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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gedanken zur Selbstständigkeit..



carhei
21.11.06, 20:22
Hi,
bin noch neu hier, möchte aber mal kurz eure Meinung hören zu etwas was mich seit Beginn der Ausbildung "kl. Heilpraktiker" beschäftigt:
Seit dem ich angefangen habe das ganze per Studienbriefe zu lernen, beschäftigt mich der Gedanke in meinem Umfeld (Dorf / kleine Stadt) eine Praxis f. psychotherapie auf zu machen. Möchte mich auf Suchttherapie speziallisieren und dazu noch Kurse für Kommunikation und Rhetorik anbieten (Kurse oder Seminare) daneben auch noch Krisenberatung für Ehepaare / Familien etc.
Da ich aber eine Familie zu ernähren habe natürlich erst mal nebenher.

Zu meiner Person ist zu sagen das ich, wie sicherlich einige andere hier, Lehrer f. Pflegeberufe bin und als psychiatrie Fachpfleger 12 Jahre in der Psychotherapie und Suchtarbeit gearbeitet habe.
Heute unterrichte ich Psychiatrie und gebe bei meinem Arbeitgeber Seminare (je 1 Woche) für Kommunikation und Rhetorik, das ganze für Schüler der Pflege, Krankenhaus manager und Ausbilder. Daneben bin ich noch betrieblicher Suchtberater einer großen Klinik (die mir sogar meine derzeitige Ausbildung bezahlt hat..) und habe ehrenamtlich ein psychiatrischen Krisentelefon einer großen Stadt betreut...
Naja, hört sich alles toll an aber irgendwie will ich daraus später mal etwas machen, ein Traum währe eine Praxis...Hypnose Kurse habe ich belegt, fand ich für die Raucherentwöhnung gut...
Jetzt zur eigentlichen Frage: Ist es realsistisch an eine Praxis zu denken? Kann mir da durchaus auch eine Gemeinschaft vorstellen...will nur mal ein paar Meinungen hören...
Erst mal Danke!!
Gruß,
carhei

gila
21.11.06, 21:23
Lieber Carhei,

es waere meiner Ansicht nach, sehr unrealistisch, wenn Du nicht an eine Selbststaendigkeit denkst!

Bei Deiner Erfahrung, waere es eine Schande, das nicht in eine eigenstaendige Praxis umzusetzen.

Du bist voller praktischen Erfahrungswerte, die man nicht aus Buechern lernen kann und ich finde, dass Menschen wie Du, fast die Pflicht haben, dieses, nach bestem Wissen und Gewissen weiter zu geben.

Sicherlich ist der Einstieg in die Selbstaendigkeit mit vielen Huerden verbunden, aber ich hoere doch aus Deinem Beitrag, dass Du absolut fuer Teamarbeit offen bist. Das waere doch eine Chance, sich mit einem Kollegen/in, die Verantwortung-, finanzielle Belastung-, aber auch den Erfolg teilen zu koennen.

Du wuerdest eine wichtige Rolle uebernehmen, die bestimmt nicht leicht ist, aber da Du genug Erfahrung hast, weisst Du ja auch viel besser, was auf Dich zu kommen wuerde.

Ich wuerde Dir raten, diesen Gedanken zu verfolgen und ihn in die Realitaet umzusetzen.

Sei mutig und hoere auf Deine innere Stimme, die sich doch schon laengst entschieden hat. :)

Liebe Gruesse Gila

Spagyria
23.11.06, 22:20
Hallo Carhei,
ich finde es ist realistisch an eine Praxis zu denken, aber Deine eigentliche Frage war sicher, ob es eine gute Geschäftsidee ist? Du schreibst Du hast eine Familie zu versorgen, das ist ja dann der Knackpunkt.
Ich finde Du bist berufen dazu, nach allem wa Du schon gemacht hast, mit der Erfahrung kannst Du Menschen viel geben, nur bis sie Dir viel geben in Form von materiellem Ausgleich bleibt immer die Frage, da kann Dir niemand was raten, es bleibt Dein Risiko. Meine Freundin ist auch eine sehr gute HP seit 25 Jahren, aber sie hat immer wieder Zeiten, wo sie denkt als nächstes wäre es am Besten den Kitt aus den Fenstern zu essen.

Jam28
03.08.07, 11:27
Ja, ja, die Selbständigkeit....

Ich habe mich vor zwei Jahren selbständig gemacht. Nicht als HP, sondern erstmal als Lehrer für Gewaltprävention und Selbstverteidigung mit transaktionsanalytischer Grundlage, auf den ich jetzt noch den Psycho-HP draufsetzen möchte, um auch psychotherapeutische Einzelstunden anbieten zu können.

Ich empfinde die Selbständigkeit persönlich als sehr bereichernd, finanziell aber als sehr schwierig. Und ich fange an mir zu wünschen, jemand käme mit einer interessanten Nebentätigkeit um die Ecke, die genau meinen Fähigkeiten entspricht und mir gleichzeitig nicht zu viel Energie raubt, so dass ich in den verbleibenden Stunden weiterhin selbständig arbeiten kann. Aber ich denke, danach muss man schon aktiv suchen - und da kann man auch gleich weiterhin Auftragsakquise betreiben.... :-)

Aber ich würde auch gerne mal wissen: Wie gehen die selbständigen HPs in diesem Forum mit dem teilweise doch massiven finanziellen Druck um, der auf allen Selbständigen in den ersten Jahren lastet? Wie viele von Euch sind nur teilselbständig und was tut Ihr ansonsten, um die Zeit bis zum Praxis-Boom zu finanziell überbrücken? Ich habe mal eine Zeit lang im Lager einer Haribo-Spedition gearbeitet, aber die Erfahrung gemacht, dass man dort so unglaublich abstumpft und sich so sehr als Malocher fühlt, dass es sehr schwer ist, dann am Nachmittag noch pädagogisch zu arbeiten.

Wie geht es Euch damit?

LG
Björn aus Köln

Sybille
03.08.07, 12:32
tja, Björn, wenn man nicht gerade Sohn oder Tochter von Beruf ist, wird man nebenbei noch was anders machen müssen, zumindest am Anfang. Die meisten machen aber noch was nebenbei, die ich kenne, teilweise auch als Dozenten, vielleicht wäre das ja was für Dich?
Liebe Grüße
Sybille

Sybille
03.08.07, 12:40
Du könntest auch Kurse in der VHS und in Schulen anbieten................

Binchen
03.08.07, 12:41
Hallo Ihr lieben
Kleiner Erfahrungsbereicht aus einer anderen Branche

Mein Freund ist seit nunmehr vier Jahren selbstständig, mal besser mal schlechter.
Es gibt immer wieder Zeiten, an denen wir bangen müssen, die Miete nicht bezahlen zu können. Leider


Seiner aussage nach geht der Druck, der auf einem Lastet nie weg. Man nimmt ihn mit zu Bett und steht damit auf.
Man müsse lernen damit zu leben :(

LG BInchen

Jam28
03.08.07, 12:44
Hallo Simplyme,

Kurse in Schulen und VHS und weiteren Einrichtungen.... genau daraus besteht ja momentan schon meine Selbständigkeit. Das Problem ist, dass die Kurse sehr oft ausfallen, weil sich nicht genügend Teilnehmer finden. Damit lässt sich nichts Verlässliches aufbauen, leider. Ich glaube, es könnte viele Jahre dauern, bis es finanziell so richtig brummt.

Viele Grüße
Björn

Sybille
03.08.07, 12:45
Man sagt, so ca. 5 Jahre vorlaufzeit sind realistisch:confused:
Dann könnte es ohne Nebenjobs hinhauen

Hildegard
03.08.07, 12:54
Hallo Björn,

ich kann sie nachfühlen, deine Gedanken über die Selbstständigkeit. Ich bin jetzt seit Februar diesen Jahres selbstständig als PsychHP. Der "Druck" ist, wenn man sich mit Praxismiete verpflichtet, schon groß, denn irgendwie muss es ja reinkommen, daS Geld für die laufenden Kosten und natürlich auch ein bisserl mehr ...;)
Ich hab von Anfang an einen 400€ Job nebenher laufen lassen zur Selbstständigkeit, um immer den größten Teil der Kosten abgedeckt zu haben. Da es eine Tätigkeit in einer neurologisch/Psychiatrischen Praxis ist, ist es in gewisser Weise für mich zusätzliches Übungsfeld und bereichernd. Die Angst, dass plötzlich keine Klienten mehr kommen hab ich auch und jetzt in der Urlaubszeit, ist eh weniger zu tun...dann hat man halt auch sofort weniger Einnahmen.
Ich persönlich möchte nicht zurück in einen reinen Angestelltenjob, abgesehen davon dass ich auch einen 5 Jahresmietvertrag für meine Praxisräume unterschrieben habe, möchte ich auch die Freiheit so arbeiten zu können, wie ich es für richtig halte, nicht opfern. Aber das ist auch mutig wegen dem finanziellen Risiko. Ich überlege ständig, was ich denn noch dazulernen könnte, um es dann meinen Klienten auch als "Leistung" anbieten zu können. Ich denke der Erfolg des Selbstständigmachens im Bereich HP-Psych. hat auch was damit zu tun, herauszufinden, was der Klient braucht. Insofern bleibt man dran und lernt immer dazu:D...Ich mag das sehr nicht stehenzubleiben...

Viel Glück dir und du hast ja schon einige Professionen, die du mit integrieren kannst in eine selbstständige PsychHP- Praxis, das ist ein klarer Vorteil!

Liebe Grüße
Hildegard

Jam28
03.08.07, 13:25
Großes Lob an dieses Forum - es gibt immerzu neue Antworten! :)

Danke, Hildegard, für Deinen kleinen Erfahrungsbericht. Und auch Dir viel Erfolg bei Deiner Praxis! Wie viele Patienten konntest Du seit Februar in Deiner Praxis begrüßen? Ist es gut angelaufen?

LG
Björn

Hildegard
03.08.07, 13:43
Hallo Björn,

ehrlich gesagt, ich hab sie nicht gezählt, es ist nicht so, dass es unüberschaubar viele wären, ich schätze so 25 - 30. Ich sollte wirklich mal zählen:D:D Aber im Moment bin ich im Urlaub und habe keinen Zugriff zu meinen Praxisdaten von zuhause aus. Einige Klienten kommen schon seit Februar regelmäßig wöchentlich zur Psychotherapie, einige (Kinder) habe ich in einem Kurs 6 Wochen hintereinander gesehen und einige kommen zu meinem Sonderangebot 6x Entspannungstraining. Ich hatte noch nie einen Klienten, der nur einmal bei mir gewesen ist, fällt mir gerade auf ;) Ich denke die Praxis ist auch nach objektiven Maßstäben gut angelaufen und trägt sich schon mit allen anfallenden Kosten plus einen kleinen Obulus für mich :D aber ich wünsch mir, dass es noch mehr wird, ich fühle mich noch nicht ausgelastet :cool: Aber Spaß machen tut es ohne Ende, der interessanteste Job, den ich je gemacht habe.

Ich hoffe du wirst auch erfolgreich damit sein. Wie weit bsist du denn mit deiner Ausbildung? Hast du schon Prüfungstermin?

Liebe Grüße
Hildegard

Jam28
03.08.07, 15:27
Ich schätze, ich melde mich für Herbst 2008 an. Vorher schaffe ich es nicht. Ich bereite mich im Selbststudium darauf vor, neben meiner jetzigen Selbständigkeit ist das schon echt eine Aufgabe. Schön ist, dass ich die Lerninhalte direkt praktisch anwenden kann - also nicht in Form von direkter Psychotherapie, sondern in Form von Symptomexploration und Verhaltensbeobachtung meiner Schüler, verbunden mit persönlicher Beratung, die den meisten schon ganz gut weiterhilft, ohne dass man gleich aufdeckend oder therapeutisch arbeiten muss. Jedenfalls fällt es mir durch die Praxis leichter, die doch teilweise sehr trockenen Theoriekapitel durchzuarbeiten. Mein Vorwissen durch die TA-Ausbildung hilft ebenfalls weiter. Ich möchte wahrscheinlich erstmal keine Praxis gründen, sondern das, was ich jetzt schon tue, nämlich Gruppentrainings durchführen, ausbauen und durch Privatstunden ergänzen, die dann auch therapeutischen Inhalt haben dürfen. Dadurch halte ich die Kosten sehr gering. So, genug geplaudert... der Schreibtisch ruft.

Viele liebe Grüße
Björn

Hildegard
03.08.07, 17:07
Hallo Björn:),

ich finde du hast durch deine jetztigen praktischen Erfahrungen auch viele Vorteile, sowohl für die jetztigen Ausbildung zum PsychHP, als auch für die Arbeit nach bestandener Prüfung. Ich habe auch unmittelbar vor meiner Ausbildung zum HPP als Diplom-Sozialpädagogin in einem psychologischen Institut gearbeitet mit Kindern im Gruppentraining. Das war erstens eine gute Übungsmöglichkeit und zweitens eine damals erworbene Kompetenz, die ich jetzt in eigener Praxis auch anwende.(Wenn es dich interessiert kannst du auf meiner Homepage nachlesen, welche Gruppentrainings ich meine)

Ich habe übrigens auch im Selbststudium gelernt für die Prüfung, bin in keiner Schule gewesen und denke man kann den HPP durchaus auch ohne Schule schaffen, ganz bestimmt wenn man Vorerfahrungen im medizinisch-psychologisch oder pädagogischen Bereich hat. Das Lernen an sich muss man eh alleine machen und ich habs auch nicht eingesehen mehrere Tausend Euro auszugeben für eine Schule. Wenn man fleißig ist und den Lernstoff gründlich lernt, dann schafft man es beim ersten Mal. Ein großer Vorteil ist, wenn man schon nicht mehr so jung ist oder durch eine berufliche Vorerfahrung auch Sicherheit ausstrahlt. Ich hab den Eindruck, dann punktet man bei den Prüfern schon mal im Vorfeld. Und man muss natürlich auch ein bischen Glück haben und dankbare Fragen bekommen und dann reden, reden in der Prüfung... Aber du machst das schon nächstes Jahr!!:D Vielleicht sprechen("lesen") wir uns ja noch mal vorher.;)

Liebe Grüße
Hildegard

kapinnow
06.09.07, 07:38
Hallo Björn,
kleine Ergänzung zu Hildegard: Selbsterfahrung wird auch gern gesehen, da hast Du sicher durch Deine jetzige Arbeit Einiges zu bieten. Wie warst Du eigentlich auf Transaktionsanalyse gekommen?
Liebe Grüße
Kai

Jam28
06.09.07, 09:31
Hallo, Kai!

Ja, ich denke auch, dass ich meinen Weg schon machen werde. Ich habe unheimlich viele Ideen und manchmal Angst, nicht genug Zeit zu haben... :eek:

Mittlerweile hat sich auch das Problem des Nebenjobs gelöst, zumindest für 2008.

TA begleitet mich schon seit vielen Jahren. Ich war einst ein starker Stotterer, sowohl sprachlich als auch mental. Ich hatte alles an Sprach- und Psychotherapien ausprobiert, was der deutsche Markt zu bieten hat. Alles ohne Erfolg. Aber seitdem ich verstanden habe, dass es nicht um das Stottern selbst, sondern um eine Kombination aus sich gegenseitig stützenden Lebensskripts geht, fällt mir das alles wesentlich leichter. Ich habe dadurch großes Vertrauen in die Effektivität von TA gefunden - und vor allem in meine Fähigkeiten, mir selbst zu helfen. Die Selbsthilfe wird sehr unterschätzt, finde ich. Aber der Erfolg kam nicht alleine durch TA, sondern vor allem auch durch intensive Kampfkunst-Erfahrungen. Kognitive Erkenntnisse mit der körperlichen Auflösung des Muskelpanzers zu verbinden, ist bestimmt kein neuer Ansatz, aber als reiner Selbsthilfe-Akt doch sehr selten. Falls jemand hier mitliest, der Mitglied in der DGTA ist: Ich werde wahrscheinlich nächstes Jahr beim Bundeskongress in Schwerin einen Workshop über die Synthese von Kampfkunst und TA anbieten....

Liebe Grüße an alle
Björn