauern, bis Du genügend Patienten hast. Niemand kann Dir persönlich voraussagen, wie lange. Das hängt sehr von Deiner Persönlichkeit ab - und wie Du an die Öffentlichkeit gehst.

Und aus eigener Erfahrung: Fangt klein an. Meine erste Praxis war viel zu groß, weil ich mich von dem Gedanken leiten ließ, was ich gerne hätte - und nicht, was ich mir leisten konnte! Große Praxis = große Kosten = viele Patienten! Sowas gibts auch, dann aber mit einem Verkaufsgenie als Praxisinhaberin (das sind die, die auf jeder Partie nach kurzer Zeit das Gespräch in ihre Richtung lenken und am Ende des Gesprächs dann Termine festklopfen)...

kapinnow
07.01.10, 20:09
Hallo zusammen,

vermutlich betreiben die meisten HPP ihre Praxis als Nebenerwerb. Erfolg hängt dabei gewiß von vielen Faktoren ab, wobei ein klares Profil bzw. eine klare Positionierung hilfreich sein könnte.

Unsere Angebote als Heilpraktiker gehen über das 0815-Angebot des Gesundheitswesens hinaus. Darum geht es ja schließlich. Daher hier ein kurzer Exkurs in die Welt der bahnbrechenden Innovationen.

Um die Massen zu erreichen, müssen zunächst Zielkunden gewonnen werden, die später als positive Referenz für die Massen dienen können. Das gelingt nur, indem man den Zielkunden ein spezifisches Angebot macht, dass sich durch außergewöhnliche Vorteile auszeichnet. Um diesen ersten "Brückenkopf" zu besetzen, braucht es eine klare, einfache Botschaft, die auf die folgende Weise herausgearbeitet werden kann:

Für (Menschen mit psychischen oder Verhaltensproblemen aus dem Bereich "..." des ICD-10)
die mit (den aktuellen Marktalternativen z.B. Shopping, Eventbesuche, Drogen, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen, Psychologen, Psychotherapeuten und auch Esotherikangeboten, ...) unzufrieden sind,
bietet meine Praxis "..." (die neue Produkt oder Dienstleistungskategorie)
den Schlüsselvorteil: "...".
Im Gegensatz zu vergleichbaren Produkt- und Dienstleistungsalternativen
bieten wir folgende Eigenschaften des neuen Angebots (z.B. geringe Wartezeiten und mehr Zeit für Gespräche).

Ich gehe jetzt mal von einem fiktiven aber wirklich spezifischen Angebot aus, dass sich z.B. auf soziale Phobie angehender Führungskräfte beschränkt. Wie spezifisch man das letztendlich macht, muß man halt selbst entscheiden. Klar ist allerdings, dass das Angebot besser auf die Klieten ausgerichtet werden kann, je genauer man sich das Klientel vorstellen kann. Damit käme man zu dieser noch recht technischen Positionierung:

Für angehende Führungskräfte, denen es schwer fällt, öffentlich bzw. vor anderen zu sprechen und sich weder mit Alkohol locker machen noch auf einen Therapieplatz bei einem Psychiater warten wollen, bietet meine Praxis "Freisprechen" resourcenorientierte Kurzzeitmethoden zum Abbau von sozialen Ängsten.
Im Gegensatz zu vergleichbaren den klassichen Therapieangeboten von Ärzten und Pschologen biete ich kurzfristige Termine und ausreichend Zeit für Gespräche.

Leicht überarbeitet für das Zielpublikum könnte sich das dann so lesen:

Sie werden zukünftig mehr in der Öffentlichkeit stehen, wollen Vorträge halten und sollen Gesprächsrunden sicher moderieren und fürchten sich davor, beobachtet zu werden oder dass Ihnen etwas Peinliches passiert? Alkohol oder Drogen kommen für Sie nicht in Frage? Medikamente vom Psychiater sind auch nichts für Sie und beim Psychologen sind sie am Ende einer langen Warteliste?
In dieser Situation finden Sie mit der Praxis "Freisprechen" ein auf Sie zugeschnittenes Angebot, bei dem Sie lernen, Ihre Fähigkeiten und Stärken auszubauen. Hier können Sie Ihr Ziel, sicher und frei vor anderen zu sprechen, mit Hilfe lösungsorientierter Kurzzeitmethoden anpacken. Dabei biete ich Ihnen Zeit für das vertrauliche Gespräch, dass Sie gern auch kurzfristig vereinbaren können.

Liebe Grüße
Kai

fröschlein
08.01.10, 10:07
Hallo zusammen,

ich arbeite jetzt seit gut einem Jahr in der eigenen Praxis. Einen Raum habe ich für 2 1/2 Tage die Woche angemietet. Der Start war unerwartet gut aber seit dem Sommer habe ich schwer zu kämpfen. Hier in der Region erzählten mir einige HPs und auch HPPs von sehr ähnlichen Situationen. Es ist aktuell sehr schwierig neue Klienten zu werben. Die meisten halten sich mit ihrem Klientenstamm über Wasser oder über Seminare für HP(P)s.

Rückblickend kann ich sagen, dass ein angemieteter Raum für einen Tag in der Woche völlig ausreichend gewesen wäre. Noch optimaler wäre natürlich die Lösung einen Raum im eigenen Haus zu haben. Der Druck der entsteht, weil die monatlichen Kosten gedeckt werden müssen kann sehr hoch werden. Ich denke auch, dass es unter diesem Druck schwierig ist sich entspannt auf sich uns sein können zu verlassen und daran zu glauben, dass das eigene Konzept gut ist.

LG
Fröschlein

RWH
08.01.10, 13:10
Der Druck der entsteht, weil die monatlichen Kosten gedeckt werden müssen kann sehr hoch werden. Ich denke auch, dass es unter diesem Druck schwierig ist sich entspannt auf sich uns sein können zu verlassen und daran zu glauben, dass das eigene Konzept gut ist.


Genau das ist das Problem: Du fängst dann an, und denkst nicht mehr über die optimale Therapie nach, sondern darüber, wie Du Deine Kosten bezahlst. Das führt da u.U. dazu, dass man Patienten annimmt, denen man nicht gewachsen ist oder Therapien verkauft, die nicht notwendig sind. (Analog dem Arzt, der jeden Patienten vor das neue teure Gerät setzt, weil es sich ja rechnen muss...).

Gruss Rudolf

Jolly-Jumper
17.01.10, 18:28
Hallo,
habe gerade durchgelesen, was eine Praxiseröffnung bedeuten kann.
Hat jemand Erfahrung wie das in Baden-Württemberg ist.
Ich selber bin gelernt Reittherapeutin und möchte auch in diesem Rahmen meine Erkenntnisse und Fähigkeiten die ich gerade durch die Heilpraktiker Psachotherapie Ausbildung erwerbe einbringen. Um aber in die Umsatzsteuerbefreiung zu gelangen, muss ich ja eine Praxis anmelden. Nun weiss ich nicht was das für mich bedeutet.
Die Reittherapieanlage beseitzt neben einem Büro, ein behindertengerechtes WC und ein zusätzliches weiteres normales WC, einen Warteraum, einen Vorraum, einen Seminarraum und natürlich die notwendigen STallungen und eine Reithalle sowie genügend Parkplätze. Nun meine Frage: muss man etwas bestimmtes, abgesondertes und spezielles mithaben, um diese Praxis genehmigt zu bekommen ? Und gibt es spezielle Anforderungen in Ba-Wü. Außerdem würde mich interessierren, wie und wo man genau anmeldet und ob es hierzu Informationen im Internet gibt.
Danke
Jolly

gesundheitsfee
28.01.10, 19:55
Hallo Maxine,

eine Frage hätte ich zu deiner Minipraxis als Kinderpsychologische Beratung.

Welche Fortbildungen besucht man da um dies anbieten zu können?

Lg
Steffi

susi72
29.01.10, 08:17
Doch, das geht!
es ist nur ein bisschen Aufwand, denn man muss einen Nutzungsänderungsantrag bei der Baubehörde stellen, dann braucht man viel Gedult, gute Nerven und gute Argumente
z.B. dass man belegen kann, dass man die Nachbarn nicht mit übermäßger Verkehrsbelastung und zugeparkten Wegen belastet, dass kein übermäßiges Müllaufkommen oder Sondermüll entsteht, dass niemand mit Gerüchen oder sonstigen Dingen belastet wird und dass die zukünftigen Patienten nicht zahlreicher sind als der "normale Besuch" bei "normalen Leuten", die sicherlich auch mal Gäste im Haus haben.
Wenn man dann die Geduld und Nerven gehabt hat, denn es braucht viel Zeit und viel Schriftverkehr, dann klappt es irgendwann, dann kannst Du Dir einen Praxisraum in den eigenen 4 Wänden einrichten.
Gruß Susi:)

M.B.
29.01.10, 10:18
Hallo an alle HPPA,
Ich kann euch ein par Sachen über mich berichten:
Vor zimmlich genau einem Jahr habe ich, zusammen mit eine kollegein die Praxis für Psychotherapie- Sensitiefe- in Überlingen am Bodensee eröfnet. Der Anfang war schwer... Viele Investitionen... Nur ist ein Jahr vergangen und wir feiern am Sonntag 1 Jähriger Jubileum mit Tag der offenen Tür.
Ich bin sehr zuversichtlich was Zukunft angeht. Wir hatten in erste Jahr nach eröffnung inzgesammt 40 Klienten - Und dass ist sehr versprechend! und dieses Jahr kommt jeder Woche 1 bis 2 neuen Klienten dazu! das geht! Und die Klienten bezahlen gerne aus eigener Tasche. Ich meine die Menschen die zu uns kommen, die waren schon bei Ärzte, Psychologen, Psychotherapeuten..... und wenn Sie nicht mehr weiter wissen kommen Sie zu uns. Ohne anzugeben, haben wir sehr gute Erfolgsquoten und werden weiter empfollen. Auch in Sachen Banken und Kredite, haben die Bänker mit sich reden lassen, wenn wir solche Zallen auf dem Tisch gebracht haben.
Also habt Mut: Es geht!
P.S. ( sorry für die Schreibfehler, aber deutsch ist nicht meine Muttersprache)

Liebe Grüße Maria Becker

eraco
01.02.10, 18:45
Hallo,
bei uns ist es wohl eher noch so, dass wir HPP´s eher ein Schattendasein führen. Mein Ausbilder ist selbst HP und bei ihm war seit Praxiseröffnung noch nie jemand vom Gesundheitsamt um ihn zu überprüfen. Soll aber nicht heißen, dass die das nicht machen! ;)

Also wenn man bei uns ins Branchenbuch schaut, ist da eine sehr große Lücke vor allem bei Kindern und Jugendlichen, meiner Klientel. Ich selbst wollte vor ein paar Jahren für meine Tochter auch einen Therapieplatz, da meinte man sogar, nicht vor 2 Jahren!!! :eek:
Mittlerweile muss man im Schnitt etwa ein halbes Jahr warten, aber ich hab auch schon einen sehr kurzfristigen Termin bei einem Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeuten bekommen, aber bei dem war ich nur einmal... :mad:
Hat immer einen Grund, wenn so jemand freie Termine hat!

Bis jetzt läuft es schleppend, aber innerhalb weniger Tage hab ich nun ein neues Trainingskind bekommen und zwei Ersttermine ausgemacht. März bieten ich und eine Kollegin ein eigenes Seminar "Diagnostik von Teilleistungsstörungen" und einen "Vortrag zu AD(H)S" an, mal sehen, wie das läuft.

Man kann nicht erwarten, dass man auf Anhieb eine volle Praxis hat, das wäre völlig unrealistisch. Aber nach 2 bis 3 Jahren sollte man doch schon mal etwas verdient haben. ;)

Liebe Grüße,

Conny

studierende
05.02.10, 23:18
hallöchen,

wollte auch mal schnell meinen senf dazugeben.
ich habe einen kollegen in berlin, der hat sich auf hypnose konzentriert und dafür eines seiner zimmer in der whg umgeräumt.
er hat solch einen zulauf und DAS in berlin!
die leute kommen weg raucherentwöhnung, flugangst, todesangst, gewichtsverlust etc. und er ist total erfolgreich, das spricht sich rum und er ist über 60! und hat vor einigen monaten erst angefangen.
also davon leben kann er sicherlich auch nicht (muß er auch nicht), aber es macht ihm freude und er baut es immer weiter aus.

ich bin auch mit falschen voraussetzungen rangegangen, bin allein mit meinen 3 kindern und habe mir das studium mühsam vom ALG II abgespart. nebenbei arbeitete ich für einen pflegedienst und mache nun die ausbildung zur tagespflegeperson für kinder, habe also ein tagesbaby, welches ich betreue.
wenn ich die quali dafür habe, kann ich für ein einziges kind ordentlich geld verdienen und baue mir das andere nebenher auf.
man muß sich einfach den gegebenheiten anpassen und dann das beste daraus machen. eben lösungsorientiert, ressourcen-nutzend ;-)

es gibt immer möglichkeiten und die tagespflege macht mir soviel freude (obwohl es jetzt mit dem lernen noch schwerer ist, wenn der kleine immer brüllt ;) ) und ich sehe es sehr kompatibel zu meinem studium.
ich will gar nicht NUR HPP sein und mir probleme anhören.
ich habe ja auch ausbildung in massagetechniken und auch diese arbeit macht mir soviel freude, wenn man spürt, wie sich der mensch unter den handflächen entspannt und manchmal beginnt zu weinen, weil er das so selten erfährt, diese komplette zuwendung.
man muß flexibel sein.
ich habe auch übungsleiterscheine für AT, AT kinder und PM, kann also auch da kurse geben.
wenn ich jetzt noch türkisch lerne, kann ich hier bei uns den älteren leutchen AT beibringen ;-)

wichtig ist doch nur, dass einen das, womit man seine zeit verbringt und geld verdient, ausfüllt und erfüllt.
wenn ich als tagesmama UND als HPP meine kinder und mich ernähren kann, bin ich einfach nur rundum glücklich :)

alles liebe

claudia

Joachim
26.03.10, 20:21
Ich probier's einfach. Und habe ein gutes Gefühl dabei. Ich habe in Offenbach auf dem Buchügel (das ist 'ne ganz gute Gegend) die DG-Wohnung in einem Drei-Familien-Haus angemietet. Der Umbau ist noch nicht ganz fertig. Aber die mündliche Prüfung ist hier auch erst ab dem 12.04. .

Dann mach' ich 'ne Webseite und inseriere in der Offenbach-Post. Des geht schon... [Selbstagitation, verlegen grinst].

Maerchenhexe
26.03.10, 20:30
Da in Frankfurt der "Burn-out" schwer zu grassieren scheint dauert's bestimmt nicht lange, bis der über'n Kaiserlei schwappt, also nur Mut! Toi toi toi ist übrigens ne alte Teufelsbeschwörung (oder für was dachtet ihr steht "toi"?:D ) - den wünsch ich Dir selbstverständlich nicht. Daher einfach: viel Erfolg.

Joachim
26.03.10, 20:35
Danke!
Ich spinne auch und denke, wenn alle spinnen ist das normal.

Maerchenhexe
26.03.10, 20:40
Die Netze der Gedanken mit Spinnweben gleichzusetzen finde ich eher prosaisch und bin stolz drauf, dass das Pfund Eiweiß da oben so tolle Sachen machen kann :D !
Sind wir nicht alle ein bischen "Bluna"?? :D

Joachim
26.03.10, 21:35
Das Pfund Eiweiß da oben, also. Na ja, vielleicht kann das ja nur deshalb so tolle Sachen machen, weil es ein Werkzeug ist, in den Händen von Etwas, das weiß, was mit Eiweiß so alles geht...

Maerchenhexe
26.03.10, 21:41
Amen!:D
...und wieder mal ist der Text zu kurz, also noch ein wenig brabbeln... :D

Joachim
26.03.10, 21:57
Amen!:D
...und wieder mal ist der Text zu kurz, also noch ein wenig brabbeln... :D

Hm, was heißt das wohl, rätsel, rätsel, ... Also, ich verstehe das jetzt so, daß mein Text zu kurz ist und ich also noch ein wenig brabbeln soll. Daher:

Materialistisch eingestellte Naturwissenschaftler meinen, daß Bewußtsein ein physiologisches Phänomen sei. Das Gehirn habe das Bewußtsein hervorgebracht. Dieses verfüge daher auch nicht über die Physis, denn es sei ja deren Erzeugnis. In dieser Logik müßte man analog sagen, daß der Computer die Elektrizität erzeugt habe, die ihn betreibt oder der Otto-Motor das Benzin, die Dampfmaschine den Dampf usw.. Eine solche Auffassung ist nicht haltbar. Die Kraft ist das Primäre und nicht das, was durch diese Kraft ermöglicht und von dieser betrieben wird.

Maerchenhexe
27.03.10, 06:48
Hm, was heißt das wohl, rätsel, rätsel, ... Also, ich verstehe das jetzt so, daß mein Text zu kurz ist und ich also noch ein wenig brabbeln soll. Daher:
Ne, sorry, das hast falsch verstanden: man muss einen Text von mindestens 20 Zeichen eingeben, sonst kann der Beitrag nicht geposted werden. Das war "Eigengebrabbel".
Tja, darüber ließe sich so vieles philosofieren. Geht mehr in Richtung Glauben und Einstellungen, aber das ist ein anderes Thema. Das "Amen" war eine einfache Zustimmung. :D

Joachim
27.03.10, 08:17
Ach so... Na ja: Mein Narzißmus 'mal wieder.:rolleyes:

Maerchenhexe
27.03.10, 13:06
Als "newbie" kannste das ja nicht wissen, macht doch nix.

jojohi
08.06.10, 10:39
:rolleyes::rolleyes::rolleyes: