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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Phytotherapie in Politik und Wirtschaft



rabenstein
03.12.06, 10:30
Angeregt durch den Bericht über Maca Klick (http://www.heilpraktiker-foren.de/forum/showthread.php?t=1021), möchte ich mal einige Punkte zum Nachdenken aufgreifen

Früher war die Kräuterheilkunde ganz einfach: Heilkundige Menschen gingen hinaus in die Natur um zu sammeln, was da so gewachsen ist.
Heute ist die Kräuterheilkunde ein gigantisches Geschäft. Riesige Anbauflächen, vor allem in den osteuropäischen Ländern und in Südamerika, dienen nur noch dem Anbau und der anschließenden Vermarktung von Heilkräutern.
Immer wieder erreichen uns Sensationsmeldungen über neu gefundene Pflanzen, die das Ende aller Krankheiten versprechen. Nur zu bereitwillig wird gekauft, was der Markt hergibt.
Aber welche Konsequenzen sind damit verbunden? Wer macht sich Gedanken um die Menschen, denen das Land gehört, auf dem die "Wunderpflanzen" wachsen, denen das Wissen um die oft uralten Heilkräfte gehört?

Eine hart an der Grenze der Legalität operierende wirtschaftliche Macht lässt Saatgut illegal aus den Erzeugerländern schmuggeln, um unter künstlichen Bedingungen Pflanzen "nachzubauen" und damit den Bauern in der ursprünglichen Region die Lebensgrundlage zu entziehen.

Umweltschutz und Resourcenerhalt ist in diesen Wirtschaftskreisen oft noch ein Fremdwort. Einge dieser "Wunderpflanzen" sind durch rücksichtlose Vermarktung bereits kurz vor dem Aussterben, andere sind bereits ausgestorben.
Wichtige Biotope werden einfach zerstört, um an das grüne Gold zu kommen. Es herrscht ein gnadenloser Wettkampf.

Nicht überall wo "Natur" draufsteht, ist auch "Natur" drin.

Da ich selbst in dieser Banche arbeite, habe ich einiges Insiderwissen.

Die Ausbeutung der Natur um den Preis des wirtschaftlichen Gewinns ohne Einbeziehung der ökologischen Gegebenheiten ist auch, oder vielleicht nur, Verbrauchersache.
Mit unserem Kaufverhalten können wir einiges beeinflussen.

Die Bezeichnung "Oeko" bedeutet bei Heilkräutern oder Nahrungsergänzungsmitteln nicht etwa den Anbau nach ökologischen Gesichtspunkten. Diese Bezeichnung bezieht sich auf die Art und den Umfang der Prüfung auf Pestizide, Herbizide, Schwermetalle usw. Die Herkunft der Rohstoffe wird dámit nicht erfasst.

Einzig die Bezeichnung K.I.A gibt Auskunft über die Einhaltung von Regeln des Anbaus (= kontrollierter integrativer Anbau)

Wenn wir alle beim Einkauf ein wenig darauf achten, können wir vielleicht etwas bewegen

Liebe Grüße

Inge

gila
03.12.06, 11:22
...........abgesehen von der Tatsache, dass z.B importiertes Saatgut, welches dann in Laboratorien und Treibhaeusern wachsen- und sich von einer ganz anderen Bodenbeschaffenheit ernaehren soll, kann man meiner Ansicht nach nicht erwarten, dasselbe " Pflanzen - Gedaechtnis " zu erzielen.

Es ist immer ein Zusammenspiel der Natur, welches eine bestimmte Richtung/Bewegung ergibt und es ist wieder mal eine Art der Arroganz sich einzubilden, dass wir den Erfolg in der Tasche haben, nur weil wir ueber Mittel verfuegen, die uns " scheinbar " die Herrschaft ueber sie erheben laesst.

In der Hildegard Medizin und auch in anderen Denkschulen, sehen wir immer wieder den Hinweis, dass alles was in einem Umfang von 1 Km um uns waechst, fuer uns eine " Medizin " sein koennte.

Ein Zusammenspiel von Wasser, Luft, Erdbeschaffenheit und Atmosphaere, lassen mich Eins werden, mit dem, was sich von den gleichen Elementen ernaehrt.

Natuerlich bin auch ich froh, dass andere Pflanzen in anderen Laendern, ihren Geist noch nicht aufgegeben haben, uns zu nutzen.
Es sollte an diesem Punkt noch viel mehr geforscht werden, aber dann mit dem Respekt fuer die Laender, der Erde , der Menschen und dem grossen Glueck, noch viele Erkenntnisse sammeln zu koennen.

Z.B benutze ich nur 1 gr. von der Pflanze, aus der ich ein
" Homoeopathisiertes - Phytotheratikum " herstelle ( auf 100 g Milchzucker )
damit ich nicht jedesmal die ganze Pflanze kaputt machen muss.


Liebe Gruesse Gila ;)

Hajo
16.06.07, 19:00
Das große Problem sehe ich darin, dass heute leider fast kein HP mehr in der Lage ist, durch die große Apotheke Gottes zu gehen um für seine Patienten die notwendigen Kräuter zu sammeln. Da wird es sicherlich echte Gründe für geben (z. B. Städter) - Andererseits sehe ich aber auch das große Problem bei den Patienten. Warum sich hinstellen und einen Heiltee zubereiten (und dabei ist es nicht damit getan, einfach heißes oder kochendes Wasser drüberzuschütten), der oft mit viel Arbeit verbunden ist? Leichter gleich zu einem Instant-Tee greifen oder noch einfacher, einfach eine Pille schlucken...

Als Hp sehe ich in meiner Praxis immer wieder die Schwierigkeit, Patienten dazu zu bewegen, dass z. B. eine Teezubereitung ein sehr wertvolles Therapeutikum darstellt. Hier habe ich die Erfahrung gemacht, dass Städter bei weitem weniger bereit sind, z. B. Tee zu trinken, als die Landbevölkerung. Auch besteht ein deutliches Süd-Nord-Gefälle.

Problematisch wird es auch, weil sicherlich viele Hp's zwar in der Theorie die Pflanzen kennen, in der Natur aber nicht zu finden wissen. Probleme kommen zukünftig auf die gesamte Heilpraktikerschaft zu, weil immer mehr Präparate vom Markt genommen werden. Viele Kollegen stehen dann buchstäblich mit leeren Händen vor ihren Patienten. Wer dann, wie früher die "Kräuterhexe" sammeln und abgeben kann, hat gewonnen. Das ist dann echte Naturheilkunde! Das macht garantiert kein Dr. med. nach!

Liebe Grüße Hajo

Sibylle
22.06.07, 20:43
Also ich würde ja schon durch die Landschaft gehen und Kräuter sammeln, aber mich hält einfach ab, das ich nicht weiß, welche Pestizide oder andere Gifte da vom Wind drauf geweht worden sind.
Ich habe einen Kräutergarten daheim, da hole ich mir dann die Kräuter, die ich auch privat zum heilen brauche. Nicht für die Praxis. Denn was meine Nachbarn spritzen weiß ich auch nicht genau.
Aber das meiste an Tees hole ich aus dem Reformhaus oder bestelle bei der Firma Stüber, Reutlingen. Die Kräutertees sind dort optimal frisch.
Liebe Grüße
Sibylle

sunshine
22.06.07, 20:48
Also, ich geh schon durch Wald und Wiesen und guck mal hier und da.

Nächste Woche ist übrigens Johannistag. Ist ein guter Tag um Johanniskraut zu sammeln.

Hab mich im Tag vertan. Ist schon am Sonntag!

PeterB
22.06.07, 21:13
Hallo zusammen
na da ist eine nette Diskussion entstanden...
Hajo macht sich mal strafbar nach dem AMG, das die Herstellung von Arzneimitteln durch nicht Befugte verbietet...
Sammeln ist eins, da muß man die Pflanzen kennen und auch die Natur. Für sich selbst ok, aber eben nicht für Patienten
Schönen Abend noch

Peter

Kim
22.06.07, 22:35
Möchte dazu noch was anderes sagen: Ich hab die Erfahrung gemacht, dass die Leute schier enttäuscht sind, wenn sie mit einem "einfachen" Mittel "geheilt" werden...
Ich setze gern auf alte Hausmittel. Und gebe dies als Tip weiter.

Kim

Hajo
23.06.07, 19:23
Hallo Peter, die Abgabe von selbstgesammelten Heilkräutern ist, wenn sie unentgeldlich geschieht, durch Heilpraktiker durchaus erlaubt. Oder versuche einmal, in einer Apotheke Margariten, Gänseblümchen und Co zu erhalten. Entweder wirst Du da für bekloppt erklärt oder in die nächste Gärtnerei geschickt! Viele Drogen bekommst Du definitiv nicht in der Apotheke. Außerdem gibt es Kräuterläden, die Einzeldrogen verkaufen und dabei ebenfalls nicht mit dem AMG in Konflikt geraten.

Liebe Grüße Hajo

Hajo
23.06.07, 19:25
Liebe Kim, vielen Menschen heute fehlt einfach das Wissen und der Glaube an die Dinge, die sie nicht kennen. Unter dem Motto, es kann nicht sein, was nicht sein darf, werden alte, teilweise jahrhunderte alte Mittel, einfach negativ bewertet und abgelehnt. Außerdem könnte der Nachbar auch lachen. Arme Menschheit - oder besser: arme Wohlstandsgesellschaft.

Liebe Grüße Hajo

Hajo
23.06.07, 19:28
Liebe Sibylle, als ich in Bayern lebte, bin ich regelmäßig sowohl in die Lech-Auen als auch in die Berge und habe von den Höhen die in Frage kommenden Drogen gesammelt. Allerdings liegt das mittlerweile auch schon über 20 Jahre zurück. Dabei habe ich - nebenbei - festgestellt, dass in der Tat, die Drogen der Berge eine deutlich stärkere Wirkung aufwiesen!

Heute ist es sehr schwer, Naturkräuter zu sammeln, da eben viele Pestizide verwendet werden. Hier in NRW sammel ich nur noch für mich, da meine Patienten hier nur sehr schwer Zugang zum Teetrinken finden. Und da ist mir die Mühe einfach zu schade.

Liebe Grüße Hajo

PeterB
23.06.07, 19:50
Möchte dazu noch was anderes sagen: Ich hab die Erfahrung gemacht, dass die Leute schier enttäuscht sind, wenn sie mit einem "einfachen" Mittel "geheilt" werden...
Ich setze gern auf alte Hausmittel. Und gebe dies als Tip weiter.

Kim

Hallo Kim
Ja die Erfahrung mach ich auch manchmal, wobei ich die Patienten dann schon ein bischen aus der Geschichte erzähle und meistens verändern sie Ihre Ansicht. Und bei Erfolg gibt es keine Diskussionen mehr.

@hajo
Schade daß Inge nicht mehr da ist, die könnte das aus dem ff beantworten...
Das AMG verbietet die Herstellung und läßt sich nicht über Kosten aus.
Und eine unentgeldliche Abgabe an Patienten ist die Herstellung eines Arzneimittels im Sinne des AMG
Kräuterläden verkaufen Kräuter ohne Zertifkat, dh ungeprüft und für keine medizinische Anwendung, sondern als Kosmetik, Lebensmittel oder Genußmittel.
Siehe die entsprechenden Gesetze, da kommst Du dann mit der Steuer in Konflikt. Die glaubt nämlich niemanden, daß er was zu verschenken hat. Womit sie meistens gar nicht so falsch liegt....

Schönen Abend
Liebe Grüße
Peter

Hajo
23.06.07, 20:40
Lieber Peter, vielen Dank für Deine sehr gutmeinenden Tipps! Grundsätzlich wirst Du Recht haben. Hier in Düsseldorf gibt es einen Kräuterladen, Hackenberg, dort waren bis vor ein paar Jahren zwei Heilpraktiker (Vater und Sohn), welche ausschließlich Einzeldrogen verkauften. Sogar patientenindividuell zusammenstellten. Haben sehr große Erfolge gehabt.

Bezüglich des Finanzamtes kann ich Dir versichern, dass, selbst wenn eine Prüfung vor Ort käme, keine nennenswerte Drogenmengen gefunden würde. Außerdem müsste nachgewiesen werden, dass auf Rechnungen sich irgendwo diesbezüglich ein Posten finden würde. Und, welcher Patient würde im Übrigen da mitmachen, bezahlen ja, Rechnung nein? Und wie gesagt, solche Mengen hätte ich gar nicht.

Liebe Grüße hajo

Sibylle
26.06.07, 17:18
Hallo Hajo,

kann ich mir gut vorstellen. Vermutlich waren die Leute in Bayern, dort wo dur warst, einfach noch naturverbundener.

Liebe Grüße
Sibylle