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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Grundständige Psychotherapieausbildung



gtnrog
18.12.06, 10:21
Hallo erstmal,

ich bin ganz neu hier im Forum und habe mich auch schon etwas umgesehen, leider aber keine Antwort auf meine Fragen gefunden.

Kurz zu mir: Ich bin Ende 30 und und habe eine Familie (2 Kinder), keine medizinische Vorbildung. Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich intensiver mit dem Thema Psychotherapie und habe für mich entdeckt, dass ich sehr gerne als Psychotherapeutin tätig wäre.

Nun habe ich mich bereits umfassend zur Ausbildung als HP für Psychotherapie informiert, da dies doch die einzige Möglichkeit für mich ist, in diesen Beruf einzusteigen. Nochmal Abi, Studium und dann PT-Ausbildung ist für mich einfach nicht drin.

Beim Gespräch mit der HP-Schule sprach ich auch die PT-Ausbildung an. Dort sagte man mir, dass die Schule selber nur auf die amtsärztliche Prüfung vorbereite, die PT-Ausbildung käme dann danach. Ich interessiere mich sehr für eine Ausbildung in der Gesprächspsychotherapie nach Rogers und war doch sehr erstaunt, als meine HP-Schule mir sagte, dort würde eine Ausbildung in GPT 3 Wochenendseminare (ca. 50 Std.) umfassten. Ein Blick auf die Seite der GwG (http://www.gwg-ev.org) zeigt aber, dass eine Ausbildung in personenzentrierter Beratung schon alleine 3 Jahre in Anspruch nimmt.

Ich habe mich daraufhin an die GwG gewandt, und hatte so das Gefühl, man würde mich auslachen, als ich von meinem Vorhaben erzählte. Mir ist ja schon bewusst, dass man normalerweise als Psychotherapeut etliche Jahre Studium vor sich hat, bevor man diese Laufbahn anstrebt, habe aber auch versucht darzustellen, warum ich diesen Weg nun einmal nicht mehr gehen kann. Man sagte mir nur, dass eventuell eine Zulassung zur Beraterausbildung möglich wäre, das müsse man dann nach einem persönlichen Gespräch sehen.

Nun bin ich etwas enttäuscht und desilliusioniert. Ich habe mich schon intensiv nach Fortbildungsmöglichkeiten für HP umgesehen, und kam dort immer wieder auf Kurse, die wenige Stunden bis evtl. mehrere Wochen dauern, egal welche Therapierichtung. Die meisten Kurse werden dann dementsprechend auch von Personen angeleitet, deren Ausbildung/Erfahrung nicht ganz klar zu sein scheint.

In einem Gespräch mit einer HPPT in eigener Praxis, die Gesprächspsychotherapie anbietet, kam heraus, dass sie das meiste durch eigene Anleitung und durch mehrere Kurse erlernt hat, dann in ehrenamtlichen Positionen gefestigt hat, bis sie ihre eigene Praxis eröffnete. Sie deutete noch an, dass evtl. Praktika hilfreich wären, schloss aber auch gleich aus, das in ihrer Praxis zu machen, da ihr dies im Moment nicht möglich sei.

Ich stehe nun wirklich etwas frustriert da. Auf der einen Seite wird man fast schon ausgelacht, wenn man ernsthaftes Interesse an einer ordentlichen Ausbildung hat, auf der anderen Seite gibt es aber keine ordentlichen Lehrgänge, die einen ernsthaft auf die praktische Arbeit mit Menschen vorbereiten.

Vielleicht aber sehe ich die Sache nur zu schwarz, und jemand hier kann mir weitere Informationen zur PT-Ausbildung zukommen lassen. Ich würde mich auch über einen allg. Erfahrungsaustausch sehr freuen.

Gruß,

Sonja

gila
18.12.06, 10:36
Liebe Sonja,

sei nicht frustriert und gib vor allen Dingen nicht auf.
Sieh es doch mal so. Wenn die vernuenftige Ausbildung 3 Jahre dauert, dann hast Du eine Chance, Deinen Wunsch zu erfuellen.
Laesst Du von ihm ab, dann hast Du mindestens die naechsten 3 Jahre vor Dir und denkst: " Haette ich doch bloss angefangen,die Zeit geht so schnell vorbei!"
Wenn Du wirklich von Deiner Entscheidung ueberzeugt bist, dann sollte Dich Nichts und Niemand aufhalten. Ausserdem ist eine gute Ausbildung, dass Wichtigste, was Du spaeter Deinen Patienten bieten kannst/musst.

Viel Glueck, Mut und Energie

Liebe Gruesse Gila

carhei
18.12.06, 17:20
Hi gtnrog!
Rogers ist wirklich nicht einfach, da sind drei Jahre locker drin. In 50 Stunden wirst Du höchstens die Grundlagen erfahren ohne jedoch jemals damit arbeiten zu können. rogers ist nicht nur eine Technik, seine Annahmen bassieren auf einem gewissen Weltbild und dazu kommt dann eben noch die Kommunikation.
Das Problem ist letztlich, wenn Du diese Technik nicht recht beherrschst werden Deine Klienten sich am Ende des Gesprächs oder auch mitten drin ziemlich auf den Arm genommen vorkommen.
Ich brauche in der Regel eine Arbeitswoche um zumindest die Grundlagen in einem Seminar zu vermitteln, dazu kommen noch entsprechende Trockenübungen etc., damit haben meine Schüler aber nur ein Basiswissen ohne die entsprechende Möglichkeit es auch nur ansatzweise anwenden zu können. Um das ganze umsetzen zu können habe ich 5 Jahre benötigt, dabei war ich aber psychiatrisch geschult und hatte tgl. Umgang mit Patienten und da habe ich so manchen Fehler gemacht (heute is mir das recht peinlich). Teile von Rogers findes Du aber auch in der Grundausbildung wieder, denn sie sind Teile eines jeden Gespräches.
Lass Dich nicht entmutigen, die für Dich passenden Modelle der Therapie / Kommunikationsmodelle wirst Du im laufe der Ausbildung / Vorbereitung, wirst Du finden, ob Du sie dann vertiefst musst Du dann entscheiden.
Mir geht es da so mit der Hypnose, ich beginne jetzt schon mal (ich bin der Ausbildung zum "kl." Heilpraktiker) ein paar Kurse zu belegen um zu sehen ob es etwas für mich ist....
Kopf hoch und durch ;-))

Liebe Grüße, carsten

gtnrog
18.12.06, 20:48
Gila und Carsten,

erstmal vielen Dank für eure Antworten.

Vielleicht muss ich zu meinem ersten Posting noch hinzufügen, dass es für die personenzentrierte Therapie zwei Ausbildungswege gibt: die des Beraters und die des Psychotherapeuten.

Letztere steht lt. GwG nur Ärzten, Psychologen, (Sozial)Pädagogen, Theologen und evtl. Lehrern offen.

Meine Anfrage beim GwG bezog sich auf die Psychotherapeutenausbildung, also auf die, die wohl nur für o.g. Berufsgruppen offen steht... was mich persönlich etwas irritiert. Wenn Lehrer und Theologen, warum nicht dann auch jemand, der sich ernsthaft mit der Psyche eines Menschen auseinandersetzen will, obwohl er kein solches Studium hinter sich gebracht hat? Aber egal.

Mir hat sich bisher das Bild geboten, dass man HPPTs eher nicht dazu in der Lage sieht, Psychotherapie durchzuführen. Daher ja auch das Angebot des GwG, dass ich evtl. eine Beraterausbildung durchführen könnte (was ich immer noch ehrlich in Betracht ziehe). Ich aber hatte bisher das Bild vom HPPT, der Psychotherapie in den ihm gesteckten Grenzen durchführen kann, ähnlich wie psychologische oder ärztliche PTs, und nicht in eine untergeordnete Beraterrolle gedrängt wird.

Was ist eure Meinung? Vielleicht irre ich mich ja auch nur gewaltig, vielleicht ist der HPPT doch eher in der Beraterrolle anzusiedeln.

Ich für meinen Teil suche nach ehrlichen, fundierten Ausbildungsmöglichkeiten in der Psychotherapie, und scheue auch nicht davor zurück, 5 oder 6 Jahre dafür zu investieren. (Nur eben den Weg über Abitur und Studium scheue ich, weil es hier nochmal locker 10-12 Jahre dauern könnte, bis ich da bin, wo ich hin will.)

Danke nochmals und Gruß,

Sonja

P.S.
Die Ausbildung zum personenzentrierten Berater ist sicherlich nicht die schlechteste Wahl, da sie immerhin dieselben Grundlagen vermittelt, die auch den Ärzten und Psychologen in der personenzentrierten PT-Ausbildung beigebracht werden. Man geht allerdings nicht gesondert nochmal die Krankheitsbilder durch und die Interventionsmöglichkeiten, was für mich natürlich von großem Interesse wäre.