Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : *Muss* ein Therapeut einen eigenen Therapeuten haben?
Hallo an alle,
ich bin im Internet zufällig über die Seite eines britischen Psychotherapeuten gestolpert, der mittlerweile in Deutschland praktiziert.
Dabei habe ich eine interessante These gefunden, die ich gerne mal so - ganz unübersetzt - hier hereinstellen möchte:
What questions should I ask before seeing a psychotherapist?: * Does the therapist have their own therapist or have they been through their own extensive therapy?
Do not see any therapist who has not been in regular therapy themselves.
Most therapists will have a therapist they can turn to for their own needs even when they are not in ongoing therapy.
Er erwähnt dann noch weiter unten, dass ein Therapeut auch regelmäßig supervidiert werden sollte und wenn das nicht der Fall ist, der Patient diesen Therapeuten auf gar keinen Fall aufsuchen sollte.
Nun weiß ich aus eigener Erfahrung, dass in den angelsächsischen Ländern ja gerade in Bezug auf Psychotherapie ganz andere Vorstellungen, Meinungen, Ansichten, usw. herrschen und man dort vielerorts auch offener damit umgeht (sicherlich auch nicht überall). Hinzu kommt, dass der Herr Transkationsanalytiker ist und damit eine spezifische Sichtweise miteinfließt, die nicht bei jeder therapeutischen Methode so vorherrscht.
Kurzum: Wie seht ihr das? Muss man - und ich sage bewusst muss und nicht kann - als Therapeut einen eigenen Therapeuten haben oder muss man als Therapeut eine eigene Therapie durchlaufen haben? Selbsterfahrungsanteile sind bei therapeutischen Ausbildungen ja durchaus dabei - häufig in Gruppenform, allerdings verstehe ich unter Therapie dann doch nochmal was anderes als unter Selbsterfahrung.
Bin auf eure Antworten gespannt.
Sonja
Maerchenhexe
24.06.09, 22:53
Müssen muss man gar nix. Zumindest wir nicht.
Aber Supervision ab und an tut schon not, jeder Mensch hat hier und da blinde Flecken.
Der Austausch mit Kollegen kann einem diese vor Augen führen. Auch Fallbesprechungen mit Kollegen werfen oft ein anderes Licht auf Diagnose und Behandlung.
Ratsam ist es allemal.
Psychoanalytiker jedoch müssen. Nur ist die Psychoanalyse für HPP's so gut wie nicht zugänglich. Hab jedenfalls noch nichts gefunden. Allerdings habe ich auch nicht gesucht...:D
Hallo Sonja,
in meinen Augen hat der britische Therapeut durchaus Recht.
Jeder Mensch hat seine "persönlichen Knackpunkte" und
"blinde Flecken", jeder hat seine Persönlchkeitstruktur mit Ecken und Kanten und jeder hat seine Prägung aus der
Kindheit, jeder lebt mit zahlreichen inneren Konflikten.
Auch Therapeuten sind mindestens "Normalneurotiker" :D
Im Kontakt mit dem Klienten geht es hauptsächlich um die zwischenmenschliche Beziehung - die wird von beiden Seiten gestaltet, deshalb ist es in meinen Augen unabdingbar, dass der Therapeut seine Struktur und seine
wunden Punkte kennt. Wie sonst soll er seine Gegenübertragungen erkennen und einschätzen können?
Der Übergang von Selbsterfahrung zu Therapie ist fließend. Gruppenerfahrungen sind wichtig, ersetzen aber keine Einzelerfahrungen - ich finde, man sollte beides haben. Auch regelmäßige Supervision / Intervision halte ich für enorm wichtig.
Auch wenn ich mir mit meiner Meinung nicht nur Freunde mache: ich finde, die Bestimmungen für die HPP-PRüfung sollten dringend geändert werden - es sollte weniger Wert auf Ausweniglernen, Detail- und Definitionsklauberei gelegt werden, statt dessen sollten fundierte Kenntnisse in einem Therapieverfahren (mit Nachweis) und ausreichend Selbsterfahrung (festgelegte Stundenzahl) gefordert werden. Im Moment ist es so, dass jemand, der die Prüfung bestanden hat, auch ohne große Vorkenntnisse "therapieren" darf, das kann u.U. sehr gefährlich sein.
Liebe Grüße, Pia
Maerchenhexe
24.06.09, 23:15
Auch Therapeuten sind mindestens "Normalneurotiker"
Haha! Der war gut!:D
Nixda mindestens, sondern Minimum! Und mich kriegste nicht auf die Couch, iiiih!!
Na sei mal nicht so streng, Bekannte von mir, fast fertig mit dem Medizinstudium, fragte mich was das für ein komisches Studium sei (Psych. P.), die würden ja schon 3 Jahre nur Tests lernen.
Wer eine Therapieform anbietet, sollte sie auch gelernt haben und im Rahmen des Erlernens sind Supervisionen sozusagen eingebaut.
Hallo Häggsi :D
Analyse verlange ich doch gar nicht - hab ich selber nicht :D
aber es gibt ja viele andere gute Verfahren für Therapie / Selbsterfahrung ... also ich war noch nie bei einem Therap. oder HPP, der nicht schon selbst Therap. / Selbsterf. gemacht hat - und würd's auch nie tun.
Deine Hoffnung
Wer eine Therapieform anbietet, sollte sie auch gelernt haben und im Rahmen des Erlernens sind Supervisionen sozusagen eingebaut.
in Ehren, aber da kenn ich auch ganz andere Situationen :eek: Es gibt "Verfahren", die kann man im Schnellwaschgang "lernen"...... :(
Maerchenhexe
25.06.09, 09:08
Liebste, hochverehrte (fast) Frau Kollegin,
es gibt so eine Menge Müll auf diesem Sektor- und wer Müll anbietet wird Müll ernten. :D
Beispielsweise bietet -oder bot, ob das heute noch so ist, weiß ich nicht- ein namhafter Buchautor, schon relativ alt (Name ist mir bekannt :D), seines Zeichens Heilpraktiker, WE-Seminare an, mit dem "Diplom" Gesundheitsberater bei Abschluß. Ziel dieser Seminare ist die Vermarktung diverser Nahrungsergänzungsmittel von ihm und die Teilnehmer sollen einen Vertrag unterzeichnen....(ähnlich wie Amway etc.). Ein anderer nahmhafter Buchautor, auch HP, bietet im -na sagen wir mal ganz höflich mit esoterisch ausgerichteten Theorien Hypnoausbildungen an.
Und vor so etwas ist man weder mit unserem "Lappen", noch als Psych. PT gefeit wenn man denn die entsprechende Einstellung hat. Und weder die Überprüfung vom GA, noch die universitäre Ausbildung können da etwas ändern.
Man kann sich auch bei seinem "Guru" therapieren lassen.
Ich selbst habe schon vor über 30 Jahren eine Therapie gemacht. Ich überlege heute noch, was für eine das war, ich schwanke noch zwischen kognitiver und "lass die mal labern"-Therapie. :D
Du und ich, liebe Pia, werden daran nichts ändern. Die Welt ist bunt. Bei einigen Sachen halte ich's mittlerweile mit dem Spruch meiner ehemaligen Studienbetreuerin:"Es gibt Sachen, die erledigt das Leben selbst!"
Ach ich vergass: Baum- und Heckengeister sind für manche Menschen real, für andere pathologische Erscheinungen :D
Hallo Sonja,
in meinen Augen hat der britische Therapeut durchaus Recht.
Jeder Mensch hat seine "persönlichen Knackpunkte" und
"blinde Flecken", jeder hat seine Persönlchkeitstruktur mit Ecken und Kanten und jeder hat seine Prägung aus der
Kindheit, jeder lebt mit zahlreichen inneren Konflikten.
Auch Therapeuten sind mindestens "Normalneurotiker" :D
Im Kontakt mit dem Klienten geht es hauptsächlich um die zwischenmenschliche Beziehung - die wird von beiden Seiten gestaltet, deshalb ist es in meinen Augen unabdingbar, dass der Therapeut seine Struktur und seine
wunden Punkte kennt. Wie sonst soll er seine Gegenübertragungen erkennen und einschätzen können?
Der Übergang von Selbsterfahrung zu Therapie ist fließend. Gruppenerfahrungen sind wichtig, ersetzen aber keine Einzelerfahrungen - ich finde, man sollte beides haben. Auch regelmäßige Supervision / Intervision halte ich für enorm wichtig.
Auch wenn ich mir mit meiner Meinung nicht nur Freunde mache: ich finde, die Bestimmungen für die HPP-PRüfung sollten dringend geändert werden - es sollte weniger Wert auf Ausweniglernen, Detail- und Definitionsklauberei gelegt werden, statt dessen sollten fundierte Kenntnisse in einem Therapieverfahren (mit Nachweis) und ausreichend Selbsterfahrung (festgelegte Stundenzahl) gefordert werden. Im Moment ist es so, dass jemand, der die Prüfung bestanden hat, auch ohne große Vorkenntnisse "therapieren" darf, das kann u.U. sehr gefährlich sein.
Liebe Grüße, Pia
Pia, ich schließe mich an!
Liebe Grüße
Bille:)
Darf ich zu der Runde dazustoßen?
Und meine unmaßgebliche Meinung kundtun?
Die derzeit geltende Regelung für den HPP halte ich gelinde gesagt für eine Lachplatte. Man lernt ein paar Sprüche auswendig und darf nach bestandener Prüfung "therapieren", auch ohne fundierte Ausbildung in wenigstens einem Verfahren. Das ist gefährlich.
Aber: Es sind genug selbst ernannte Heiler unterwegs, die GAR KEINE Ausbildung nachweisen können und dort rennen die Leute auch hin.
Jeder hat den Therapeuten, den er verdient :D
Andersrum ärgere ich mich daürber, dass ich die komplette Hypnoseausbildung für Ärzte habe, die bei denen als Zusatzverfahren anerkannt wird, dazu noch ein Zahnmedizinstudium, eine Lehranalyse, und dass dies nicht ausreicht, nein, ich muss diese Lachprüfung auch noch absolvieren :cool:
Nur: Wenn man schimpft, sollte man auch eine Lösung parat haben.
Ich plädiere für eine mindestens 2-jährige Ausbildung in Psychiatrie und mindestens einem Therapieverfahren. Ein Fernstudium sollte ausgeschlossen werden. Wünschenswert wäre ein Praktikum ähnlich der Assistenzzeit der Ärzte, damit man die Realität kennen lernen kann, denn die ist nochmal anders als das Lehrbuch mit seinen Kapiteln.
Maerchenhexe
25.06.09, 11:07
Na, da muss ich aber doch mal protestieren, denn ich habe ein Fernstudium (mit Direktunterricht) gemacht und nebenbei einiges andere, theoretisch und praktisch. Das was Vipi schreibt finde ich auch total unmöglich (hohe Quali, aber HPP-Prüfung ablegen müssen), das stößt bei mir auch auf keinerlei Verständnis -und mit einer 2-jährigen Ausbildung incl. Psychiatrie und einem Therapieverfahren wäre ich persönlich wesentlich schneller und wahrscheinlich auch billiger weggekommen. Deshalb nick ich dazu mal.
Oooooo das Thema ist auch so manches mal meine Achillesferse:rolleyes:
Und sie meldet sich arg, wenn ich Menschen begegne, die die HPP Prüfung und dann nur ein paar Larifari Methoden absolviert haben, sich als kompetent erachten, und "Hand anlegen" wo sie lieber die Hände von lassen sollten...
Wo man ausser der Tatsache, dass sie die Prüfung geschafft haben, nirgends anders eine "Fachqualität" erkennen kann....Puh.
Letztens hatte ich jemanden zum Kartenlegen da, die wollte eine Kartenlegung zu einer bestimmten Frage, nämlich ob sie die HPP Ausbildung machen sollte :cool:
Ihrer Meinung nach wäre sie dafür sehr gut geeignet. Sie wüsste "schon so viel über die Psyche", wäre schon halb ein Psychologin, weil sie ganz viele Selbsterfahrungsbücher gelesen hat. Und dann reihten sich Büchertitel ein, von keine-Ahnung-sofort-vergessen.
Ich will nicht abstreiten, und kann es schon auch nachvollziehen, dass wenn man sich in dieser Art mit "Psychologie" beschäftigt hat, sich sehr wohl auch schon einige Zusammenhänge lichten können, dass die Begeisterung und das Interesse dafür wächst, und es in und zu dieser Richtung weiter geht....
Aber es bedarf weiterer wichtiger Voraussetzungen, um letztendlich auch therapeutisch zu arbeiten...
Insofern finde ich die Anforderungen die gestellt werden, um HPP sein zu können, auch nicht unbedingt ausreichend...
Denn mit nennen können von Fachbegriffen und Therapiemöglichkeiten, jemanden in Neurosen und Störungen einteilen zu können, ist es nicht getan.
Im törkischen gibts den Satz "Davon das man Honig sagt, wird der Mund nicht süss" (Auch wenn einem jedoch natürlich davon das Wasser im Mund zusammenlaufen kann) ;)
Piamia, bin also total und ganz noch dein Freund:D
Und dann gibts auch aus der HP Richtung leider viele, die es nicht anders machen. Die sind dann auch nach Einmal-Grundkursen psychologisch fachtherapeutisch unterwegs, neben all den selbsternannten psychologisch fundierten Heilern, Astrologen, Kartenlegern, Wahrsagern, und keine-Ahnung-was, die noch nicht mal DAS gemacht haben....
Ach, ich will mich gar nicht weiter darüber ärgern. Mag es selbst lieber anders machen. Punktist. Pfft.
Aber, um noch zur eigentlichen Frage zurückzukommen... Ich finde es sehr wichtig, dass Therapeuten Supervision in Anspruch nehmen.
LG
Maerchenhexe
25.06.09, 11:48
Sie wüsste "schon so viel über die Psyche", wäre......etc.
Ganz, ganz, ganz böse Falle!
Ich dachte das auch einmal - und wurde bereits im Grundkurs psychologische/r Berater/in eines Besseren belehrt. Mein lieber Mann, so viele Schuppen konnte ich gar nicht produzieren wie mir von den Augen fielen!
Und dann stellte ich fest, dass es auch in diesem Grundkurs Menschen gint, die nach wie vor von dieser irrigen Annahme keinen Deut abweichen!
Ich bin damals schwer "in mich gegangen". Und ich betrachtete den gelernten Stoff als bei weitem nicht ausreichend, um psychologisch auf Menschen einzuwirken.
Wobei das weitere Studium hochinteressant war, aber da fehlt dann die Praxis. Und die Praxis lernt keiner in Kursen, nicht auf der Uni, nur im "richtigen" Leben, denn es ist ein großer Unterschied, ob ich an einem Seminarteilnehmer therapiere oder an einem "richtigen" Patienten. Das Wissen wiederum kann auch keine Fortbildung vermitteln.
Jawoll, Frau Häggs, deshalb plädiere ich ja für eine Assistenzzeit.
Ich halte Supervision auch für ein MUSS (obwohl wir ja eigentlich nichts müssen!)... aber es macht definitiv SINN! Therapeuten, die nicht durch eine Eigentherapie gegangen sind... hm.... naja... hab mal gehört: Ich brauche keine Eigentherapie und Supervision... ich therapiere mich über die Therapie mit meinen Klienten... :eek: (HPP-Prüfung nicht bestanden)...
Wir soll ich Klienten glaubhaft übermitteln, dass Therapie was sinnvolles ist, wenn ich mich selbst scheue, eine zu machen??? Wir schreien danach, die Vorurteile abzubauen... also müssen wir auch selbst ohne Vorurteile herangehen... das fehlt mir bei vielen....
LG :)
Die Voraussetzungen, um nach HP / P therapieren zu können sind echt sehr niedrig... Egenverantwortung wird hier sehr groß geschrieben, aber nicht von allen praktiziert... schade eigentlich...woher sollen unsere Klienten wissen, wie unsere Qualität ist?
Jeder verdient den Therapeuten, den er bekommt? Wahrscheinlich is da was dran.... is es nicht auch so, dass wir die Klienten bekommen, die wir verdienen? :)
Haha, DAS ist gut, dreh den Satz rum und er stimmt immer noch...
Maerchenhexe
25.06.09, 14:38
Jawoll, Frau Häggs, deshalb plädiere ich ja für eine Assistenzzeit.
Tja, Frau Vipi, das scheitert aber an der mangelnde Kooperation. Es nützt nix, dem Patienten den Popo reinigen zu dürfen, mal was vorzulesen oder Lieder mit ihm zu singen, man müsste einen auch "ranlassen". Und das macht nun mal niemand. Jedenfalls hab ich noch nichts davon gehört.
Auch nicht von psychologischen Psychotherapeuten, die einem ein derartiges Praktikum ermöglichen. Wohl aber von Studenten/innen, die in Kindergärten das Verhalten der Kinder beobachten und, mal mehr mal weniger korrekt, die Eltern mit ihrem Zögling zur Therapie raten.
WAs die davon halten, erlebe ich im unmittelbaren Umfeld: NIX! Auch nicht bei ADHS! :eek:
Eigentlich hatte ich ja gehofft, das Thema HPP-Prüfungsjammer, -wertigkeit &Co. mal umgehen zu können.
Egal wie man nun zu seiner Therapieerlaubnis gekommen ist: Ist man der *bessere* Therapeut, wenn man selber therapiert wurde? Ist das etwas unumgängliches in diesem Beruf, oder ist jemand ohne eigene Therapieerfahrung genauso gut? Hebt die eigene Therapieerfahrung die Qualität bei der Arbeit?
Ja, haben sie. Zumindest gilt das für meine Person.
Nach meiner Analyse sehe ich vieles differenzierter und kann Dinge leichter mit Abstand betrachten
Ist man der *bessere* Therapeut, wenn man selber therapiert wurde?
Hebt die eigene Therapieerfahrung die Qualität bei der Arbeit?
Ja.
Liebe Grüße, Pia
Maerchenhexe
25.06.09, 17:58
Weiss nicht, da bin ich etwas zwiegespalten. Meine Therapie fand ich nun nicht so berückend, aber vielleicht kommt mir das im Nachhinein nur so vor. Eins aber ist sicher: man kann etwas viel besser beurteilen, wenn man es selbst erlebt hat.
Wanderdüne
05.07.09, 16:24
Hi, zusammen,
so eine spannende Diskussion! *auchmitmischenwill* ... darf ich?
Also, wenn ich mir meine Ausbildungszeit (Prozessorientierte Psychotherapie) anschaue, und mich daran erinnere, wie hilflos und blockiert ich da manches Mal vor einem Übungs(!)-Klienten saß, ... puh. Das (die eigenen Blockaden) merkt man erst, wenn eben die eigene Präsenz im Miteinander zum Tragen kommt. Gelesen und "verstanden" habe ich davor auch diverse Bücherstapel.
Dann zu begreifen, worum es wirklich geht, nämlich: Timing, Ohne-Lösung-da-sein-können, Ungewissheit über den Prozess trotz des Leidensdrucks beim Klienten erstmal selbst aushalten können, kurz: seine und meine Geschichten auseinanderhalten und dabei noch aufmerksam fürs "Jetzt" zu sein ... also, ich kam oft genug ins Schwitzen.
Vorteil dieser Erfahrung: Ich bin sehr viel vorsichtiger meinem "Wissen" gegenüber geworden. Im fühlbaren Prozess des Miteinander kommt da ganz schnell mehr an Eindrücken in mir an, als die Einfachheit konkreter "Interventionen" suggerieren möchte. Da "sauber" zu bleiben und zu arbeiten, statt dem Klienten "meins" aufzudrücken, das würde ich als Klientin sehr wohl von meinem Therapeuten erwarten. (Und geben können möchte ich es als Therapeutin ebenso.)
Ich stimme Euch wirklich zu, der HPP-Schein frisst Wahnsinnsplatz auf der inneren Festplatte (Auswendiglernen), ohne einen im geringsten auf den therapeutischen Prozess samt der Gefühle währenddessen vorzubereiten. Wichtig finde ich aber schon, "ernsthafte" Krankheitsbilder erkennen zu können um entsprechende Menschen schnellstmöglich der für sie u.U. lebenswichtigen Behandlung zuzuführen. Insofern ein TÜV für meinen Sachverstand. Weniger für die praktische Kompetenz.
Meine Ausbildung musste ich mir selbst finanzieren, was Ok ist und meine Motivation gebündelt hat. Anerkannt (Kassen-technisch) ist sie aber nicht. Umgekehrt habe ich von Ärztlichen Therapeuten gehört, die wohl einige blinde Flecken mit in die Therapie "eingebracht" haben, bis hin zur Umwerbung eines gegengeschlechtlichen Klienten. (Grusel.)
... um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen: Ich denke auch, dass es ohne Selbsterfahrung, besser noch eine durchlaufene eigene Therapie, kaum "geht", wirklich sauber arbeiten zu können. Zu schnell ist man sich "einig" mit einem Klienten (Verschmelzung), weil man gerade unbemerkt dieselbe Baustelle meidet oder mit denselben Scheuklappen "bearbeitet".
Kürzer ging's gerade nicht, mich berührt dieses Thema ziemlich. Traue mir momentan auch noch keine Klienten-Arbeit zu, eben weil ich um meine schnell verwischenden Grenzen weiß :)
Auch einen lieben Gruß an Euch!
Hallo Wanderdüne (was für ein toller Name!),
du hast das schön differenziert aufgedröselt ... DANKE... auch für den Filmtipp im anderen Thread!
Hast du schon einen Prüfungstermin im Auge? Schade, dass du so weit weg wohnst, du würdest bestimmt gut in unsere Lerngruppe passen!
Liebe Grüße schickt Pia
Wanderdüne
05.07.09, 23:05
Hallo, Pia / Assita,
ich habe mich gerade sehr über Deine Antwort auf meinen Beitrag gefreut. Danke!
Tja, mein Name. Ich bin in etwa so langsam und so gründlich wie eine Wanderdüne eben ist. Und unumkehrbar auch :p - Was ich einmal begriffen habe, lasse ich nicht wieder untergehen.
Ich finde übrigens den Hund auf Deinem Arm so niedlich ! - Mag Hunde total, vielleicht arbeite ich später mal mit einem Therapiehund, z.B. für eher ängstliche Menschen.
Ich möchte gern zum März 2010 die HPP-Prüfung machen. Und Du?
Vielleicht können wir uns hier irgendwo im Forum lerntechnisch zusammen tun, für bestimmte Knackpunkte. Das fände ich schön. Es gib ja schon einige Threads dazu, ich habe aber den genauen Überblick gerade nicht.
Ich sende Dir auch liebe Grüße zurück!
die Wanderdüne
Hallo Wanderdüne :) März 2010 habe ich auch angepeilt und für lerntechnischen Austausch hier im Forum bin ich immer gerne zu haben ... ich freu mich drauf!
Sita (eigentlich Assita - daher mein Nickname, denn "Pia" war schon vergeben) ist mein erster Hund und mal abgesehen von ihrem Jagdtrieb (den Eurasier ja offiziell gar nicht haben :D) wirklich eine "Seele von Hund" - ein wahres Goldstück!!
Die Idee von Therapiehund hatte ich auch schon, Sita ist instinktsicher, zudem sehr menschenbezogen, freundlich und zugewandt, aber unaufdringlich und gleichzeitig durch ihr "bäriges" Aussehen ein echter Sympathieträger...mit ihr wäre das evtl. umsetzbar ... Tiere können gerade im therap. Bereich wunderbare Brücken sein um in Kontakt zu kommen. Vor allem treten sie auf Ebenen in Beziehung, die den "verkopften" Menschen oft fern geworden sind ... das kann an sich schon heilsam sein.
Jetzt ist Sita 9 Monate alt und besucht in der Hundeschule den Junghundkurs :D mal sehen, wie sie sich weiter entwickelt - vielleicht mache ich nach der HPP-Prüfung tatsächlich einen Therapiehundekurs mit ihr.
Sei lieb gegrüßt von Pia und Sita :)
http://www.abload.de/img/port.16v98.jpg (http://www.abload.de/image.php?img=port.16v98.jpg)
Umgekehrt habe ich von Ärztlichen Therapeuten gehört, die wohl einige blinde Flecken mit in die Therapie "eingebracht" haben, bis hin zur Umwerbung eines gegengeschlechtlichen Klienten. (Grusel.)
Oh, da habe ich noch ganz andere Sachen gehört. Der psychologische Psychotherapeut einer Freundin hat ihr während der Therapie Unter(Reiz-)wäsche geschenkt, oder ein anderer psychologischer Psychotherapeut, der drei seiner Klientinnen geschwängert hat. Der praktiziert übrigens immer noch, und zwar am liebsten an Frauen. :D
Will damit sagen: Sowas gibt es (leider) unter allen Therapeuten: ärztlichen, psychologischen, physiotherapeutischen, usw.
Maerchenhexe
06.07.09, 12:59
Ich habe leider auch aus meinem Bekanntenkreis eigentlich NUR Schrott gehört.
Also, nun macht aber mal halblang..... schwarze Schafe gibt es überall, auch bei Lehrern, Pfarrern, Sozialarbeitern, Kindergärtnern, sicher auch bei HPs und HPPs usw. das ist schlimm!
Trotzdem muss man schon aufpassen, dass man einen kompletten Berufsstand nicht pauschal vorverurteilt.
Oh, da habe ich noch ganz andere Sachen gehört.
auch aus meinem Bekanntenkreis eigentlich NUR Schrott gehört.
Wenn ich mal von meinen Erfahrungen ausgehe, kann ich sagen, dass z.B. mein Mann seriös und verantwortungsbewusst arbeitet, das Gleiche möchte ich von unseren Bekannten / seinen Kollegen behaupten, ebenso kann ich Gutes berichten von meinen Vorgesetzten und Kollegen in der Beratungsstelle...meine persönlichen Erfahrungen als Klientin sind positiv.... und ich komme auch aus dem Stuttgarter Bereich.
Die schwarzen Schafe, die mit ihrem übergriffigen Verhalten nicht nur ihren Klienten, sondern auch ihren Kollegen schaden, müssen angezeigt und verurteilt werden, damit sie ihre Zulassung verlieren. Keine Ahnung, wie es möglich sein kann, dass ein Therapeut, der 3 Klientinnen geschwängert haben soll, weiterhin praktiziert.
Über das plötzliche "Bildzeitungsniveau" erstaunte Grüße von Pia
Maerchenhexe
06.07.09, 13:31
Ich möchte wissen, was eigene Erfahrungen mit einem auf den Verfasser projezierten Bildzeitungsniveau zu tun haben, liebe Assita? Klar gibt es unter allen Berufszweigen schwarze Schafe, ich sehe aber keinen Grund dafür, warum man sie in diesem Berufszweig unerwähnt lassen soll? Oder glaubst Du den hier aufgeführten Erfahrungen nicht? Jede Medaille hat zwei Seiten. Wenn in Kreisen von Ärzten und psych. Psychotherapeuten immer wieder vor Scharlatanen aus unserem Berufsfeld gesprochen wird sollte man nicht darüber hinwegsehen, dass es das auch bei akademischen Titelträgern gibt oder soll ein Titel vor so etwas als Garant einwandfreier Arbeit am Menschen stehen? Contenance svp.
Liebe Hexe,
von verschweigen wollen war überhaupt keine Rede, im Gegenteil
Die schwarzen Schafe, die mit ihrem übergriffigen Verhalten nicht nur ihren Klienten, sondern auch ihren Kollegen schaden, müssen angezeigt und verurteilt werden, damit sie ihre Zulassung verlieren.
Das Bildzeitungsniveau mache ich an der in meinen Augen leicht
reisserisch formulierten Darstellung von Gehörtem
Oh, da habe ich noch ganz andere Sachen gehört. Der psychologische Psychotherapeut einer Freundin hat ihr während der Therapie Unter(Reiz-)wäsche geschenkt, oder ein anderer psychologischer Psychotherapeut, der drei seiner Klientinnen geschwängert hat. Der praktiziert übrigens immer noch, und zwar am liebsten an Frauen fest ... und an Verallgemeinerung
leider auch aus meinem Bekanntenkreis eigentlich NUR Schrott gehört ... bin da auch ein bissl erschrocken, dachte nämlich, ich gehöre auch zu deinem Bekanntenkreis (zumindest zum virtuellen)....und von mir hast du doch noch nix
in der Richtung gehört.
Liebe Grüße, Pia
Ich gebe dir natürlich Recht: Übergriffigkeiten und Grenzüberschreitungen haben nichts mit dem Besitz oder Nichtbesitz von akademischen Titeln zu tun .... das habe ich aber auch nicht rüberbringen wollen.
Maerchenhexe
06.07.09, 14:08
Sicher ist "Hörensagen" immer mit Vorsicht zu genießen..."ich kenn da jemand, der hat einen Bruder, dessen Tochter"...etc. Unbestreitbar entstehen durch solche "Flüsterparolen" unwahre Geschichten.
Ich habe meinen Satz nur deshalb verkürzt "hingerotzt" weil ich eben nicht reißerische Geschihten erzählen wollte. Und die Geschichten von Menschen, die mir vertrauen setze ich auch nicht ins Internet.
... bin da auch ein bissl erschrocken, dachte nämlich, ich gehöre auch zu deinem Bekanntenkreis (zumindest zum virtuellen)....und von mir hast du doch noch nix
in der Richtung gehört.
DA muss ich wohl einmal weiter ausholen: ich habe keine Freunde, nur Bekannte und Verwandte. Wir beide kennen uns bei weitem nicht, da wirst Du mir doch zustimmen? Wir chatten, mailen, alles prima und gut, aber -sei mir nicht böse- das was ich unter "Bekannten" verstehe ist vielleicht das, was andere als "Freunde" bezeichnen. Das kann ich ja nun von uns beiden nicht sagen, acuh wenn wir uns gut verstehen und austauschen, wir kennen uns nichtmal telefonisch, geschweige denn persönlich! Virtuelle Bekanntschaft, okay- ja, da hast Du Recht. Nein, da habe ich von Dir nichts in dieser Richtung gehört.
Was wiederum, weil ja lediglich virtuell- das Gegenteil nicht ausschließen würde.
Ich wehre mich gegen die Polarisierung zwischen akademischen und nichtakademischen Fehlbehandlungen, die gibt es auf beiden Seiten. Im Gegenzug wird aber wesentlich öfter vor uns gewarnt und das kanns nicht sein.
Das hat mit einer volkpopulären Meinungsmache à la Bild überhaupt nichts zu tun und ich möchte bitteschön nicht auf sowas herabgewürdigt werden. Da sprüh ich nämlich Funken!! :D
Ein freundliches Hallo in die Runde,
können bitte diejenigen, die hier die Meinung vertreten, dass eigene (gründliche und fundierte) Psychotherapie-Erfahrung eines Therapeuten nicht nötig sei, hier darlegen, wieso sie psychotherapieren wollen? Also vor welchem Hintergrund sie die Ansicht vertreten, dass Psychotherapie eine wertvolle (auch kostspielige) Hilfe sei, wenn sie selbst der Meinung sind dass Therapeuten stets mehr oder weniger komplett unfähig seien?
???
Bittä???
Betrachtet Ihr Euch einfach mal unbesehen als besser und als absolut störungsfrei gesund? Also erhaben über Eure zukünftigen Klienten? Oder Ihr könnt alles alleine "heilen" und benötigt keine fremde Hilfe, seid also nochmal erhaben über den Rest der Szene, der halt Hilfe braucht???
Wie wollt Ihr wissen, wie es sich anfühlt, einem Therapeuten sich anzuvertrauen oder "auszuliefern", wenn Ihr diese Erfahrung scheut? Woher wollt Ihr wissen, wie sich eine heilsame oder nicht heilsame therapeutische Beziehung anfühlt? Was Übertragung und Gegenübertragung in der Praxis bedeuten? Was es braucht, damit sich etwas verändert (oder heilt) und welche Rolle die therapeutische Beziehung oder die Therapeutin und welche Rolle die METHODE spielen?
Mit etwas verwirrten herzlichen Grüßen
Juliane
Das Bildzeitungsniveau mache ich an der in meinen Augen leicht
reisserisch formulierten Darstellung von Gehörtem
Erstmal danke, dass du mein Niveau beurteilst. Aber diese zwei Fälle, von denen ich berichtet habe, kenne ich näher, nicht nur vom Hörensagen.
Aber, wenn wir uns schon auf das Niveau begeben dürfen, vielleicht könntest du dich ja nochmal von deinem Niveau auf meines herunterbegeben und folgenden Satz zu lesen:
Will damit sagen: Sowas gibt es (leider) unter allen Therapeuten: ärztlichen, psychologischen, physiotherapeutischen, usw.
Vielleicht nutzt es aber nichts im Bildzeitungsniveau hinzudeuten, dass ich mich auf einen vorherigen Beitrag bezog, denn offensichtlich ist das nichts, was man da oben in den höheren Sphären hören oder lesen möchte.
Maerchenhexe
06.07.09, 16:16
Betrachtet Ihr Euch einfach mal unbesehen als besser und als absolut störungsfrei gesund? Also erhaben über Eure zukünftigen Klienten? Oder Ihr könnt alles alleine "heilen" und benötigt keine fremde Hilfe, seid also nochmal erhaben über den Rest der Szene, der halt Hilfe braucht???
Kam sowas hier zum Ausdruck? Da guck ich dann mit verwirrt. :eek:
Und da wären wir ja auch wieder beim Thema- was sagen denn Kollegen, die eine Therapie gemacht haben? Ich hatte zuerst eine tiefenpsychologisch fundierte, später mal eine kognitive.
Was ich in beiden Fällen bemängele: keine der beiden Therapeutinnen sagte jemals was sie macht. Oder wofür das gut ist/sein soll. Das gibt's bei mir überhaupt nicht, denn für mich ist der Patient/Klient der/diejenige, die bestimmt was er/sie möchte.
Maerchenhexe
06.07.09, 16:19
Pardon: Patient/Klient heisst in meinem Falle Probandinnen. Ändert aber am Prinzip nichts.
Ich habe 4 Jahre Analyse gemacht und sehr darunter gelitten, dass mit der Analytikerin keine Diskussion drin war. Jedes Mal sagte sie mir, das gehöre zum Setting - was wohl nach Freud auch stimmt. Hinterher war ich zwar superschlau, geändert hatte sich aber nicht viel. Dann habe ich das in der Analyse gewonnene Wissen noch in 2 Jahren kog.VT verarbeitet und nun ist es gut, ich fühle mich stabil genug, um Andere zu behandeln, d.h.ich kann Situationen wirklich differenziert betrachten.
Liebe Hexe,
ich würde den Kontakt, der zwischen uns besteht für mich schon als (wie gesagt: virtuelle) Bekanntschaft sehen, das Wort kommt zwar von "Kennen" - aber wen kennt man schon, da wäre ich sogar bzgl. Freunden vorsichtig. Hin und wieder kenn ich mich nicht mal selbst :rolleyes::D Wüsste nicht, wie man so eine "Beziehung" sonst nennen könnte? Fremde sind wir ja irgendwie auch nicht mehr wirklich.....interessantes Thema, führt aber sicher hier zu weit und wurde ja auch schon mal bzgl. der Freundeliste im Forum diskutiert.
Liebe gtnrog,
ich habe nicht dein insgesamtes Niveau beurteilt, sondern
diese eine zitierte Textpassage - und Formulierungen sind mir schon wichtig - v.a. im therap. Bereich. Es ist mir auch nicht entgangen, dass du auf den Beitrag von Wanderdüne geantwortet hattest.
die wohl einige blinde Flecken mit in die Therapie "eingebracht" haben, bis hin zur Umwerbung eines gegengeschlechtlichen Klienten. - nur liest sich für mich dieser Satz differenzierter, weniger auf
Effekte (Reizunterwäsche, geschwängert...) gerichtet und auch Hintergründe beleuchtend (blinde Flecken). Das ist einfach mein Empfinden.
Julianes Fragen finde ich sehr anregend und bin gespannt auf die Antworten.
Ich kann gut nachvollziehen, dass Juliane manches in diesem Thread so
Betrachtet Ihr Euch einfach mal unbesehen als besser und als absolut störungsfrei gesund? Also erhaben über Eure zukünftigen Klienten? Oder Ihr könnt alles alleine "heilen" und benötigt keine fremde Hilfe, seid also nochmal erhaben über den Rest der Szene, der halt Hilfe braucht??? verstanden hat.
Aufgrund dieser Fragen / Formulierungen
Kurzum: Wie seht ihr das? Muss man - und ich sage bewusst muss und nicht kann - als Therapeut einen eigenen Therapeuten haben oder muss man als Therapeut eine eigene Therapie durchlaufen haben? Selbsterfahrungsanteile sind bei therapeutischen Ausbildungen ja durchaus dabei - häufig in Gruppenform, allerdings verstehe ich unter Therapie dann doch nochmal was anderes als unter Selbsterfahrung.
Egal wie man nun zu seiner Therapieerlaubnis gekommen ist: Ist man der *bessere* Therapeut, wenn man selber therapiert wurde? Ist das etwas unumgängliches in diesem Beruf, oder ist jemand ohne eigene Therapieerfahrung genauso gut? Hebt die eigene Therapieerfahrung die Qualität bei der Arbeit?
könnte man schon vermuten, dass die Autorin es anders sieht, zumal Anlass dieses Threads ja die Aussage des britischen Therapeuten war, welche in Frage gestellt / hinterfragt / überprüft werden sollte.
Hexe, die Krux am therap. Arbeiten ist oft die, dass Störungen viel mit dem "Verkopft sein" an sich zu tun haben. Hilfreich ist es dann, auf eine andere Ebene (ins Spüren) zu gelangen (z.B. auf die Körperebene oder die Symbolebene oder was auch immer), Erklärungen lenken wieder zurück ins "Hirnen" und könnten deshalb u.U. kontraproduktiv sein. Dass aber die kognitive Behandlung auch so gelaufen ist, wundert mich, da wird normalerweise schon viel erklärt :confused:
Vipi, alle Achtung .... 4 Jahre Freud'sche Analyse .. da braucht man schon viel Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz! Respekt!!
Ich nehm das Wort "Bildzeitungsniveau" als Beschreibung für das, was mich da angeweht hat, mal lieber wieder zurück und wünsche mir, dass wir alle unsere Giftzähne wieder einfahren :D
Liebe Grüße in die Runde, Pia
Ich habe viele Erfahrungen gemacht. Vom Analytiker Prof.Dr., der die Ohren auf Durchzug stellte, über einen, der am liebsten seine Weisheiten verkündete über junge Therapeutinnen, die ganz professionell ihr eigenes Selbstmitleid pflegten ... das war die Suche. irgendwann traf ich eine Therapeutin, mit der es wirklich gut war. Sie arbeitete tiefenpsychologisch fundiert mit einem großen Methodenmix, auch mit Verhaltenstherapeutischen Elementen usw. und mochte mich wirklich. Zwischen uns war wenig Distanz, wir waren auf Augenhöhe, ich durfte mit ihr diskutieren und immer erfahren, was sie denkt, musste zu jedem Schritt oder Verfahren meine aufgeklärte Einwiligung geben etc. Da machte ich 200 Stunden. Es gab viele heilsame Momente.
Mir sind alle Erfahrungen in dem Bereich als Grundlage wichtig. Die vielfältige Gruppenselbsterfahrung, Meditation, Kinesiologie usw.
Gute und schlechte Supervisioren. Das ERleben verschiedenster Verfahren und Methoden.
Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn einem die Therapeutin sämtliche im Prozess auftauchenden Übertragungen freundlich und geduldig gestattet.
Und: wo meine eigenen Grenzen, Stolpersteine, Empfindlichkeiten und so weiter sind. Wann ich Hilfe brauche oder Supervsion. Das Lernen hört nie auf, das Heilwerden auch nicht, die gegenseitige Hilfe auch nicht.
Maerchenhexe
06.07.09, 17:38
Ich nehm das Wort "Bildzeitungsniveau" als Beschreibung für das, was mich da angeweht hat, mal lieber wieder zurück und wünsche mir, dass wir alle unsere Giftzähne wieder einfahren
Jupp, ich will auch wieder Friede, Freude, Eierkuchen und schrei ganz laut nach meinem SCHÄFLEIN!! :D
Insgesamt gesehen kann ich das von Juliane:
Und: wo meine eigenen Grenzen, Stolpersteine, Empfindlichkeiten und so weiter sind. Wann ich Hilfe brauche oder Supervsion. Das Lernen hört nie auf, das Heilwerden auch nicht, die gegenseitige Hilfe auch nicht.
nur unterschreiben.
Und anstatt (jagut, ich wurde auch leicht grob, pardon!) zu gifteln und uns hier an irgendwelchen Spiegelungen oder Mißverständnissen oder Projektionen gegenseitig aufzureiben, sollten wir genau das machen, was Juliane schrieb und ich eben zitiert habe- und zwar auch uns gegenseitig helfen. Nicht jede/r ist in der glücklichen Lage von Kollegen/innen umgeben zu sein, also lasst uns dann wenigstens die virtuellen Bekanntschaftflossen reichen und soweit wie möglich an einem Strang ziehen. Dem kollegialen. Was natürlich nicht den ein oder anderen Disput ausschließen muss, Gewitter reinigt die Luft. :D
Wunderbar, sind wir also Freunde und darum ehrlich miteinander! Nur wahre Freunde sagen sich was sie wirklich denken! Dadurch lernen sie!
Meine Güte, was für ein harmoniesüchtiger Verein, schomma was von Konfrontationstherapie gehört??? Iss manchma echt supä!!!
Also ich persönlich finde es UNSÄGLICH, dass jemand Therapeut werden will (und es vielleicht sogar auch noch DARF), der nicht MINDESTENS 200 Stunden selber Therapie gemacht hat!!! Und über gute und schlechte Erfahrungen damit verfügt!!!
Und ausserdem habe ich das Bildzeitungsniveau auch herausgelesen - jetzt ists raus. Jawoll. Deswegen muss sich keine hier persönlich abgewertet fühlen, aber vielleicht ordentlich angeregt. Wir therapieren uns hier nicht gegenseitig, zumindest nicht Online, also dürfen wir doch hoffentlich auch geradeheraus sagen, was wir denken? Ohne Angst vor kollegialer Dekompensation? Darf man auch mal n büschn debattiern? Warum bitteschön nicht lustvoll kontrovers, auch mal polemisch? Bittä?
Einfach nur an der Sache orientiert bleiben und niemanden persönlich angreifen, dann klappt das schon.
Also: ich habe das Wort "Bildzeitungsniveau" als Beschreibung / Formulierung zurückgenommen, weil ich damit Hexe und gtnrog offensichtlich gekränkt habe.
Inhaltlich bleibe ich bei meiner Wahrnehmung und dem, was ich geschrieben habe.
Ich wollte damit nicht auf "Friede, Freude, Eierkuchen" machen, sondern einfach zu einer weniger persönlichen Diskussionsebene zurückfinden.
Das
Also ich persönlich finde es UNSÄGLICH, dass jemand Therapeut werden will (und es vielleicht sogar auch noch DARF), der nicht MINDESTENS 200 Stunden selber Therapie gemacht hat!!! Und über gute und schlechte Erfahrungen damit verfügt!!! unterschreibe ich sofort :)
Maerchenhexe
06.07.09, 18:10
Wie gut, dass ich keine Freunde habe. Und auch nicht beabsichtige, mir welche zuzulegen. :D
Ich finde es nicht schlimm, sich zu verständigen, egal ob kontrovers oder harmonisch, mir ist beides Hose wie Jacke. Allerdings bin ich kein Fan der Konfrontationstherapie und lehne das Spiel mit echten oder künstlich hervorgerufene Gefühle jeglicher coloeur ab. Die mir persönlich bekannten Menschen, die dieses Verfahren "erleben durften" (und auch ich selber) fühlten sich hinterhältig vera..... und nicht angenehm überrascht.
Das erwähnte Bild-Zeitungsniveau trägt auch nicht gerade zu produktiven Kontroversen bei. Wenn man selbst gewisse Ansprüche stellt und solche Vergleiche anstellt könnte man auch hier auf ein narzisstisches Defizit schließen. Könnte. Aber das wäre ja ähnlich effizient wie die Kiste mit dem Bildzeitungsniveau. Oder nicht angekündigte Konfrontationstherapie.
Um einmal zum Thema zurückzukommen: nein, ich finde nicht dass man unbedingt selbst 200 Stunden Therapie machen muss um therapieren zu "dürfen". Zumindest nicht auf der Schiene des selbst finanzierten HPP-Studiums.
Maerchenhexe
06.07.09, 18:29
Ach ja, mal n bissel klugsch...... weil für Anwärter hier bestimmt einige Mißverständnisse auftreten können: Konfrontationstherapie ist ein Teil der Verhaltenstherapie, der jedoch mit dem Patienten vorher besprochen wird - um ihn gegen einen Reiz resistent zu machen, z.B. bei Spinnenphobie.
Der Ansatz, durch Provokation Reaktionen zu erzeugen wird meist mißverstanden und sollte nicht unangekündigt praktiziert werden, hier eine Information:
http://www.provokativ.com/uberblick/was_ist_pt.html
Ich habe 4 Jahre Analyse gemacht
Ich auch. Und auch eine andere.
Rückblickend kann ich wirklich sagen, die Analyse war zwar hart, aber letztlich auch das, was mich unverblümt in meine innersten Tiefen gebracht hat, aus der ich dann stark, erdig und differenzierter hervor gegangen bin.
Für mich wäre ein Therapeut, der nicht selbst durch die Tiefen und Höhen einer Therapie gegangen ist, der nicht an sich selbst praktisch gearbeitet, oder arbeiten lassen hätte,...
wie ein Koch, der immer nur "theoretisch" gelernt und gelesen hätte...
und dessen Speisen ich nicht vorbehaltlos verdrücken würd (um es mal ganz einfach auszudrücken):cool:
So bin ich oft ganz interessiert hellhörig, wenn jemand der als Therapeut arbeiten möchte, selber nie eine Therapie gemacht hat, und meint, er bräuchte keine...;)
LG
trinity
Maerchenhexe
06.07.09, 19:59
Gut, soweit die Theorie zum Thema Eigentherapie.
Schreiten wir zur Praxis. Ich gehe einfach mal von meinem Werdegang aus.
1 Jahr Grundkurs Psychologie
2 Jahre Vorbereitungskurs HPP-Prüfung
2 Jahre Hypnoausbildung
Plus diverser Kurse, von den Büchern und den Hotelkosten mal ganz zu schweigen.
Halbes Jahr Psychoanalyse
2 Jahre Kognitive
Kosten wurden für erstere privat , zweitere teils privat, einige Stunden von der KK bezahlt.
Halbes Jahr Familientherapie
Zahlung privat.
Kosten dürften alle bekannt sein.
Ebenso die Therapiekosten laut GeBüh.
Nun sind wir aber noch nicht fertig, denn erwiesenermaßen zeitigt VT sehr gute Erfolge bei Phobien.
Gestalttherapie ist auch nicht verkehrt. Also noch mal 3 und 2 Jahre.
Von den Finanzen gar nicht zu reden. Und nun möchte ich gerne mal wissen, in welchem zeitlichen und finanziellen Rahmen ein HPP das realisiert. Und vor allem: Wieviele?
Die Prüfung beim GA kostet rund 500 Euro. Ich habe hier nicht nur einmal von Anwärtern gelesen, die sich nicht per Schule, mal egal ob Fern- oder Unterrichtsmodell, auf die Prüfung vorbereiten.
Ich glaube, die Forderung nach einer Eigentherapie ist in diesem Konsens absolut unrealistisch. Aber: wer davon überzeugt ist kann ja eine Unterschriftenaktion einleiten und eine Eingabe machen.
Man möge sich jedoch mal die Relation der Prüfungskosten zur Relation der Aus-und Weiterbildungskosten betrachten. DA korreliert in meinen Augen rein gar nichts.
Na was ist den hier los, kaum schaut man mal nicht hin gehts hier ab
ich möchte natürlich auch mitmischen und meinen "Senf dazu geben"
Die derzeit geltende Regelung für den HPP halte ich gelinde gesagt für eine Lachplatte. Man lernt ein paar Sprüche auswendig und darf nach bestandener Prüfung "therapieren", auch ohne fundierte Ausbildung in wenigstens einem Verfahren. Das ist gefährlich.
Also das ist ja dann wirklich etwas überzogen. Ich wundere mich wirklich warum ihr dann alle so lange Zeit braucht diese Sprüche auswendig zu lernen, und vor allem warum so viel Aufregung hinsichtlich der Prüfung besteht.
Ich kenne durchaus GA's die darauf achten was der Prüfling danach macht, wieviel Erfahrung er hat und ob er schon eine Eigentherapie durchlaufen hat
Andersrum ärgere ich mich daürber, dass ich die komplette Hypnoseausbildung für Ärzte habe, die bei denen als Zusatzverfahren anerkannt wird, dazu noch ein Zahnmedizinstudium, eine Lehranalyse, und dass dies nicht ausreicht, nein, ich muss diese Lachprüfung auch noch absolvieren
Liebe Vipi, Dein Ärger in allen Ehren, er berechtigt Dich aber nicht dazu fertigen HP's zu attestieren, sie hätten ein Lachprüfung abgelegt, Du befindest Dich in einem Forum dieser Lachprüfungsnummern, um was es Dir geht scheint ja ziemlich klar zu sein, Du möchtest offensichtlich Deine Patienten hypnotisieren und nicht therapieren, was jetzt Hypnoseausbildung und Zahnmedizinstudium und Lehranalyse, angeht:
DAS MACHT DICH NICHT ZUM QUALIFIZIERTEN THERAPEUTEN!
Damit bin ich schon beim eigentlichen Punkt: Ihr könnt eine Spitzenausbildung machen, jahrelang studieren, ob akademisch, nicht akademisch, völlig wurscht. Ihr könnt therapiert werden 200, 400 oder 600 Stunden. Meinetwegen ein Leben lang.
DAS MACHT EUCH AUCH NICHT ZUM QUALIFIZIERTEN THERAPEUTEN!
Das von dem ich spreche, kann man nicht lernen, es ist das Gefühl, das Gespür für den anderen. Das ich hier in diesem Thread, stellenweise ziemlich vermisse. Ihr Eigentherapieverfechter habt ja alles wunderbar lehrbuchtechnisch aufgedröselt, was mich jedoch sehr erstaunt ist, das wesentliche habt Ihr vergessen:
Die Begeisterung für den Beruf, das Gespür und die Liebe für Menschen. die Empathie!
Da könnt ihr lange Eigentherapie durchlaufen, das werdet Ihr dort nicht finden! Da könnt Ihr 93 fundierte Ausbildungen haben und jahrelang assistieren- das müsst Ihr schon mitbringen.
Darum braucht es meiner Meinung nach auch keine Neuregelung, der HP-Ausbildung:
Das Wichtigste kann man nämlich nicht regeln, deshalb sind auch eine ganze Reihe vorzüglich ausgebildete, supervidierte, eigentherapierte Psychotherapeuten, absolut schlechte Therapeuten!
Sie kennen zwar ihr Setting, halten sich auch strikt daran, haben ihre angelernten Symptome stets im Kopf, aber haben trotzdem keinen blassen Schimmer wie es dem Menschen, der vor ihnen sitzt geht.
Liebe Grüße Carolin
P.S. Trotz intensiver Suche konnte ich keinerlei Bildzeitungsniveau hier finden, es wurde von Entgleisung gesprochen, die mir in der einen oder anderen Weise auch schon begegnet sind.
Hallo, liebe Carolin,
ich stimme mit dir 100% überein: Gespür für die Menschen und Einfühlungsvermögen sind GANZ wichtige Voraussetzungen.
Ein wenig/nicht einfühlsamer Therapeut wird nie ein sehr guter Therapeut sein, aber mit genügend Selbsterfahrung kennt er seine Schwäche hoffentlich und macht seine Arbeit so gut er eben kann (besser wäre natürlich, so jemand würde einen anderen Beruf ergreifen). Ohne Selbsterfahrung ist ein wenig oder nicht einfühlsamer Therapeut jedoch sicher ein miserabler Therapeut.
Andersherum muss man aber auch aufpassen - Einfühlsamkeit alleine reicht halt auch nicht - es gibt viele einfühlsame Menschen (die z.B. evtl. Taxifahrer, Friseur, Barkeeper, Prostituierte oder sowas sind), das macht sie aber nicht selbstverständlich zu guten Therapeuten. Ein einfühlsamer Mensch, der seine "Leichen im Keller" nicht ahnt, kann auch viel Schaden anrichten. Hingegen ist ein einfühlsamer Therapeut, der seine eigenen Knackpunkte und blinde Flecken kennt, sicher ein wahrer Glückstreffer.
Ich gebe zu, ich habe da hohe Ansprüche - für mich steht der gute Therapeut auf vielen Beinen:
persönliche Eigenschaften (Einfühlsamkeit, Geduld, etc.) +
theoretisches Wissen (Studium oder HPP-Wissen) + praktische Ausbildung in einem oderer mehreren Therapieverfahren (Handwerkszeug) + Selbsterfahrung / Eigentherapie (in der Hoffnung auf Reflektiertheit) +
Fortbildungen (= in Bewegung bleiben) +Supervision (zum Reflektieren des eigenen Handelns und für die Psychohygiene).
Und dann sollte der Klient noch so einiges mitbringen:
Motivation, Leidensdruck, Flexibilität, Introspektionsvermögen, ausreichende Intelligenz etc....
...und wenn sich die beiden dann auch noch sympathisch sind, kann Therapie gelingen :D
Gute Nacht in die Runde, Pia
Ach übrigens: auch diplomierte Psychotherapeuten sind nach dem theoretischen Psych-Studium keinesfalls in der Lage, zu therapieren. Sie machen (natürlich auch auf eigene Kosten) Ausbildungen in Therapieverfahren zu denen selbstverständlich auch Selbsterfahrung / Eigentherapie gehört. Jedes Jahr wird zudem ein bestimmter Punktwert (bekommt man für Supervision - Intervision - Weiterbildung) verlangt.
Mal so in die Runde gefragt: wie könnte denn eine solche Regelung als "Selbstverpflichtung" für HPPs aussehen?
Liebe Grüße
Kai
Guten Morgen liebe Pia,
auch für mich persönlich gilt "Eigentherapie ist Pflicht", auch die Therapieausbildung, die ich anbiete, beinhaltet verpflichtend "Eigentherapie", ich würde jedoch nicht so weit gehen meinen therapeutischen Kollegen jedweder Coleur, diese meine Einstellung, als verpflichtend und notwendig in Form einer Regelung überzustülpen, so übermütig bin ich nicht.
Wir haben mit dem Heilpraktikergesetz in Deutschland eine wunderbare "Einrichtung", andere Länder haben das nicht. Es ermöglicht "begabten Quereinsteigern" psychotherapeutisch zu arbeiten.
Vorraussetzung um nach HPG zu "heilen", ist die Feststellung (vom GA), ob wir eine Gefahr für die Volksgesundheit sind, mehr nicht.
Dieser Umstand, den ich persönlich als Segen empfinde, ist für viele offensichtlich nicht so paradiesisch. Es wird nach Regelungen, Standards Pflichtveranstaltungen gerufen.
Ja kann der Mensch mit Freiheit nicht umgehen. Ich bin doch durchaus in der Lage, meine Standards für mich zu entwickeln (die in meinem Fall übrigens auch sehr hoch sind) und bin aber nicht der Meinung, dass meine Wertmaßstäbe automatisch für andere zu gelten haben. Ich verkneife es mir auch, mich über Kollegen auszulassen, die meine Wertmassstäbe nicht haben, ich kümmere mich lieber um meine eigene "Qualität".
Außerdem regelt sich das in unserem Falle, in den meisten Fällen von selbst. Ein Therapeut, der der Eigentherapie bedarf und sie nicht macht, der fällt gründlich auf die ....................., in den meisten Fällen sogar ohne viel Schaden anzurichten.
Außerdem habe ich nicht nur von Einfühlungsvermögen gesprochen, sondern auch von der Begeisterung für den Beruf, diese Begeisterung beinhaltet für mich natürlich auch Fortbildung und gegebenenfalls Eigentherapie, ich bin ja begeistert-sprich interessiert-und überzeugt das Therapie etwas bewirkt, also werde ich es auch für mich selbst anwenden.
Diese Begeisterung ist auch wichtig um in der freien Therapielandschaft überhaupt Fuß zu fassen, unsere Klienten sind überwiegend Selbstzahler, ein "Kassentherapeut", kann es sich schon leisten, wenig empathisch und begeistert zu sein (soll nicht bedeuten, dass es so ist), er wird immer Patienten haben, die Kasse zahlt es ja und wir haben ja therapeutische Unterversorgung.
Wer jetzt nach 200 Pflichtstunden, Assistenzzeit und Mindeststudienzeit ruft, der sollte meines Erachtens, einfach studieren, auch diese Möglichkeit haben wir in unserem Land, wir können uns hier bilden nach Herzenslust.
Wir sind doch alle Nutznießer des HPG, können aber ganz schlecht damit umgehen, dass wir eben keine "Diplomierten" sind, am Selbstbewußtsein und am sicheren Auftreten nach außen fehlt es in den meisten Fällen. Dann ruft der Deutsche nach Punkten und Zetteln, die ihm bestätigen, dass er gut ist.
Da denke ich etwas anders, wie Du sicher schon bemerkt hast, nicht zuletzt mit Hilfe der Eigentherapie :), habe ich erkannt, dass ich gut bin :), auch ohne Zettel und Gedöns, die mir das schriftlich attestieren.
Und dann sollte der Klient noch so einiges mitbringen:
Motivation, Leidensdruck, Flexibilität, Introspektionsvermögen, ausreichende Intelligenz etc...
Auch in diesem Punkt wirst Du Deine Einstellung, als freie Therapeutin, die Du ja auch noch werden wirst, etwas ändern, wir sind oftmals Kurzzeit-Therapeuten, oder Lebenshilfe wenn es brennt, oder nur mal Initialzündung, in diesem Fall muss der Klient, das alles was Du von ihm verlangst nicht mitbringen, wenn Du Dich auf so hohes Niveau begibst, wirst Du unter Umständen feststellen, das Du in Deiner Praxis ziemlich alleine bist, das geht ja noch an, aber das schlimme ist das der Bedarf an Therapie, bzw auch mal nur Hilfe, der ja durchaus vorhanden ist, nicht gedeckt wird.
Wir freien Therapeuten, sind meiner Meinung auch dazu da, die Lücken zu füllen, die durch den Mangel an "Kassentherapeuten" entsteht.
Ach übrigens: auch diplomierte Psychotherapeuten sind nach dem theoretischen Psych-Studium keinesfalls in der Lage, zu therapieren. Sie machen (natürlich auch auf eigene Kosten) Ausbildungen in Therapieverfahren zu denen selbstverständlich auch Selbsterfahrung / Eigentherapie gehört. Jedes Jahr wird zudem ein bestimmter Punktwert (bekommt man für Supervision - Intervision - Weiterbildung) verlangt.
06.07.09 21:51
Du stimmst mir sicher zu, wenn ich sage, dass ein Therapeut mit Kassenzulassung und dem dementsprechenden Stundensatz und Klientenaufkommen, auch durchaus reelle Chancen hat, diese Ausbildungskosten, wieder einzufahren, dann vergleiche einfach mal die Stundensätze nach Gebüh85 und das Klientenaufkommen eines HPP's mit dem eines Kassentherapeuten, dann wird Dir einiges klarer.
Ansonsten, wie bereits erwähnt, wer wirklich die gleichen Standards haben möchte, sollte sie sich gönnen, oder studieren.
lg Carolin
Guten Morgen,
ich hatte tatsächlich überlegt, ob ich noch im "hohen Alter" :D Psychologie studieren soll - aber damit ist es halt leider auch nicht getan, die Erlangung der Approbation (für Kassenzulassung) wäre dennoch viel zu aufwändig / nahezu unmöglich gewesen. Die Option des Studium sist auch nicht jedem offen, man braucht zumindest ein Abitur.
Und als Dipl.-Psychologe ohne Approbation muss man auch den HPP haben, um therapieren zu können, dann kann man's gleich über den HPP-Weg machen.
Hier für Interessierte mal ein paar rechtl. Hintergründe und z.B. auch Ausbildungsunterschiede der verschiedenen therap. arbeitenden Berufe. Interessant auch die Handhabung bzgl. der versch. Therap.verfahren in Österreich und der Schweiz.
http://de.wikipedia.org/wiki/Psychotherapie
Liebe Grüße, Pia
ich hatte tatsächlich überlegt, ob ich noch im "hohen Alter" Psychologie studieren soll - aber damit ist es halt leider auch nicht getan, die Erlangung der Approbation (für Kassenzulassung) wäre dennoch viel zu aufwändig / nahezu unmöglich gewesen. Die Option des Studium sist auch nicht jedem offen, man braucht zumindest ein Abitur.
Liebe Pia,
das Abitur, kann man in Deutschland auch in hohem Alter :) noch machen,
weil das Psychologiestudium zu aufwändig ist, sollte man jetzt nicht auf die Idee kommen den HPP zum Psychologiestudium "light" umzuwurschteln, wie gesagt meine Meinung.
Ich persönlich liebe die Freiheit, die uns das HPG gibt, ich komme sehr gut mit unserem Status zurecht und kann ihn auch sehr gut nach außen vertreten.
liebe Grüße Carolin
Maerchenhexe
07.07.09, 09:52
Das geht auch ohne Abitur, denn selbst ein Fachabi im Gesundheitsbereich reicht nicht für ein Studium aus. Nach den Bachelor/Master's-Richtlinien kann man bei der Fernuni Hagen nach Ablegung einer Eingangsprüfung studieren. Ich hatte die vor einer Weile angeschrieben und meine Vorbildungen angegeben.
Ich glaube, Pecora weiß da Näheres- zumindest mehr als ich, denn ich fange mit knapp 54 unter Garantie nicht an, mich bis 60 zum Master's zu quälen um mit 65 dann in Rente zu gehen, so ausgeprägt ist meine Profilneurose nun auch wieder nicht. :D
Guten Morgen in die Runde!
ich hatte mir auch immer wieder überlegt, Psychologie zu studieren und immer wieder habe ich davon Abstand genommen, zum einen weil ich es mir nicht leisten kann und zum anderen weil ich nicht den Eindruck hatte, dass dies Studium mich fachlich tatsächlich so viel weiter bringen würde. Liebe Carolin, Deine Gedanken zum Umgang mit der Freiheit finde ich sehr wichtig!!!
Die Kosten der anerkannten Ausbildungen sind enorm und für mich als alleinerziehende Mutter und Künstlerin nie tragbar gewesen. Dennoch habe ich viel gemacht. Die 200 Stunden Therapie wurde damals von der Kasse bezahlt, diese Möglichkeit besteht noch immer! Meine Kunsttherapie- StudentInnen von der KFH Freiburg haben ihre 200 Std. Eigentherapie auch über die Kasse gemacht. Und weil ich eben wenig Geld hatte, habe ich mir was einfallen lassen und mehr als einmal Therapeuten ausgesucht, bei denen ich lernen wollte, habe eine Gruppe und die Örtlichkeiten organisiert und dafür die Ausbildung umsonst gemacht. Dafür sind die wenigsten meiner Ausbildungen anerkannt, weshalb ich so froh bin um die Möglichkeit des HPP. Denn in meinen Augen zählt, was die Ausbildung betrifft, die Qualität, die Intensität und Integration der Selbsterfahrung, das, was man an eigenen Begriffen bilden konnte, die Erfahrungen mit der Gruppe, Intervision und kollegiale Supervision - kurz, das eigene Lernen. Dazu gehört auch die Begegnung mit verschiedenen Methoden und Therapeuten-Lehrern.
Dabei kann man auch erleben, dass es anerkannte Therapeuten-Lehrer gibt, denen es an vielem fehlt, was Carolin so schön "einfordert" - wie meinen Prof.Dr. Lehrananlytiker, der immer kurz nach der Begrüßung die Ohren auf Durchzug stellte oder einen anderen Prof. Dr. Lehranalytiker, den seine 13 Jahre andauernde Lehranalyse gelehrt hatte, wie er seine enorme narzisstische Störung äußerst erfolgreich einsetzen kann. Und so weiter. Ich persönlich bin also enorm dankbar für die Freiheit, die der HPP gewährt!!!
Es geht um Lernen, um das persönliche Wachstum, um eine Liebe und Leidenschaft für alle Fragen rund um das Menschsein, um was hilft, wodurch Heilung oder Lösung geschieht... dabei entwickelt sich ein eigener Stand, eine eigene Sprache, ein eigener Zugang und so weiter.
Freuen wir uns also an der Freiheit und erfinden wir Möglichkeiten der Fortbildung die wir finanziell tragen können und die dem entsprechen, was uns wirklich interessiert.
Einen schönen Tag wünscht Euch allen
JUliane
Liebe Carolin,
nicht das Studium finde ich in höherem Alter zu aufwändig, sondern die Erlangung der Kassenzulassung nach dem Studium.
Und ohne diese Zulassung nachher bringt das Psycho-Studium keinerlei Vorteile, wie Juliane ja auch schon geschrieben hat.
Ich mag die Freiheit des HPG auch v.a. in Bezug auf das Anwenden der verschiedensten Therapieformen. Ich bin überzeugt, dass du sehr verantwortungsbewusst dir und deinen Klienten gegenüber arbeitest, deine von dir weiter oben dargestellten Grundsätze und Ansprüche sprechen für sich. Wenn das HPG in diesem Sinne genutzt wird, bin ich voll einverstanden, keine Frage - aber nicht jeder geht eben so verantwortlich damit um.
Liebe Grüße, Pia
Ich möchte auch aus der HPP-Ausbildung gar kein Psychologie-light-Studium machen, das würde ja nur eine weitere Theoretisierung bedeuten, ganz im Gegenteil: ich plädiere für mehr Praxisorientierung und Aneignung von "Handwerkszeug".
Ein Psychologiestudium ist enttäuschend theoretisch - viel Statistik und für die Praxis unbrauchbarer Ballast.... was einen Dipl-Psych. zum Therapieren befähigt, bringt er zum einen persönlich mit und lernt es zum anderen parallel zum bzw. nach dem Studium.
Liebe Grüße, Pia
Hallo Juliane,
Also ich persönlich finde es UNSÄGLICH, dass jemand Therapeut werden will (und es vielleicht sogar auch noch DARF), der nicht MINDESTENS 200 Stunden selber Therapie gemacht hat!!! Und über gute und schlechte Erfahrungen damit verfügt!!!
Die 200 Stunden Therapie wurde damals von der Kasse bezahlt, diese Möglichkeit besteht noch immer!
Willst Du wirklich völlig im Ernst die Kosten Deiner Ausbildung zur HPP zu der Deiner Meinung nach dringend erforderlich 200 Stunden Eigentherapie gehört, der Solidargemeinschaft der Kassenmitglieder anlasten?
Desweiteren wird es Dir sehr schwer fallen, eine Kostenübernahme der GKV für 200 Stunden Therapie zu bekommen. Da mußt Du heutzutage wirklich eine dementsprechend schwere Störung aufweisen, um das durch zu drücken. Diese Störung jedoch wird Dich dann wiederum von der Ausübung des Berufes abhalten, um zur HPP-Prüfung zugelassen zu werden, musst Du per Attest nachweisen, dass du körperlich und psychisch in der Lage bist diesen Beruf auszuüben
Ich will jetzt wirklich nicht oberlehrerhaft sein, aber bitte informier Dich doch über die Bedingungen, die im Moment herrschen, auch das gehört zu dem von Dir angestrebten Beruf, Deine Patienten aufzuklären.
Bei der Vorstellung, dass ich "Deinen Kunsttherapie-Studentinnen", 200 Therapiestunden mitfinanziert habe, während ich meine Eigentherapie, stets selbst bezahlt habe, habe ich auch nicht gerade ein Lächeln im Gesicht.
Liebe Pia,
Wenn das HPG in diesem Sinne genutzt wird, bin ich voll einverstanden, keine Frage - aber nicht jeder geht eben so verantwortlich damit um
Liebe Pia
Freiheit ist keine Einbahnstraße, sie gilt auch für Andere. Was Freiheit wirklich nicht ist, ist anderen meine Wertmassstäbe aufdrücken zu wollen.
Die Einstellung ich verhalte mich korrekt und andere die sich nicht so verhalten wie ich sind dadurch automatisch inkorrekt ist auch nicht die gesündeste und auch nicht immer wahr.
Ich verstehe es wirklich nicht so ganz, auf der einen Seite begrüßen Juliane und Du die Freiheit sehr, auf der anderen Seite wollt ihr Regelungen, Juliane gleich noch auf Kosten von Menschen die so gar überhaupt nichts damit zu tun haben:)
Das ist die Crux mit der Freiheit, die meisten wollen sie für sich, es fällt ihnen aber sehr schwer sie anderen zuzugestehen. Dies tritt übrigens in allen Lebenslagen und Bedingungen auf, nicht nur im Beruf.
Ich für meinen Teil, denke ich habe jetzt genug klugg............ und pack jetzt die Oberlehrerin wieder ein.
liebe Grüße Carolin
Hallo Caroline,
über Freiheit mag ich jetzt gar nicht ausführlich philosophieren....deshalb nur kurz:
Wertmassstäbe und moralische Haltungen haben wir alle und oft drücken wir sie anderen auf, auch wenn wir das eigentlich "ganz schlimm" finden - zumindest unbewusst tun wir's - wir bewerten und werten ständig. Zum Beispiel auch so
Willst Du wirklich völlig im Ernst die Kosten Deiner Ausbildung zur HPP zu der Deiner Meinung nach dringend erforderlich 200 Stunden Eigentherapie gehört, der Solidargemeinschaft der Kassenmitglieder anlasten?
Da hört für dich (nachvollziehbar) Julianes "Freiheit" auf, weil sie auf Kosten anderer geht.... bei mir hört halt die Freiheit eines Therapeuten da auf, wo er aufgrund seiner (durch fehlende Eigentherapie) unbearbeiteten eigenen Problematik auf Kosten eines eh schon angeschlagenen Klienten agiert. Ist bestimmt auch nachvollziehbar.
Liebe Grüße, Pia
Liebe Assita,
ich will es jetzt eigentlich beenden, ich schätze Deine Meinung durchaus, ich bin auch Deiner Ansicht, dass Eigentherapie sinnvoll ist, jedoch wehre ich mich gegen Regelungen.
Zu Deinem Zitat:
Willst Du wirklich völlig im Ernst die Kosten Deiner Ausbildung zur HPP zu der Deiner Meinung nach dringend erforderlich 200 Stunden Eigentherapie gehört, der Solidargemeinschaft der Kassenmitglieder anlasten?
das hier ist Fakt, die Grundlage hierzu wurde wirklich so geäußert!
bei mir hört halt die Freiheit eines Therapeuten da auf, wo er aufgrund seiner (durch fehlende Eigentherapie) unbearbeiteten eigenen Problematik auf Kosten eines eh schon angeschlagenen Klienten agiert.
das hier ist eine in den Raum gestellte Vermutung.
Liebe Grüße
Hallo Carolin,
"meine" Kunsttherapie StudentInnen haben monatlich 300€ für ihr WOE Studium bezahlt, (davon habe ich sehr wenig gesehen, um es genau zu sagen 23,50 DM pro Stunde, Vorbereitung wurde nicht bezahlt.). Dazu haben sie aus ihrer Tasche etwa 100 Supervisionsstunden à 120 DM an die Prof. Dr. bezahlt plus Material, Fahrten... etc pp. Hinterher waren sie SozialarbeiterInnen oder HeilpädagogInnen mit einer Zusatzquali in Kunsttherapie. Wenn sie eine Anstellung fanden, wurden sie knapp über einer Erzieherin bezahlt. Davon kann man keine 200 Std. Eigentherapie bezahlen.
Ich konnte das bei meinem Salär auch nicht.
Im übrigen liegt meine lange Therapie 15 Jahre zurück - sollte es mir an dieser Stelle peinlich sein zuzugeben, dass ich sie für meine eigene Heilung brauchte? Habe ich mich damit in Deinen Augen disqualifiziert?
Kocht in Dir der Neid, weil Du meine Eigentherapie mitfinanziert hast oder diejenige "meiner" StudentInnen? Weil die sich jetzt zeitlebens ausbeuten lassen von der Solidargemeinschaft und sich dafür vorher ein wenig helfen ließen, um hoffentlich weniger schnell ein Burnout zu bekommen, was Du als Teil der Solidargemeinschaft ja wieder bezahlen müsstest? (ich übrigens auch, mich ärgern aber eher die Banker, Manager und BWLer mit ihrem faszinierenden Selbstwertgefühl)
Hast Du eine Ahnung, wie schlecht Kunsttherapeuten bezahlt werden, und das im Verhältnis zu den Kosten und der Dauer ihrer Ausbildung? Wie hoch die Verantwortung im Gegenzug dazu ist?
Mit herzlichen Grüßen
Juliane
Liebe Juliane,
also, ich wollte die Oberlehrerin ja eigentlich stecken lassen -
aber lies es dir einfach nochmal durch
Kocht in Dir der Neid, weil Du meine Eigentherapie mitfinanziert hast oder diejenige "meiner" StudentInnen? Weil die sich jetzt zeitlebens ausbeuten lassen von der Solidargemeinschaft und sich dafür vorher ein wenig helfen ließen, um hoffentlich weniger schnell ein Burnout zu bekommen, was Du als Teil der Solidargemeinschaft ja wieder bezahlen müsstest?
es tut mir leid: UNSACHLICH - ÜBERTRIEBEN EMOTIONAL
dein Vorschlag lautete;
die von Dir dringend geforderten 200 Eigentherapiestunden zum verantwortungsvollen ausüben des Berufes eines HPP von der Kasse finanzieren zu lassen, das finde ich fragwürdig.
200 Therapiestunden zum Zwecke der eigenen Heilung, sind für mich kein Problem.
Ich habe jetzt sicherheitshalber nochmal meine Postings durchgelesen, sie sind frei von jedweder perönlichen Beleidigung, was ich von Deiner Antwort nicht unbedingt behaupten kann. Darum möchte ich auch den Rest Deines Postings unkommentiert lassen.
Allerdings bestätigst Du mir meine Einschätzung, dass auch 200 Stunden Eigentherapie, einen Menschen nicht davor bewahren in Übertragung zu fallen und dieser auch noch freien Lauf zu lassen!
Hallo zusammen,
klar scheint mir, dass die Anzahl der Stunden "Eigentherapie" nur ein sehr unvollkommener Maßstab ist. Tatsächlich machen viele die Erfahrung, dass Therapieausbildungen, die leider eben auch recht teuer sind, in der Regel einen erheblichen Eigentherapieanteil enthalten, manchmal ohne dies an die große Glocke zu hängen. Das gilt vor allem für Gruppenverfahren.
Bei Einzelverfahren sollte meiner Ansicht nach ein therapeutisches Arbeiten im Einzelsetting zur Ausbildung dazu gehören. Es zeigt sich immer wieder, dass in manchen Gruppen ansonsten nicht genügend Vertrauen aufgebaut werden kann und das "Üben" bzw. die "Eigenerfahrung" sonst zu kurz kommen.
Die ursprüngliche Frage war ja, ob Therapeuten eine Therapeuten benötigen. Das möchte ich zumindest im Sinne von Supervision mit einem klaren "Ja" beantworten. Es gibt immer mal wieder Situationen, die uns an persönlche Grenzen führen. Dann ist es gut, eine Person des persönlcihen Vertrauens zu besuchen und dieses Thema zu bearbeiten. Damit dieses Vertrauen anhält scheint mir eine gewisse - nicht unbedingt starre - Regelhaftigkeit nützlich. Ich sehe das ähnlich wie Vorsorgeuntersuchungen, die man ja auch regelmäßig macht. Man nimmt sich Zeit und reflektiert einfach hin und wieder - vielleicht ein oder zwei mal pro Jahr - die eigene Situation. Falls sich bei einer dieser Vorsorgen etwas Interessantes zeigt, kann man dem nachgehen und das vertiefen. Wenn nicht, auch gut, dann kann es ja wie bisher weiter gehen.
Liebe Grüße
Kai
Hallo,
also jetzt möchte ich doch bitte auch mal meinen Senf dazu geben... :D
In meiner Ausbildung hat uns unsere Ausbilderin empfohlen, uns in Therapie zu begeben, weil JEDER Mensch sein Päckchen zu tragen hat! Wer in der Ausbildung beim Thema Freud gut aufgepasst hat und das Bewusste und Unbewusste verstanden hat weiß, dass man immer etwas mit sich herumträgt, was sich evtl. in der Gegenübertragung zeigen kann.
Es wurde uns immer nahegelegt, ein Selbsterfahrungswochenende oder etwas Vergleichbares zu nutzen. Beide Ausbilder gehen regelmäßig selbst zu solchen Veranstaltungen und nutzen dann auch Supervisionen. Die sind meiner Meinung auch sehr wichtig. Jeder sollte sich regelmäßig selbst reflektieren und auch sein Verhalten und seine Gefühle überdenken.
Ich kann da nur aus eigener Erfahrung sagen, dass es sehr wichtig ist. In unserem Kurs waren viele Leute, die selbst ein schweres Schicksal oder sonstige Probleme haben und vielleicht gerade deshalb die Ausbildung zum Psychologischen Berater bzw. HPP gemacht haben. Weil wir wissen, von was wir reden!
Vielleicht gelingt es mir deshalb auch so gut, mich in die Situation anderer rein zu versetzen. Ich bin auch kein unbeschriebenes Blatt... Ich bemühe mich, die Situationen und die Reaktionen zu verstehen, nur so kann ich dann helfen.
Noch zum Studium: Ich bin ja selbst an der Fernuni Hagen Studentin, allerdings habe ich mich nicht für Psychologie, sondern für Bildungswissenschaften entschieden, weil es besser zu meinem Lebenskontext passt. Ich hab mir aber trotzdem mal ein Probescript angesehen und war schockiert, wie lapidar man da die Abwehrmechanismen von Freud zusammengefasst hat. Bei mir im Ausbildungsscript war das wesentlich ausführlicher!!! :eek:
Vor allem die Statistik hat mich extrem abgeschreckt. Ich studiere doch nicht um fast 2/3 des Studiums nur mit höherer Mathematik zu verbringen, anstatt etwas über die Seele des Menschen zu lernen. Ich muss doch keinen neuen Intelligenztest entwickeln um ihn zu verstehen oder schöne Statistiken über die Häufigkeit irgendeiner Krankheit anfertigen, wenn ich diesen Menschen dann vor mir stehen habe. Da interessiert mich keine Statistik, ich muss diesem Menschen gerecht werden und ihm helfen!!!
Ich hatte da auch ein tolles Erlebnis mit Akademikern: Bei einer meiner Ausbildung wurde fast wie in der Sparkassen-Werbung (wer kennt die noch: mein Haus, mein Auto, mein Hund, meine Frau...) abgefragt, wer welche Ausbildung hat. Da ich kein Hochschulstudium vorzuzeigen hatte, hab ich mich vorher verdünnisiert. Nicht weil ich mich geschämt hätte, sondern weil es mir schlichtweg zu blöd war mich auf einen blöden Wisch reduzieren zu lassen. Es sind sicherlich nicht alle Akademiker gleich, aber bei vielen zählt man nur etwas, wenn man entsprechende Scheine vorzuzeigen hat. Selbst der Kinder- und Jugend-Therapeut, bei dem ich nur einmal war, hat mich ganz zum Schluss gefragt, wie ich denn mit den Kindern im Legasthenietraining arbeite. Es war dann auch nicht zu überhören, dass er nichts von meiner Vorgehensweise hält...
Also hab ich meine Tochter erst gar nicht zum nächsten Termin geschickt, sondern einen neue Therapeutin gesucht. Wenn ich dem Typ schon nicht ganz trau, überträgt sich das dann auf meine Tochter, bzw. er überträgt sein Misstrauen mir gegenüber auch auf meine Tochter. Meine Tochter war mir da wichtiger!!!
Liebe Grüße,
Conny
Was ist eigentlich aus unserer Fragestellerin geworden, die dieses heisse Thema initiiert hat?
Vor allem die Statistik hat mich extrem abgeschreckt. Ich studiere doch nicht um fast 2/3 des Studiums nur mit höherer Mathematik zu verbringen, anstatt etwas über die Seele des Menschen zu lernen. Ich muss doch keinen neuen Intelligenztest entwickeln um ihn zu verstehen oder schöne Statistiken über die Häufigkeit irgendeiner Krankheit anfertigen, wenn ich diesen Menschen dann vor mir stehen habe. Da interessiert mich keine Statistik, ich muss diesem Menschen gerecht werden und ihm helfen!!!
Genau! - darum beneide ich die Dipl.-Psychs auch nicht um ihr Diplom....es sagt nichts über die therap. Qualifikation aus.
Liebe Grüße, Pia
Hallo Zusammen!
Ich bin umbedingt der Meinung, das ein Therapeut auch einen eigenen Therapeuten braucht. Ich als Kinesiologin kann dies nur bestätigen.
Grund: Ich arbeite auf der seelischen Ebene mit den Patienten. Wenn ich mit einem Thema des Patienten konfrontiert werde, welches ich bei mir noch nicht bearbeitet habe, so reagiere ich mit Stress darauf. Das äußert sich bestenfalls in Unbehagen. Schlimmstenfalls werde ich nach geraumer Zeit, wenn dies jeden Tag passiert zum Wrack und kann nicht mehr. Sicher hat das jeder praktizierende Heilpraktiker oder Phsychotherapeut schon erlebt. Er fühlt sich müde und erschöpft -die Patienten haben seine Kraft geraubt (kann auch mangelder Schutz vor "Energieräubern" sein) Schwierige Themen in der Krankengeschichte oder in der momentanen Situation des Patienten lassen uns darauf reagieren.
Wir reagieren nicht, wenn wir regelmäßig eigene Seelenhygiene betreiben. Mit Energiearbeit wie Reiki, Meditieren, Lichtarbeit Homöopathie, Blütenessenzen oder Kinesiologie - meinetwegen auch Psychotherapie oder therapeutische Gespräche. Manchmal reicht ja auch ein Freund...
Ich beispielsweise bin seit 2 Jahren Kinesiologin. Habe während der Ausbildung und danach mindestens 1 x pro Monat Kontakt zu Kollegen, zum gegenseiten Stress ablösen. Und man findet immer wieder Themen.
Ich hatte schon die "heftigsten" Patienten mit den schrecklichsten Schicksalen und konnte ruhig mit Ihnen umgehen und anschließend entspannt meine Praxis verlassen.
Denkt nicht, das das ein Eingestehen von Schwäche oder ein Mangel ist, wenn man selbst die Hilfe von Kollegen braucht!
Liebe Grüße
svoigt
Das ist aber schön, dass Du in einem Thread der HPP's Psychotherapie zumindest in Erwägung ziehst:)
Hallo,
ob es gleich eine Therapie sein muss, dass muss jeder selbst für sich entscheiden, aber Selbsterfahrung ist auf jeden Fall für mich Bedingung für meine Arbeit!
Ich tausche mich auch regelmäßig mit einer lieben Kollegin aus und hab auch eine Bekannte, mit der ich öfters telefoniere und mich mit ihr treffe. Sie macht mit mir zusammen auch die HPP-Prüfung. Ich denke, solche Kontakte sind sehr wichtig, denn wenn man mal bei einem Patienten dann unsicher ist oder vielleicht mit der eigenen Methode nicht weiter kommt, kann ein "neutraler Dritter" vielleicht eine neue Richtung aufzeigen!
Wir haben ja auch eine Sorgfaltspflicht und in meinem Lehrbuch steht dabei dann in Klammer auch die Fortbildung. ;)
Liebe Grüße,
Conny
Maerchenhexe
05.10.09, 12:21
Ja Conny, das sehe ich ähnlich. Zu svoigt:
kann auch mangelnder Schutz vor "Energieräubern" sein
Diese, für mich etwas skurrilen Glaubenssätze sind mir bekannt, gehören aber nicht in eine psychotherapeutische Behandlung.
Belastet einen Therapeuten die Behandlung des Patienten, hat er entweder eine deutliche Eigenproblematik oder steht dem entsprechenden Störungsbild eventuell nicht mit der richtigen Behandlungsweise gegenüber. Es gibt einige Störbilder, die besonders belastend für den Behandler sind, insbesondere im Bereich der Persönlichkeitsstörungen. In so einem Fall gebe ich die Behandlung ab. Wenn man merkt, dass in einer Patienten-Therapeutenbeziehung "der Wurm" drin ist, bringt das nichts. Damit schadet man eher sich und nützt bestenfalls dem Patienten nicht.
Die angeführten Methoden gehören m.M. ins Aufgabengebiet der Geistheiler. Dazu braucht man auch keine Ausbildung als Heilpraktiker, egal ob „HumanHP“ oder Heilpraktiker/in (Psychotherapie)
Carola Seeler
14.10.09, 08:25
Hallo in die Runde,.
Ich habe 10 Jahre lang gelernt. Fing an damit, dass ich (bin Industriekauffrau und Betriebswirtin quasi von Geburt her:)) meinte, wieder lernen zu müssen und so an die Fernuni Hagen kam, um mich den Wirtschaftswissenschaften hinzugeben. Naja, wie Eraco hier im Forum schon anmerkt: sehr viel Mathematik. Mir leuchtete das vom ökonomischen Standpunkt her ein, ist es doch einfacher, mathematische Fragen abzuprüfen als „Verstehen“ (das gilt dann besonders für eine ohnehin empirische Wissenschaft wie die Psychologie). Irgendwann hatte ich dann genug wiederholt und mir bewiesen, dass ich, wenn ich will, die Integral- und Wahrscheinlichkeitsrechnung wenigstens kurzfristig in meinen Kopf bekommen, aber DIESES gar nicht will. Ergo, verließ ich die Uni nach 5 Jahren Teilzeitstudiums wieder. In der Zwischenzeit hatte ich mich von meinem Mann getrennt, der seit den späten 80ern als Heilpraktiker in eigener Praxis arbeitete. 10 Jahre hatte ich damit gelebt, mit Fallaufnahmen und der Erkundung der Homöopathie……..hier wollte ich nun für mich weiterlernen. Also habe ich einen Fernlehrgang mit Präsenzphasen belegt und mich in die Anatomie des Menschen eingelesen……auf diesem Weg – und noch einigen anderen Umwegen - kam ich zur Psyche, arglistig vernachlässigt m.E. in der allgemeinen HP-Arbeit . Ich machte das Tor auf und aus dem kleinen Bach, den ich zuerst sah, wurde ein ziemlich breiter Fluss bisher……..Was ich mit all dem sagen will: Ich glaube, dass man vieles auf vielen Wegen lernen kann. Und es ist gar faszinierend für mich, wie alles, was man so auf seinem Weg lernt und arbeitet, sich in den „neuen“ Weg einfügen kann, die Richtung evtl. abändert, die Art des Weges modifiziert (Feldweg oder Autobahn :)), aber letztlich den Weg ausmacht. Aber Arbeit heißt es, da beißt die Maus keinen Faden ab. Und Arbeit im Bereich Psychotherapie heißt deshalb auch für mich: Arbeit an sich selbst. Gespräche mit Freunden, Studienkollegen, jegliche spirituellen Erfahrungen – alles richtig und wichtig. Aber in meinen Augen nicht ausreichend. Wir müssen uns trauen, wenigstens einmal, professionell in unser Inneres zu schauen und mit dem zu arbeiten, was wir da finden.
Ich habe deshalb in diesem Sommer mit einer tiefenpsychologischen Therapie beim Arzt meines Vertrauens begonnnen. Und wenn ich auch zu Beginn gedacht habe: WAS in aller Götter Namen soll ich 25 Stunden lang erzählen?, mittlerweile frage ich mich: Werden die Stunden reichen? Ich habe viel gelernt bisher, über mich, aber auch über Zuhören und Reden lassen, über Deutungsmöglichkeiten und –grenzen. Ich habe am eigenen Leib erfahren, was „Verdrängen“ heißt oder Projektion/Übertragung……….und gestern konnte ich an eine erste Baustelle schreiben, dass sie bald für vorsichtige Begehung freigegeben wird.
Der Ansatz HPP sieht Eigentherapie nicht zwingend vor, was vielleicht auch richtig so ist. Selbstverpflichtend sollte m.E. jede/r, der therapeutisch arbeiten will, den Mut haben, sich sich selber zu stellen, bevor er anderen Leuten genau dabei helfen will. Wie er das macht, ist nun wieder eine andere Sache………
Liebe Grüße und nochmals allen Prüflingdn heute: Es wird schon!!
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